Microsoft legt die Verbraucher- und die Büroversion von Copilot zu einer einzigen App für Unternehmen zusammen. Die neue Oberfläche mit den Bereichen Home, Code und Autopilot startet in den kommenden Wochen. Für Agenten und Programmierhilfe zahlen Firmen künftig nach Verbrauch.

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Mit dem Copilot-Neustart beendet Microsoft den Versuch, gegen ChatGPT und Gemini einen eigenen KI-Begleiter für Privatleute durchzusetzen. „Wir werden keinen Copilot bauen, der wie ein persönlicher Begleiter ist“, sagte Microsoft-Manager Charles Lamanna laut Bloomberg. Privatkunden behalten einen kostenlosen Basis-Chat, die stärkeren Funktionen bleiben dem Microsoft-365-Abo vorbehalten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Home bündelt den Chat, den Agentenmodus Cowork sowie Word, Excel und PowerPoint in einer Oberfläche.
  • Im Bereich Code entstehen aus einer Beschreibung in natürlicher Sprache kleine Anwendungen, Dashboards und Workflows.
  • Autopilot läuft als dauerhafter KI-Agent mit eigener Identität und eigenem Gedächtnis im Firmen-Tenant.
  • Cowork, Code und Autopilot rechnet Microsoft nach Verbrauch ab, den Chat weiter pro Nutzer.

Warum gibt Microsoft den Verbraucher-Chatbot auf?

Kleiner grauer Roboter steckt eine Karte in einen Autopilot-Automaten vor weißem Hintergrund
Microsofts Chatbot für Privatnutzer bleibt Niche. Während ChatGPT Milliarde Nutzer erreicht, vertraut Microsoft auf Geschäftskunden

Microsofts Chatbot für Privatleute blieb eine Nische. Laut Bloomberg kam ChatGPT schnell auf eine Milliarde Nutzer, während Google seinen Assistenten Gemini über Android verteilte. Mustafa Suleyman, 2024 für das Verbrauchergeschäft geholt, gab die Produktentwicklung im März an den früheren Snap-Manager Jacob Andreou ab.

Im Firmengeschäft verdient Microsoft das Geld, doch auch dort verbreitet sich Copilot langsam. Laut Bloomberg bezahlten Unternehmen Ende Juni für mehr als 30 Millionen Copilot-Lizenzen. Das Portal GeekWire setzt diese Zahl ins Verhältnis zu mehr als 450 Millionen kommerziellen Microsoft-365-Plätzen und kommt auf etwa 7 Prozent.

Wie verdient Microsoft künftig an Copilot?

Über die Rechnung entscheidet der Verbrauch. Chat, Office-Funktionen und die Modellwahl deckt weiter die Lizenz pro Nutzer ab. Cowork, Code, Autopilot und die leistungsstärksten Modelle rechnet Microsoft dagegen nach Nutzung ab.[1] Ein Agent, der auch nachts Postfächer abarbeitet, erzeugt damit laufende Kosten, die kein fester Lizenzpreis deckelt.

Gegen Anthropic und OpenAI setzt Microsoft auf den Tenant als Schutzraum. Selbst gebaute Anwendungen laufen abgeschottet innerhalb der Microsoft-365-Umgebung des Unternehmens, die IT-Abteilung vergibt die Rechte zentral.[1] Andreou nannte gegenüber GeekWire das Kopieren sensibler Dateien in eine virtuelle Maschine auf dem lokalen Rechner „völlig indiskutabel“. Gemeint ist Claude Cowork, das Anthropic genau so betreibt.

Microsoft verkauft Copilot künftig wie Rechenzeit in der Cloud: Die Lizenz öffnet die Tür, die Arbeit der Agenten kostet extra. IT-Leiter brauchen deshalb ein Budget, bevor der erste Autopilot-Agent im Tenant startet.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Der neue Copilot: eine App, zwei Preismodelle
Microsoft richtet seinen KI-Assistenten ganz auf Unternehmen aus
3 Bereiche
Home, Code und Autopilot ersetzen die getrennten Apps für Privat- und Firmenkunden
über 30 Mio.
bezahlte Copilot-Lizenzen in Unternehmen, Stand Ende Juni 2026
rund 7 %
der mehr als 450 Millionen kommerziellen Microsoft-365-Plätze haben eine Copilot-Lizenz

So rechnet Microsoft künftig ab

Lizenz pro Nutzer
Chat, Word, Excel und PowerPoint im Copilot sowie die Wahl des KI-Modells
Abrechnung nach Verbrauch
Cowork, Code, Autopilot und die leistungsstärksten Modelle

Der Zeitplan

Ende September
Autopilot
Private Vorschau für ausgewählte Firmenkunden
In den kommenden Wochen
Home und Code
Start im Frühzugangsprogramm Frontier
Oktober
Today
Private Vorschau der Tagesübersicht mit Aufgabenvorschlägen
Bis Ende 2026
Code für Abonnenten
Vorschau für Abonnenten von Microsoft 365 Premium

Was sollten Unternehmen im DACH-Raum jetzt klären?

Der Umbau reiht sich in eine lange Namensgeschichte ein. Ab Februar 2023 hieß Microsofts Assistent nacheinander Bing Chat und Copilot für Microsoft 365, dazu kam eine eigenständige App. Hinter Autopilot steckt der Agent Scout, den Microsoft im Juni vorgestellt hatte. Schulungsunterlagen und interne Richtlinien veralten bei diesem Tempo schnell.

Firmen mit Betriebsrat müssen die Mitbestimmung klären. Ein Agent, der in Teams und Outlook selbstständig nachfasst, verarbeitet Arbeitsinhalte der Beschäftigten. Für technische Einrichtungen, die Verhalten oder Leistung überwachen können, sieht § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG ein Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats vor.[2]

Legen Sie vor einem Test im Frontier-Programm ein internes Budget für die verbrauchsabhängigen Funktionen fest und binden Sie den Betriebsrat früh ein. Prüfen Sie außerdem, welche Rechte ein Autopilot-Agent im Tenant erhält, bevor er Mails im Namen von Mitarbeitern verschickt. Weitere Hintergründe liefert unsere KI-Rubrik.

Quellen

[1] Microsoft: „Introducing the new Copilot with Home, Code and Autopilot“, Jared Spataro, 25. September 2026

[2] Bundesministerium der Justiz: „Betriebsverfassungsgesetz, § 87 Mitbestimmungsrechte“

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