Qualcomm verdient an fast jedem Smartphone der Welt mit, auch an den Telefonen der Konkurrenz. Der Konzern kassiert eine Gebühr auf den vollen Gerätepreis, nicht nur auf den verbauten Chip. Ausgerechnet der wichtigste Kunde baut sich diese Abhängigkeit gerade selbst ab.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Qualcomm Geschäftsmodell hat im Sommer 2026 seine erste ernste Belastungsprobe erlebt. Zwischen April und Juni sackte der Umsatz mit Smartphone-Chips um ein Fünftel ab, weil Apple erstmals eigene Funkchips in seine Telefone einbaut. Trotzdem meldete der Konzern 8,5 Milliarden Euro Quartalsumsatz, abgefedert durch eine Lizenzsparte, die die wenigsten Käufer überhaupt kennen.
Das Wichtigste in Kürze
- Zwei Sparten, ein Hebel: Die Chip-Sparte QCT bringt rund 87 Prozent des Umsatzes, die kleine Lizenzsparte QTL nur 13 Prozent, dafür aber mit etwa 72 Prozent Vorsteuermarge.
- Maut auf den ganzen Preis: Die Patentgebühr bemisst sich am kompletten Verkaufspreis des Telefons, gedeckelt bei rund 344 Euro Gerätewert.
- Apple als Klumpenrisiko: Der lange wichtigste Kunde stand für etwa ein Fünftel des Umsatzes und ersetzt Qualcomms Funkchips bis rund 2027 durch eigene.
- Fabless als Prinzip: Qualcomm besitzt keine eigene Fabrik und lässt die Spitzenchips bei TSMC und Samsung fertigen, was Kapital spart und ein Klumpenrisiko schafft.
1 Worauf berechnet Qualcomm seine Patentlizenz für ein Smartphone? Aufklappen ↓
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2 Wie hoch war die Ergebnismarge der Lizenzsparte QTL zuletzt ungefähr? Aufklappen ↓
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3 Welcher Großkunde baut sich gerade aus der Abhängigkeit von Qualcomm heraus? Aufklappen ↓
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4 Warum scheiterte Qualcomms geplante Übernahme von NXP im Jahr 2018? Aufklappen ↓
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5 Wo lässt der fabless aufgestellte Konzern seine modernsten Chips fertigen? Aufklappen ↓
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Wer steckt hinter Qualcomm und wie fing alles an?
Hinter Qualcomm stehen sieben Ingenieure, die im Juli 1985 in San Diego mit reiner Auftrags-Forschung begannen und daraus ein Patentimperium formten. Angeführt wurde die Gruppe von Irwin Jacobs als Chef und Andrew Viterbi als Technikvorstand, zwei Nachrichtentechnikern, die zuvor schon die Firma Linkabit aufgebaut und verkauft hatten. Fünf der sieben Mitgründer kamen aus diesem Vorgängerunternehmen mit, darunter Harvey White und Klein Gilhousen. Der Firmenname verrät den ganzen Anspruch bereits im Wortlaut, denn Qualcomm setzt sich aus den englischen Begriffen für Qualitätskommunikation zusammen.
Die junge Firma verdiente ihr erstes Geld nicht mit Mobiltelefonen, die es Mitte der Achtziger kaum gab, sondern zunächst mit Forschungsaufträgen für Regierung und Verteidigung. Der erste echte Verkaufsschlager war ein Satellitensystem namens OmniTRACS, das ab 1988 Ortung und Nachrichtenübertragung an amerikanische Speditionen verkaufte, deren Lastwagen quer über den Kontinent fuhren. Für die Fahrer und die Disponenten in den Zentralen war das ein Fortschritt, weil sich ein Lkw erstmals jederzeit orten und erreichen ließ. Dieses nüchterne Logistikgeschäft finanzierte über Jahre die eigentliche, viel größere Wette der Gründer.
Diese Wette hieß CDMA, ein Funkverfahren, das viele Gespräche gleichzeitig über dieselbe Frequenz schickt und sie über individuelle Codes wieder trennt. Die etablierte Mobilfunkbranche hielt den Ansatz lange für theoretisch elegant, aber praktisch kaum beherrschbar, und setzte auf konkurrierende Techniken. Jacobs jedoch verwettete die Zukunft seiner Firma darauf, dass genau dieses Codeverfahren zum Fundament des Mobilfunks aufsteigen würde. Der Streit um den richtigen Standard wurde in den neunziger Jahren mit harten Bandagen geführt.
1991 ging Qualcomm an die Börse und tauschte das mühsam verdiente Logistikgeld gegen frisches Kapital vom Aktienmarkt ein. Mit diesem Geld baute der Konzern zunächst selbst Netztechnik, Basisstationen und sogar eigene Handys, um den skeptischen Netzbetreibern überhaupt zu beweisen, dass CDMA im Alltag funktioniert. Diese Hardware war teuer und kapitalintensiv, doch sie war das Eintrittsticket in einen Markt, den noch niemand für Qualcomm reserviert hatte. Der spätere Rückzug aus genau diesen Sparten war damals nicht absehbar, doch die entscheidende Weichenstellung zum reinen Technologielieferanten nahm hier ihren Anfang.
Der Aufstieg gelang, weil CDMA schließlich in die internationalen 3G-Standards einfloss und damit für einen großen Teil der Welt verbindlich wurde. 1999 schaffte es Qualcomm in die Liste der 500 umsatzstärksten US-Konzerne, und die Aktie gehörte am Ende des Jahrzehnts zu den größten Gewinnern der Technologiebörse. Aus dem kleinen Auftragsforscher von 1985 war binnen fünfzehn Jahren ein Schwergewicht der Mobilfunkbranche geworden.
Schon diese Gründungsphase zeigt das Muster, das den Konzern bis heute prägt. Qualcomm baut selten das sichtbare Massenprodukt, an dem am Ende der meiste Gewinn hängt, sondern besetzt die technische Grundlage darunter und lässt sich diese Grundlage von der ganzen Branche bezahlen. Aus dieser Logik heraus wurde aus einem Forschungsbüro ein Mautbetreiber des Mobilfunks, an dem kaum ein Gerätehersteller vorbeikommt.
Wie wurde aus einem Satellitendienst ein Halbleiter-Imperium?

