Der IT-Konzern Bechtle übernimmt den niederländischen Managed-Service-Provider Interforce. Auf den ersten Blick wirkt der Deal wie ein Routine-Zukauf. Tatsächlich verrät der Zukauf die eigentliche Strategie hinter Bechtles europäischer Einkaufstour: planbare, wiederkehrende Umsätze statt schwankender Hardwaremarge.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Bechtle holt sich mit Interforce einen kleinen Anbieter mit 38 Beschäftigten und 11,3 Millionen Euro Umsatz ins Haus. Die überschaubare Größe täuscht über die Bedeutung hinweg. Der Zukauf folgt einem Muster, das den gesamten europäischen IT-Systemhausmarkt umbaut.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bechtle erwirbt die operativen Gesellschaften von Interforce (Hazerswoude-Dorp); die Verschmelzung mit der Tochter PQR ist für 2027 geplant.
  • Interforce setzt auf Managed Services mit hohem Automatisierungsgrad: Modern Workplace, Cloud Networking, Cloud Hosting und Communication Services.
  • Ziel des Konzerns bleibt ein höherer Anteil wiederkehrender Umsätze im niederländischen KMU-Markt.
  • Der Deal reiht sich in eine Serie ein: 18 der letzten 23 Bechtle-Zukäufe zielten auf Europa.

Was genau kauft Bechtle in den Niederlanden?

Oranger Einkaufskorb mit einem Pappkarton, der ein Gebäude darstellt und den Sticker
Bechtle akquiriert Managed-Service-Provider Interforce mit 38 Mitarbeitern und 11,3 Mio. Euro Umsatz. Fusion mit Tochter PQR erfolgt 2027

Bechtle erwirbt die beiden operativen Gesellschaften von Interforce, einem 2002 gegründeten Managed-Service-Provider aus Hazerswoude-Dorp mit 38 Beschäftigten und 11,3 Millionen Euro Umsatz. Die Verschmelzung mit der Bechtle-Tochter PQR läuft 2027.

Das Leistungsangebot umfasst Modern Workplace, Cloud Networking, Cloud Hosting und Communication Services[1]. „Interforce hat sich mit einem konsequent auf Managed Services ausgerichteten Geschäftsmodell als zuverlässiger Partner etabliert“, sagt Marijke Krist, Vice President Benelux bei Bechtle.

Warum sind wiederkehrende Umsätze das eigentliche Ziel?

Klassische Systemhäuser verdienen an Hardware und Projekten, deren Marge schwankt und mit jedem Auftrag neu erkämpft werden muss. Managed Services liefern dagegen planbare Monatsumsätze über Jahre. Genau diesen wiederkehrenden Anteil baut Bechtle mit Interforce aus.

Der hohe Automatisierungsgrad von Interforce entscheidet dabei über die Marge. Je stärker Standardaufgaben wie Monitoring, Updates, Nutzerverwaltung und Backups automatisiert laufen, desto mehr Kunden betreut dasselbe Team profitabel.

Für den Konzern zählt zudem die Bewertung. Wiederkehrende Umsätze gelten an der Börse als stabiler und werden höher bewertet als einmaliges Projektgeschäft. Der Umbau des Portfolios wirkt damit direkt auf den Unternehmenswert.

Nicht die Firmengröße macht diesen Zukauf interessant, sondern das Geschäftsmodell. Bechtle tauscht schrittweise das schwankende Kistenschieben gegen planbaren Abo-Umsatz, und genau darin liegt die Zukunft des Systemhauses.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Bechtle kauft Interforce: die Zahlen zum Zukauf
Ein kleiner Dienstleister, eine klare Strategie: wiederkehrende Umsätze im niederländischen KMU-Markt.
11,3 Mio. €
Umsatz 2025
Jahresumsatz von Interforce vor der Übernahme.
38
Mitarbeitende
Am Standort Hazerswoude-Dorp in den Niederlanden.
2002
gegründet
Seit über zwei Jahrzehnten als Managed-Service-Provider aktiv.
2027
Verschmelzung
Geplante Fusion mit der Bechtle-Tochter PQR.
18 von 23 Bechtle-Übernahmen der vergangenen fünf Jahre zielten auf europäische Märkte.
950 Beschäftigte zählt Bechtle bereits in den Niederlanden, unter den Marken ARP, Bechtle, Cadmes und PQR.

Was bedeutet die Konsolidierung für den Mittelstand?

Bechtle kauft regelmäßig regionale Systemhäuser auf und bündelt sie zu einem europäischen Anbieter. Für Mittelständler schrumpft dadurch die Zahl unabhängiger lokaler Dienstleister, während der Druck wächst, IT-Betrieb und Sicherheit an spezialisierte Partner auszulagern.

Der Interforce-Kauf ist kein Einzelfall. 18 der letzten 23 Übernahmen haben Bechtle nach Europa geführt, und erst kürzlich hat sich der Konzern 450 Millionen Euro frisches Kapital für weitere Zukäufe gesichert. Auch Accenture umwirbt den Mittelstand inzwischen offensiv.

Für deutschsprachige Entscheider verschärft das die Sourcing-Frage. Fachkräftemangel im IT-Betrieb und die strengeren Vorgaben der NIS-2-Richtlinie treiben viele Unternehmen ohnehin zu Managed Services, wie eine Studie von Cancom und ServiceNow zeigt.

Prüfen Sie bei der Wahl eines Dienstleisters gerne, wem er künftig gehört. Ein regionaler Partner kann morgen zum Konzern gehören, mit anderen Verträgen und Ansprechpartnern. Beim Einkauf wiederkehrender Leistungen zählen Vertragslaufzeiten und Exit-Klauseln genauso wie der Monatspreis.

Quelle

[1] Bechtle AG: „Bechtle verstärkt sich mit Managed-Service-Provider Interforce in den Niederlanden“

Mehr Newshunger?

4,3 18 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?