Der Mutterkonzern von Lidl und Kaufland verdient inzwischen Milliarden mit Cloud, Cybersicherheit und Künstlicher Intelligenz. Schwarz Digits ist binnen weniger Jahre zum ernsthaften europäischen Gegenspieler von Amazon und Microsoft geworden. Für deutsche Unternehmen verschiebt das die Frage, wo ihre Daten künftig liegen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenSchwarz Digits hat seinen Umsatz 2025 um 15,8 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro gesteigert, fast dreimal so schnell wie der Gesamtkonzern.[1] Hinter der IT-Sparte der Schwarz Gruppe steckt damit kein Nebengeschäft mehr, sondern eine handfeste Wette auf die digitale Souveränität Europas.
Das Wichtigste in Kürze
- Schwarz Digits, die IT-Sparte hinter Lidl und Kaufland, hat 2025 rund 2,2 Milliarden Euro Umsatz erzielt, ein Plus von 15,8 Prozent.
- Kern des Angebots ist die souveräne Cloud STACKIT, ergänzt um Cybersicherheit und eine Beteiligung am KI-Entwickler Aleph Alpha.
- Im brandenburgischen Lübbenau entsteht ein Rechenzentrum mit 200 Megawatt Anschlussleistung.
- Für 2026 plant die Schwarz Gruppe Investitionen von über 10 Milliarden Euro, davon rund 5 Milliarden in Deutschland.
Was steckt hinter Schwarz Digits?

Kompletter Stapel: Schwarz Digits bündelt die Digitalaktivitäten der Gruppe unter einem Dach, die Cloud-Plattform STACKIT, Cybersicherheitsdienste, sichere Kommunikations- und Arbeitsplatzlösungen sowie eine strategische Beteiligung am Heidelberger Entwickler Künstlicher Intelligenz Aleph Alpha. Zusammen ergibt das Rechenleistung, Sicherheit und KI aus einer Hand, ganz ohne US-Anbieter.
Externe Kunden: Verkauft wird das längst nicht mehr nur intern. STACKIT gewinnt zunehmend deutsche und europäische Kunden, darunter Behörden und Unternehmen, die ihre SAP-Systeme in einer Cloud unter deutschem Recht betreiben wollen. Genau dieser Souveränitätsanspruch unterscheidet das Angebot von den US-Hyperscalern.
Warum wird ausgerechnet ein Discounter zum Hyperscaler?
Eigener Maßstab: Die Antwort liegt in der schieren Größe. Mit 185,6 Milliarden Euro Konzernumsatz betreiben Lidl und Kaufland eine der umfangreichsten IT-Landschaften Europas. Was der Konzern für sich selbst an Cloud und Sicherheit aufgebaut hat, bietet er nun als Produkt nach außen an.
Bekanntes Drehbuch: Dieses Muster ist nicht neu. Amazon Web Services ist aus genau derselben Logik entstanden, aus der internen Infrastruktur eines Handelskonzerns. Schwarz Digits folgt diesem Weg mit einem europäischen Versprechen: Die Daten bleiben auf dem Kontinent und unter EU-Recht. Der geplante 200-Megawatt-Standort in Lübbenau soll die dafür nötige Rechenleistung liefern.
Souveränität entscheidet sich nicht am Serverstandort, sondern an der Rechtsordnung dahinter. Genau dort trifft Schwarz Digits einen Nerv, den die US-Anbieter nicht bedienen können.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wie die IT-Sparte hinter Lidl und Kaufland 2025 zum europäischen Cloud-Herausforderer gewachsen ist.
Was heißt das für deutsche Entscheider?
Compliance-Frage: Für Unternehmen wird die Herkunft der Cloud zur Rechtsfrage. Über den US Cloud Act können amerikanische Behörden auf Daten von US-Anbietern zugreifen, selbst wenn diese in einem europäischen Rechenzentrum liegen. Eine „EU-Region“ bei AWS oder Azure bedeutet also nicht automatisch, dass die Daten der EU-Rechtshoheit unterliegen.
Reale Abhängigkeit: Wie stark europäische Firmen bereits auf amerikanische Infrastruktur setzen, zeigt der hohe US-Anteil bei europäischen Firmenwebsites. Dass sogar Betriebssysteme Nutzer über Geräte-IDs verfolgen können, verschärft die Sorge um die Datenkontrolle und befeuert die Debatte um eine digitale Souveränität Europas.
Drei Prüfschritte: Entscheider sollten klären, wo ihre Daten physisch liegen, welcher Rechtsordnung der Anbieter unterliegt und ob ein Wechsel zu einer souveränen Plattform betrieblich machbar ist. Andere Konzerne setzen bewusst auf einen Mix, wie die Doppelstrategie der Commerzbank beim KI-Rollout zeigt. Eine KI-Strategie im Unternehmen sollte die Cloud-Frage gleich einschließen, statt sie später teuer nachzurüsten.
Quelle
[1] Schwarz Gruppe: „Unternehmen der Schwarz Gruppe erzielen 185,6 Milliarden Euro Umsatz“ ↩
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