Arm steckt in fast jedem Smartphone der Welt, ohne je einen einzigen Chip verkauft zu haben. Am 24. März 2026 hat der Konzern aus dem englischen Cambridge zum ersten Mal seit 35 Jahren einen eigenen Prozessor vorgestellt, den AGI-Chip für Rechenzentren. Genau dieser Schritt stellt das lukrativste Lizenzmodell der Halbleiterbranche auf die Probe.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Arm Geschäftsmodell steht 2026 an einem Wendepunkt, den Firmenchef Rene Haas am 16. September gegenüber dem US-Sender CNBC bekräftigt hat: Der neue Rechenzentrums-Chip soll eine Kundennachfrage von über 1,7 Milliarden Euro bedienen. Für einen Konzern, der drei Jahrzehnte lang ausschließlich Baupläne verkauft hat, bedeutet der eigene Chip mehr als ein zusätzliches Produkt. Der AGI-Prozessor verschiebt die Grenze zwischen Arm und seinen eigenen Großkunden.
Das Wichtigste in Kürze
- Arm verkauft keine Chips, sondern Baupläne: Im Geschäftsjahr 2026 kamen 2,28 Milliarden Euro aus laufenden Lizenzgebühren und 2,02 Milliarden Euro aus einmaligen Lizenzverträgen, zusammen 4,29 Milliarden Euro Umsatz.
- Rund 99 Prozent aller Smartphones laufen auf Arm-Technik; der Konzern kassiert bei jedem verkauften Chip eine kleine Gebühr, ohne selbst eine Fabrik zu besitzen.
- Mit dem AGI-Chip vom 24. März 2026 baut Arm erstmals einen eigenen Prozessor und konkurriert damit gegen die eigenen Großkunden Amazon, Google, Microsoft und Nvidia.
- Der japanische Konzern SoftBank hält weiter rund 89,9 Prozent der Anteile und bestimmt die strategische Richtung.
1 Wie viel Prozent aller Smartphones laufen auf Arm-Technik? Aufklappen ↓
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2 Woraus zog Arm im Geschäftsjahr 2026 den größeren Umsatzanteil? Aufklappen ↓
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3 Wer war der erste Kunde für den eigenen AGI-Chip von Arm? Aufklappen ↓
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4 Wem gehört die Mehrheit an Arm? Aufklappen ↓
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5 Für welche Architektur verlangt Arm einen höheren Lizenzsatz? Aufklappen ↓
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Wer steckt hinter Arm und wie fing alles an?
Arm entstand 1990 als Gemeinschaftsunternehmen von Acorn Computers, Apple und dem Chiphersteller VLSI Technology, gegründet in einer umgebauten Scheune bei Cambridge, mit dem Ziel, einen besonders sparsamen Prozessor zu entwickeln.
Der Ausgangspunkt lag im britischen Heimcomputer der 1980er Jahre. Acorn hatte für seine Rechner einen eigenen Prozessor namens Acorn RISC Machine ersonnen, dessen Kürzel ARM den späteren Firmennamen lieferte. Als Apple für seinen Handheld-Computer Newton einen genügsamen Chip suchte, bündelten die drei Partner ihre Kräfte und gründeten eine eigene Gesellschaft. Der Newton floppte, doch die zugrunde liegende Sparsamkeit der Architektur überlebte ihn.
Die technische Wurzel lag noch tiefer. Acorn hatte in den frühen 1980er Jahren den BBC Micro gebaut, einen in Großbritannien enorm verbreiteten Schulcomputer, und suchte danach einen einfacheren, schnelleren Prozessortyp. Diese schlanke Bauweise, im Fachjargon RISC genannt, verzichtet auf überflüssige Befehle und spart dadurch Strom. Genau diese Reduktion wurde später zum entscheidenden Vorteil im batteriebetriebenen Gerät.
Die eigentliche Weichenstellung war eine Entscheidung des Verzichts. Arm baute von Beginn an keine Chips, sondern lizenzierte nur die Baupläne dafür an andere Hersteller. Diese Selbstbeschränkung wirkte lange wie eine Schwäche, weil der Umsatz pro Chip winzig blieb. Später erwies sich genau diese Zurückhaltung als der entscheidende Hebel, weil ein Bauplan sich beliebig oft verkaufen lässt, ohne dass eine teure Fabrik dahinterstehen muss.
Wer die Anfänge betrachtet, erkennt bereits das ganze Unternehmen im Keim. Ein kleiner Ingenieurstrupp in England lieferte die Blaupause, andere trugen das Risiko der Produktion. Genau diese Arbeitsteilung prägt Arm bis heute, und sie erklärt, warum ein Konzern mit vergleichsweise wenigen Mitarbeitern die halbe Elektronikwelt mit Rechenkernen versorgt.
Den Namen prägte ein Mann: Robin Saxby, ab Februar 1991 erster Chef der neu gegründeten Advanced RISC Machines Ltd. Saxby traf die folgenschwerste Entscheidung der Firmengeschichte, weil ihm gar keine andere blieb. Für eigene Fabriken fehlte einer Handvoll Ingenieure in einer umgebauten Scheune bei Cambridge schlicht das Kapital. Also verkaufte die junge Firma nicht den Chip, sondern das Recht, ihn zu bauen, und zwar an möglichst viele Hersteller zugleich.
Aus dieser Not wurde ein Prinzip. Ein Anbieter, der nur den Bauplan verkauft, muss keine Fabrik finanzieren, keine Lager füllen und keine unverkauften Chips abschreiben. Stattdessen kassiert er von jedem Lizenznehmer, der die Blaupause nutzt, und je mehr Hersteller mitmachen, desto stärker wird der eigene Plan zum Industriestandard. Genau diese Logik unterscheidet Arm bis heute von Intel oder Nvidia, die ihre Chips selbst verkaufen.
Ein Detail aus den Anfängen wirkt aus heutiger Sicht kurios. Apple hielt früh einen Anteil an Arm und verkaufte diese Beteiligung Ende der 1990er Jahre Stück für Stück, um die eigene Beinahe-Pleite zu überstehen. Der Konzern, der später mit Arm-Kernen das iPhone bauen sollte, finanzierte also einst sein Überleben mit dem Verkauf seiner Arm-Aktien.
Arm baute nie selbst, sondern verkaufte nur den Bauplan. Diese frühe Selbstbeschränkung machte aus einer Ausgründung den unsichtbaren Standard der Elektronik.
Wie wurde aus einer Ausgründung der Standard der Mobilwelt?