Aus dem Nischenanbieter wurde ein Weltkonzern, als CDMA zur Grundlage des dritten Mobilfunk-Standards aufstieg und Qualcomm an praktisch jedem 3G-Gerät mitverdiente. Der Durchbruch kam nicht über ein einzelnes Produkt, sondern über eine technische Norm, in der Qualcomms Patente steckten. Sobald die Industrie CDMA in die 3G-Standards übernahm, war das Patentbündel des Konzerns für die halbe Mobilfunkwelt schlicht unverzichtbar. Jeder Hersteller, der ein modernes Handy bauen wollte, brauchte fortan einen Vertrag aus San Diego.
Mit diesem Hebel im Rücken traf der Konzern zu Beginn der 2000er Jahre eine radikale Entscheidung. Qualcomm verkaufte die kapitalintensive Fertigung von Endgeräten und Netzausrüstung und behielt nur die beiden margenstärksten Teile, das Chipdesign und die Patentlizenzen. Fortan verstand sich der Konzern als fabless, also als reiner Chipentwickler ohne eigene Werkshallen, der die Produktion an spezialisierte Auftragsfertiger auslagert. Wie profitabel dieses ausgelagerte Fertigungsmodell für den Produzenten selbst ist, zeigt das Geschäftsmodell des taiwanischen Auftragsfertigers TSMC, bei dem auch Qualcomm produzieren lässt.
Das verbliebene Chipgeschäft bekam 2007 seinen bis heute gültigen Markennamen. Unter Snapdragon bündelte Qualcomm Rechenkern, Grafik und Funkmodem auf einem einzigen Baustein und lieferte damit das Herz fast jedes hochwertigen Android-Telefons. Die Marke Snapdragon wurde binnen weniger Jahre zum Synonym für Spitzenleistung im Smartphone, ähnlich wie ein bekannter Motor eine Autoklasse definiert. In einem teuren Android-Flaggschiff steckte mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Snapdragon-Chip.
Der eigentliche Geniestreich lag in der Verbindung beider Standbeine zu einem selbstverstärkenden System. Weil Qualcomm die für den Mobilfunk unverzichtbaren Patente hielt, brauchte jeder Hersteller ohnehin einen Vertrag, und dieser Kontakt öffnete zugleich die Tür für den Verkauf der Snapdragon-Chips. Die Lizenzen schufen so die Kundenbeziehung, die das Chipgeschäft nutzte, und das Chipgeschäft wiederum lieferte das Argument, gleich das ganze Bündel aus einer Hand zu beziehen. Zwei getrennte Sparten wurden zu einer Maschine, die sich gegenseitig antrieb.
Parallel kaufte der Konzern gezielt Wissen zu, das ihm selbst fehlte. Der WLAN-Spezialist Atheros kam 2011 ins Haus, der Bluetooth- und Funkanbieter CSR im Jahr 2014, und beide erweiterten das drahtlose Portfolio über den reinen Mobilfunk hinaus. Die 2021 für rund 1,2 Milliarden Euro übernommene Firma Nuvia lieferte schließlich eigene Hochleistungs-Rechenkerne, die heute die Grundlage für Qualcomms Vorstoß in Notebooks und Autos bilden. Zuletzt kaufte der Konzern 2025 den britischen Chip-Spezialisten Alphawave für rund 2,1 Milliarden Euro, um in die Technik für Rechenzentren einzusteigen.
Nicht jeder Zukauf gelang, und die größten Ambitionen scheiterten spektakulär. Die geplante Übernahme des niederländischen Autochip-Riesen NXP für rund 38 Milliarden Euro platzte 2018 an der fehlenden Freigabe der chinesischen Aufsicht, was Qualcomm eine Abstandsgebühr von 1,7 Milliarden Euro kostete. Fast zeitgleich wehrte der Konzern eine feindliche Übernahme durch den Rivalen Broadcom ab, dessen Angebot zuletzt bei umgerechnet rund 104 Milliarden Euro lag und erst per Dekret des US-Präsidenten gestoppt wurde. Trotz dieser Turbulenzen stieg Qualcomm zu einem der wertvollsten Halbleiterentwickler der Welt auf.
Wie verdient Qualcomm tatsächlich sein Geld?

Qualcomm verdient sein Geld mit zwei sehr ungleichen Sparten: dem großen, aber zyklischen Chipgeschäft QCT und dem kleinen, extrem profitablen Lizenzgeschäft QTL. Im Geschäftsjahr 2025, das Ende September endete, setzte der Konzern insgesamt rund 38,1 Milliarden Euro um, ein Plus von fast 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Erst der genaue Blick in die beiden Sparten erklärt, woher die eigentliche Marge stammt und warum die Zahlen an der Oberfläche in die Irre führen.
Woher der Umsatz stammt
Die Chip-Sparte QCT brachte 2025 etwa 87 Prozent des Umsatzes, also rund 33 Milliarden Euro, und wuchs zweistellig. In ihr stecken die Snapdragon-Prozessoren für Handys, die Bausteine fürs Auto und die Chips fürs Internet der Dinge, wobei das Handygeschäft mit Abstand der größte Brocken bleibt. Im Schlussquartal des Geschäftsjahres 2025 entfielen von rund 8,4 Milliarden Euro Sparten-Umsatz etwa sechs Milliarden auf Handy-Chips, rund 1,5 Milliarden auf das Internet der Dinge und knapp eine Milliarde auf das Auto. Die Vorsteuermarge der ganzen Sparte lag zuletzt bei ordentlichen, aber nicht überragenden 29 Prozent.
Die Lizenzsparte QTL wirkt neben diesem Milliardengeschäft fast unscheinbar. Sie steuerte nur rund 4,8 Milliarden Euro oder 13 Prozent zum Umsatz bei und wuchs im Jahresvergleich kaum. Doch ihre Vorsteuermarge erreichte rund 72 Prozent, weil den Lizenzeinnahmen kaum laufende Kosten gegenüberstehen. Aus den 4,8 Milliarden Euro Umsatz wurden so etwa 3,5 Milliarden Euro Ergebnis vor Steuern, also fast reiner Gewinn.
