Samsung steckt in Milliarden Smartphones, Fernsehern und Waschmaschinen, und trotzdem macht keines dieser Geräte den Konzern reich. Im Sommer 2026 stammten 57,4 der 57,6 Milliarden Euro Betriebsgewinn aus einer einzigen Sparte, die kaum ein Kunde je zu Gesicht bekommt. Der Rest ist Schaufenster.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenSamsung meldete Ende Juli 2026 einen Rekord, der selbst im allgemeinen KI-Rausch aus der Reihe fällt: 110,3 Milliarden Euro Umsatz in einem einzigen Quartal und einen Betriebsgewinn von 57,6 Milliarden Euro. Getragen hat den Sprung nicht das Galaxy und nicht der QLED-Fernseher, sondern der Speicherchip, allen voran der teure HBM-Baustein für Rechenzentren. Dieser Beitrag öffnet die Blackbox und legt offen, aus welchen zwei, drei Mechanismen die eigentliche Marge fließt.
Das Wichtigste in Kürze
- Samsung ist für Verbraucher eine Geräte-Marke, in der Bilanz aber ein Halbleiterkonzern: Im zweiten Quartal 2026 kam der Betriebsgewinn zu 99,7 Prozent aus der Chip-Sparte.
- Der Konzern verdiente 57,6 Milliarden Euro Betriebsgewinn bei 110,3 Milliarden Euro Umsatz, den Löwenanteil mit teurem KI-Speicher der Bauart HBM.
- Die Handy-Sparte, für die Samsung weltweit bekannt ist, schrieb im selben Quartal 450 Millionen Euro Verlust, auch das TV- und Hausgerätegeschäft rutschte leicht ins Minus.
- Bei den KI-Speichern holte Samsung 2026 rasant auf und kam im zweiten Quartal auf rund ein Drittel Marktanteil, in der Auftragsfertigung bleibt der Abstand zu TSMC dagegen riesig.
- Samsung hängt an wenigen Großkunden, an einer schwankenden Speicherkonjunktur und an einer Eigentümerfamilie, die den Konzern über ein verschachteltes Beteiligungsgeflecht mit kleinem Anteil kontrolliert.
Wissenstest: Kennen Sie die Zahlen hinter dem Chip-Riesen?
1 Welche Sparte lieferte im zweiten Quartal 2026 fast den gesamten Betriebsgewinn von Samsung? Aufklappen ↓
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2 Wie schnitt die weltbekannte Handy-Sparte im zweiten Quartal 2026 ab? Aufklappen ↓
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3 Als was startete Samsung im Jahr 1938? Aufklappen ↓
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4 Wie steht Samsung in der Auftragsfertigung von Chips gegenüber TSMC da? Aufklappen ↓
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5 Warum ist HBM-Speicher für Samsung so lukrativ? Aufklappen ↓
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Wer steckt hinter Samsung und wie fing alles an?
Am Anfang stand kein Chip, sondern getrockneter Fisch. Lee Byung-chul gründete Samsung im März 1938 in der südkoreanischen Stadt Daegu als kleines Handelshaus, das Trockenfisch, Gemüse, Obst und selbst gemahlene Nudeln nach China exportierte. Der Name bedeutet auf Koreanisch „drei Sterne“ und sollte für etwas Großes und Ewiges stehen.
Aus dem Lebensmittelhandel wuchs in den Nachkriegsjahren rasch ein Mischkonzern. Lee stieg in Zuckerraffination, Textilien, Versicherungen und Handel ein und nutzte die Aufbaujahre der jungen Republik Korea, in denen die Regierung ausgewählte Familienunternehmen gezielt förderte. Diese enge Verzahnung von Staat und Großfamilie prägte den Konzern von Beginn an und erklärt bis heute seine schiere Breite.
Die Elektronik kam erst spät. Samsung Electronics entstand 1969, produzierte zunächst schwarzweiße Fernseher in Lizenz und lieferte 1970 sein erstes eigenes Gerät aus. Der eigentliche Wendepunkt war die Entscheidung, 1974 mit dem Kauf von Korea Semiconductor in die Halbleiterfertigung einzusteigen, ein Feld, das damals kaum jemand einem koreanischen Nachzügler zutraute.
Genau dieser Einstieg legte den Grundstein für alles Spätere. 1983 verkündete Lee Byung-chul in der sogenannten Tokio-Erklärung, Samsung werde in großem Stil DRAM-Speicher bauen, und schon 1984 lief der erste 64-Kilobit-Chip vom Band. Der Schritt galt als tollkühn, weil die Verluste jahrelang enorm waren, doch er entschied über die Zukunft des Konzerns.
Der Sprung in den Speicher war jahrelang ein Zuschussgeschäft. In der sogenannten Tokio-Erklärung von 1983 legte sich Lee Byung-chul öffentlich auf den Chip fest, und der Konzern nahm hohe Anlaufverluste in Kauf, um technologisch aufzuschließen. Erst als die Speicherpreise gegen Ende der achtziger Jahre anzogen, zahlte sich diese Geduld aus, und Samsung überholte nach und nach die etablierten japanischen Anbieter, die den Markt bis dahin beherrscht hatten.
Die prägende Figur der Moderne aber ist Lee Kun-hee, der Sohn des Gründers, der 1987 die Führung übernahm. Sein Satz von 1993, gefallen in einem Frankfurter Hotel, wurde zur Legende: „Ändern Sie alles außer Ihrer Frau und Ihren Kindern.“ Mit dieser Frankfurter Erklärung zwang er den Konzern zu einem radikalen Qualitätskurs, der Samsung binnen eines Jahrzehnts vom Billiganbieter zur Premiummarke umbaute.
Wie ernst es Lee Kun-hee mit diesem Kurs meinte, führte er 1995 drastisch vor. Vor versammelter Belegschaft ließ er rund 150.000 fehlerhafte Telefone und Faxgeräte auf einen Haufen werfen und öffentlich verbrennen, um jedem Mitarbeiter den neuen Anspruch einzubrennen. Diese Inszenierung begründete das bis heute gepflegte Selbstbild eines Konzerns, der sich in permanenter Krisenbereitschaft sieht und Stillstand als größte Gefahr begreift.
Der Kurswechsel zahlte sich gerade in Europa aus. Binnen weniger Jahre wandelte sich Samsung vom Namen für billige Importware zur Premiummarke, deren Fernseher und Telefone in deutschen Elektromärkten mit den etablierten Größen konkurrierten. Diese Aufwertung war kein Zufall, sondern das Ergebnis der harten Qualitätsdoktrin, die von Frankfurt aus ihren Anfang genommen hatte.
