Anthropic sichert sich mit einem der größten Mietverträge der KI-Branche für zwanzig Jahre ein komplettes Rechenzentrum in den USA. Rund 16,5 Milliarden Euro fließen über die Laufzeit an den Betreiber TeraWulf. Der Deal zeigt, wo der eigentliche Engpass der KI liegt: nicht bei den Chips, sondern beim Strom.

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Rund 16,5 Milliarden Euro für ein einziges Anthropic-Rechenzentrum, gemietet über zwei volle Jahrzehnte: Der KI-Entwickler Anthropic hat am 6. Juli 2026 den Betreiber TeraWulf für seinen Kapazitätshunger verpflichtet. Hinter der großen Zahl steckt eine strategische Verschiebung, die auch deutsche Unternehmen betrifft.

Das Wichtigste in Kürze

  • 20-Jahre-Vertrag: Anthropic mietet den Rechenzentrums-Campus „Justified Data“ in Hawesville, Kentucky, über zwei Jahrzehnte.
  • 16,5 Milliarden Euro: So viel Mieteinnahmen bringt der Vertrag dem Betreiber TeraWulf über die Grundlaufzeit.
  • 401 Megawatt: Die reine IT-Last des Campus, voll ausgebaut Anfang 2028.
  • Strom als Engpass: Rechenleistung hängt heute an garantiertem Energiezugang, nicht mehr allein an Chips.

Was hat Anthropic in Kentucky unterschrieben?

Gerollte und gefaltete Papierrolle mit Siegel und Horn vor weißem Hintergrund
Anthropic mietet 401 Megawatt Rechenleistung für 20 Jahre in Kentucky. Der Vertrag mit TeraWulf hat einen Wert von 16,5 Milliarden Euro

Anthropic mietet auf dem Campus „Justified Data“ in Kentucky 401 Megawatt Rechenleistung für 20 Jahre. Der Vertrag bringt dem Betreiber TeraWulf rund 16,5 Milliarden Euro und ist nach Angaben des Unternehmens durch eine Investment-Grade-Bonität abgesichert.

Der Vertragswert von etwa 16,5 Milliarden Euro entspricht 19 Milliarden US-Dollar, umgerechnet zum Kurs von 0,87 am 6. Juli 2026. Verteilt auf die Grundlaufzeit von 20 Jahren ergibt das eine planbare Jahresmiete im hohen dreistelligen Millionenbereich.

Der Betreiber TeraWulf zeigt sich in seiner Mitteilung[1] überzeugt vom eigenen Modell. „Der Anthropic-Mietvertrag bestätigt unsere Strategie und schafft einen langfristigen Einnahmestrom mit einem der weltweit führenden KI-Unternehmen“, sagt Paul Prager, Chairman und CEO von TeraWulf.

Die Kapazität geht gestaffelt ans Netz: erste Leistung in der zweiten Jahreshälfte 2027, die vollen 401 Megawatt Anfang 2028. Parallel verkauft TeraWulf seinen Mehrheitsanteil an einem zweiten Projekt namens Abernathy an eine Gruppe um Fluidstack und löst dafür rund 390 Millionen Euro.

Warum bindet sich eine KI-Firma für 20 Jahre?

Rechenleistung hängt heute an garantierter Stromversorgung, und die ist knapp. Ein 20-Jahre-Vertrag sichert Anthropic dedizierte Kapazität, ohne die Milliarden für Bau und Grundstück selbst in die Bilanz zu nehmen.

Der eigentliche Engpass der KI sind längst nicht mehr allein die Grafikchips, sondern der Netzanschluss dahinter. Neue Umspannwerke und Leitungen brauchen Jahre Vorlauf, weshalb sich der Zugang zu 401 Megawatt gesicherter Leistung nicht kurzfristig am Markt einkaufen lässt.

Aufschlussreich ist die Herkunft des Vermieters. TeraWulf hat sein Geld ursprünglich mit dem Schürfen von Bitcoin verdient und die stromintensiven Standorte nun auf KI-Rechenzentren umgewidmet. Diese Wandlung vom Krypto-Miner zum KI-Vermieter zieht sich quer durch die Branche und macht bestehende Netzanschlüsse zum eigentlichen Kapital.

Für Anthropic bedeutet die lange Bindung Planungssicherheit. Statt eigene Anlagen zu bauen, verlagert das Unternehmen das Bau- und Finanzierungsrisiko auf den Betreiber und behält die Milliarden für Modelltraining und Personal frei. Wie teuer der Betrieb großer Modelle inzwischen ausfällt, zeigt der Blick auf die reinen KI-Betriebskosten.

Ein Mietvertrag über zwanzig Jahre zeigt, dass in der KI-Branche längst nicht mehr die Chips der Engpass sind, sondern Strom und der Beton drumherum. Planbare Rechenleistung heißt heute faktisch, ein Kraftwerk gleich mitzuplanen.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Anthropic mietet Rechenleistung: die Eckdaten

Der 20-Jahre-Vertrag mit dem Betreiber TeraWulf in Zahlen. Alle Beträge in Euro, umgerechnet zum Kurs von 0,87 (Stand 6. Juli 2026).

16,5 Mrd. €
Vertragsvolumen
Mieteinnahmen über die Grundlaufzeit (19 Mrd. US-Dollar).
20 Jahre
Laufzeit
Initiale Vertragsdauer, mit Rahmen für spätere Erweiterungen.
401 MW
IT-Last
Reine Rechenleistung des Campus, ohne Kühlung gerechnet.
Hawesville, Kentucky
Campus „Justified Data“ in den USA.
Ausbau bis Anfang 2028
Erste Kapazität ab zweiter Jahreshälfte 2027.
Rund 390 Mio. €
Erlös aus dem Verkauf des Abernathy-Anteils an Fluidstack.

Was bedeutet der Deal für Europa?

Die Größenordnung verschärft die Abhängigkeit europäischer Firmen von KI-Infrastruktur, die fast ausschließlich in den USA steht. Frontier-Modelle laufen damit auf Rechnern, deren Standort und Energiepolitik außerhalb europäischer Kontrolle liegen.

Die EU hat das Risiko erkannt und fördert mit ihrer Initiative für KI-Gigafabriken den Aufbau eigener Großrechenzentren. Vom Volumen eines einzelnen 401-Megawatt-Campus in Kentucky ist der Kontinent aber noch entfernt, wie auch der Vergleich der zehn größten Rechenzentren Deutschlands zeigt.

Handfest wird der Deal beim Energiebedarf. Allein die IT-Last von 401 Megawatt entspricht rechnerisch dem Dauerstrombedarf von mehreren hunderttausend deutschen Haushalten, Kühlung noch nicht eingerechnet.

Für Entscheider heißt das: Bei jeder eingeplanten KI-Kapazität gehören Standort, Strommix und Vertragslaufzeit der Anbieter genauso auf den Prüfstand wie der Modellpreis. Dass der Rechenzentrumsbau selbst zum Wirtschaftszweig geworden ist, zeigt hierzulande der Aufstieg von Baukonzernen wie Hochtief. Weitere Modelle und Anbieter ordnet die KI-Rubrik von Dr. Web laufend ein.

Quelle

[1] TeraWulf Inc.: „TeraWulf Announces Anthropic Lease at Justified Data Campus and Sale of Majority Interest in Abernathy Joint Venture to Fluidstack“

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