Wo die versteckten Ströme fließen
Der eigentliche Trick des Modells steckt in der Bemessungsgrundlage der Lizenz. Qualcomm berechnet seine Patentgebühr nicht auf den Preis des verbauten Chips, sondern auf den Verkaufspreis des kompletten Telefons, gedeckelt bei einem Gerätewert von rund 344 Euro. Ein teures Flaggschiff für über tausend Euro bringt dem Konzern deshalb dieselbe Höchstgebühr wie ein Gerät, das genau diesen Deckelwert erreicht. Die Gebühr hängt also am Gesamtprodukt, an dem Qualcomm technisch nur einen kleinen Teil beisteuert.
Die Prozentsätze selbst wirken klein und summieren sich doch zu Milliarden. Für die reinen mobilfunkessenziellen Patente verlangt Qualcomm zwischen 2,275 und 3,25 Prozent des Gerätepreises, für den Zugriff auf das gesamte Portfolio steigen die Sätze auf 4 bis 5 Prozent. Weil mehr als 200 Hersteller diese Verträge unterschrieben haben, zahlt praktisch die gesamte Branche an einen einzigen Konzern, in vielen Fällen sogar für Geräte, in denen gar kein Qualcomm-Chip steckt. Historisch verknüpfte der Konzern beides eng, nach dem Grundsatz, dass es ohne Lizenzvertrag auch keine Chips gab.
Welche Sparte welche stützt
Aus dieser Asymmetrie ergibt sich eine klassische Quersubventionierung. Das margenschwächere, aber riesige Chipgeschäft sichert Qualcomm den ständigen Zugang zu jedem Gerätehersteller, das margenstarke Lizenzgeschäft verwandelt genau diese Marktstellung in fast reinen Gewinn. Die eine Sparte öffnet die Türen bei den Herstellern, die andere kassiert an der Schwelle die eigentliche Gebühr. Ohne die Chips fehlte der Hebel für die Lizenzen, ohne die Lizenzen fehlte der Löwenanteil des Gewinns.
Ganz ohne Datenlogik kommt selbst dieses hardwarenahe Modell nicht aus, auch wenn Qualcomm keine Nutzerdaten sammelt und verkauft wie eine Werbeplattform. Sein wertvollstes immaterielles Gut ist das Patentbündel aus rund 140.000 Schutzrechten und Anmeldungen, das jährlich neu angemeldet, gepflegt und vor Gericht verteidigt wird. Dieses Bündel taucht in keiner Bilanz mit seinem wahren Marktwert auf, ist aber der eigentliche Vermögenswert hinter der ganzen Lizenzmaschine.
Wie sich das Modell verschoben hat
In den vergangenen fünf Jahren hat sich das Gewicht spürbar verlagert. Das Autogeschäft wuchs 2025 um rund 36 Prozent, das Internet der Dinge um 22 Prozent, während das klassische Handygeschäft schwankte und im Geschäftsjahr 2026 sogar deutlich einbrach. Der Konzern arbeitet daran, weniger abhängig vom Smartphone zu sein, das ihn einst groß gemacht hat, und stattdessen auf mehreren Beinen zu stehen. Diese Verschiebung ist keine Kür, sondern die direkte Antwort auf den drohenden Verlust des größten Kunden.
Wie ernst der Umbau gemeint ist, zeigen die erklärten Ziele des Konzerns für das Geschäftsjahr 2029. Bis dahin will Qualcomm mehr als 34 Milliarden Euro Umsatz außerhalb des Smartphone-Geschäfts erwirtschaften, davon rund 8,6 Milliarden mit dem Auto, mehr als zwölf mit vernetzten Geräten und rund 13 mit Chips fürs Rechenzentrum. Damit soll das einst dominante Handygeschäft langfristig auf etwa ein Drittel der Chip-Erlöse schrumpfen. Ob dieser Plan aufgeht, ist die eigentliche Zukunftsfrage des ganzen Unternehmens.
Wie groß ist die Marktmacht von Qualcomm?

Qualcomm ist bei den Chips für teure Android-Smartphones und bei Premium-Modems weltweit führend, ohne dabei ein reiner Monopolist zu sein. Bei den Prozessoren für Oberklasse-Smartphones kam der Konzern nach Zahlen des Marktforschers Counterpoint zuletzt auf einen Anteil von rund 35 Prozent, hinter Apple mit 46 Prozent, das seine Chips aber ausschließlich in die eigenen Geräte einbaut. Rechnet man nur den offenen Zuliefermarkt, auf dem Hersteller ihre Chips einkaufen, statt sie selbst zu bauen, ist Qualcomm damit die klare Nummer eins.
Der schärfste Rivale kommt ebenfalls aus dem asiatischen Raum. MediaTek aus Taiwan dominiert die Mittelklasse mit hohen Stückzahlen und drängt mit seinen Dimensity-Chips zunehmend ins lukrative Premiumsegment, in dem Qualcomm bisher fast allein regierte. Samsung bestückt mit seinen eigenen Exynos-Prozessoren nur einen Teil der eigenen Galaxy-Geräte, und der einst gefährliche chinesische Anbieter HiSilicon wurde durch US-Sanktionen weit zurückgeworfen. Der Wettbewerb ist also real, konzentriert sich aber auf eine Handvoll globaler Akteure.
Rechnet man nur den offenen Markt für zugekaufte Chips, kommt Qualcomm auf einen Umsatzanteil von rund 32 Prozent und bleibt damit die unangefochtene Nummer eins unter den Zulieferern. Besonders stark ist die Stellung bei den Basisband-Modems der Oberklasse, jenem Bauteil, das ein Telefon überhaupt erst ins schnelle Mobilfunknetz bringt. Über das Smartphone hinaus versucht der Konzern, dieselbe Führungsrolle bei Chips für Datenbrillen und andere tragbare Geräte aufzubauen, einem Markt, der noch klein ist, aber schnell wachsen könnte.
Ihre eigentliche Macht bezieht Qualcomm jedoch weniger aus den Marktanteilen als aus dem Patentrecht. Jeder Hersteller eines modernen Mobilfunkgeräts kommt an den standardessenziellen Schutzrechten praktisch nicht vorbei und akzeptiert deshalb die Lizenzbedingungen, auch wenn er den Chip von einem Konkurrenten bezieht. Dieser Zwang wirkt wie ein Riegel, der die Wechselkosten in die Höhe treibt und die Kunden im System festhält. Ein Baseband-Modem der Spitzenklasse lässt sich zudem nicht einfach durch ein billigeres Bauteil ersetzen, ohne dass die Empfangsqualität leidet.
