Qualcomm kauft US-Patente von Huawei und schließt mit dem chinesischen Konzern eine Kreuzlizenz für 5G, KI und Netzwerktechnik. Ab 2001 zahlte Huawei Lizenzgebühren an Qualcomm, Chips darf der US-Konzern seit 2024 nicht mehr an Huawei liefern. Für europäische Hersteller von Funktechnik gewinnt Huawei als Lizenzgeber damit weiter an Gewicht.

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Auf mehr als 6 Milliarden Euro beziffert Huawei den Gesamtwert seiner Patentlizenzverträge, sobald der neue Vertrag mit Qualcomm abgeschlossen ist, wie Reuters berichtet. Die Summe entspricht 6,9 Milliarden US-Dollar, umgerechnet zum Kurs von 0,87. Beide Konzerne gaben den Vertrag am 5. Oktober 2026 bekannt, wirksam wird der Patentkauf erst mit den nötigen behördlichen Genehmigungen.[1]

Das Wichtigste in Kürze

  • Huawei und Qualcomm tauschen Lizenzen für 5G, Rechentechnik, KI und Netzwerke, zusätzlich erwirbt Qualcomm ausgewählte US-Patente von Huawei.
  • Laut Nikkei Asia zahlt Qualcomm in diesem Vertrag erstmals unter dem Strich an Huawei.
  • Der alte Lizenzvertrag war ausgelaufen, seit Anfang 2025 verbuchte Qualcomm keine Lizenzeinnahmen mehr von Huawei.
  • Huawei hält rund 20.000 Patente in Europa und setzt sie vor Münchner Gerichten durch.

Warum dreht sich die Zahlungsrichtung um?

Eine weiße Waage mit Briefstapel, Chip und einem Zettel
Kreuzlizenz zwischen Qualcomm und Huawei: Qualcomm erhielt 2020 etwa 1,6 Milliarden Euro Nachzahlungen von Huawei für Patentnutzung

Bei einer Kreuzlizenz verrechnen zwei Unternehmen ihre Patentportfolios gegeneinander, zahlen muss nur die Seite mit dem schwächeren Bestand. 2020 lag dieser Saldo klar bei Huawei: Nach der Einigung im Juli rechnete Qualcomm mit rund 1,6 Milliarden Euro an Nachzahlungen und Gebühren von Huawei, damals schon mit einer Rücklizenz für einzelne Huawei-Patente.[3] Huawei-Patentchef Alan Fan verweist nun auf eigene Beiträge zu den 4G- und 5G-Standards, etwa die Polar-Codes für die Signalübertragung.[1] Laut Nikkei Asia zahlt diesmal erstmals Qualcomm unter dem Strich.

Für Qualcomm ging es um ein besonders margenstarkes Geschäft. Die Lizenzsparte QTL setzte im Geschäftsjahr 2025 rund 4,9 Milliarden Euro um, bei einer Vorsteuermarge von 72 Prozent. Ab dem zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2025 fehlten darin die Gebühren von Huawei, weil der Vertrag ausgelaufen war.[2] John Han, Chef der Lizenzsparte, wertet den neuen Abschluss als Bestätigung des eigenen 5G-Lizenzprogramms.[1]

Was erwirbt Qualcomm mit den US-Patenten?

Huawei nennt Rechentechnik, KI und Netzwerke als Felder der verkauften Schutzrechte. Laut Bloomberg betrifft die Lizenz auch Patente zu LogicFolding, Huaweis Verfahren, Logikschaltungen in zwei Lagen übereinander zu stapeln. Mit dieser Bauweise erreicht der Kirin-Prozessor ohne EUV-Belichtung eine um 55 Prozent höhere Transistordichte als in flacher Bauweise, verbaut im Spitzenmodell des Mate 90.

Gekaufte Patente kann Qualcomm in den USA selbst durchsetzen oder in künftige Kreuzlizenzen einbringen. Heikel bleibt die Genehmigung, die der Patentkauf noch braucht: Nikkei Asia rechnet mit einer Prüfung in den USA. Im Mai 2024 hatte das US-Handelsministerium Qualcomm bereits die Exportlizenz für Chips an Huawei entzogen.[2]