Arm wurde zum Standard, weil die sparsame Architektur perfekt zum Smartphone passte, und der japanische Konzern SoftBank kaufte den Aufstieg 2016 für rund 32 Milliarden US-Dollar, bevor er Arm 2023 an die Börse brachte.
Der große Sprung kam mit dem Mobiltelefon. Ein Akku zwingt jeden Prozessor zur Sparsamkeit, und genau dort war Arm allen überlegen. Als das iPhone 2007 den Markt umkrempelte, steckte darin ein Arm-Kern, und in der Folge übernahm die Architektur praktisch die gesamte Mobilbranche. Heute laufen rund 99 Prozent aller Smartphones auf Arm-Technik.
Den nächsten Einschnitt brachte der Eigentümerwechsel. Der japanische Beteiligungskonzern SoftBank übernahm Arm 2016 und nahm das Unternehmen von der Börse. Sechs Jahre später scheiterte der Versuch, Arm für umgerechnet rund 35 Milliarden Euro an Nvidia zu verkaufen, am Widerstand der Wettbewerbsbehörden in mehreren Ländern. Diese Blockade zwang SoftBank auf den Umweg über einen erneuten Börsengang.
Im September 2023 kehrte Arm an die Technologiebörse Nasdaq zurück und sammelte dabei rund 4,25 Milliarden Euro ein, der größte Börsengang jenes Jahres. Seither meldet der Konzern drei Geschäftsjahre in Folge mit einem Umsatzplus von über 20 Prozent. Die heutige Größenordnung wirkt für ein reines Lizenzhaus enorm: 4,29 Milliarden Euro Jahresumsatz stehen einer Börsenbewertung gegenüber, die zeitweise die vieler klassischer Chiphersteller übertraf.
Hinter der Übernahme von 2016 stand eine kühne These. SoftBank-Gründer Masayoshi Son wettete darauf, dass bald hunderte Milliarden vernetzter Geräte Rechenkerne brauchen würden, vom Sensor bis zum Auto, und dass Arm an jedem einzelnen mitverdient. Diese Wette auf das Internet der Dinge rechtfertigte in Sons Augen den hohen Kaufpreis von umgerechnet rund 28 Milliarden Euro.
Der Versuch, Arm 2020 an Nvidia weiterzureichen, wäre die größte Übernahme der Halbleitergeschichte geworden. Die US-Handelsbehörde FTC klagte im Dezember 2021 dagegen, und im Februar 2022 begruben beide Seiten das Vorhaben. Der Grund war überall derselbe: Ein neutraler Standard, den alle Chiphersteller nutzen, dürfe nicht einem einzigen dieser Wettbewerber gehören.
Der Börsengang von 2023 machte aus dem Rückschlag eine Rückkehr. Am 14. September sprang die Arm-Aktie am ersten Handelstag um rund ein Viertel nach oben und bewertete den Konzern mit über 43 Milliarden Euro. Seither wuchs der Umsatz von Jahr zu Jahr zweistellig, angetrieben von der neuen Architektur Armv9 und dem Rechenzentrumsgeschäft.
Für SoftBank verwandelte sich die Wette in einen Buchgewinn enormen Ausmaßes. Die Börsenbewertung von Arm übertraf zeitweise ein Vielfaches des Kaufpreises von 2016, allein auf dem Papier. Dieser Wertzuwachs macht Arm zum wichtigsten Vermögenswert im gesamten SoftBank-Portfolio und erklärt, warum der japanische Eigner die Kontrolle so fest in der Hand behält.
Das Smartphone machte Arm unverzichtbar, SoftBank machte daraus ein Finanzobjekt. Der geplatzte Nvidia-Verkauf erzwang den Börsengang von 2023.
Wie verdient Arm tatsächlich sein Geld?

Arm zieht seine Marge aus zwei Quellen: einmaligen Lizenzverträgen für den Zugang zu den Bauplänen und laufenden Gebühren für jeden verkauften Chip. Im Geschäftsjahr 2026 brachten die Gebühren 2,28 Milliarden Euro und die Lizenzen 2,02 Milliarden Euro.
Das Modell funktioniert wie eine zweistufige Maut. Zuerst zahlt ein Chiphersteller eine Zugangsgebühr, um einen Arm-Bauplan überhaupt nutzen zu dürfen. Diese Lizenzeinnahme fällt einmalig an, sobald ein Vertrag zustande kommt, und schwankt entsprechend stark von Quartal zu Quartal. Im Geschäftsjahr 2026 stellte diese Einmalzahlung mit 2,02 Milliarden Euro knapp die Hälfte des Umsatzes.
Der eigentliche Motor: die Gebühr pro Chip
Die zweite Stufe ist die eigentliche Gelddruckmaschine. Für jeden Chip, den ein Kunde auf Basis eines Arm-Bauplans verkauft, überweist er eine laufende Lizenzgebühr, im Fachjargon Royalty genannt. Diese Zahlung wiederholt sich bei jedem einzelnen verkauften Stück, jahrelang, oft ein Jahrzehnt und länger nach dem ursprünglichen Vertragsschluss. Im Geschäftsjahr 2026 summierten sich diese Gebühren laut dem Arm Newsroom auf 2,28 Milliarden Euro.
Der stille Hebel dieses Modells heißt Armv9. Mit der neuesten Generation seiner Architektur hebt Arm den Gebührensatz je Chip deutlich an, verglichen mit dem älteren Armv8. Je mehr Kunden auf die neue Generation umsteigen, desto mehr verdient der Konzern an derselben Menge verkaufter Chips. Genau diese Preiserhöhung durch die Hintertür trieb die Gebühren im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 um 22 Prozent auf 624 Millionen Euro.
Das Wachstum verteilt sich über vier Endmärkte. Neben dem Smartphone liefern inzwischen das Rechenzentrum, die Autoindustrie und das Internet der Dinge steigende Gebühren, wie der Arm Newsroom zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 meldet. Diese Verbreiterung macht den Konzern unabhängiger vom stagnierenden Mobilmarkt und war lange das erklärte Ziel des Managements.
Ein oft übersehener Vorzug ist der lange Nachlauf der Gebühren. Ein Chipdesign, das ein Kunde heute lizenziert, verkauft sich oft ein Jahrzehnt lang, und über die gesamte Zeit fließen Royalties an Arm. Der Konzern verdient deshalb bis heute an Bauplänen, die vor vielen Jahren entstanden, was den Erlösen eine ungewöhnliche Stabilität verleiht.