Wie wurde aus dem Handelshaus ein Weltkonzern?

Samsung wuchs in Wellen, und jede Welle war eine bewusste Wette auf Kapitalintensität. Nach dem Sprung in den Speicher folgte in den neunziger Jahren der Aufbau riesiger Fabriken, während westliche Wettbewerber wegen der zyklischen Verluste zögerten. Genau diese antizyklische Investitionslogik verschaffte Samsung immer dann Vorsprung, wenn die Nachfrage wieder anzog.
Der zweite Hebel war die Vorwärtsintegration in die Endgeräte. Aus dem Fernsehbauer wurde ein Anbieter, der Displays, Speicher, Prozessoren, Akkus und Kameras selbst fertigt und sie in eigene Telefone, Monitore und Haushaltsgeräte einbaut. Diese Tiefe der Wertschöpfung ist bis heute Samsungs Markenzeichen und unterscheidet den Konzern von fast allen Rivalen.
Den entscheidenden Popularitätsschub brachte das Smartphone. Mit der Galaxy-Reihe ab 2010 stieg Samsung binnen weniger Jahre zum weltgrößten Handyhersteller nach Stückzahlen auf und machte das Unternehmen für Milliarden Menschen erst sichtbar. Der Fernseher tat das Übrige: Seit 2006 führt Samsung den globalen TV-Markt an, laut Marktforscher Omdia zuletzt mit einem Anteil von rund 29 Prozent im Jahr 2025.
Übernahmen spielten eine kleinere Rolle als bei manchem Rivalen, doch eine ragt heraus. 2017 kaufte Samsung den amerikanischen Audio- und Autoelektronik-Spezialisten Harman für rund 6,9 Milliarden Euro und verschaffte sich damit einen Fuß in die vernetzte Fahrzeugtechnik. Der Zukauf zeigt das Muster: Samsung kauft selten Größe, sondern gezielt Kompetenz für die nächste Wachstumsstufe.
Parallel dazu verteilte Samsung seine Produktion über den Globus. Ein Großteil der Smartphones entsteht längst nicht mehr in Korea, sondern in riesigen Werken in Vietnam, während Chips vor allem in Korea und künftig in Texas gefertigt werden. Diese Streuung senkt Kosten und mildert Handelsrisiken, macht den Konzern aber zugleich abhängig von einer reibungslosen weltweiten Logistik, die in Krisenzeiten schnell zur Schwachstelle wird.
Nicht jeder Schritt gelang jedoch. In der asiatischen Finanzkrise 1997 stand auch Samsung unter Druck, trennte sich von Randgeschäften und verkaufte später das glücklose Autogeschäft an Renault. Diese schmerzhafte Bereinigung schärfte den Fokus auf Elektronik und Halbleiter und legte die Basis für den Aufstieg im folgenden Jahrzehnt, als das Smartphone die Branche umkrempelte.
Auch der spätere Höhenflug verlief nicht bruchlos. 2016 musste Samsung das Galaxy Note 7 nach brennenden Akkus weltweit zurückrufen, ein Debakel, das den Konzern nach eigenen Angaben mindestens 4,6 Milliarden Euro kostete. Der Rückruf führte vor, wie verletzlich selbst ein Marktführer wird, wenn ein einziges Bauteil versagt und das Vertrauen von Millionen Kunden auf dem Spiel steht.
Samsung Electronics ist zudem nur ein Teil eines weit größeren Firmengeflechts. Zur Samsung-Gruppe gehören unter anderem eine Großwerft, ein Biopharma-Hersteller, ein Batteriezellenbauer und eine Lebensversicherung, was dem Namen eine Breite verleiht, die weit über die Elektronik hinausreicht. Den jahrelangen Patentstreit mit Apple, der 2011 begann und um Designfragen kreiste, legten beide Seiten erst 2018 mit einem Vergleich bei.
Heute ist der Maßstab ein anderer. Allein im zweiten Quartal 2026 setzte Samsung Electronics 110,3 Milliarden Euro um, beschäftigt weltweit über eine Viertelmillion Menschen und zählt zu den wertvollsten Unternehmen Asiens. Aus dem Nudelhändler von 1938 ist ein Industriegigant geworden, dessen Bauteile in Geräten fast aller Wettbewerber stecken.
- Antizyklisch: Samsung baute Fabriken, wenn andere sparten, und kassierte den Aufschwung.
- Tiefe: Displays, Speicher, Chips und Akkus aus einer Hand landen im eigenen Endgerät.
- Sichtbarkeit: Galaxy und Fernseher machten die Marke bekannt, das Geld verdient längst der Chip.
Wie verdient Samsung tatsächlich sein Geld?

Samsung verdient sein Geld fast ausschließlich mit Speicherchips, obwohl die Welt es für einen Gerätehersteller hält. Im zweiten Quartal 2026 lieferte die Halbleitersparte Device Solutions einen Betriebsgewinn von 57,4 Milliarden Euro, während der gesamte Konzern 57,6 Milliarden Euro auswies. Rechnerisch stammten damit 99,7 Prozent der Marge aus einer einzigen Sparte.
Woher der Umsatz wirklich kommt
Der Konzern gliedert sich in vier große Blöcke, und ihre Beiträge könnten unterschiedlicher kaum sein. Die Sparte Device Solutions, kurz DS, umfasst das Speichergeschäft, die Chip-Auftragsfertigung Foundry und das Logikchip-Geschäft System LSI. Sie setzte im zweiten Quartal 82,0 Milliarden Euro um, also fast drei Viertel des Konzernumsatzes vor Verrechnungen.
Die zweite Säule ist die Sparte Device eXperience, kurz DX, unter der die sichtbaren Produkte laufen. Die Mobilsparte MX samt Netzwerktechnik brachte 21,3 Milliarden Euro Umsatz, das Fernseh- und Hausgerätegeschäft weitere 9,3 Milliarden Euro. Die Displaytochter Samsung Display steuerte 4,8 Milliarden Euro bei, vor allem mit OLED-Bildschirmen für hochwertige Smartphones.
Innerhalb der Chipsparte verbirgt sich zudem weit mehr als nur DRAM. Samsung gehört auch bei NAND-Flash-Speicher zur Weltspitze, fertigt in der Foundry-Sparte Chips nach fremdem Entwurf und entwickelt in System LSI eigene Mobilprozessoren der Reihe Exynos sowie Bildsensoren für Kameras. Diese Breite macht den Konzern zum weltweit einzigen Anbieter, der Speicher, Logikchips und die eigene Fertigung unter einem Dach vereint.
