Infineon hat in Thailand sein 13. Produktionswerk eröffnet. In Samut Prakan südlich von Bangkok prüfen und montieren 350 Beschäftigte Leistungsmodule, nach dem Hochlauf sollen dort 1.000 Menschen arbeiten. Ein älteres Werk in Bangkok hat der Neubiberger Chipkonzern bereits verkauft, die Fertigung im mexikanischen Tijuana wandert in den kommenden Jahren an andere Standorte.

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Südlich von Bangkok, in der Industrieprovinz Samut Prakan, übernimmt das neue Infineon-Werk in Thailand die letzten Stationen der Chipherstellung. Nach einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur hat Infineon einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag investiert, der Bau dauerte 14 Monate. Der Konzern traut Samut Prakan zu, langfristig zu seinem größten Backend-Standort zu wachsen.

Das Wichtigste in Kürze

  • In Samut Prakan arbeiten zum Start 350 Menschen, bis zu fünf Bauabschnitte sind möglich.
  • Das Werk prüft Wafer und montiert gerahmte Leistungsmodule für Industrieanlagen und erneuerbare Energien.
  • Sein älteres Werk in Bangkok/Nonthaburi hat Infineon an den Auftragsfertiger MPI verkauft, die Fertigung in Tijuana zieht schrittweise um.
  • Einkäufer von Leistungsmodulen sollten den Standort von Montage und Test in ihre Lieferantenbewertung aufnehmen.

Was passiert im Werk in Samut Prakan?

Ein runder, spiegelnder Gegenstand und ein elektronisches Modul mit Schraubanschlüssen auf weißem Grund
Infineon-Werk Samut Prakan fertigt im Backend Leistungsmodule und testet Wafer nach dem Zersägen von Siliziumscheiben

Die Chipfertigung zerfällt in zwei Hälften. Im Frontend entstehen die Schaltkreise auf Siliziumscheiben, im Backend werden die Scheiben zersägt, die Chips in Gehäuse oder Module montiert und elektrisch geprüft. Samut Prakan konzentriert sich auf gerahmte Leistungsmodule und den Wafertest.[2]

Personal baut Infineon stufenweise auf. Mit dem ersten von bis zu fünf Bauabschnitten soll die Belegschaft von 350 auf 1.000 Beschäftigte wachsen. Weitere Abschnitte folgen je nach Nachfrage, die thailändische Investitionsbehörde BOI fördert das Projekt.[1]

Die Kostenlogik nannte Produktionsvorstand Rutger Wijburg schon beim Spatenstich im Januar 2025: „Diese Investition ist ein wichtiger Schritt in unserer Strategie, unsere Fertigung weiter zu diversifizieren und bei den Kosten zu optimieren, passend zum Ausbau unserer Frontend-Kapazitäten.“[1] Je mehr Wafer die Frontend-Werke liefern, desto mehr Testkapazität braucht Infineon in der Endfertigung.

Warum ordnet Infineon die Endfertigung neu?

Parallel zum Neubau hat Infineon sein älteres Backend-Werk in Bangkok/Nonthaburi im Februar 2026 an Malaysian Pacific Industries verkauft. Der Auftragsfertiger, bekannt unter der Marke Carsem, übernahm alle Beschäftigten der Produktion und liefert Infineon künftig per Langfristvertrag zu.[3] Im Juni 2026 folgte Tijuana: Das Werk dort beschäftigt einige hundert Menschen, seine Backend-Fertigung zieht über mehrere Jahre an andere Standorte. Ein Verkauf ist eine Option.[4]

Beide Schritte folgen derselben Arbeitsteilung. Standardgehäuse für Auto-, Funk- und IoT-Chips übernimmt MPI im alten Werk, die Leistungsmodule montiert Infineon im neuen, hochautomatisierten Werk selbst.[2] Den Kostendruck verschärfen chinesische Hersteller, die mit Silan und BYD erstmals zwei Plätze in der globalen Top 10 der Leistungshalbleiter belegen.

Dresden liefert Infineon die Schlagzeilen, Samut Prakan die Stückkosten. Fertig ist ein Leistungsmodul erst nach dem Endtest, und den macht Infineon künftig öfter in Thailand.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Infineon in Thailand: das 13. Werk in Zahlen
Was in Samut Prakan entsteht und wie Infineon seine Endfertigung neu verteilt
350 → 1.000
Beschäftigte zum Start und nach dem Hochlauf des ersten Bauabschnitts
bis zu 5
Bauabschnitte sind am Standort Samut Prakan möglich
Nr. 13
Samut Prakan ist Infineons 13. Produktionsstandort weltweit
14 Monate
So lange dauerte der Bau des Werks südlich von Bangkok

So ordnet Infineon die Endfertigung neu

14. Januar 2025
Spatenstich in Samut Prakan
Neubau für Leistungsmodule und Wafertest
18. September 2025
Verkauf des Werks Bangkok/Nonthaburi vereinbart
Käufer ist der Auftragsfertiger MPI (Carsem)
4. Februar 2026
Verkauf abgeschlossen
MPI übernimmt die Beschäftigten der Produktion
2. Juni 2026
Umzug aus Tijuana angekündigt
Backend-Fertigung wechselt über mehrere Jahre den Standort
Juli 2026
Smart Power Fab in Dresden eröffnet
Frontend für Leistungshalbleiter
Oktober 2026
Werk in Samut Prakan eröffnet
350 Beschäftigte, Ausbau auf 1.000 geplant

Was bedeutet das Werk für Abnehmer in Deutschland?

Die Milliardenförderung aus dem EU Chips Act floss bei Infineon ins Frontend: Für die Smart Power Fab in Dresden erhielt Infineon knapp eine Milliarde Euro aus öffentlichen Töpfen. Montage und Test eines Dresdner Chips können trotzdem in Asien stattfinden, Europas Abhängigkeit sinkt also nur bei den Wafern.

Infineon steht mit dem Schritt nach Südostasien nicht allein: Auch der Anlagenbauer Aixtron bündelt Produktion und Entwicklung im malaysischen Penang. Wovon Infineon lebt, zeigt unser Porträt des Chipkonzerns.

Ein Wechsel des Montagewerks hat für Autozulieferer und Maschinenbauer praktische Folgen. Halbleiterhersteller kündigen solche Wechsel mit einer Änderungsmitteilung (Product Change Notification) an, und Kunden mit Automobilfreigaben müssen die Bauteile häufig neu qualifizieren. Einkäufer sollten bei Leistungsmodulen deshalb erfragen, in welchem Werk Montage und Test laufen, und Musterprüfungen früh einplanen.

Quellen

[1] Infineon Technologies: „Infineon optimizes and diversifies its manufacturing footprint with new backend fab in Thailand“ (14.01.2025)

[2] Infineon Technologies: „Infineon to sell its Bangkok/Nonthaburi site to Malaysian Pacific Industries Berhad“ (18.09.2025)

[3] Infineon Technologies: „Infineon completes the sale of its manufacturing site in Bangkok/Nonthaburi, Thailand“ (04.02.2026)

[4] Infineon Technologies: „Infineon optimizes its manufacturing footprint by transferring backend production from Tijuana, Mexico, to other sites over the next years“ (02.06.2026)

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