Die jüngsten Quartalszahlen zeigen beide Ströme im Gleichschritt. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 legte der Gesamtumsatz laut Arm Newsroom um 22 Prozent auf 1,13 Milliarden Euro zu, wobei die Lizenzeinnahmen 501 Millionen Euro und die Gebühren 624 Millionen Euro beisteuerten. Zum ersten Mal überschritt der Quartalsumsatz damit deutlich die Milliardengrenze.
Das stille Abo-Geschäft
Neben den beiden großen Strömen wächst ein dritter, leiser Erlöskanal. Mit den Programmen Arm Total Access und Arm Flexible Access verkauft der Konzern seine Baupläne zunehmend im Abonnement. Rund fünfzig zahlungskräftige Großkunden greifen über Total Access auf das gesamte Portfolio zu, mehr als 300 kleinere Firmen nutzen den günstigeren Flexible-Access-Zugang und zahlen erst bei der Fertigung.
Dieses Abomodell verstetigt die früher sprunghaften Lizenzeinnahmen. Statt auf einzelne Großverträge zu warten, kassiert Arm planbare Jahresgebühren und bindet die Kundschaft zugleich enger an das eigene Ökosystem. Für Investoren ist diese Berechenbarkeit fast so wertvoll wie das Wachstum selbst, weil sie die künftigen Erlöse verlässlicher macht.
Noch profitabler wird das Geschäft durch fertig verschaltete Bausteine, die Arm als Compute Subsystems anbietet. Solche vorintegrierten Pakete sparen den Kunden Entwicklungsarbeit und rechtfertigen zugleich einen höheren Gebührensatz. Die Bruttomarge des Konzerns liegt dadurch bei nahezu 97 Prozent, ein Wert, den kein Hersteller physischer Chips je erreicht.
Zwischen den beiden Strömen klafft zudem eine Margenlücke. Beide Erlösarten sind sehr profitabel, doch die laufenden Gebühren gelten als das wertvollere Geschäft, weil sie über Jahre planbar wiederkehren, während einzelne Lizenzverträge stark schwanken. Deshalb feiert der Konzern jeden Rekord bei den Royalties lauter als einen guten Lizenzabschluss, so geschehen auch im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027.
Warum die Marge so ungewöhnlich hoch ausfällt
Der Reiz des Modells liegt in der Kostenstruktur. Ein Bauplan, einmal entwickelt, lässt sich an den nächsten Kunden fast ohne Zusatzkosten verkaufen, weil weder Rohstoffe noch Fertigung anfallen. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 lag der bereinigte operative Gewinn bei 463 Millionen Euro, was einer Marge von gut 41 Prozent entspricht. Solche Werte erreicht kein klassischer Chiphersteller, der Fabriken betreiben muss.
Anders als eine Werbeplattform verkauft Arm keine Nutzerdaten. Das wertvollste Gut des Konzerns ist kein Datensatz, sondern die Architektur selbst als weltweiter Standard, ergänzt um die Software, die Entwickler seit Jahrzehnten dafür geschrieben haben. Dieses Ökosystem wächst mit jedem neuen Gerät und bindet die Kundschaft fester an Arm als jeder Vertrag. Genau darin liegt der Unterschied zu einem gewöhnlichen Zulieferer.
Der Skaleneffekt wirkt dabei fast unheimlich. Weil ein fertiger Bauplan sich ohne nennenswerte Zusatzkosten an den nächsten Kunden verkauft, wächst der Gewinn viel schneller als der Aufwand. Jeder zusätzliche Lizenznehmer stärkt zugleich den Netzwerkeffekt, weil noch mehr Software auf Arm-Kerne zugeschnitten wird und die Architektur damit noch schwerer zu ersetzen ist.
Die Quersubventionierung läuft dabei im Kreis. Die laufenden Gebühren von heute finanzieren die Entwicklung der nächsten Architektur, die Arm den Kunden morgen zu einem höheren Satz verkauft. So bezahlt die installierte Basis von gestern den Fortschritt, an dem der Konzern gleich wieder verdient. Dieser Kreislauf ist der eigentliche Motor hinter drei Jahren zweistelligen Wachstums.
Die Verschiebung der letzten fünf Jahre lässt sich in drei Bewegungen fassen. Erst hob Armv9 den Gebührensatz, dann öffnete das Rechenzentrum ein zweites großes Absatzfeld neben dem Smartphone, und nun tritt Arm mit dem eigenen AGI-Chip selbst als Anbieter auf. Von diesem Rückenwind aus dem Rechenzentrum profitieren auch die KI-Beschleuniger von Nvidia, die den Boom überhaupt erst ausgelöst haben. Der eigene Chip aber ist der radikalste Bruch mit dem alten Modell.
Wie groß ist die Marktmacht von Arm?

Arm beherrscht mit rund 99 Prozent den Markt für Smartphone-Prozessoren nahezu vollständig und drängt über die Neoverse-Baureihe zunehmend ins Rechenzentrum, wo bereits mehr als 1,5 Milliarden Rechenkerne im Einsatz sind.
Diese Stellung macht Arm ähnlich schwer angreifbar wie den niederländischen Lithografiekonzern ASML, dessen Belichtungsmaschinen die gesamte Chipfertigung an einem einzigen Nadelöhr bündeln. Beide Unternehmen sitzen an einer Stelle der Wertschöpfungskette, an der praktisch keine Alternative existiert. Der Unterschied liegt im Geschäftsmodell: ASML verkauft wenige, extrem teure Maschinen, Arm verkauft milliardenfach denselben günstigen Bauplan.
Die Marktmacht speist sich aus zwei Quellen. Zum einen zwingt der Netzwerkeffekt jeden neuen Chiphersteller fast automatisch zu Arm, weil die vorhandene Software auf Arm-Kerne zugeschnitten ist. Zum anderen sind die Wechselkosten brutal hoch, weil ein Umstieg auf eine andere Architektur bedeutet, das gesamte Software-Fundament neu aufzubauen. Diese Bindung nennt die Fachwelt Lock-in.
Ganz konkurrenzlos ist Arm dennoch nicht. Mit RISC-V wächst eine quelloffene Architektur heran, die keine Lizenzgebühren verlangt und gerade für einfache Chips an Boden gewinnt. Noch fehlt ihr das reife Ökosystem, doch der Preisunterschied ist ein starkes Argument für kostenbewusste Hersteller, besonders in China. Dazu kommt der wachsende kartellrechtliche Argwohn gegenüber einem Konzern, der einen ganzen Industriestandard kontrolliert.