Der eigentliche Schock steckt aber nicht im Umsatz, sondern im Gewinn. Während die Chipsparte 57,4 Milliarden Euro verdiente, schrieb die weltbekannte Handy-Sparte einen Betriebsverlust von rund 450 Millionen Euro, und das TV- und Hausgerätegeschäft rutschte ebenfalls leicht ins Minus. Der Vergleich entlarvt das Selbstbild vieler Verbraucher, die Samsung für einen reinen Elektronikkonzern halten.
Der versteckte Erlösstrom: teurer KI-Speicher
Innerhalb des Speichergeschäfts sitzt der eigentliche Goldesel, und er heißt HBM. High Bandwidth Memory stapelt viele DRAM-Schichten übereinander und liefert die Datenbandbreite, die KI-Beschleuniger brauchen. Ein solcher Stapel kostet ein Vielfaches eines gewöhnlichen Speicherriegels, und genau diese Preisdifferenz treibt Samsungs Rekordmarge.
Die Nachfrage kommt von den Betreibern großer Rechenzentren, die 2026 dreistellige Milliardenbeträge in KI-Infrastruktur stecken. Ihr wichtigster Baustein neben dem Rechenchip sind die KI-Beschleuniger von Nvidia, die ohne HBM schlicht nicht funktionieren. Samsung liefert diesen Speicher zu und rückte 2026 in genau jenen Kreis von Zulieferern auf, der zuvor von der koreanischen Konkurrenz dominiert wurde.
Wie stark der Hebel wirkt, zeigt der Marktanteil. Nach Angaben des Seoul Economic Daily verdoppelte Samsung seinen HBM-Umsatzanteil im zweiten Quartal 2026 auf 33 Prozent und schob sich damit hinter SK Hynix auf Platz zwei, vor Micron. Bei den KI-Speichern holte der Konzern damit binnen eines Quartals mächtig auf.
Anders als eine reine Internetplattform verdient Samsung sein Geld mit Hardware, doch ganz ohne Datengeschäft ist der Konzern nicht. Über die vernetzte Haussteuerung SmartThings, den Galaxy Store, den Sprachassistenten und die Werbeplattform Samsung Ads sammelt er Nutzungsdaten und schaltet Anzeigen direkt auf den eigenen Geräten. Dieses Datengeschäft bleibt gemessen am Chip winzig, wächst aber und bindet Kunden fester ans Samsung-Ökosystem, was den Verkauf künftiger Geräte erleichtert.
Margen-Asymmetrie und Quersubventionierung
Zwischen den Sparten klafft eine der größten Margenlücken der gesamten Elektronikindustrie. Der Speicherchip trägt fast die gesamte Marge, während Smartphone, Fernseher und Waschmaschine im besten Fall kostendeckend arbeiten und 2026 sogar Verlust schrieben. Der unsichtbare Baustein finanziert also das sichtbare Produkt.
Diese Asymmetrie ist kein Zufall, sondern strategisch nützlich. Die Endgeräte sichern Samsung Reichweite, Markenwert und einen garantierten Abnehmer für die eigenen Chips, Displays und Akkus. Selbst wenn ein Galaxy kaum Gewinn abwirft, verkauft der Konzern an sich selbst den Speicher und das OLED, an denen dann doch wieder die Chip- und Displaysparte verdient.
Der Preis dieser Konstruktion ist eine extreme Konjunkturabhängigkeit. Speicher ist ein zyklisches Gut, dessen Preise sich binnen Monaten verdoppeln oder halbieren können. In guten Jahren wie 2026 explodiert der Gewinn, in schlechten Jahren bricht er fast vollständig weg, weil die stabilen Gerätesparten die Delle nicht auffangen können. Genau darin liegt die Achillesferse des Modells.
Wir halten diese Konzentration für Samsungs größte Stärke und zugleich für sein gefährlichstes Erbe. Der Konzern hat gelernt, in einem Markt zu gewinnen, in dem Kapital und Nervenstärke über Sieg oder Niederlage entscheiden, und genau diese Disziplin trägt den Rekord von 2026. Zugleich hängt damit das Wohl eines Weltkonzerns an einem einzigen Rohstoff der Digitalwirtschaft, dessen Preis niemand zuverlässig vorhersagen kann.
In den vergangenen fünf Jahren hat sich das Gewicht weiter zum Chip verschoben. Der KI-Boom ab 2024 machte HBM vom Nischenprodukt zum wichtigsten Gewinnbringer, während die Handysparte unter steigenden Bauteilkosten leidet. Samsung ist damit noch stärker von einem einzigen Markt abhängig geworden, als es das ohnehin schon war.
Diese Verschiebung schlägt sich in gewaltigen Investitionen nieder. Samsung errichtet für rund 32 Milliarden Euro eine Fabrik im texanischen Taylor, sicherte sich 2026 einen Auftragsfertigungs-Vertrag mit Tesla über umgerechnet etwa 14,3 Milliarden Euro und liefert die neueste HBM-Generation an große KI-Entwickler. Diese Milliardenwetten zeigen unmissverständlich, wohin der Konzern sein Kapital lenkt, nämlich fast vollständig in die Halbleiterzukunft und kaum noch in die klassische Unterhaltungselektronik.
Unterm Strich ruht Samsungs Marge auf wenigen Mechanismen. Die Knappheitsprämie beim KI-Speicher liefert den Löwenanteil, der Skalenvorteil der größten Fabriken sichert die Kostenführerschaft, und die Quersubventionierung sorgt dafür, dass der Chip die sichtbaren Geräte mitträgt. Alles andere, vom Fernseher bis zur Waschmaschine, ist gemessen am Gewinn eher Beiwerk als Fundament, so sehr es die Marke auch prägt.
- Konzentration: 99,7 Prozent des Betriebsgewinns kamen im zweiten Quartal 2026 aus der Chipsparte.
- HBM: Der teure KI-Speicher ist der eigentliche Goldesel, Samsung kam dort auf 33 Prozent Marktanteil.
- Risiko: Die Endgeräte tragen kaum Marge, deshalb hängt fast alles am schwankenden Speicherpreis.
Wie groß ist die Marktmacht von Samsung?

Samsungs Marktmacht ist gespalten: übermächtig im Speicher, marktführend beim Endgerät, aber ein Zwerg in der Auftragsfertigung. Im DRAM-Geschäft hielt der Konzern Anfang 2026 rund 38 Prozent Marktanteil und damit die Spitzenposition vor SK Hynix. Bei den KI-Speichern liegt er auf Platz zwei, bei Fernsehern seit zwei Jahrzehnten auf Platz eins.