Wie belastbar diese Stellung ist, zeigen paradoxerweise die vielen Kartellverfahren gegen den Konzern. Behörden in China, Südkorea, Europa und den USA nahmen Qualcomms Lizenzpraxis über mehr als ein Jahrzehnt unter die Lupe, was ohne eine dominante Marktstellung gar nicht erst nötig gewesen wäre. Die Verfahren sind damit selbst ein indirekter Beleg für die Machtfrage, unabhängig davon, ob sie am Ende zu einer Strafe führten oder nicht.
Neuerdings weitet Qualcomm seine Reichweite bewusst über das Telefon hinaus aus. Mit den Snapdragon-X-Chips für Windows-Notebooks greift der Konzern den lange übermächtigen Prozessorriesen Intel im PC-Markt an, dessen eigenes Modell mit hauseigenen Fabriken zuletzt kräftig ins Wanken geraten ist. Im Auto sitzt Qualcomms Technik in immer mehr digitalen Cockpits, und im Rechenzentrum will der Konzern künftig mit KI-Chips mitmischen. Diese Ausdehnung soll die gefährliche Abhängigkeit vom Smartphone Stück für Stück verringern.
Wer ist bei Qualcomm eigentlich das Produkt?

Zur Kasse gebeten werden bei Qualcomm die Gerätehersteller, und zwar gleich doppelt: einmal für den Chip und einmal für die Patentlizenz. Ein Hersteller wie Samsung oder Xiaomi kauft den Snapdragon-Baustein zum Stückpreis und zahlt zusätzlich eine Gebühr auf den vollen Verkaufspreis seines fertigen Telefons. Diese Doppelbelastung ist im Rest der Zulieferbranche ausgesprochen ungewöhnlich, denn ein gewöhnlicher Chiplieferant verdient nur am Chip, nicht am Endprodukt seines Kunden.
Am Ende der Kette steht der Käufer des Smartphones, ohne dass er es je bemerkt. Die Lizenzgebühr wandert als stiller Kostenbestandteil in den Gerätepreis und wird so an den Endkunden weitergereicht, ohne je auf einer Rechnung aufzutauchen. Wer ein neues Android-Telefon kauft, entrichtet damit fast immer eine kleine Abgabe an einen Konzern aus San Diego, dessen Namen die meisten nur vom Startbildschirm ihres Geräts kennen. Der eigentliche Wertfluss bleibt für den Verbraucher vollständig unsichtbar, weil er in keiner Aufschlüsselung des Kaufpreises auftaucht und auch kein Hersteller ein Interesse daran hat, ihn offenzulegen.
Besonders bitter ist die Konstellation für Hersteller, die gar keinen Qualcomm-Chip verbauen. Auch sie zahlen die Patentlizenz, sofern ihre Geräte den Mobilfunkstandard nutzen, den Qualcomm über die Jahre mitgeprägt hat. So wird selbst ein direkter Wettbewerber im Chipgeschäft zum zahlenden Kunden des Lizenzgeschäfts, was die eigentliche Genialität und zugleich die Angriffsfläche des Modells ausmacht. Genau an diesem Punkt setzten die meisten Kartellklagen an.
Wie sehr ein einzelner Abnehmer eine ganze Bilanz prägen kann, zeigt der Blick auf Qualcomms größten Kunden. Apple stand über Jahre für rund ein Fünftel des Konzernumsatzes, und die verschachtelte Machtbeziehung zwischen beiden lässt sich am besten über das Geschäftsmodell von Apple nachvollziehen. Für Qualcomm war dieser eine Großkunde zugleich ein Segen und die spätere Achillesferse, denn kein anderer Abnehmer hatte die Mittel, sich aus der Abhängigkeit selbst zu befreien.
In der klassischen Frage, wer bei einem Geschäftsmodell eigentlich die Ware ist, nimmt Qualcomm eine ungewöhnliche Position ein. Anders als bei einer Werbeplattform ist hier nicht der Nutzer mit seinen Daten das Produkt, sondern die technische Unverzichtbarkeit selbst wird verkauft. Der Gerätehersteller liefert das sichtbare Produkt und die Marke, Qualcomm liefert die unsichtbare Grundlage und schöpft dafür einen festen Anteil des Endpreises ab. Die Wertschöpfung der Hersteller wird so an einer Stelle angezapft, an der sie sich kaum wehren können.
Aus Sicht der Gerätehersteller ist Qualcomm damit ein unbequemer, aber schwer ersetzbarer Partner. Sie brauchen die Chips und die Patente, ärgern sich aber seit Jahren über eine Preisgestaltung, die an den kompletten Gerätewert gekoppelt ist und nicht an den technischen Beitrag. Genau dieser Konflikt zwischen unverzichtbarer Technik und als unfair empfundener Gebühr hat über die Jahre eine ganze Reihe von Prozessen auf mehreren Kontinenten ausgelöst.
Was kostet Qualcomms Angebot wirklich, und wer trägt die Kosten?

Der wahre Preis eines Qualcomm-Bausteins setzt sich aus Fertigung, Forschung und der aufgeschlagenen Lizenz zusammen, und bezahlt wird er am Ende vom Käufer des Telefons. Weil Qualcomm keine eigenen Fabriken betreibt, bildet die Bezahlung der Auftragsfertiger den größten externen Kostenblock des Chipgeschäfts. Jede neue Chipgeneration in feinerer Fertigungstechnik verteuert diesen Posten weiter, weil moderne Halbleiterwerke Milliarden kosten und ihre Betreiber diese Kosten an Kunden wie Qualcomm weitergeben.
Ein zweiter großer Block ist die Forschung, die das ganze Modell überhaupt erst speist. Qualcomm steckt jedes Jahr Milliarden in die Entwicklung neuer Funktechnik und in die Anmeldung von Patenten, aus denen später die margenstarken Lizenzeinnahmen fließen. Diese Vorleistung ist teuer und riskant, sichert aber genau jene Schutzrechte, ohne die die Lizenzsparte gar nicht existieren würde. Forschung ist bei Qualcomm keine Kür, sondern der Rohstoff des eigentlichen Geschäfts.
Der auffälligste Posten aber ist die Lizenz selbst, die anders als bei jedem gewöhnlichen Zulieferer nicht am Bauteil hängt, sondern am ganzen Gerät. Die folgende Grafik zeigt, wie Qualcomm diese Gebühr bemisst und wo der Deckel greift.