Die Bindung reicht bis in die Werkzeuge der Entwickler. Programmierumgebungen, Compiler und Betriebssysteme sind über Jahrzehnte auf Arm-Kerne zugeschnitten, und dieses gewachsene Fundament lässt sich nicht über Nacht auf eine fremde Architektur verpflanzen. Selbst zahlungskräftige Kunden wie Apple, die eine tiefe Architekturlizenz besitzen und ihre Chips weitgehend selbst entwerfen, bleiben an den Arm-Befehlssatz gebunden.
Im Rechenzentrum verschiebt sich das Kräfteverhältnis gerade spürbar. Amazon rechnet einen wachsenden Teil seiner Cloud auf hauseigenen Graviton-Chips mit Arm-Kernen, und andere Anbieter ziehen nach, weil die sparsame Architektur die Stromrechnung drückt. Jeder dieser Server-Kerne überweist Gebühren an Arm, weshalb der Konzern im lukrativen Cloud-Markt Jahr für Jahr Anteile gewinnt.
Am ernstesten wird die Konkurrenz ausgerechnet dort, wo Arm am stärksten verdienen will. In China treiben Staat und Konzerne die gebührenfreie Architektur RISC-V mit Nachdruck voran, um sich von westlicher Technik unabhängig zu machen. Für einfache Steuerchips ist der Umstieg bereits Realität, und mit jeder Reifestufe rückt RISC-V näher an die Kernmärkte von Arm heran.
Diese doppelte Verankerung erklärt die Gelassenheit des Konzerns. Solange Software und Hardware weltweit auf Arm-Kerne ausgelegt sind, macht selbst ein günstigerer Herausforderer nur langsam Boden gut. Genau diese Trägheit des Marktes ist Arms stärkster Schutzwall, wertvoller als jedes einzelne Patent.
- Smartphone: rund 99 Prozent Marktanteil, praktisch ohne Alternative.
- Rechenzentrum: über 1,5 Milliarden Neoverse-Kerne, ein zweites Standbein.
- Lock-in: ein Wechsel zwänge Kunden, ihr Software-Fundament neu zu bauen.
Wer ist bei Arm eigentlich das Produkt?

Zahlende Kunden sind bei Arm die Chiphersteller und Gerätebauer, die eigentliche Ware ist der Bauplan, und den größten Teil der Wertschöpfungsarbeit leisten die Lizenznehmer, die aus dem Plan ein fertiges Produkt machen.
Die Wertschöpfungskette lässt sich als Staffellauf lesen. Arm liefert die Blaupause und ein Regelwerk, wie ein Prozessor aufgebaut sein muss. Ein Kunde wie Qualcomm, Apple oder Amazon nimmt diesen Plan, gießt ihn in ein konkretes Chipdesign und lässt ihn in einer fremden Fabrik fertigen. Den weitaus größten Aufwand übernehmen also die Lizenznehmer, während Arm die Grundlage stellt.
Aus der Sicht des Verbrauchers bleibt Arm dabei unsichtbar. Käufer eines Smartphones bezahlen den Hersteller des Geräts, nie Arm direkt, und trotzdem steckt in fast jedem dieser Geräte ein Arm-Kern. Der Konzern kassiert seinen Anteil, lange bevor das Produkt im Laden liegt, versteckt in den Herstellungskosten des Chips.
Damit sitzt Arm an einer bequemen Stelle. Die Marke muss weder Werbung für Endkunden schalten noch Ladengeschäfte bespielen und verdient still an der Arbeit anderer. Diese Rolle des unsichtbaren Zulieferers ist zugleich ein Risiko, denn ein Konzern, der nur die Grundlage stellt, hängt von den Entscheidungen seiner Kunden ab.
Drei Wege zur Lizenz
Ein Kunde, der Arm nutzen will, wählt zwischen drei Zugangswegen mit sehr unterschiedlicher Tiefe. Die einfachste Variante lizenziert einen fertigen Rechenkern, den der Hersteller nur noch einbaut. Die mittlere erlaubt Anpassungen, und die teuerste, die Architekturlizenz, gestattet einem Unternehmen wie Apple oder Qualcomm, einen völlig eigenen Kern auf Basis des Arm-Befehlssatzes zu entwerfen.
Je tiefer der Zugang, desto größer der Aufwand auf Kundenseite. Ein Architekturlizenznehmer steckt Milliarden in eigene Entwicklung und trägt das volle Risiko, dass sein Design floppt. Arm liefert nur die Grundregeln und kassiert trotzdem bei jedem verkauften Chip mit, ohne einen Cent für die eigentliche Entwicklungsarbeit auszugeben.
Aus dieser Aufteilung folgt die eigentliche Antwort auf die Kapitelfrage. Zum Produkt wird bei Arm nicht der Verbraucher, sondern der Bauplan selbst, und die Lizenznehmer sind gleichzeitig Kunden und Zulieferer der Wertschöpfung. Diese Firmen zahlen dafür, die schwere Arbeit übernehmen zu dürfen, während der Konzern die leichte Seite der Gleichung besetzt.
Diese Aufteilung erklärt auch die schlanke Personaldecke. Arm beschäftigt nur einige tausend Ingenieure, überlässt die kapitalintensive Fertigung anderen und lebt vom geistigen Eigentum. Der eigentliche Wert des Konzerns steht in keiner Fabrikhalle, sondern in den Bauplänen und in der über Jahrzehnte gewachsenen Softwarebasis.
Der Verbraucher zahlt den Gerätehersteller, dieser zahlt den Chipbauer, und der Chipbauer zahlt Arm. Der Konzern verdient unsichtbar an der Arbeit anderer.
Was kostet eine Arm-Lizenz wirklich, und wer trägt die Kosten?

Eine Arm-Lizenz kostet einen Chiphersteller zweifach: eine hohe einmalige Zugangsgebühr für den Bauplan und danach eine kleine Gebühr für jeden verkauften Chip. Am Ende zahlt der Verbraucher beides über den Gerätepreis mit.
Der erste Posten ist der Eintritt. Ein Hersteller, der einen komplexen Arm-Bauplan nutzen will, zahlt eine Zugangsgebühr, die je nach Umfang von wenigen bis zu zweistelligen Millionenbeträgen reicht. Ein Hersteller, der die Architektur nur nutzt, statt sie selbst zu verändern, zahlt weniger als einer, der tief in das Design eingreift.