Beim Smartphone rangiert Samsung nach Stückzahlen an der Weltspitze, 2026 knapp vor Apple, obwohl der Gesamtmarkt wegen der Speicherkrise laut IDC um fast 17 Prozent einbrach. Diese Breite verschafft dem Konzern eine seltene Stellung: In kaum einem anderen Unternehmen greifen so viele führende Positionen entlang derselben Lieferkette ineinander.
Ganz anders sieht es in der Chip-Auftragsfertigung aus. Dort dominiert der taiwanische Auftragsfertiger TSMC mit rund 72,5 Prozent Marktanteil im zweiten Quartal 2026, während Samsung Foundry laut den Marktdaten von TrendForce auf lediglich 5,9 Prozent kam. Beim Umsatz lag TSMC mit rund 35 Milliarden Euro etwa elfmal so hoch wie die Samsung-Sparte, eine Kluft, die sich zuletzt sogar weiter öffnete.
Immerhin keimt in dieser Sparte Hoffnung. Der 2026 gemeldete Großauftrag von Tesla und erste Aufträge für die moderne Zwei-Nanometer-Fertigung gelten Analysten als möglicher Wendepunkt, an dem Samsung nach Jahren der Verluste wieder Boden gutmacht. Ob daraus mehr wird als ein Achtungserfolg, hängt an der Ausbeute, also am Anteil funktionierender Chips pro Scheibe, und genau dort lag Samsung bislang hinter dem taiwanischen Rivalen zurück.
Die Marktmacht des Konzerns speist sich vor allem aus Skalen- und Netzwerkeffekten im Speicher. Der Betreiber der größten Fabriken mit der modernsten Fertigung produziert jeden zusätzlichen Chip günstiger und hält Preisrunden länger durch. Diese Kostenführerschaft ist der eigentliche Burggraben, nicht die Marke Galaxy.
Im Speicher profitiert Samsung zusätzlich von einer seltenen Marktform. Drei Anbieter, Samsung, SK Hynix und Micron, teilen den Weltmarkt fast vollständig unter sich auf, was Preisdisziplin begünstigt und hohe Eintrittshürden schafft. Ein neuer Konkurrent müsste zweistellige Milliardenbeträge in Fabriken stecken, bevor er den ersten wettbewerbsfähigen Chip verkaufen könnte, weshalb seit Jahren niemand ernsthaft in diesen Kreis vorstößt.
Hinzu kommt die Bindung der Kunden über Technik und Zertifizierung. Ein HBM-Speicher wird vor dem Einbau in einen KI-Beschleuniger über viele Monate geprüft und qualifiziert, weshalb ein späterer Wechsel des Lieferanten teuer und riskant ist. Diese Wechselkosten sichern Samsung einmal gewonnene Aufträge oft über ganze Produktgenerationen und erklären, warum die Aufnahme in die Lieferliste eines großen KI-Kunden so wertvoll ist.
Wer ist bei Samsung eigentlich das Produkt?

Bei Samsung ist der Endkunde weniger die Geldquelle, als er denkt, denn den größten Wert schöpft der Konzern aus sich selbst und aus seinen Industriekunden. Der Käufer eines Galaxy oder Fernsehers zahlt zwar einen Preis, doch die Gerätesparten verdienen daran kaum. Die eigentliche Wertschöpfung sitzt eine Ebene tiefer, im Bauteil.
Samsung ist zugleich Zulieferer der halben Branche. Speicher, OLED-Displays und Bildsensoren aus koreanischer Fertigung stecken auch in Geräten der Konkurrenz, bis hin zum iPhone, dessen Bildschirme lange von Samsung Display kamen. Der Konzern verdient also selbst dann, wenn ein Kunde bewusst ein fremdes Produkt kauft, solange darin ein Samsung-Bauteil arbeitet.
Die profitabelsten Abnehmer sind aber nicht die Verbraucher, sondern die Betreiber großer Rechenzentren. Sie kaufen HBM-Speicher in gewaltigen Mengen und zu hohen Preisen, und ihre Nachfrage bestimmt inzwischen den Gewinn des gesamten Konzerns. Der einzelne Handykäufer ist im Vergleich dazu fast eine Randnotiz in der Bilanz.
Innerhalb des Konzerns wird die eigene Endgerätesparte zum wichtigsten Innenkunden. Jedes Galaxy und jeder Fernseher garantiert der Chip- und Displaysparte einen sicheren Abnehmer und puffert Nachfrageschwankungen des freien Markts. Der Verbraucher finanziert damit weniger den Gewinn als die Auslastung und die Marktstellung des Konzerns.
Diese Rollenverteilung erklärt, warum Samsung selbst in einem schwachen Handyjahr nicht ins Wanken gerät. Verkauft sich ein Galaxy schlecht, verliert zwar die Mobilsparte, doch der Konzern spürt es kaum, solange die Rechenzentren weiter Speicher bestellen. Der eigentliche Machthebel liegt damit bei einer Handvoll Großkunden im Serverschrank, nicht bei den vielen Millionen Menschen, die ein Samsung-Telefon in der Tasche tragen.
Aus Sicht der Wertschöpfung dreht Samsung damit das gewohnte Bild um. Bei Handelsplattformen ist am Ende oft der Nutzer die eigentliche Ware, bei Samsung ist es der sichtbare Käufer, dessen Gerätekauf vor allem die teuren Fabriken auslastet. Den echten Wert schöpft der Konzern aus dem Bauteil und aus den Industriekunden, während der Endverbraucher die Nebenrolle spielt, die er selbst für die Hauptrolle hält.
- Doppelrolle: Samsung verkauft Geräte und beliefert zugleich die Konkurrenz mit Bauteilen.
- Großkunden: Rechenzentren zahlen für HBM die höchsten Preise und bestimmen den Konzerngewinn.
- Innenkunde: Die eigene Gerätesparte sichert der Chipfertigung Auslastung, nicht Marge.
Was kostet Samsungs Technik wirklich, und wer trägt die Kosten?

Der Preis eines Samsung-Geräts besteht zu großen Teilen aus fremden und eigenen Bauteilen, während die Handelsspanne für den Konzern erstaunlich dünn bleibt. Bei einem Smartphone entfällt der Großteil der Herstellkosten auf Prozessor, Speicher, Display und Kamera, gefolgt von Fertigung, Marketing und Vertrieb. Was am Ende als Gewinn übrigbleibt, war 2026 in der Handysparte sogar negativ.