Die untenstehende Übersicht fasst die einzelnen Kostenbestandteile zusammen und zeigt, wer an welchem Posten verdient.
| Kostenbestandteil | Wer profitiert | Grobe Einordnung |
|---|---|---|
| Chipfertigung | TSMC, Samsung, Speicherhersteller | größter externer Block, steigt mit jeder feineren Fertigung |
| Forschung und Entwicklung | Qualcomm-Ingenieure | speist das Patentbündel aus rund 140.000 Schutzrechten |
| Patentlizenz | Qualcomm, Aktionäre | Gebühr auf den vollen Gerätepreis, rund 72 Prozent Marge |
| Marge auf den Chip | Qualcomm, Aktionäre | Vorsteuermarge der Chip-Sparte rund 29 Prozent |
Auffällig ist, wer diese Kosten am Ende wirklich schultert. Die Gerätehersteller reichen sowohl den Chippreis als auch die Lizenzgebühr in den Verkaufspreis weiter, sodass der Verbraucher beide Posten bezahlt, ohne sie je getrennt ausgewiesen zu sehen. Qualcomm selbst schultert vor allem das teure Entwicklungsrisiko und die Abhängigkeit von den Fertigungspartnern, nicht aber die enormen Kapitalkosten einer eigenen Fabrik. Der stille Vorteil des fabless-Modells liegt genau in diesem Punkt.
Der Deckel bei rund 344 Euro Gerätewert wirkt dabei sozial ungleich. Er entlastet die Käufer teurer Flaggschiffe spürbar, weil deren Gebühr eben nicht mit dem hohen Preis mitwächst, während er auf einem günstigen Telefon anteilig stärker durchschlägt. Damit belastet die Patentmaut die breite Mittelklasse relativ am stärksten, während die Premiumkäufer vergleichsweise glimpflich davonkommen.
Wer profitiert und wer zahlt drauf?

Am Qualcomm-Modell profitieren vor allem die Aktionäre und die Lizenzsparte, während Gerätehersteller unter Preisdruck und verdrängte Wettbewerber draufzahlen. Die Gewinnverteilung folgt klar der Marge, und die mit Abstand höchste Marge liegt im Lizenzgeschäft. Die Anteilseigner verdienen damit an einem Geschäft, das kaum laufende Kosten verursacht und dessen Erträge Jahr für Jahr fast unverändert fließen.
Auf der anderen Seite stehen die Handyhersteller, die die Doppelbelastung aus Chip und Lizenz schlucken müssen. Kleinere Anbieter ohne eigene Verhandlungsmacht zahlen die vollen Standardsätze, während große Kunden wie Apple über Jahre vor Gericht um bessere Konditionen kämpften und am Ende einen Vergleich schlossen. Der Preisdruck aus der Lizenzmaut trifft damit vor allem die Schwächeren, die sich einen jahrelangen Rechtsstreit schlicht nicht leisten können.
Die folgende Übersicht stellt Gewinner und Verlierer des Modells einander gegenüber.
| Gewinner | Verlierer |
|---|---|
| Aktionäre und Top-Management | Gerätehersteller unter Lizenzdruck |
| Die margenstarke Lizenzsparte QTL | Kleine Anbieter ohne Verhandlungsmacht |
| Auftragsfertiger wie TSMC und Samsung | Verdrängte Modem-Wettbewerber |
| Käufer teurer Flaggschiffe durch den Deckel | Käufer von Mittelklasse-Telefonen |
Ein eigener Verlierer sind die verdrängten Wettbewerber im Modemgeschäft. Qualcomm kassierte 2019 eine EU-Strafe, weil es Chips gezielt unter den Kosten verkaufte, um den kleineren Rivalen Icera aus dem Markt zu drängen, und diese Strafe hielt 2024 vor dem EU-Gericht in ihrem Kern stand. Der Verdrängungswettbewerb zeigt, wie hart der Konzern seine Stellung im hart umkämpften Modemgeschäft auch mit aggressiven Mitteln verteidigt.
Qualcomm hat aus einem Bündel Funkpatente eine Dauermaut gebaut und kassiert an fast jedem Smartphone der Welt, sogar an den Geräten ohne seinen Chip. Der Konzern verkauft Technik und verdient am Wegerecht. Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Für die betroffenen Regionen bleibt die Bilanz gemischt. In San Diego sichert Qualcomm Zehntausende gut bezahlte Arbeitsplätze und finanziert einen großen Teil der lokalen Forschungslandschaft, während seine Lizenz weltweit jedes vernetzte Gerät ein Stück weit verteuert. Der Nutzen konzentriert sich stark am kalifornischen Firmensitz, die Kosten dagegen verteilen sich in winzigen Beträgen auf Milliarden Käufer rund um den Globus.
Wie politisch ist Qualcomm?

Qualcomm ist ein hochpolitischer Konzern, dessen Lizenzmodell auf vier Kontinenten Kartellbehörden beschäftigt und dessen größte Übernahmen an der Geopolitik zerbrachen. Die Liste der Strafen ist lang und teuer, und sie zieht sich über mehr als ein Jahrzehnt. China verhängte 2015 nach langer Untersuchung rund 839 Millionen Euro, Südkorea ein Jahr später rund 734 Millionen Euro, jeweils wegen der als unfair beurteilten Lizenzpraxis und der Kopplung von Chips und Verträgen.
In Europa fiel das Urteil zwiespältig aus, und die beiden Fälle werden bis heute oft verwechselt. Die spektakuläre EU-Strafe von 997 Millionen Euro wegen exklusiver Zahlungen an Apple kippte das Gericht 2022 vollständig wegen Verfahrensfehlern der Kommission, die kleinere Strafe von 238,7 Millionen Euro wegen Verdrängungspreisen bestätigte dasselbe Gericht 2024 dagegen im Kern. In den USA verlor sogar die Handelsbehörde FTC ihren Grundsatzstreit, denn ein Berufungsgericht hob das für Qualcomm zunächst vernichtende Urteil 2020 einstimmig wieder auf.
Noch deutlicher wird die politische Dimension bei den geplatzten Übernahmen. Die rund 38 Milliarden Euro schwere Übernahme des niederländischen Autochip-Herstellers NXP scheiterte 2018 allein daran, dass die chinesische Aufsicht mitten im Handelskonflikt zwischen Washington und Peking keine Freigabe erteilte, und kostete Qualcomm eine Abstandsgebühr von 1,7 Milliarden Euro. Fast zeitgleich blockierte der US-Präsident per Dekret die feindliche Übernahme Qualcomms durch den Rivalen Broadcom, aus offener Sorge um die amerikanische Technologieführerschaft im Wettlauf mit China um den 5G-Standard.