Der zweite Posten wiederholt sich endlos. Für jeden fertigen Chip fließt eine laufende Gebühr an Arm, meist ein kleiner Prozentsatz des Chip-Verkaufspreises. Bei einem einfachen Baustein sind das wenige Cent, bei einem hochgezüchteten Smartphone-Prozessor mehrere Euro. Genau diese Vielzahl kleiner Beträge summiert sich zur größten Einnahmequelle des Konzerns.
| Kostenbestandteil | Wer zahlt ihn | Größenordnung |
|---|---|---|
| Einmalige Zugangslizenz für den Bauplan | Chiphersteller | einige bis zweistellige Millionen Euro |
| Laufende Gebühr je verkauftem Chip | Chiphersteller | wenige Cent bis mehrere Euro |
| Aufschlag für die neuere Architektur Armv9 | Chiphersteller | höherer Gebührensatz als bei Armv8 |
| Weitergabe an den Gerätehersteller | Marken wie Samsung, Apple | im Einkaufspreis des Chips enthalten |
| Endpreis des Geräts | Verbraucher | Bruchteil des Kaufpreises, unsichtbar |
Die eigentliche Pointe steckt in der Weitergabe. Jeder Cent, den ein Chiphersteller an Arm überweist, landet im Einkaufspreis des Chips, den der Gerätehersteller zahlt, und von dort im Ladenpreis des Smartphones. Der Verbraucher trägt die Lizenzkosten also mit, ohne sie je zu bemerken. Diese Verteilung erklärt, warum Arm still und ohne öffentlichen Widerstand verdienen kann.
Das Preismodell selbst hat sich zuletzt gewandelt. Früher verhandelte Arm jeden großen Vertrag einzeln, heute lenkt der Konzern seine Kunden über Abopakete wie Total Access in planbare Jahresgebühren. Für kleinere Chip-Entwickler senkt das die Einstiegshürde, weil die hohe Einmalzahlung entfällt und die Kosten erst mit der Fertigung steigen.
Für die Kunden hat dieser Wandel zwei Seiten. Einerseits verteilt das Abo die Kosten und macht den Einstieg leichter. Andererseits gewöhnt das Abo die Hersteller an eine dauerhafte Zahlung, die sich mit jeder neuen Architektur anheben lässt, ganz ähnlich einem Streaming-Abo, das nach dem Lockangebot teurer wird. Die Preismacht bleibt am Ende bei Arm.
Der Hersteller zahlt Eintritt und Stückgebühr, der Verbraucher trägt beides verdeckt im Gerätepreis. Der Umstieg auf Armv9 hebt die Rechnung zusätzlich an.
Wer profitiert und wer zahlt drauf?

Am stärksten profitieren SoftBank als Mehrheitseigner und die Arm-Aktionäre, unter Druck geraten dagegen die eigenen Großkunden, weil Arm sie mit dem AGI-Chip nun direkt angreift.
Die Gewinnerseite ist klar besetzt. SoftBank hält rund 89,9 Prozent der Anteile und sonnt sich in einer Bewertung, die den Kaufpreis von 2016 weit übertrifft. Auch das Management und die freien Aktionäre verdienen an einem Modell, das mit jeder neuen Chipgeneration mehr Gebühren abwirft. Für diese Anteilseigner zahlt sich der Verzicht auf eigene Fabriken jeden Tag aus.
Auf der anderen Seite stehen die Kunden in einer heiklen Lage. Amazon mit seinem Graviton, Google mit Axion, Microsoft mit Cobalt und Nvidia mit Grace bauen alle eigene Rechenzentrums-Chips auf Arm-Basis und überweisen dafür Gebühren. Mit dem AGI-Chip greift Arm nun genau dieses Feld an und macht seine besten Zahler zu Konkurrenten. Diese Spannung ist der Kern des Plattform-Fluchs: Wer einmal tief im Arm-Ökosystem steckt, kommt schwer wieder heraus, selbst wenn der Anbieter zum Rivalen wird.
| Gruppe | Rolle | Effekt |
|---|---|---|
| SoftBank | Mehrheitseigner (89,9 %) | profitiert massiv von der hohen Bewertung |
| Aktionäre und Management | Eigentümer, Führung | steigende Gebühren, hohe Marge |
| Amazon, Google, Nvidia | zahlende Lizenznehmer | werden durch den AGI-Chip zu Konkurrenten |
| RISC-V-Verfechter | Herausforderer | nutzen den Konflikt als Verkaufsargument |
Für die Kunden bleibt der Ausstieg trotzdem teuer. Ihre gesamte Software läuft auf Arm-Kernen, und ein Wechsel würde Jahre und Milliarden verschlingen. Genau diese Abhängigkeit verschafft Arm den Spielraum, die eigenen Zahler anzugreifen, ohne sofort Kunden zu verlieren. Ob die Rechnung aufgeht, entscheidet sich in den nächsten Jahren.
Ein Prozess zeigt die Bruchlinie
Wie angespannt das Verhältnis zu den Kunden ist, zeigte der Rechtsstreit mit Qualcomm. Arm hatte den Smartphone-Chipriesen verklagt, nachdem dieser mit der Übernahme der Firma Nuvia im Jahr 2021 günstigere Lizenzbedingungen in sein Geschäft geholt hatte. Der Konzern aus Cambridge wollte höhere Gebühren durchsetzen und drohte sogar, die Lizenz zu kündigen.
Vor Gericht ging der Plan gründlich schief. Eine Jury sprach Qualcomm im Dezember 2024 frei, und ein Bundesgericht in Delaware bestätigte den Sieg des Chipherstellers im Herbst 2025 vollständig. Arm blieb auf den Prozesskosten sitzen und musste zusehen, wie ein Großkunde vor aller Augen die eigene Preismacht ausbremste.
Der neue Chip verschärft genau diese Reibung. Für den AGI-Prozessor gewann Arm bereits acht feste Kunden, darunter Meta, OpenAI, Cloudflare und den deutschen Softwarekonzern SAP. Jeder von ihnen hätte den Chip auch bei einem klassischen Arm-Lizenznehmer bestellen können, und genau diese Kundschaft entzieht Arm nun seinen eigenen Zahlern.
Arm hat 35 Jahre lang daran verdient, niemandem im Weg zu stehen. Mit dem eigenen Rechenzentrums-Chip greift der Konzern jetzt genau die Kunden an, die ihm zwei Drittel seiner Royalties überweisen, und wettet darauf, dass keiner von ihnen kündigt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wie politisch ist Arm?

