Der Chipausrüster ASML hat 2026 in Europa bislang keinen messbaren Umsatz erzielt: Im ersten wie im zweiten Quartal lag der Anteil bei 0 Prozent. Die Belichtungsmaschinen aus Veldhoven gehen nach Südkorea, Taiwan, China, in die USA und nach Japan. Von der EU verlangt ASML Hilfe beim Aufbau einer europäischen Chip-Nachfrage.

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„Wir verkaufen in Europa überhaupt nichts“, sagte ASML-Manager Frank Heemskerk am 21. September bei einer Debatte im Amsterdamer Debattenzentrum De Balie. Der frühere niederländische Außenhandelsminister leitet bei ASML die weltweiten Public Affairs. Als Grund nannte er fehlende Investitionen: In Europa würden keine Chipfabriken gebaut.

Das Wichtigste in Kürze

  • ASMLs Umsatzanteil aus Europa lag im ersten und im zweiten Quartal 2026 bei 0 Prozent.
  • Im zweiten Quartal gingen 43 Prozent der Systemumsätze nach Südkorea und 30 Prozent nach Taiwan.
  • Intel hat das Werk in Magdeburg 2025 abgesagt, die ESMC-Fabrik in Dresden produziert erst ab 2027.
  • Der Chips Act 2.0 setzt erstmals auf die Nachfrage, die Verhandlungen sollen bis Mitte 2027 abgeschlossen sein.

Wohin verkauft ASML seine Belichtungsmaschinen?

Zwei Gläser: Eines voll mit Chips, das andere leer mit einem
ASML-Umsätze Q2 2026: Südkorea 43%, Taiwan 30%, China 14%, USA 9%, Japan 4%. Europa nicht vertreten

Die Regionalstatistik in ASMLs Quartalsbericht bestätigt Heemskerks Aussage. Im zweiten Quartal 2026 entfielen 43 Prozent der Systemumsätze auf Südkorea, 30 Prozent auf Taiwan, 14 Prozent auf China, 9 Prozent auf die USA und 4 Prozent auf Japan.[1] Die fünf Anteile ergeben zusammen 100 Prozent, Europa taucht in der Aufstellung nicht auf.

Über fehlende Nachfrage außerhalb Europas klagt der Konzern nicht. Im Juli hob ASML die Umsatzprognose für 2026 auf 43 bis 45 Milliarden Euro an, getrieben von der KI-Nachfrage.[1] Schon beim Rekordquartal im Juli verloren Infineon und Siltronic an der Börse, denn beide Konzerne hängen an der schwachen Auto- und Industrienachfrage.

Warum kauft in Europa niemand Belichtungsmaschinen?

ASML verkauft seine Anlagen vor allem an Chiphersteller, die neue Fertigungslinien ausstatten. Genau diese Neubauten fehlen in Europa. Intel strich im Juli 2025 das geplante Werk in Magdeburg und das Projekt im polnischen Breslau.[2] Stattdessen steckt der Konzern fünf Milliarden Euro in sein irisches Werk in Leixlip, vor allem in Werkzeuge für vorhandene Reinräume.

Heemskerks Satz über fehlende Fabriken überzeichnet die Lage allerdings. In Dresden steht seit Mitte September der Rohbau der ESMC-Chipfabrik von TSMC, Bosch, Infineon und NXP. Nach dem Richtfest beginnt der Innenausbau, erst danach ziehen die Fertigungsanlagen ein. Mit Strukturen zwischen 28 und 12 Nanometern braucht das Werk zudem keine EUV-Technik, ASMLs teuerste Maschinengattung.

ASML-Umsatz nach Regionen
Wohin die Belichtungsmaschinen im zweiten Quartal 2026 gingen und wie weit Europa von seinem Chipziel entfernt liegt
0 %
Umsatzanteil Europas bei ASML im ersten und im zweiten Quartal 2026
43–45 Mrd. €
Umsatz erwartet ASML für das Gesamtjahr 2026
11,7 %
EU-Anteil an der weltweiten Chip-Wertschöpfung, den der Rechnungshof für 2030 erwartet
20 %
lautet das EU-Ziel für 2030, im Jahr 2022 lag der Anteil bei 9,8 %

Systemumsatz nach Regionen im zweiten Quartal 2026

Südkorea
43 %
Taiwan
30 %
China
14 %
USA
9 %
Japan
4 %
Europa
0 %

Die Dresdner ESMC-Fabrik fertigt erst ab 2027, das Intel-Werk in Magdeburg hat der Konzern 2025 abgesagt.

Reicht der Chips Act 2.0 als Antwort?

Der Europäische Rechnungshof hat 2025 vorgerechnet, wie weit Europa vom eigenen Ziel entfernt ist. Der EU-Anteil an der weltweiten Chip-Wertschöpfung lag 2022 bei 9,8 Prozent und dürfte bis 2030 nur auf 11,7 Prozent steigen, angepeilt waren 20 Prozent. Von geschätzten 86 Milliarden Euro Fördervolumen verwaltet die Kommission selbst lediglich 4,5 Milliarden.[3]

Der erste Chips Act förderte vor allem das Angebot, also neue Fabriken. Den Entwurf für den Chips Act 2.0 legte die Kommission am 3. Juni 2026 vor.[4] Neu sind sogenannte Demand Accelerators, die europäische Chiphersteller mit industriellen Abnehmern zusammenbringen sollen. Hinzu kommen Innovationsbeschaffung durch die öffentliche Hand und Genehmigungen in höchstens zwölf Monaten.

Heemskerk fasst den Gedanken konkreter: Behörden und große Industriekonzerne sollten ihren Bedarf an Cloud- und Rechenzentrumskapazität bündeln. Die gebündelte Nachfrage stößt nach seiner Rechnung Investitionen vom Chipdesign bis zur Fertigung an.

Europa hat Milliarden für Chipfabriken bereitgestellt und dabei vergessen, Kunden für deren Chips zu organisieren. ASMLs Null in der Regionalstatistik zeigt diese Lücke genauer als jeder Förderbericht.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Was bedeutet das für Einkauf und Technik im Mittelstand?

Für deutsche Industriekunden verlängert der Fabrikmangel die Abhängigkeit von Asien. Parallel baut China eigene DUV-Belichter in Serie und macht ASML damit den drittgrößten Absatzmarkt streitig. Für Einkaufs- und Technikverantwortliche ergeben sich drei Aufgaben:

  • Fragen Sie Chiplieferanten nach dem Fertigungsstandort und nach einer zweiten Bezugsquelle außerhalb Asiens.
  • Rechnen Sie bei Autochips aus Dresden nicht vor 2027 mit nennenswerten Liefermengen.
  • Beobachten Sie die Demand Accelerators im Chips Act 2.0, denn dort soll der Rahmen für gemeinsame Abnahmezusagen von Industrie und öffentlicher Hand entstehen.

Heemskerks Warnung richtet sich an Brüssel, betrifft aber jeden industriellen Abnehmer: Solange europäische Kunden keine Mengen zusagen, landen die neuen Maschinen aus Veldhoven in Asien.

Quellen

[1] ASML: „Q2 2026 results“, Investor-Relations-Präsentation, 15. Juli 2026

[2] Intel: „Intel Reports Second-Quarter 2025 Financial Results“, 24. Juli 2025

[3] Europäischer Rechnungshof: Sonderbericht 12/2025 „The EU’s strategy for microchips“

[4] Europäische Kommission: „Proposal for the Chips Act 2.0“, 3. Juni 2026

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