Das Huawei Mate 90 kam am 1. Oktober in China in den Handel, doch den neuen Spitzenchip Kirin 9050 Pro baut Huawei nur in die teuersten Ausführungen ein. Das Basismodell erhält den Kirin 9030 aus dem Mate 80 und kostet 1.300 Yuan mehr als sein Vorgänger, umgerechnet rund 171 Euro.

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Den Grund nannte Huaweis Endgerätechef Richard Yu laut Reuters selbst: Die Fertigungskapazität für moderne Halbleiter in China sei „sehr begrenzt“, und Huaweis KI-Chips der Ascend-Reihe beanspruchten dieselbe Kapazität. Handyprozessoren und KI-Beschleuniger konkurrieren damit um dieselben Wafer.

Das Wichtigste in Kürze

  • Handyprozessoren und Huaweis KI-Chips der Ascend-Reihe teilen sich dieselbe knappe Fertigungskapazität in China.
  • Die Einstiegspreise liegen 8 bis 28 Prozent über denen des Mate 80.
  • Teurere Speicherchips verteuern laut Reuters die Herstellung eines Smartphones um rund 176 Euro.
  • Einen Marktstart in Europa hat Huawei nicht angekündigt.

Warum bekommt nur die Oberklasse den neuen Kirin-Chip?

Ein CPU mit einem Anhänger und der Aufschrift
Huawei nutzt unterschiedliche Kirin-Prozessoren je nach Modell: Kirin 9050 Pro im Mate 90 Pro Max, Kirin 9035 im Mate 90 Pro und Kirin 9030 im Basismodell

Huawei staffelt die Prozessoren nach Preisklasse. Den Kirin 9050 Pro verbaut der Konzern nur im Pro Max mit 16 GB Arbeitsspeicher, in der Sammleredition und im RS-Modell, das Mate 90 Pro erhält den leicht überarbeiteten Kirin 9035 und das Basismodell den Kirin 9030 aus dem Vorjahr.[1] Laut Huawei rechnet der 9050 Pro im Mehrkernbetrieb 23 Prozent schneller als sein Vorgänger, die KI-Einheit legt um 140 Prozent zu.

Der Engpass liegt in der Fabrik. Nach verbreiteter Einschätzung fertigt SMIC die Kirin-Chips, eine Bestätigung der beiden Firmen fehlt. Ohne EUV-Belichtung, die China wegen der US-Exportkontrollen nicht erhält, belichtet ein Fertiger die feinsten Strukturen in mehreren Durchgängen auf älteren DUV-Anlagen. Jeder zusätzliche Durchgang kostet Zeit und senkt die Ausbeute pro Wafer.

Huaweis LogicFolding-Architektur ändert am Kapazitätsproblem wenig. Mit der Technik ordnet Huawei die Logikzellen dichter an und holt so mehr Leistung aus demselben Fertigungsprozess, wie Huawei bei der Vorstellung des Kirin-Konzepts erklärte. Zusätzliche Wafer bringt die dichtere Anordnung nicht. Gleichzeitig braucht Huawei dieselbe Kapazität für seine Ascend-Beschleuniger; allein DeepSeek bestückt ein neues Rechenzentrum mit 160.000 Huawei-Chips. Yu räumte ein, dass die Kapazität für Smartphone-Chips knapp bleibt, obwohl steigende Handypreise die Stückzahlen bereits dämpfen.

Wie viel teurer ist das Mate 90 als das Mate 80?

Alle vier Modellreihen kosten mehr als ihre Vorgänger vom November 2025. Das Mate 90 startet bei 5.999 Yuan, das Mate 90 Pro bei 6.999 Yuan und das Pro Max bei 9.499 Yuan.[2] Beim Mate 80 lagen die Einstiegspreise bei 4.699, 5.999 und 7.999 Yuan, beim RS-Modell bei 11.999 statt jetzt 12.999 Yuan.[3] Die günstigste Variante mit Kirin 9050 Pro kostet 9.999 Yuan, zum EZB-Kurs vom 30. September rund 1.313 Euro.

Hinter dem Aufschlag stehen auch teurere Speicherchips. Laut Reuters verteuern gestiegene Speicherpreise die Herstellung eines Smartphones um rund 200 US-Dollar, umgerechnet etwa 176 Euro. Huawei, Xiaomi und Honor hoben deshalb schon am 1. September die Preise mehrerer Modelle an. Die Chipentwickler Qualcomm und MediaTek kämpfen mit demselben Speicherboom.

Huawei kann einen schnelleren Chip entwerfen, aber nicht beliebig viele davon fertigen lassen. Chinas Rückstand bei Halbleitern liegt inzwischen in der Fabrik und nicht mehr am Reißbrett.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Huawei Mate 90: Spitzenchip mit Aufpreis
Preise, Chipverteilung und Speicherkosten der neuen Mate-Reihe im Überblick
rund 1.313 €
kostet das günstigste Mate 90 mit dem neuen Kirin 9050 Pro
rund 788 €
kostet das Basismodell mit dem Kirin 9030 aus dem Vorjahr
rund 176 €
höhere Herstellkosten je Smartphone durch teurere Speicherchips
+140 %
mehr Leistung der KI-Einheit im Kirin 9050 Pro nach Huaweis Angaben

Aufschlag gegenüber dem Mate 80

Einstiegspreis der jeweiligen Modellreihe, Veränderung in Prozent
Mate 90 (ab rund 788 €)
+28 %
Mate 90 Pro Max (ab rund 1.248 €)
+19 %
Mate 90 Pro (ab rund 919 €)
+17 %
Mate 90 RS (ab rund 1.707 €)
+8 %

Was bedeutet das Mate 90 für Unternehmen in Europa?

Einen Europastart hat Huawei für das Mate 90 nicht angekündigt. Das Gerät läuft mit HarmonyOS 7, Huaweis eigenem Betriebssystem ohne Android-Unterbau, das der Konzern im September auf KI-Agenten ausgerichtet hat. Nach Huaweis Angaben laufen HarmonyOS 6 und 7 inzwischen auf über 90 Millionen Geräten.[1]

Der Preisdruck erreicht deutsche Einkäufer trotzdem, denn der Speicherboom verteuert die Geräte aller Hersteller. Planen Sie für die nächste Erneuerung Ihrer Diensthandys gerne höhere Stückpreise ein und prüfen Sie längere Nutzungszyklen. Firmen mit Kunden in China sollten außerdem klären, ob ihre App eine eigene HarmonyOS-Fassung braucht, denn Android-Apps laufen auf dem System nicht mehr. Seit HarmonyOS NEXT entwickeln Anbieter jede Anwendung eigens neu.

Quellen

[1] ifanr: „华为 Mate 90 系列发布:最强 Mate来了,5999 起即日开售“

[2] Huawei: „HUAWEI Mate 90 Pro Max“

[3] 36Kr: „Huawei Launches Mate 80: Price Drops by 800 Yuan, Starts at 4,699 Yuan“

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