Arm ist hochpolitisch, weil ein einziger japanisch kontrollierter Konzern einen weltweiten Industriestandard beherrscht, weil die Tochter Arm China nur lose an der Leine liegt und weil Exportregeln die Chipwelt zunehmend in Blöcke teilen.
Die Eigentümerfrage steht am Anfang jeder politischen Betrachtung. SoftBank kontrolliert mit rund 89,9 Prozent nahezu den gesamten Konzern, was Arm faktisch zu einem japanisch gelenkten Unternehmen mit britischem Sitz macht. Diese Machtfülle eines Einzeleigners wirft bei einer so zentralen Infrastruktur unweigerlich Fragen der Unabhängigkeit auf.
Ein zweiter Konfliktherd liegt in China. Das dortige Gemeinschaftsunternehmen Arm China verselbständigte sich zeitweise so weit, dass ein handfester Führungsstreit den Zugang zum wichtigen chinesischen Markt gefährdete. Zugleich verschärfen die USA ihre Exportregeln für Chiptechnik, was Arm zwingt, seine Kundenbeziehungen entlang geopolitischer Bruchlinien zu sortieren.
Der geplatzte Verkauf an Nvidia zeigte die politische Sprengkraft am deutlichsten. Wettbewerbsbehörden in den USA, Europa und Großbritannien stellten sich quer, weil ein neutraler Standard nicht einem einzelnen Chipkonzern gehören sollte. Ausgerechnet mit dem eigenen AGI-Chip rückt Arm nun selbst von dieser Neutralität ab, was die Aufsicht künftig genauer hinschauen lassen dürfte.
Wie real dieses Risiko ist, führte die eigene China-Tochter vor. Deren früherer Chef Allen Wu weigerte sich über Jahre, seinen Posten zu räumen, und kontrollierte zeitweise eigenmächtig das gesamte China-Geschäft, das für einen erheblichen Teil der Arm-Umsätze steht. Erst 2022 gelang seine Ablösung.
Die geopolitische Klemme verschärft die Lage zusätzlich. Ein wachsender Teil des Umsatzes hängt an chinesischen Kunden, während westliche Exportregeln genau diesen Markt zunehmend abriegeln. Arm sitzt damit zwischen zwei Blöcken, und jede Verschärfung der Handelsregeln bedroht einen festen Anteil seiner Einnahmen.
Auch als Steuer- und Standortfall ist Arm bemerkenswert. Der Konzern sitzt in Cambridge, notiert aber an der US-Börse Nasdaq und gehört mehrheitlich einem japanischen Eigner, ein Geflecht, das die Zuordnung von Gewinnen und Steuern verkompliziert. Die britische Regierung warb lange und vergeblich um eine Notierung in London, weil sie den nationalen Vorzeigekonzern nicht ans Ausland verlieren wollte.
Sobald ein Konzern die Rechenkerne der halben Welt kontrolliert, wird jede Eigentümer- und Exportfrage politisch. Der eigene Chip untergräbt Arms Ruf als neutraler Standard.
Was könnte Arm zu Fall bringen?

Arm bedrohen vier Kräfte: die kostenlose Konkurrenz RISC-V, abwandernde Großkunden, der riskante Angriff mit dem eigenen Chip und die Abhängigkeit vom Mehrheitseigner SoftBank.
Die größte strukturelle Gefahr heißt RISC-V. Diese quelloffene Architektur verlangt keine Lizenzgebühren und untergräbt damit das Herzstück des Arm-Modells. Noch fehlt ihr die Reife für komplexe Prozessoren, doch bei einfachen Chips und in China gewinnt die Architektur spürbar an Boden. Jeder Kunde, der abwandert, reißt ein Loch in die künftigen Gebühren.
Das zweite Risiko schuf Arm sich selbst. Der Angriff mit dem AGI-Chip könnte Kunden verärgern, die bisher brav ihre Lizenzen zahlten und sich nun hintergangen fühlen. Sollten Amazon, Google oder Nvidia ihre Entwicklung stärker auf RISC-V verlagern, verlöre Arm gleich doppelt, an den Gebühren und am eigenen Vertrauen im Markt.
Zur Einordnung lohnt der Blick auf einen gefallenen Riesen. Am tiefen Fall des einstigen Marktführers Intel lässt sich ablesen, wie schnell ein scheinbar unangreifbarer Chipkonzern seine Vormacht verlieren kann, sobald er eine technische Welle verschläft. Für Arm liegt die Gefahr weniger in der Technik als in der eigenen Gier, das lukrative Neutralitätsversprechen für das riskantere Chipgeschäft aufzugeben.
Zuletzt bleibt der Faktor SoftBank. Der Mehrheitseigner könnte Anteile abstoßen, was den Kurs belasten würde, oder Arm für eigene Ziele einspannen. Diese Abhängigkeit von einer einzigen Adresse ist ein Klumpenrisiko, das kein Quartalsbericht wegdiskutieren kann.
Ein weiteres Risiko liegt in der Konzentration auf das Smartphone. Noch stammt ein großer Teil der Gebühren aus Mobilprozessoren, und dieser Markt wächst kaum noch. Sollte das Rechenzentrumsgeschäft die erhoffte Dynamik verfehlen, fiele ein wichtiger Wachstumstreiber weg, ohne dass ein Ersatz bereitstünde.
Dazu kommt die hohe Erwartung an der Börse. Die Bewertung von Arm preist bereits Jahre kräftigen Wachstums ein, weshalb schon eine kleine Enttäuschung den Kurs empfindlich treffen kann. Ausgerechnet der teure eigene Chip muss diese Erwartung nun einlösen, obwohl er die Beziehung zu den zahlenden Kunden belastet.
Drei Szenarien lassen sich für die nächsten fünf Jahre denken. Im günstigen Fall wird Arm über den eigenen Chip und höhere Armv9-Gebühren zum unangefochtenen Rechenzentrums-Standard und erreicht das Ziel von Firmenchef Rene Haas: Er hält bis zum Geschäftsjahr 2031 einen Jahresumsatz von umgerechnet rund 13 Milliarden Euro allein mit dem AGI-Chip für möglich. Diese Zahl bleibt eine Prognose des Managements, kein gesicherter Wert.
