Die Commerzbank gibt generative KI nicht länger nur ihren Spezialteams an die Hand, sondern rollt sie an die gesamte Belegschaft aus. Bemerkenswert ist dabei weniger das Was als das Wie. Das Institut bindet sich bewusst an zwei Anbieter statt an einen.

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Die Commerzbank verzahnt ihre KI-Strategie mit Microsoft und Google zugleich und stellt damit eine Frage, die jeden IT-Entscheider betrifft: ein starker Partner oder lieber zwei? Statt sich auf ein einziges Ökosystem festzulegen, fährt das Institut im Rahmen seiner Strategie „Momentum 2030″ zweigleisig.

Das Wichtigste in Kürze

  • Copilot und Gemini Enterprise gehen an die gesamte Belegschaft, nicht mehr nur an Spezialteams.
  • Die Bank fährt eine Doppelstrategie mit zwei Anbietern, um Abhängigkeit von einem Ökosystem zu vermeiden.
  • Die Einsätze reichen von der Softwareentwicklung bis zur MiFID-konformen Dokumentation von Beratungsgesprächen.
  • Für regulierte Häuser ist die Mehr-Anbieter-Wahl auch eine Antwort auf die Konzentrationsrisiko-Vorgaben von DORA.

Was die Commerzbank konkret ausrollt

Kletterer am Felsen mit Seilen und Holzschild „PLAN B“ auf weißem Grund
Microsoft 365 Copilot und Google Gemini Enterprise bringen generative KI direkt in den Arbeitsalltag von Bankbeschäftigten statt nur zu Spezialisten

Im Zentrum stehen zwei generative Assistenten: Microsoft 365 Copilot und Google Gemini Enterprise. Beide gehen direkt in den Arbeitsalltag der Beschäftigten, nicht mehr nur an hochspezialisierte Datenteams. Die Bank nennt das die Demokratisierung des KI-Zugangs[1].

Die Einsatzfelder sind konkret. Copilot unterstützt als Programmierassistent die Modernisierung der Bankanwendungen, Gemini automatisiert die MiFID-konforme Dokumentation von Beratungsgesprächen. Hinzu kommen Google DocAI für die Dokumentenverwaltung und der hausinterne Chatbot cobaGPT auf Basis von Azure OpenAI.

Christiane Vorspel, COO der Commerzbank, ordnet den Schritt so ein: „Durch die intensive Zusammenarbeit mit Google Cloud und Microsoft werden wir bei der digitalen Transformation der Bank deutlich Fahrt aufnehmen.“ Wie voraussetzungsvoll ein solcher Umbau ist, zeigt der Mittelstand: Eine aktuelle Studie belegt, dass fehlende Governance die KI-Skalierung ausbremst.

Warum gleich zwei KI-Anbieter?

Die Doppelstrategie ist kein Zufall, sondern Risikomanagement. Ein Institut, das seine gesamte KI-Infrastruktur auf einen einzigen Hyperscaler stützt, macht sich von dessen Preisen, Roadmap und Verfügbarkeit abhängig. Mit zwei Anbietern bleibt der Wechseldruck erhalten, und die Bank sichert sich Verhandlungsspielraum.

Für Banken kommt ein regulatorischer Hebel hinzu. Seit Januar 2025 gilt der Digital Operational Resilience Act (DORA) der EU. Die Verordnung verpflichtet Finanzunternehmen ausdrücklich, Konzentrationsrisiken bei IT-Drittanbietern zu begrenzen. Eine Mehr-Anbieter-Architektur erfüllt damit direkt eine aufsichtsrechtliche Pflicht.

Neu ist das Muster nicht. Auch andere Konzerne holen sich generative KI längst ins Haus, etwa Siemens mit einem KI-Agenten für die industrielle Automatisierung. Die Commerzbank zieht das Prinzip nun konsequent auf die Anbieter-Ebene.

Die eigentliche Nachricht ist nicht der KI-Rollout, sondern die bewusste Absage an den einen Anbieter. Zwei Ökosysteme kosten mehr, aber sie sichern die strategische Freiheit, die ein reguliertes Haus braucht.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zweigleisig statt abhängig: Commerzbanks KI-Setup

Warum ein DAX-Institut seine generative KI bewusst auf zwei Anbieter verteilt, statt sich auf ein Ökosystem zu verlassen.

2
Anbieter statt einem: Microsoft und Google Cloud parallel, um Abhängigkeit von einem Ökosystem zu vermeiden.
4
KI-Werkzeuge im Einsatz: Microsoft 365 Copilot, Gemini Enterprise, Google DocAI und der hausinterne Chatbot cobaGPT.
01/2025
DORA in Kraft: Die EU-Verordnung verpflichtet Banken, Konzentrationsrisiken bei IT-Drittanbietern zu begrenzen.
Vorher
Generative KI blieb auf hochspezialisierte Datenteams beschränkt, isolierte Experimente ohne Breitenwirkung.
Jetzt
Die Assistenten gehen in den Arbeitsalltag der gesamten Belegschaft, von der Softwareentwicklung bis zur Beratungsdokumentation.

Was deutsche Entscheider daraus lernen

Für den Mittelstand ist der Fall eine Blaupause, kein reines Bankenthema. Ein KI-Assistent für alle Beschäftigten verschiebt Datenschutz- und Compliance-Fragen von der Ausnahme in den Alltag.

Unter der EU-KI-Verordnung bleiben reine Produktivitäts-Assistenten meist unkritisch, kundennahe oder bonitätsrelevante Anwendungen werden dagegen schnell hochriskant. Ein breiter KI-Rollout braucht deshalb vorab klare Nutzungsregeln, sonst skaliert das Haus nur sein Risiko mit. Wie die Auswahl gelingt, zeigt unser Leitfaden zu KI-Tools im Unternehmen.

Die Souveränitätsfrage bleibt unbequem. Zwei US-Hyperscaler mindern die Abhängigkeit voneinander, nicht die vom US-Cloud-Markt insgesamt. Das ist ein ehrlicher Vorbehalt.

Der Rat fällt darum nüchtern aus: erst Nutzungsregeln und Ausstiegsklauseln klären, dann den Assistenten ausrollen. Der größte Gewinn steckt ohnehin in der Routinearbeit, die generative Assistenten spürbar beschleunigen.

Quelle

[1] Commerzbank: „Strategische Partnerschaften für digitale Transformation“

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