Eine neue Analyse hat die Auslieferung von fast 20.000 europäischen Firmenwebsites untersucht. In den meisten Ländern dominieren US-Anbieter die Infrastruktur, doch Deutschland bildet die bemerkenswerte Ausnahme. Der Grund dafür verrät viel über echte digitale Souveränität.

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US-Anbieter liefern 31 Prozent der deutschen Firmenwebsites aus, in Großbritannien sind es 67,5 Prozent. Diese Spanne stammt aus einer Auswertung von 19.450 Unternehmen in sieben europäischen Märkten. Die Zahlen zeigen eine reale, aber sehr ungleich verteilte Abhängigkeit.

Das Wichtigste in Kürze

  • In fünf von sieben untersuchten Ländern liefern US-Anbieter die Mehrheit der Firmenwebsites aus, angeführt von Cloudflare.
  • Deutschland liegt mit 31 Prozent deutlich niedriger, weil eine starke heimische Hosting-Branche gegenhält.
  • Gemessen wird der ausliefernde Dienst am Netzrand, nicht zwingend der Ort, an dem die Daten liegen.
  • Für die DSGVO zählt weniger der Serverstandort als die Frage, welchem Rechtsraum der Anbieter untersteht.

Wer liefert Europas Websites wirklich aus?

Eine hellblaue Tür mit Firmenschild und USA-Fußmatte davor, auf weißem Hintergrund
Cloudflare dominiert als größter CDN-Anbieter in sechs von sieben europäischen Ländern, in den Niederlanden mit 36,8 Prozent Marktanteil

In sechs von sieben Ländern ist Cloudflare der größte einzelne Ausliefer-Dienst, in den Niederlanden erreicht der US-Konzern 36,8 Prozent. Amazon folgt in den meisten Märkten auf Rang zwei. Gemessen wurde jeweils der Anbieter, der die Verbindung am Netzrand terminiert.

Die Analyse des Anbieters Ciphercue[1] hat dafür nicht die Rechnungsadresse des Hosters ausgewertet, sondern die DNS-Einträge jeder Domain aufgelöst und über BGP-Daten dem tatsächlich ausliefernden Netz zugeordnet. Erfasst wird damit die Kante, an der der Datenverkehr ankommt, nicht die Festplatte im Rechenzentrum.

Genau hier liegt die Schwäche solcher Messungen. Ein deutscher Mittelständler kann seine Daten bei einem heimischen Hoster in Nürnberg betreiben und trotzdem als US-Fall zählen, sobald Cloudflare als Schutzschild davorsitzt. In der Fachdiskussion zur Studie ist eingewandt worden, dass reine CDN-Nutzung so mit tiefer Abhängigkeit verwechselt wird und die Stichprobe von rund 20.000 Domains nur einen Ausschnitt zeigt. Hinzu kommt, dass die Torwächter-Rolle von Cloudflare ohnehin umstritten ist.

Warum Deutschland die Ausnahme ist

Der niedrige deutsche Wert hat einen strukturellen Grund. Mit Hetzner, IONOS, STRATO und Mittwald existiert eine gewachsene heimische Hosting-Branche, die im eigenen Markt die größten Anteile hält. Wo lokale Anbieter verfügbar und bekannt sind, greifen Unternehmen auch zu ihnen.

Das Muster kennt der DACH-Raum bereits aus der Cloud. Als AWS und SAP eine „souveräne“ europäische Cloud auf amerikanischer Infrastruktur angekündigt haben, ist die Kontrolle beim US-Konzern geblieben. Lidl versucht es mit STACKIT, Bosch mit einer eigenen souveränen Cloud.

Verfügbarkeit allein reicht aber nicht. Der Bitkom hat wiederholt beklagt, dass Unsicherheit beim Datenschutz Innovationsprojekte im Mittelstand ausbremst, statt sie zu heimischen Lösungen zu bewegen.

Digitale Souveränität entscheidet sich nicht am Serverstandort, sondern in der Vertragskette dahinter. Solange ein US-Konzern die Auslieferung kontrolliert, hilft auch ein Rechenzentrum in Frankfurt wenig.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wer liefert Europas Firmenwebsites aus?

Anteil der Firmenwebsites, die über US-Anbieter ausgeliefert werden (7 Märkte, 19.450 Unternehmen).

Großbritannien
67,5 %
Niederlande
53,6 %
Italien
48,4 %
Spanien
44,6 %
Frankreich
44,2 %
Deutschland
31,0 %
Polen
18,8 %

Drei Zahlen zur Abhängigkeit

19.450
untersuchte Unternehmen in sieben europäischen Märkten
36,8 %
Spitzenanteil von Cloudflare, erreicht in den Niederlanden
6 von 7
Ländern haben Cloudflare als größten einzelnen Ausliefer-Dienst

Was das für die DSGVO bedeutet

Für die Rechtslage ist nicht entscheidend, ob ein Server in Frankfurt oder Virginia steht, sondern welchem Recht der Anbieter untersteht. Ein US-Konzern kann nach dem CLOUD Act von 2018 zur Herausgabe von Daten verpflichtet werden, auch wenn diese in einem europäischen Rechenzentrum liegen.

Seit dem Schrems-II-Urteil des Europäischen Gerichtshofs von 2020 tragen Unternehmen die Verantwortung, solche Transfers zusätzlich abzusichern. Der ausliefernde Dienst am Netzrand sieht dabei IP-Adressen und aufgerufene Adressen der Besucher, also personenbezogene Daten.

Konkret hilft ein Blick in die eigene Kette: Welcher Dienst terminiert das TLS-Zertifikat, und wer betreibt DNS und CDN? Ein heimischer Hoster löst die Auslieferungsfrage, ein europäischer CDN wie Bunny die Frage am Netzrand. Ein Blick in den Webhosting-Vergleich für Deutschland zeigt, welche Anbieter für welchen Bedarf taugen.

Quelle

[1] Ciphercue: „The US vendor share of European company websites (2026)“

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