Im mittleren Szenario bleibt Arm der dominante Lizenzgeber, während der eigene Chip nur eine Nische besetzt und das Lizenzgeschäft die Haupteinnahme stellt. Im ungünstigen Fall beschleunigt der Angriff die Abwanderung großer Kunden zu RISC-V, und die hohe Bewertung bricht ein. Welcher Pfad eintritt, hängt weniger an der Technik als am Vertrauen der wenigen Großkunden.
Was bedeutet Arm für deutsche Unternehmer und Verbraucher?

Deutsche Verbraucher tragen die Arm-Gebühr in jedem Smartphone und zunehmend in jedem Auto mit, und für deutsche Unternehmen von SAP bis Bosch entscheidet die Architektur mit darüber, wie günstig Rechenleistung künftig zu haben ist.
Für Verbraucher ist Arm längst Alltag, auch wenn kaum jemand den Namen kennt. Jedes Smartphone, jede Smartwatch und immer mehr Steuergeräte im Auto laufen auf Arm-Kernen. Über den Chippreis zahlen deutsche Käufer die Lizenzgebühr des Konzerns mit, ein winziger, aber unausweichlicher Anteil an fast jedem elektronischen Gerät im Haushalt.
Für Unternehmen liegt der Hebel im Rechenzentrum. Der Softwarekonzern SAP zählt bereits zu den Kunden des neuen AGI-Chips und setzt damit auf sparsamere Serverleistung. Je mehr Cloud-Betreiber auf Arm-Technik umsteigen, desto günstiger wird Rechenkapazität, was gerade dem deutschen Mittelstand bei den Kosten für KI-Anwendungen zugutekommt.
Besonders die deutsche Autoindustrie hängt tiefer an Arm, als vielen bewusst ist. In modernen Fahrzeugen steuern hunderte kleiner Rechner das Auto, und ein Großteil davon läuft auf Arm-Kernen, die Zulieferer wie Bosch in ihre Steuergeräte einbauen. Je mehr das Auto zum fahrenden Computer wird, desto abhängiger wird die Branche von dieser Architektur.
Auch der Chipstandort Deutschland ist betroffen. Der Münchner Halbleiterkonzern Infineon setzt Arm-Kerne in vielen seiner Mikrocontroller für Auto und Industrie ein. Auch dafür fließen Gebühren nach Cambridge. Für die hiesige Industrie ist Arm damit zugleich Werkzeug und Abhängigkeit, ein unverzichtbarer Baustein, dessen Preis und Verfügbarkeit im Ausland entschieden werden.
Konkret spürbar wird das an einer einfachen Beobachtung. In einem durchschnittlichen deutschen Haushalt stecken heute dutzende Geräte mit Arm-Kernen, vom Smartphone über die Smartwatch bis zum Fernseher und zum vernetzten Thermostat. An jedem einzelnen verdient der Konzern einen winzigen Bruchteil mit, der sich über Millionen Haushalte zu einem gewaltigen Strom summiert.
Drei Szenarien für die kommenden zwölf Monate zeichnen sich ab. Im optimistischen Fall liefert der AGI-Chip wie geplant und drückt die Serverkosten spürbar. Realistisch bleibt Arm der dominante Standard, während der eigene Chip nur ein Nischengeschäft wird. Im pessimistischen Fall verprellt der Angriff die Großkunden und beschleunigt den Umstieg auf RISC-V, was den Preisdruck auf lange Sicht erhöht.
Praktisch heißt das für deutsche Entscheider dreierlei. Als Verbraucher ändert sich wenig, die Technik bleibt unsichtbar im Gerät. Als Cloud-Nutzer lohnt der Blick auf Arm-basierte Serverangebote, weil sie oft günstiger rechnen. Und als Zulieferer der Chip- oder Autobranche sollten Unternehmen die Architekturfrage früh klären, weil ein späterer Wechsel teuer wird. Diese Weichenstellung entscheidet mit über die eigene Wettbewerbsfähigkeit.
Unterm Strich bleibt Arm für Deutschland ein zweischneidiges Schwert. Die Technik senkt Kosten und treibt die Digitalisierung, macht Wirtschaft und Verbraucher aber abhängig von einem Standard, über den anderswo entschieden wird. Ein Unternehmen, das diese Abhängigkeit kennt, trifft die klügeren Beschaffungsentscheidungen.
- Verbraucher: zahlen die Gebühr verdeckt in jedem Gerät mit.
- Cloud-Nutzer: Arm-Server rechnen oft günstiger, ein Blick lohnt.
- Zulieferer: die Architekturfrage früh klären, ein Wechsel wird teuer.
Glossar: 15 wichtige Fachbegriffe zum Arm Geschäftsmodell

Armv9
Armv9 ist die neueste Generation der Arm-Befehlssatzarchitektur. Für Chips auf ihrer Basis verlangt Arm einen höheren Gebührensatz als für das ältere Armv8, weshalb der Umstieg der Kunden die Einnahmen je verkauftem Chip anhebt.
ASP (durchschnittlicher Verkaufspreis)
ASP steht für Average Selling Price, den durchschnittlichen Verkaufspreis eines Chips. Weil Arms laufende Gebühr oft an diesem Preis hängt, verdient der Konzern automatisch mehr, sobald die Chips seiner Kunden teurer werden.
Befehlssatzarchitektur (ISA)
Die Befehlssatzarchitektur (ISA) legt fest, welche Grundbefehle ein Prozessor versteht. Arm lizenziert genau diese Architektur, statt fertige Chips zu bauen, und schafft damit einen Standard, an den Software und Hardware gebunden sind.
EBIT-Marge
Die EBIT-Marge misst den operativen Gewinn im Verhältnis zum Umsatz, vor Zinsen und Steuern. Bei Arm liegt dieser Wert ungewöhnlich hoch, weil ein einmal entwickelter Bauplan sich ohne teure Fertigung vielfach verkaufen lässt.
Fabless
Fabless bezeichnet einen Chipanbieter ohne eigene Fabrik. Arm ist die Extremform davon, weil der Konzern nicht einmal Chips verkauft, sondern nur deren Baupläne, und selbst seinen neuen AGI-Chip extern bei TSMC fertigen lässt.
IP-Core
Ein IP-Core ist ein fertig entworfener, lizenzierbarer Schaltungsbaustein. Arm verkauft solche Cores als Herzstück seines Geschäfts, damit Kunden sie in ihre eigenen Chips einbauen können, ohne den Prozessor selbst entwickeln zu müssen.