Exportkontrollen halten Qualcomm-Chips von Huawei fern, die Huawei-Patente aber nicht von Qualcomm.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Huawei und Qualcomm: 25 Jahre Patentgeschäft
Vom zahlenden Lizenznehmer zum Verkäufer eigener US-Patente
über 6 Mrd. €
Gesamtwert aller Huawei-Lizenzverträge nach Abschluss des Qualcomm-Vertrags
1,6 Mrd. €
erwartete Qualcomm 2020 aus der Einigung mit Huawei
4,9 Mrd. €
Lizenzumsatz von Qualcomm im Geschäftsjahr 2025, ohne Gebühren von Huawei
165.000
aktive Patente hielt Huawei Ende 2025, rund 20.000 davon in Europa
Wie sich die Zahlungsrichtung verschob
2001Erste Zahlung: Huawei überweist erstmals Lizenzgebühren an Qualcomm
2011Erste Einnahme: Motorola zahlt Huawei die ersten Lizenzgebühren
Juli 2020Einigung: Huawei begleicht offene Gebühren, Qualcomm erhält Rechte an einzelnen Huawei-Patenten
2021Wende: Huawei nimmt erstmals mehr Lizenzgebühren ein, als der Konzern zahlt
Mai 2024Lieferstopp: Die US-Regierung entzieht Qualcomm die Exportlizenz für Huawei
5. Okt. 2026Neuer Vertrag: Kreuzlizenz für 5G, KI und Netzwerke, Qualcomm kauft US-Patente

Was bedeutet der Vertrag für Hersteller in Europa?

Huawei zählte Ende 2025 mehr als 165.000 aktive Patente und über 260 Lizenzverträge, rund 20.000 der Patente gelten in Europa.[4] Seine Schutzrechte setzt der Konzern auch in Deutschland durch: Der Wi-Fi-Kreuzlizenz mit HP ging eine Klage Huaweis am Einheitlichen Patentgericht in München voraus. Dass chinesische Patentinhaber in München Verkaufsverbote erwirken, erlebte zuletzt Micron im Streit mit YMTC.

Eine EU-weite Schlichtungsstelle für standardessenzielle Patente bleibt aus, nachdem die EU-Kommission ihren Verordnungsentwurf 2025 zurückgezogen hat.[5] Maschinenbauer und Zulieferer, die Mobilfunk- oder WLAN-Module verbauen, sollten deshalb prüfen, ob die Lizenz des Modullieferanten auch ihr Endprodukt abdeckt. Freistellungsklauseln in Lieferverträgen und ein Budget für Lizenzgebühren gehören in die Kalkulation neuer vernetzter Produkte.

FAQ: Qualcomm kauft US-Patente von Huawei

Was haben Huawei und Qualcomm vereinbart?

Huawei und Qualcomm haben am 5. Oktober 2026 einen mehrjährigen Patentvertrag bekannt gegeben. Beide Konzerne lizenzieren sich gegenseitig ihre Patente für 5G, Rechentechnik, KI und Netzwerke. Zusätzlich kauft Qualcomm ausgewählte US-Patente von Huawei, sobald die Behörden zustimmen.

Was ist eine Kreuzlizenz?

Bei einer Kreuzlizenz erlauben sich zwei Unternehmen gegenseitig, ihre Patente zu nutzen. Die Gebühren werden verrechnet, zahlen muss nur die Seite, deren Patentbestand weniger wert ist. Kreuzlizenzen beenden oder verhindern häufig teure Patentstreitigkeiten.

Was ist LogicFolding?

LogicFolding ist ein Chipdesign von Huawei, das Logikschaltungen in zwei Lagen übereinander anordnet. Die kürzeren Leitungswege erhöhen die Transistordichte gegenüber flacher Bauweise um 55 Prozent, ohne feinere Belichtung. Huawei setzt das Verfahren im Kirin 9050 Pro ein.

Müssen deutsche Hersteller Lizenzgebühren an Huawei zahlen?

Hersteller, die Mobilfunk- oder WLAN-Technik in eigene Produkte einbauen, nutzen oft standardessenzielle Patente von Huawei. Ob dafür Gebühren anfallen, hängt davon ab, ob der Modullieferant bereits eine Lizenz hält, die das Endprodukt abdeckt. Ein Blick in die Lieferverträge klärt das.

Quellen

[1] Huawei: „Huawei and Qualcomm Announce Broad Patent License Agreement“

[2] Qualcomm: „Form 10-K für das Geschäftsjahr 2025“

[3] Qualcomm: „Qualcomm Announces Third Quarter Fiscal 2020 Results“

[4] Huawei: „Innovation and Intellectual Property“

[5] Europäische Kommission: „European Commission withdraws proposals on Standard Essential Patents Regulation“

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