Genau hier liegt der Unterschied zwischen sichtbarem und unsichtbarem Geschäft. Am teuren KI-Speicher verdient Samsung eine fürstliche Marge, weil Angebot knapp und Nachfrage überbordend ist. Am Endgerät dagegen konkurriert der Konzern mit Dutzenden Anbietern und muss steigende Bauteilpreise oft selbst schlucken, statt sie voll an den Kunden weiterzureichen.
Wie groß die Preisspanne ausfällt, zeigt ein Blick auf die Speicherpreise selbst. Ein Riegel klassischen Arbeitsspeichers kostet nur wenige Euro, ein HBM-Stapel für einen KI-Beschleuniger dagegen ein Vielfaches, weil er aufwendig gestapelt, verbunden und getestet werden muss. Diese Knappheitsprämie ist der Grund, warum dieselbe Fabrik mit KI-Speicher weit mehr verdient als mit Ware für Notebooks, und warum Samsung seine Kapazitäten zunehmend in Richtung HBM umschichtet.
Die folgende Aufstellung zeigt, wie unterschiedlich sich der Preis in den beiden Welten zusammensetzt und wer die Kosten am Ende trägt.
| Kostenblock | Premium-Smartphone | HBM-Speicher fürs Rechenzentrum |
|---|---|---|
| Bauteile und Material | Sehr hoch, oft über die Hälfte des Preises | Moderat, viel Eigenfertigung |
| Fertigung und Verpackung | Mittel, stark automatisiert | Hoch, komplexe Stapeltechnik |
| Marketing und Vertrieb | Hoch, globale Kampagnen | Sehr niedrig, wenige Großkunden |
| Marge für Samsung | Dünn bis negativ (2026) | Sehr hoch, Knappheitsprämie |
| Wer trägt die Kosten | Endkunde und der Konzern selbst | Betreiber von Rechenzentren |
Für den Verbraucher heißt das: Der offene Ladenpreis eines Geräts spiegelt kaum, wo Samsung wirklich verdient. Wer ein Galaxy kauft, bezahlt vor allem Zulieferer und Marketing, während der Konzern seine Marge längst an anderer Stelle einfährt, nämlich bei den Industriekunden im Rechenzentrum.
Hinzu kommen Folgekosten, die im ausgewiesenen Preis nicht auftauchen. Einmal in Samsungs Welt angekommen, kaufen Kunden häufig passendes Zubehör, Speichererweiterungen und Nachfolgegeräte derselben Marke, weil sie reibungslos zusammenspielen. Diese Anschlusskäufe binden den Kunden und verschieben einen Teil der Wertschöpfung in die Zeit lange nach dem eigentlichen Gerätekauf, ganz ohne dass ein neuer Vertrag nötig wäre.
- Gerät: Bauteile und Marketing fressen den Preis, die Marge bleibt dünn bis negativ.
- Speicher: Knappheit erlaubt eine Prämie, die Kosten trägt der Rechenzentrumsbetreiber.
- Fehlwahrnehmung: Der Ladenpreis eines Handys sagt nichts darüber, wo Samsung verdient.
Wer profitiert und wer zahlt drauf?

Vom Samsung-Modell profitieren vor allem Großaktionäre, die Eigentümerfamilie und die Betreiber von KI-Rechenzentren, während Zulieferer, Beschäftigte in der Peripherie und kleinere Wettbewerber den Druck spüren. Der Rekordgewinn 2026 landete zu einem großen Teil bei den Anteilseignern, der Gewinn je Aktie stieg um 52 Prozent auf umgerechnet knapp sieben Euro.
Auf der Gewinnerseite steht auch der Kunde im Rechenzentrum, so paradox das klingt. Denn ohne verlässlichen zweiten HBM-Lieferanten neben SK Hynix bliebe die KI-Branche von einem einzigen Anbieter abhängig. Samsungs Aufholjagd verschafft den großen Cloud-Konzernen Verhandlungsmacht und Liefersicherheit, auch wenn der Speicher teuer bleibt.
Zu den Gewinnern zählen auch die Beschäftigten in der Chipsparte und jene Zulieferer, die früh auf Samsung setzten. Lieferanten der richtigen Maschinen, Materialien oder Vorprodukte für die Speicherfertigung wachsen mit dem Boom kräftig mit. Diese Sogwirkung reicht bis in koreanische Zulieferstädte, deren Wohlstand unmittelbar am Takt der Samsung-Fabriken hängt.
Auf der Verliererseite stehen zuerst die Zulieferer und die kleineren Rivalen. Kleinere Rivalen, die im Speicher gegen Samsungs Skalenvorteil antreten, verlieren in der Preiskrise zuerst, und viele Bauteillieferanten stehen unter dauerndem Kostendruck. Auch die eigene Handysparte zahlt drauf, weil sie die teuren Chips einkaufen muss, ohne die Preise voll weitergeben zu können.
Hier zeigt sich das Pendant zum Plattform-Fluch anderer Geschäftsmodelle. Einmal im Samsung-Ökosystem gefangen, ob als Zulieferer, als interne Sparte oder als Kunde im engen Speichermarkt, kommt kaum jemand wieder heraus und akzeptiert im Zweifel schlechtere Konditionen. Diese Bindung ist für den Konzern wertvoll, für die Abhängigen aber ein goldener Käfig, dessen Gitter aus Wechselkosten und fehlenden Alternativen besteht.
Bei Samsung ist das Galaxy nur das Schaufenster: Der Rekordgewinn 2026 fließt fast vollständig aus einem Speicherchip, den kein Kunde je in der Hand hält. Die bekannteste Marke der Welt verdient ihr Geld ausgerechnet mit dem Bauteil, das niemand sieht.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Am längeren Hebel sitzt in diesem Modell klar das Kapital. Die Familie Lee und die großen Anteilseigner profitieren von jedem Rekordquartal, während die Beschäftigten in den margenschwachen Gerätesparten und die Zulieferer den Sparzwang tragen. Diese Verteilung ist kein Betriebsunfall, sondern das erwartbare Ergebnis eines Konzerns, dessen Gewinn an einem einzigen, extrem kapitalintensiven Produkt hängt.