Lizenzeinnahme (License Fee)
Die Lizenzeinnahme ist die einmalige Gebühr für den Zugang zu einem Arm-Bauplan. Diese Gebühr fällt bei Vertragsschluss an, schwankt stark von Quartal zu Quartal und machte im Geschäftsjahr 2026 etwa 2,02 Milliarden Euro aus.
Lock-in
Lock-in beschreibt die Bindung eines Kunden an einen Anbieter durch hohe Wechselkosten. Bei Arm entsteht diese Bindung, weil ein Umstieg auf eine andere Architektur das gesamte Software-Fundament unbrauchbar machen würde.
Neoverse
Neoverse ist Arms Produktlinie für Rechenzentren und Server. Über diese Linie drängt der Konzern aus dem Smartphone ins lukrative Cloud-Geschäft und hat bereits mehr als 1,5 Milliarden solcher Rechenkerne ausgeliefert.
Netzwerkeffekt
Ein Netzwerkeffekt steigert den Nutzen eines Produkts mit jedem weiteren Anwender. Bei Arm verstärkt jede neue Software für die Architektur den Zwang für Hersteller, ebenfalls Arm zu nutzen, was den Standard immer fester zementiert.
Non-GAAP
Non-GAAP bezeichnet eine bereinigte Gewinnrechnung außerhalb der strengen US-Bilanzregeln. Arm weist so eine deutlich höhere operative Marge aus als nach GAAP, weil bestimmte Kosten wie Aktienvergütungen herausgerechnet werden.
RISC-V
RISC-V ist eine quelloffene Befehlssatzarchitektur, die keine Lizenzgebühren verlangt. RISC-V gilt als die ernsteste langfristige Bedrohung für Arm, weil die Architektur genau den Erlösstrom untergräbt, aus dem der Konzern seine Marge zieht.
Royalty (Lizenzgebühr)
Eine Royalty ist die laufende Gebühr, die Arm für jeden verkauften Chip erhält. Diese Zahlung wiederholt sich über die gesamte Lebensdauer eines Chipdesigns und bildet mit 2,28 Milliarden Euro die größte Einnahmequelle im Geschäftsjahr 2026.
SoC (System-on-Chip)
Ein System-on-Chip vereint Rechenkern, Grafik und weitere Bausteine auf einem einzigen Chip. In fast jedem Smartphone-SoC steckt ein Arm-Kern, weshalb der Konzern an praktisch jedem Mobilgerät der Welt mitverdient.
SoftBank
SoftBank ist der japanische Beteiligungskonzern, der Arm 2016 übernahm und nach dem Börsengang weiter rund 89,9 Prozent der Anteile hält. Diese Mehrheit macht SoftBank zum entscheidenden Machtfaktor hinter jeder strategischen Wende.
FAQ: Arm: Wie verdient man an fast jedem Chip?

Wem gehört Arm?
Die Mehrheit an Arm hält der japanische Beteiligungskonzern SoftBank mit rund 89,9 Prozent der Anteile. SoftBank übernahm das Unternehmen 2016 und brachte Arm 2023 erneut an die Börse, behielt aber die Kontrolle. Der Streubesitz an der Nasdaq ist entsprechend klein.
Baut Arm eigene Chips?
Seit dem 24. März 2026 ja. Mit dem AGI-Chip für Rechenzentren stellte Arm zum ersten Mal seit 35 Jahren einen eigenen Prozessor vor. Gefertigt wird er wie bei fast allen Chipanbietern extern, in diesem Fall bei TSMC in Taiwan. Davor verkaufte Arm ausschließlich Baupläne.
Wie viel verdient Arm pro Chip?
Für jeden verkauften Chip erhält Arm eine kleine laufende Gebühr, meist einen niedrigen Prozentsatz des Chip-Verkaufspreises. Bei einfachen Bausteinen sind das wenige Cent, bei komplexen Smartphone-Prozessoren mehrere Euro. Über Milliarden Chips summiert sich das zur größten Einnahmequelle.
Was ist der Unterschied zwischen Arm und RISC-V?
Arm lizenziert seine Architektur gegen Gebühr, RISC-V ist quelloffen und kostenlos nutzbar. RISC-V gilt deshalb als langfristige Bedrohung für das Arm-Modell, besonders bei einfachen Chips und in China. Noch fehlt RISC-V allerdings das reife Software-Ökosystem, das Arm über Jahrzehnte aufgebaut hat.
Warum ist Arm an der Börse so hoch bewertet?
Arm verdient mit sehr hoher Marge, weil ein einmal entwickelter Bauplan ohne teure Fertigung vielfach verkauft wird. Dazu kommt der Rückenwind aus dem Rechenzentrum und der höhere Gebührensatz der Architektur Armv9. Anleger bezahlen vor allem die Aussicht auf stetig steigende Lizenzgebühren.
Konkurriert Arm jetzt mit seinen eigenen Kunden?
Ja. Mit dem AGI-Chip tritt Arm gegen Rechenzentrums-Prozessoren an, die Großkunden wie Amazon, Google, Microsoft und Nvidia auf Arm-Basis selbst bauen. Diese Kunden zahlen Arm Lizenzgebühren und finden sich nun als Wettbewerber wieder, was das bisherige Vertrauensverhältnis belastet.
Quellen
Arm Holdings | Ergebnisse erstes Quartal Geschäftsjahr 2027 (Arm Newsroom) | https://newsroom.arm.com/news/arm-q1-fye27-results | besucht am 19.09.2026
Arm Holdings | Rekordergebnis Gesamtjahr und viertes Quartal Geschäftsjahr 2026 (Arm Newsroom) | https://newsroom.arm.com/news/arm-q4-fye26-results | besucht am 19.09.2026
CNBC | Arm CEO says he is more confident its new AI chip can meet a loftier revenue goal | https://www.cnbc.com/2026/09/16/jim-cramer-arm-ceo-ai-revenue-goal.html | besucht am 19.09.2026
CNBC | Arm launches its own CPU, with Meta as first customer | https://www.cnbc.com/2026/03/24/arm-launches-its-own-cpu-with-meta-as-first-customer.html | besucht am 19.09.2026
SoftBank Group Corp. | SoftBank Group Report 2026, Botschaft von Arm-CEO Rene Haas | https://group.softbank/en/ir/financials/annual_reports/2026/message/arm | besucht am 19.09.2026
Europäische Zentralbank | Euro-Referenzkurs US-Dollar, Stichtag 18.09.2026 (1 Euro = 1,1460 US-Dollar) | https://www.ecb.europa.eu/stats/eurofxref/eurofxref-daily.xml | besucht am 19.09.2026