Auch die Steuerpolitik schlägt direkt auf die Bilanz durch. Ein neues US-Steuergesetz zwang Qualcomm 2025 zu einer einmaligen, nicht zahlungswirksamen Abschreibung von rund 4,9 Milliarden Euro auf latente Steueransprüche, was den ausgewiesenen Jahresgewinn optisch etwa halbierte. Das operative Geschäft blieb dabei klar profitabel, doch der Sondereffekt zeigt, wie stark ein einziges Gesetz aus Washington die Zahlen eines Weltkonzerns verzerren kann.
In der öffentlichen Wahrnehmung inszeniert sich der Konzern dabei konsequent als amerikanischer Champion im Technologiewettlauf mit China. Die Blockade der Broadcom-Übernahme begründete die US-Regierung ausdrücklich mit der Sorge, ein geschwächtes Qualcomm könnte die Führung beim 5G-Standard an chinesische Anbieter verlieren. Qualcomm nutzt genau dieses Framing geschickt, um sich als schützenswertes nationales Gut zu präsentieren, obwohl fast die Hälfte seines Umsatzes ausgerechnet aus China stammt.
In der US-Hauptstadt selbst ist Qualcomm entsprechend präsent. Rund 6,3 Millionen Euro gab der Konzern 2024 allein für die offizielle Lobbyarbeit aus, mit Schwerpunkt auf Handelsfragen und den Exportregeln für Halbleiter. Bei einem China-Anteil von rund 46 Prozent am Umsatz hat Qualcomm ein handfestes Interesse an möglichst moderaten Ausfuhrbestimmungen, denn schärfere Regeln würden den größten Absatzmarkt unmittelbar treffen.
Was könnte Qualcomm zu Fall bringen?

Das größte Risiko für Qualcomm ist der Verlust seines wichtigsten Kunden Apple, dazu kommen die starke China-Abhängigkeit und der Dauerstreit um Patente. Apple entwickelt seit 2025 eigene Funkchips und verbaut sie bereits in mehreren Modellen, angefangen beim C1 im günstigen iPhone 16e bis zum sparsameren C1X im iPhone Air. Bis etwa 2027 dürfte der iPhone-Konzern seine Modems vollständig selbst bauen und damit als Chip-Kunde weitgehend wegfallen.
Im Sommer 2026 wurde dieser Aderlass zum ersten Mal deutlich in Zahlen sichtbar. Der Umsatz mit Handy-Chips brach im dritten Geschäftsquartal um rund 20 Prozent auf etwa 4,4 Milliarden Euro ein, und das Management rechnet für die nächste iPhone-Generation mit einem weiteren, kräftigen Rückgang des Apple-Geschäfts. Dass Qualcomm trotzdem 8,5 Milliarden Euro Quartalsumsatz hielt, verdankt der Konzern vor allem dem Autogeschäft, das im selben Zeitraum um 61 Prozent auf rund 1,4 Milliarden Euro zulegte und inzwischen 23 Quartale in Folge zweistellig wächst.
Ein zweites Risiko liegt in der geografischen Schlagseite des Geschäfts. China und Hongkong stehen zusammen für rund 46 Prozent des Umsatzes, während gleichzeitig Apple, Samsung und Xiaomi jeweils mehr als ein Zehntel beisteuern. Diese doppelte Konzentration auf wenige Länder und wenige Großkunden macht den Konzern zugleich anfällig für Handelskonflikte zwischen Washington und Peking und für die Strategieentscheidungen einzelner Abnehmer.
Dazu kommt der juristische Dauerkonflikt um die eigenen Patente und Lizenzen. Im Streit mit dem britischen Chipdesigner Arm um die zugekaufte Firma Nuvia gewann Qualcomm Ende 2024 vor der Jury und 2025 auch vor dem Bezirksgericht in Delaware, doch Arm hat Berufung angekündigt und der Streit ist damit nicht endgültig entschieden. Sollte Qualcomm die Lizenzbasis für seine eigenen Rechenkerne am Ende doch verlieren, geriete die ganze Wachstumsstrategie in PC und Auto ins Wanken, die genau auf dieser Technik aufbaut.
Ein drittes, langsam wirkendes Risiko betrifft das Herzstück selbst, die Patente. Schutzrechte laufen nach zwanzig Jahren aus, sodass die wertvollen Grundlagenpatente aus der frühen Mobilfunkzeit nach und nach frei werden und keine Gebühren mehr einbringen. Qualcomm muss sein Portfolio deshalb ständig mit neuen, für kommende Funkstandards essenziellen Erfindungen auffüllen, sonst erodiert die Lizenzbasis über die Jahre von selbst. Die margenstarke Cashcow braucht damit permanent frisches Futter aus der teuren Forschung, und genau hier zeigt sich, warum Qualcomm trotz der hohen Gewinne Jahr für Jahr Milliarden in Entwicklung stecken muss, statt sie einfach an die Aktionäre auszuschütten.
Drei Szenarien zeichnen sich für die kommenden fünf Jahre ab. Im optimistischen Fall federn Auto, Rechenzentrum und PC den Apple-Verlust vollständig ab und Qualcomm wächst über neue Märkte weiter, im mittleren Fall bleibt der Konzern hoch profitabel, wächst aber deutlich langsamer als im KI-Boom, im pessimistischen Fall treffen der Apple-Ausstieg, ein eskalierender China-Konflikt und ein verlorener Patentstreit zeitgleich zusammen. Welches Szenario eintritt, entscheidet vor allem das Tempo, mit dem die neuen Sparten das schrumpfende Handygeschäft ersetzen.
Was bedeutet Qualcomm für deutsche Unternehmer und Verbraucher?

Für deutsche Autobauer wird Qualcomm zum Schlüssellieferanten, für deutsche Verbraucher bleibt der Konzern der unsichtbare Mautkassierer im Smartphone. Volkswagen und Qualcomm unterzeichneten Anfang 2026 eine Absichtserklärung über eine langfristige Zusammenarbeit bei Infotainment und Konnektivität, deren Technik ab 2027 in neuen Modellen stecken soll. Auch Mercedes-Benz setzt seit 2025 auf Qualcomms Snapdragon-Plattform, um seine neuen vollelektrischen Cockpits mit sprachgesteuerten Assistenten auszustatten.