Ein besonderes Risiko ist die Abhängigkeit vom Zyklus. Die heutigen Gewinner können bei der nächsten Speicherschwemme schnell zu Verlierern werden, weil der Preisverfall dann alle Anbieter zugleich trifft. Ein Konzern, der sich zu stark auf die fetten Jahre verlässt, erlebt in mageren Jahren einen brutalen Absturz, wie ihn die Speicherbranche schon mehrfach durchlebt hat.
| Gruppe | Profitiert | Zahlt drauf |
|---|---|---|
| Aktionäre und Familie Lee | Rekordgewinn, Dividende, Kursgewinn | |
| Rechenzentrumsbetreiber | Zweiter HBM-Lieferant, Liefersicherheit | Hohe Speicherpreise |
| Zulieferer | Dauernder Kostendruck | |
| Kleinere Wettbewerber | Skalen-Nachteil in der Preiskrise | |
| Eigene Handysparte | Sichere Bauteilversorgung | Teure Chips, dünne Marge |
Wie politisch ist Samsung?

Samsung ist in Südkorea kein bloßes Unternehmen, sondern eine wirtschaftspolitische Größe, deren Wohlergehen als nationale Angelegenheit gilt. Der Konzern steht an der Spitze der sogenannten Chaebol, der familiengeführten Großkonzerne, die die koreanische Wirtschaft dominieren. Allein Samsung Electronics steht für einen erheblichen Teil der Exporte des Landes.
Kontrolliert wird der Konzern über ein verschachteltes Beteiligungsgeflecht. Die Familie Lee hält nur einen kleinen direkten Anteil, sichert ihre Macht aber über Überkreuzbeteiligungen zwischen Gesellschaften wie Samsung C&T und Samsung Life. Diese Struktur erlaubt Kontrolle mit vergleichsweise wenig Kapital und steht seit Jahren im Zentrum der koreanischen Debatte über Konzernreformen.
Die Nähe zur Politik zeigte sich immer wieder vor Gericht. Firmenchef Lee Jae-yong wurde 2017 im Zuge des Korruptionsskandals um die damalige Präsidentin Park Geun-hye verurteilt, kam auf Bewährung frei und wurde 2022 begnadigt, ausdrücklich mit Verweis auf seine wirtschaftliche Bedeutung fürs Land. Im getrennten Verfahren um die umstrittene Fusion zweier Konzerntöchter von 2015 sprach ihn Südkoreas Justiz frei, den Freispruch bestätigte 2025 der Oberste Gerichtshof endgültig.
Wie eng Familie und Konzern verwoben sind, führte der Erbfall des 2020 gestorbenen Lee Kun-hee vor. Sein Nachlass aus Aktien, Immobilien und einer riesigen Kunstsammlung wurde auf rund 16,7 Milliarden Euro taxiert, worauf die Erben die höchste Erbschaftsteuer der koreanischen Geschichte von umgerechnet etwa 7,7 Milliarden Euro schuldeten. Die letzte Rate beglich die Familie erst im Frühjahr 2026, ein Vorgang, der die enorme Vermögenskonzentration an der Konzernspitze öffentlich sichtbar machte.
International ist Samsung längst Teil der großen Chip-Geopolitik. Für seine Fabrik im texanischen Taylor, ein Projekt von rund 32 Milliarden Euro, erhält der Konzern Subventionen aus dem amerikanischen Förderprogramm für die Halbleiterfertigung. Damit wird Samsung zum Spielball und zugleich zum Nutznießer des Wettlaufs, mit dem die USA und Europa Chipproduktion ins eigene Land holen wollen.
Diese Größenordnung erklärt, warum die Politik in Seoul den Konzern mit Samthandschuhen anfasst. Samsung steht für einen beträchtlichen Teil der koreanischen Ausfuhren, und ein schwaches Samsung-Jahr drückt spürbar auf die gesamte Wirtschaftsleistung des Landes. Kaum eine Regierung kann es sich leisten, den größten Steuerzahler und Arbeitgeber offen gegen sich aufzubringen, was Begnadigungen und milde Urteile in einem anderen Licht erscheinen lässt.
In der öffentlichen Wahrnehmung inszeniert sich Samsung konsequent als nationaler Champion und Innovationsmotor. Der Konzern verweist auf Arbeitsplätze, Exporterfolge und technologische Spitzenleistungen, sobald Kritik an Machtfülle oder Führungsstruktur laut wird. Diese Erzählung wirkt, weil sie einen wahren Kern trägt, und sie verschafft dem Unternehmen einen politischen Spielraum, den ein bloßer Gerätehersteller nie hätte.
- Chaebol: Samsung dominiert Koreas Wirtschaft und gilt als nationale Angelegenheit.
- Kontrolle: Die Familie Lee steuert den Konzern über ein Beteiligungsgeflecht mit kleinem Anteil.
- Geopolitik: Die Texas-Fabrik macht Samsung zum Nutznießer des westlichen Chip-Wettlaufs.
Was könnte Samsung zu Fall bringen?

Die größte Gefahr für Samsung ist die eigene Abhängigkeit von einem einzigen, notorisch schwankenden Markt. Weil fast der gesamte Gewinn aus dem Speicher kommt, würde ein Preisverfall wie in früheren Zyklen den Konzern hart treffen. Was den Rekord 2026 trägt, kann sich binnen weniger Quartale in einen Absturz verkehren.
Das zweite Risiko ist der Wettbewerb im Kerngeschäft. Bei den KI-Speichern führt weiter SK Hynix, und Micron drängt nach. Sollte Samsung den technologischen Anschluss bei der nächsten HBM-Generation verlieren, wäre der wichtigste Gewinnbringer gefährdet, denn in diesem Markt zählt allein die jeweils modernste Technik.
Von unten drängt zudem neue Konkurrenz aus China. Hersteller wie ChangXin Memory bauen mit staatlicher Rückendeckung eigene Speicherfertigungen auf und könnten das margenstarke Oligopol mittelfristig aufweichen, zunächst bei einfacheren Chips. Diese Aufholjagd ist heute noch kein Grund zur Sorge, doch sie erinnert daran, dass Samsung selbst einst als unterschätzter Nachzügler die etablierten Japaner verdrängte.
In der Auftragsfertigung ist der Rückstand ohnehin gewaltig. Gegen TSMC und den aufholenden amerikanischen Rivalen Intel kämpft Samsung Foundry mit schwächeren Ausbeuten und weniger Großkunden. Gelingt die Wende hier nicht, bleibt eine ganze Sparte strukturell defizitär und bindet Kapital, das anderswo mehr Rendite brächte.
Hinzu kommen Klumpenrisiken jenseits der Technik. Die Abhängigkeit von wenigen Großkunden, die Konzentration wichtiger Fabriken in Korea und die geopolitischen Spannungen um Taiwan und China könnten die Lieferketten empfindlich stören. Auch die Nachfolge und die Machtstruktur der Familie Lee bleiben ein Unsicherheitsfaktor, den kein Quartalsbericht auflöst. Kommt mehreres davon zusammen, kann selbst ein kerngesunder Konzern binnen weniger Quartale in schwere See geraten, wie die Speichergeschichte immer wieder gezeigt hat.
