Microsoft leitet in Excel und Outlook zehntausende Copilot-Anfragen pro Woche nicht mehr an OpenAI oder Anthropic weiter, sondern an eigene Modelle. Der Konzern will damit seine Milliardenausgaben für fremde KI senken. Für Unternehmen ändert sich, wer ihre Daten verarbeitet, ohne dass es im Copilot-Fenster sichtbar wird.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenMicrosoft ersetzt einen Teil der fremden KI-Modelle in seinen Office-Anwendungen still durch eigene Entwicklungen. Was nach einer technischen Randnotiz klingt, ist ein strategischer Bruch mit den Partnern, die den Konzern im KI-Geschäft überhaupt erst nach vorne gebracht haben.
Das Wichtigste in Kürze
- Microsoft routet in Excel und Outlook zehntausende Copilot-Anfragen pro Woche über die eigenen MAI-Modelle statt über OpenAI und Anthropic.
- KI-Chef Mustafa Suleyman nennt das Ziel offen: die Zahlungen an Anthropic zunächst senken und am Ende ganz beenden.
- Auf der Build-Konferenz im Juni 2026 hat Microsoft sieben neue MAI-Modelle vorgestellt, darunter ein Reasoning- und ein Coding-Modell.
- Für DACH-Unternehmen bleibt oft unklar, welches Modell eine Copilot-Anfrage tatsächlich beantwortet, was Fragen zu EU AI Act und Datenschutz aufwirft.
Welche Anfragen jetzt über Microsofts eigene Modelle laufen

Der Wechsel betrifft zunächst Excel und Outlook. Dort beantworten Microsofts hauseigene MAI-Modelle inzwischen zehntausende KI-Anfragen pro Woche, wie Bloomberg unter Berufung auf interne Angaben berichtet.[1]
Gemessen am Gesamtvolumen ist das ein kleiner Anteil. Zum ersten Mal aber setzt Microsoft eigene Modelle im großen Produktivbetrieb von Microsoft 365 Copilot ein, nicht mehr nur im Test.
Warum die eigenen Modelle Microsoft Milliarden sparen sollen
Jede Copilot-Anfrage an ein fremdes Modell kostet Microsoft Geld, abgerechnet pro verarbeitetem Token. Wandert dieselbe Anfrage auf ein eigenes Modell, wird aus einer laufenden Nutzungsgebühr eine einmalige Investition in eigene Rechenzentren.
KI-Chef Mustafa Suleyman formuliert das Ziel ungewöhnlich deutlich: „Wir zahlen viel Geld an Anthropic. Unser Ziel ist es, diese Kosten zu senken und letztlich ganz zu streichen.“ Derselbe Kostendruck lässt inzwischen sogar Sprachsynthese lokal statt in der Cloud laufen.
Der Hebel ist groß. Über die Jahre hat Microsoft rund 13 Milliarden US-Dollar in OpenAI gesteckt, umgerechnet etwa 11,3 Milliarden Euro (Stand Juli 2026, Kurs 0,87). Dazu kommen laufende Zahlungen an Anthropic, dessen Modelle Microsoft parallel weiter in Copilot anbietet.
Für Unternehmen zählt nicht das Label auf dem Copilot-Button, sondern welches Modell die Anfrage tatsächlich beantwortet. Genau diese Information verschwindet gerade hinter der Marke Microsoft.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was der Modellwechsel für Entscheider im DACH-Raum bedeutet
Microsoft steht mit dieser Rückwärtsintegration nicht allein. Amazon hat mit Nova eigene Modelle aufgebaut, Meta gibt Llama sogar quelloffen weiter. Große Cloud-Anbieter, die die teure Modellschicht nicht dauerhaft einkaufen wollen, bauen sie selbst, so wie europäische Häuser, die mit eigener Cloud gegen AWS und Azure antreten. Dass schon ein nur fünf Milliarden Parameter großes Coding-Modell mithält, passt ins Bild: kleine, spezialisierte Modelle reichen für viele Aufgaben aus.
Für Unternehmen im DACH-Raum, die Microsoft 365 Copilot im großen Stil ausrollen, findet der Tausch unter der Oberfläche statt. Im Interface steht weiter Copilot, im Hintergrund kann OpenAI, Anthropic oder ein MAI-Modell antworten.
Das berührt konkrete Pflichten. Der EU AI Act verlangt Transparenz darüber, welches System eine Ausgabe erzeugt, die DSGVO eine nachvollziehbare Liste der Auftragsverarbeiter.
Hinzu kommt die Frage der Trainingsdaten. Microsoft bewirbt die MAI-Modelle als mit sauber lizenzierten Daten trainiert, griff Branchenberichten zufolge aber auf den frei verfügbaren Common Crawl zurück, dessen rechtlicher Status für KI-Training ungeklärt ist.
Für IT-Verantwortliche folgt daraus eine klare Aufgabe. Beim Anbieter sollten sie erfragen, welches Modell Copilot in welchem Szenario nutzt, und die Verträge zur Auftragsverarbeitung darauf prüfen, ob ein stiller Modellwechsel überhaupt gedeckt ist.
Quelle
[1] Bloomberg: „Microsoft Replaces OpenAI, Anthropic With Own AI in Some Apps“ ↩
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