Damit rückt der amerikanische Konzern tief in die deutsche Schlüsselindustrie vor. BMW nutzt Snapdragon-Technik in aktuellen Baureihen, und die Software-Tochter Cariad von Volkswagen baut ihre Systeme für Infotainment und assistiertes Fahren auf Qualcomm-Chips auf. Für die deutschen Autohersteller bedeutet diese Partnerschaft mehr Tempo bei der überfälligen Digitalisierung, zugleich aber eine neue und tiefe Abhängigkeit von einem einzelnen amerikanischen Zulieferer, dessen eigene Bilanz gerade unter Druck steht.
Diese Nähe berührt auch die heikle Frage der technologischen Souveränität. Volkswagen und Bosch bauen ihre gemeinsame Allianz für automatisiertes Fahren auf Qualcomms Ride-Plattform auf, statt eine rein europäische Lösung zu entwickeln. Für den Standort bedeutet das kurzfristig verfügbare Spitzentechnik, langfristig aber die Frage, ob die deutsche Autoindustrie ihre wichtigste digitale Zukunftstechnik dauerhaft aus den USA bezieht, statt sie selbst zu beherrschen.
Für die Verbraucher bleibt die Wirkung subtiler, aber allgegenwärtig. In fast jedem hochwertigen Android-Telefon in Deutschland steckt ein Snapdragon-Chip, und selbst in den Geräten ohne einen Qualcomm-Baustein ist die Patentlizenz fest im Verkaufspreis enthalten. Die Mautgebühr zahlt der Kunde beim Kauf jedes Mal still mit, ohne sie je auf dem Kassenbon zu sehen, und finanziert damit ein Geschäftsmodell, dessen Namen er kaum kennt.
Für den deutschen Mittelstand ergeben sich daraus sehr konkrete Berührungspunkte. Zulieferer der Autoindustrie müssen sich technisch auf Qualcomms Plattformen einstellen, und Elektronikentwickler treffen bei jedem vernetzten Gerät früher oder später auf dessen Lizenzbedingungen. Ein Betrieb, der heute ein Produkt mit Mobilfunk baut, vom vernetzten Messgerät bis zur Industriemaschine, sollte die Patentkosten von Anfang an in die Kalkulation aufnehmen, statt sie später als böse Überraschung zu erleben.
Drei Wege sind für die nächsten zwölf Monate denkbar. Im günstigen Fall profitieren die deutschen Autobauer von Qualcomms Technik und liefern schneller konkurrenzfähige digitale Cockpits, im realistischen Fall bleibt der Konzern ein mächtiger, aber teurer und schwer ersetzbarer Partner, im ungünstigen Fall wächst die Abhängigkeit von einem Zulieferer, der selbst mitten im geopolitischen Kreuzfeuer zwischen den USA und China steht. Für Unternehmer lautet die praktische Empfehlung, sowohl die Lieferketten als auch die Lizenzkosten breit abzusichern, statt sich blind auf einen einzigen Anbieter zu verlassen.
Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe zum Qualcomm-Geschäftsmodell

Baseband
Das Baseband, auch Modem genannt, ist der Chip, der ein Gerät ins Mobilfunknetz bringt. Qualcomm gilt bei Premium-Modems als führend, und genau dieses Bauteil ersetzt Apple gerade durch eine Eigenentwicklung.
Bruttomarge
Die Bruttomarge gibt an, welcher Anteil des Umsatzes nach Abzug der reinen Herstellkosten übrig bleibt. Bei Qualcomm lag sie zuletzt bei rund 55 Prozent, was den hohen Wert des Technologiegeschäfts widerspiegelt.
CDMA
CDMA steht für Code Division Multiple Access, ein Funkverfahren, das viele Gespräche gleichzeitig über eine Frequenz überträgt. Qualcomm baute darauf sein Patentimperium auf, weil das Verfahren in die 3G-Standards einfloss.
EBT-Marge
Die EBT-Marge misst das Ergebnis vor Steuern im Verhältnis zum Umsatz. Bei Qualcomm zeigt sie die Kluft zwischen Chip- und Lizenzgeschäft besonders deutlich, weil die Lizenzsparte hier rund 72 Prozent erreicht.
Fabless
Fabless bezeichnet einen Chipentwickler ohne eigene Fabrik. Qualcomm entwirft seine Bausteine selbst und lässt sie bei Auftragsfertigern wie TSMC und Samsung produzieren, was Kapital spart und Abhängigkeit schafft.
Klumpenrisiko
Ein Klumpenrisiko entsteht, wenn ein Unternehmen zu stark von einem einzelnen Kunden, Markt oder Lieferanten abhängt. Bei Qualcomm bündeln sich gleich mehrere davon in Apple und im China-Geschäft.
Lizenzgebühr
Eine Lizenzgebühr ist die Zahlung für das Recht, eine geschützte Technik zu nutzen. Qualcomm bemisst sie am vollen Gerätepreis eines Smartphones und macht damit einen Großteil seines Gewinns.
Quersubventionierung
Quersubventionierung bedeutet, dass eine Sparte eine andere finanziell stützt. Bei Qualcomm öffnet das margenschwächere Chipgeschäft die Türen zu den Herstellern, während das margenstarke Lizenzgeschäft den Gewinn liefert.
Royalty
Eine Royalty ist die englische Bezeichnung für eine laufende Lizenzabgabe. Qualcomms Royalty-Sätze reichen von 2,275 Prozent für einzelne Standardpatente bis zu 5 Prozent für das gesamte Portfolio.
SEP
Ein SEP ist ein standardessenzielles Patent, also ein Schutzrecht, an dem kein Hersteller vorbeikommt, der einen bestimmten Standard nutzen will. Qualcomms Macht beruht wesentlich auf seinem Bestand an solchen Mobilfunk-SEP.
Snapdragon
Snapdragon ist Qualcomms Markenname für seine Prozessoren, die Rechenkern, Grafik und Funkmodem auf einem Chip vereinen. Die Marke steckt in fast jedem hochwertigen Android-Telefon und zunehmend in Autos und Notebooks.