Jenseits der bekannten Risiken lauern die unwahrscheinlichen, aber verheerenden Fälle. Ein schweres Erdbeben nahe den koreanischen Großfabriken, ein militärischer Konflikt in der Region oder ein plötzlicher Technologiesprung eines Rivalen könnten den Konzern härter treffen als jede Konjunkturdelle. Solche Ausreißer lassen sich nicht vorhersagen, doch gerade die extreme Konzentration auf wenige Standorte und ein einziges Kernprodukt macht Samsung dafür anfällig.
Drei Szenarien sind für die kommenden Jahre denkbar. Hält der KI-Ausbau an, bleibt Samsung im Speicher lange oben und verdient prächtig. Normalisiert sich die Nachfrage, kehrt der Konzern zu schwankenden, aber soliden Ergebnissen zurück. Kippt der Zyklus dagegen scharf, folgt ein Einbruch, wie ihn die Branche schon mehrfach erlebt hat, weil die margenschwachen Gerätesparten die Delle im Ergebnis nicht auffangen können.
Was bedeutet Samsung für deutsche Unternehmer und Verbraucher?

Für deutsche Verbraucher und Firmen ist Samsung Lieferant, Wettbewerber und Preistreiber zugleich, und der KI-Speicher-Boom 2026 wirkt bis in den Elektromarkt vor Ort. Weil Speicher knapp und teuer wurde, stiegen 2026 die Preise für Smartphones und Notebooks weltweit, und der Gerätemarkt schrumpfte laut IDC deutlich.
Als Zulieferer ist der Konzern kaum zu umgehen. In vielen Rechnern, Servern und Industriegeräten deutscher Hersteller steckt koreanischer Speicher, und der deutsche Maschinenbau hängt genauso an stabilen Chip-Lieferketten wie die Autoindustrie. Steigt der Speicherpreis, verteuert sich am Ende jedes Gerät mit Elektronik, vom Steuergerät bis zum Server im Firmenkeller.
Als Wettbewerber trifft Samsung vor allem den deutschen Hausgeräte- und Unterhaltungsmarkt. Bei Fernsehern und Waschmaschinen konkurriert der Konzern direkt mit deutschen Größen wie den Bosch- und Siemens-Marken oder Miele, und seine Deutschlandzentrale sitzt seit Jahrzehnten im hessischen Schwalbach am Taunus, unweit jenes Frankfurt, in dem 1993 die berühmte Erklärung fiel.
Für die kommenden zwölf Monate sind drei Szenarien denkbar. Im optimistischen Fall hält der KI-Boom an, Speicher bleibt knapp, und deutsche Kunden zahlen zwar mehr, bekommen aber verlässlich Ware. Im realistischen Fall normalisieren sich die Preise langsam. Im pessimistischen Fall kippt der Zyklus, die Speicherpreise fallen, und Samsungs Rekordgewinn schrumpft ebenso schnell, wie er gekommen ist.
Konkret spürbar wird das an der Ladenkasse und in der Beschaffung. Ein neues Premium-Smartphone verteuerte sich 2026 deutlich, weil der verbaute Speicher teurer wurde, und deutsche Server- sowie Industrieanbieter mussten ihre Budgets für Bauteile nach oben korrigieren. Der Speicherpreis ist damit zu einer stillen Größe geworden, die weit über die Elektronikbranche hinaus in Kalkulationen des Mittelstands hineinwirkt.
Handfeste Alternativen gibt es dennoch. Deutsche Firmen können ihre Speicherbezüge auf mehrere Hersteller verteilen, längere Lieferverträge absichern und bei Fernsehern oder Hausgeräten bewusst auf europäische Anbieter setzen. Solche Streuung kostet zunächst Bequemlichkeit, verringert aber die Abhängigkeit von einem einzelnen Konzern und vom Auf und Ab des Speicherpreises, das inzwischen ganze Branchen mitbewegt.
Praktisch heißt das für deutsche Entscheider: Wer auf Elektronik angewiesen ist, sollte Speicher- und Chipkosten fest in die Kalkulation einplanen und Lieferverträge nicht auf einen einzigen Anbieter stützen. Als Verbraucher lohnt es sich, größere Anschaffungen mit Blick auf den Speicherzyklus zu timen, denn die heutigen Höchstpreise sind kein Naturgesetz, sondern Ausdruck einer Knappheit, die auch wieder vergeht. Mit Kenntnis dieses Rhythmus verhandeln Firmen bei Chips und Speicher aus einer besseren Position und geraten nicht in Panik, sobald die nächste Preisspitze anrollt.
- Preistreiber: Knapper Speicher verteuerte 2026 Handys, Notebooks und Industriegeräte.
- Wettbewerb: Bei TV und Hausgeräten trifft Samsung Bosch, Siemens und Miele direkt.
- Rat: Chipkosten einkalkulieren, Lieferanten streuen, größere Käufe nach dem Zyklus timen.
Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe zu Samsung und seinem Geschäftsmodell

Chaebol
Chaebol bezeichnet die großen, familiengeführten Mischkonzerne Südkoreas wie Samsung, LG oder Hyundai. Sie sind über zahlreiche Töchter und Überkreuzbeteiligungen verbunden und prägen die Wirtschaft des Landes stark. Ihre Macht und Kontrollstruktur ist Dauerthema der koreanischen Reformdebatte.
DRAM
DRAM steht für dynamischen Arbeitsspeicher, den flüchtigen Hauptspeicher in Computern, Servern und Smartphones. Samsung ist mit einem Anteil um 38 Prozent Weltmarktführer. DRAM ist ein zyklisches Massengut, dessen Preise stark schwanken.
Device Solutions (DS)
Device Solutions ist Samsungs Halbleitersparte und umfasst Speicher, die Auftragsfertigung Foundry und das Logikchip-Geschäft System LSI. Sie trug im zweiten Quartal 2026 fast den gesamten Betriebsgewinn des Konzerns.
EBIT
EBIT ist der Gewinn vor Zinsen und Steuern, im Deutschen Betriebsgewinn. Er misst, wie profitabel das operative Geschäft arbeitet. Bei Samsung klaffen die EBIT-Beiträge der Sparten 2026 extrem auseinander.
Foundry
Foundry nennt man die reine Auftragsfertigung von Chips nach fremdem Entwurf. Marktführer ist TSMC, Samsung ist mit rund sechs Prozent Anteil ein kleiner Verfolger. Das Geschäft ist extrem kapitalintensiv.
HBM
HBM steht für High Bandwidth Memory, einen gestapelten Speicher mit sehr hoher Datenbandbreite. Er ist unverzichtbar für KI-Beschleuniger und erzielt hohe Preise. Für Samsungs Rekordgewinn 2026 ist HBM der entscheidende Treiber.
IDM
IDM steht für Integrated Device Manufacturer, ein Unternehmen, das Chips selbst entwirft und selbst fertigt. Samsung und Intel sind IDM, im Gegensatz zu reinen Auftragsfertigern oder fabriklosen Entwicklern.
Marktzyklus
Marktzyklus beschreibt im Speichergeschäft den Wechsel aus Knappheit mit hohen Preisen und Überangebot mit Preisverfall. Weil Samsungs Gewinn stark am Speicher hängt, bestimmt dieser Zyklus die Ergebnisse maßgeblich.
OLED
OLED ist eine Bildschirmtechnik mit selbstleuchtenden Bildpunkten, die kräftige Farben und dünne Bauformen erlaubt. Samsung Display liefert OLED-Bildschirme für hochwertige Smartphones, auch an Wettbewerber.
Quersubventionierung
Quersubventionierung bezeichnet den Ausgleich, bei dem eine hochprofitable Sparte eine wenig profitable stützt. Bei Samsung finanziert der Speicher faktisch die margenschwachen Gerätesparten und sichert ihnen Auslastung.
Skaleneffekt
Skaleneffekt meint sinkende Stückkosten bei wachsender Produktionsmenge. Im Speicher ist er Samsungs wichtigster Vorteil, weil große Fabriken jeden zusätzlichen Chip günstiger fertigen und Preiskrisen länger durchstehen.
System LSI
System LSI ist Samsungs Sparte für Logikchips wie mobile Prozessoren und Bildsensoren. Sie entwirft unter anderem die Exynos-Chips und arbeitet eng mit der Auftragsfertigung Foundry zusammen.
FAQ: Samsung und sein Geschäftsmodell

Womit verdient Samsung das meiste Geld?
Samsung verdient fast sein gesamtes Geld mit Halbleitern, vor allem mit Speicherchips. Im zweiten Quartal 2026 kamen 57,4 der 57,6 Milliarden Euro Betriebsgewinn aus der Chipsparte, also rund 99,7 Prozent. Den größten Schub liefert der teure KI-Speicher HBM.
Verdient Samsung nicht mit Smartphones und Fernsehern?
Umsatz ja, Gewinn kaum. Die Handysparte setzte im zweiten Quartal 2026 zwar 21,3 Milliarden Euro um, schrieb aber rund 450 Millionen Euro Verlust. Auch das Fernseh- und Hausgerätegeschäft rutschte leicht ins Minus. Die Geräte sichern vor allem Reichweite und Bauteil-Auslastung.
Was ist HBM und warum ist es so wichtig für Samsung?
HBM steht für High Bandwidth Memory, einen gestapelten Speicher mit sehr hoher Datenbandbreite. KI-Beschleuniger in Rechenzentren brauchen ihn zwingend, und er erzielt ein Vielfaches des Preises von Standardspeicher. 2026 verdoppelte Samsung seinen HBM-Marktanteil auf rund 33 Prozent.
Wie groß ist Samsung im Vergleich zu TSMC bei der Chipfertigung?
In der reinen Auftragsfertigung ist Samsung klein. Im zweiten Quartal 2026 hielt TSMC rund 72,5 Prozent des Markts, Samsung Foundry nur 5,9 Prozent. Beim Umsatz lag TSMC etwa elfmal so hoch. Im Speicher dagegen ist Samsung Weltmarktführer.
Wem gehört Samsung?
Samsung Electronics ist börsennotiert, doch die Gründerfamilie Lee kontrolliert den Konzern über ein Beteiligungsgeflecht mit Gesellschaften wie Samsung C&T und Samsung Life. So sichert die Familie ihre Macht mit vergleichsweise kleinem direktem Anteil. Firmenchef ist Lee Jae-yong.
Was bedeutet Samsungs Rekordgewinn für deutsche Verbraucher?
Weil Speicher 2026 knapp und teuer wurde, stiegen die Preise für Smartphones, Notebooks und Industrieelektronik. Deutsche Firmen spüren das als Zulieferkosten, Verbraucher an der Ladenkasse. Fällt der Speicherzyklus wieder, dürften auch die Gerätepreise sinken.
Quellen
Samsung Electronics | Samsung Electronics Announces Second Quarter 2026 Results | https://news.samsung.com/global/samsung-electronics-announces-second-quarter-2026-results | besucht am 15.09.2026
Samsung Electronics | Samsung Unveils HBM4E at NVIDIA GTC 2026 | https://news.samsung.com/global/samsung-unveils-hbm4e-showcasing-comprehensive-ai-solutions-nvidia-partnership-and-vision-at-nvidia-gtc-2026 | besucht am 15.09.2026
Seoul Economic Daily | Samsung doubles HBM market share to 33 percent, narrowing gap with SK hynix | https://en.sedaily.com/finance/2026/09/03/samsung-doubles-hbm-market-share-to-33-percent-narrowing | besucht am 15.09.2026
Sammy Fans | TSMC maintains 72.5% market share while SMIC gains ground on Samsung | https://www.sammyfans.com/2026/09/09/tsmc-maintains-72-5-market-share-while-smic-gains-ground-on-samsung/ | besucht am 15.09.2026
IDC | Worldwide Smartphone Market to Decline in 2026 as Memory Crisis Constrains Growth | https://www.idc.com/resource-center/blog/worldwide-smartphone-market-to-decline-13-9-in-2026-as-memory-crisis-and-us-iran-war-constrain-growth/ | besucht am 15.09.2026
Samsung Electronics | Samsung Electronics Marks 20 Consecutive Years as the World’s No.1 TV Brand | https://news.samsung.com/global/samsung-electronics-marks-20-consecutive-years-as-the-worlds-no-1-tv-brand | besucht am 15.09.2026
The Korea Herald | Samsung chief cleared of all charges in 2015 merger case | https://www.koreaherald.com/article/10410811 | besucht am 15.09.2026
Europäische Zentralbank | Euro-Referenzkurs Südkoreanischer Won | https://www.ecb.europa.eu/stats/policy_and_exchange_rates/euro_reference_exchange_rates/html/eurofxref-graph-krw.en.html | besucht am 15.09.2026