Take Rate
Die Take Rate beschreibt den Anteil, den ein Vermittler oder Rechteinhaber vom Transaktionswert einbehält. Bei Qualcomm entspricht sie faktisch dem Lizenzsatz auf den Gerätepreis, gedeckelt bei rund 344 Euro Gerätewert.
FAQ: Qualcomm Geschäftsmodell: Wer zahlt die Patentmaut?

Was macht Qualcomm eigentlich genau?
Qualcomm entwirft Funk- und Prozessorchips für Smartphones, Autos und vernetzte Geräte und vermarktet sie unter der Marke Snapdragon. Zusätzlich verwaltet der Konzern ein riesiges Portfolio an Mobilfunkpatenten und kassiert dafür Lizenzgebühren. Die Chips lässt Qualcomm bei Auftragsfertigern produzieren, eigene Fabriken gibt es nicht.
Wem gehört Qualcomm?
Qualcomm ist ein börsennotiertes Unternehmen an der US-Technologiebörse Nasdaq und gehört keiner Familie und keinem Staat. Die größten Anteile halten institutionelle Investoren wie Vanguard und BlackRock. Gegründet wurde der Konzern 1985 von Irwin Jacobs und sechs Mitstreitern in San Diego.
Warum zahlen fast alle Handyhersteller an Qualcomm?
Qualcomm hält viele Patente, die für den Mobilfunk technisch unverzichtbar sind. Wer ein 5G-Gerät baut, kommt an diesen Standardpatenten kaum vorbei und schließt deshalb einen Lizenzvertrag ab. Über 200 Hersteller zahlen so eine Gebühr, selbst wenn im Gerät gar kein Qualcomm-Chip steckt.
Baut Qualcomm seine Chips selbst?
Nein. Qualcomm ist fabless und besitzt keine eigene Chipfabrik. Die modernsten Bauteile entstehen bei Auftragsfertigern wie TSMC in Taiwan und Samsung in Südkorea. Dieses Modell spart hohe Investitionen, macht Qualcomm aber von wenigen Fertigungspartnern abhängig.
Wie stark trifft der Apple-Ausstieg Qualcomm?
Apple stand lange für etwa ein Fünftel des Qualcomm-Umsatzes und ersetzt die Funkchips seit 2025 durch eigene Bauteile. Im Sommer 2026 brach der Umsatz mit Handy-Chips bereits um rund ein Fünftel ein. Bis etwa 2027 dürfte Apple als Chip-Kunde weitgehend wegfallen.
Was ist der Unterschied zwischen Qualcomm und einem Chiphersteller wie Intel?
Intel entwirft und fertigt viele seiner Chips in eigenen Werken und verkauft vor allem Bauteile. Qualcomm entwirft nur, lässt fertigen und verdient zusätzlich kräftig an Patentlizenzen. Dieses zweite Standbein aus Gebühren unterscheidet das Geschäftsmodell grundlegend von einem reinen Chipverkäufer.
Quellen
Qualcomm | Third Quarter Fiscal 2026 Earnings Release | https://s204.q4cdn.com/645488518/files/doc_financials/2026/q3/FY2026-3rd-Quarter-Earnings-Release.pdf | besucht am 13.09.2026
Qualcomm | Fourth Quarter and Full Year Fiscal 2025 Earnings Release | https://s204.q4cdn.com/645488518/files/doc_financials/2025/q4/FY2025-4th-Quarter-Earnings-Release.pdf | besucht am 13.09.2026
Qualcomm | Form 10-K Geschäftsjahr 2025 (SEC) | https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/804328/000080432825000085/qcom-20250928.htm | besucht am 13.09.2026
Qualcomm | 5G-NR-Lizenzbedingungen | https://www.qualcomm.com/media/documents/qualcomm-5g-nr-royalty-terms-statement | besucht am 13.09.2026
Futurum Group | Qualcomm Q3 FY2026: Automotive Growth Offsets Handset Weakness | https://futurumgroup.com/insights/qualcomm-q3-fy-2026-automotive-growth-offsets-handset-weakness/ | besucht am 13.09.2026
Counterpoint Research | Global Smartphone AP-SoC Market Share | https://counterpointresearch.com/en/insights/global-smartphone-apsoc-market-share-quarterly | besucht am 13.09.2026
Europäische Kommission via White & Case | EU General Court Quashes Qualcomm Antitrust Fine | https://www.whitecase.com/insight-alert/eu-general-court-quashes-qualcomm-antitrust-fine-exclusivity-payments-and-censures-eu | besucht am 13.09.2026
Cleary Gottlieb | EU General Court Upholds Qualcomm Predation Ruling | https://www.clearygottlieb.com/news-and-insights/publication-listing/eu-general-court-upholds-qualcomms-strategic-predation-as-abusive-in-landmark-ruling | besucht am 13.09.2026
Justia | FTC v. Qualcomm, 9th Circuit 2020 | https://law.justia.com/cases/federal/appellate-courts/ca9/19-16122/19-16122-2020-08-11.html | besucht am 13.09.2026
The Register | Arm v. Qualcomm | https://www.theregister.com/2025/10/01/arms_last_legal_claim_against/ | besucht am 13.09.2026
TechCrunch | Qualcomm Acquires Alphawave Semi | https://techcrunch.com/2025/06/09/qualcomm-acquires-semiconductor-firm-alphawave-semi-for-2-4b | besucht am 13.09.2026
Seeking Alpha | Qualcomm Outlines 40B Non-Handset Revenue Target by Fiscal 2029 | https://seekingalpha.com/news/4621103-qualcomm-outlines-40b-non-handset-revenue-target-by-fiscal-2029-while-raising-automotive-exit | besucht am 13.09.2026
OpenSecrets | Qualcomm Lobbying | https://www.opensecrets.org/federal-lobbying/clients/summary?id=D000000794 | besucht am 13.09.2026
Volkswagen Group | Volkswagen Group and Qualcomm Sign Letter of Intent | https://www.volkswagen-group.com/en/press-releases/volkswagen-group-and-qualcomm-sign-letter-of-intent-to-power-next-generation-driving-experiences-20061 | besucht am 13.09.2026
Qualcomm | Snapdragon Cockpit Platforms Power Mercedes-Benz | https://www.qualcomm.com/news/releases/2025/09/qualcomm-s-snapdragon-cockpit-platforms-power-smart–intuitive-a | besucht am 13.09.2026