Der Essener Baukonzern Hochtief verdient inzwischen Milliarden mit dem Bau von KI-Rechenzentren. Über die US-Tochter Turner errichtet der Konzern die Hallen, in denen die Modelle von Meta, Google und Co. rechnen. Ein Blick auf die Bilanz zeigt, wie tief die Baubranche im KI-Boom steckt.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Der Bau von KI-Rechenzentren hat aus einem klassischen Baukonzern einen der stillen Profiteure der KI-Welle gemacht. Hochtief meldet für 2025 einen Rekord-Auftragsbestand von 72,5 Mrd. Euro, ein gutes Fünftel davon entfällt allein auf Datacenter. Hinter der nüchternen Bilanz steckt eine Verschiebung, die deutsche Entscheider kennen sollten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Hochtiefs US-Tochter Turner baut den rund 8,7 Mrd. Euro teuren Meta-Rechenzentrumscampus in Lebanon, Indiana, ausgelegt auf eine Leistung von einem Gigawatt.
  • Das Datacenter-Geschäft hat 2025 einen Auftragseingang von 16,8 Mrd. Euro gebracht, gut 21 % des gesamten Auftragsbestands.
  • Der operative Nettogewinn ist um 26 % auf 789 Mio. Euro gestiegen; für 2026 peilt der Konzern 950 bis 1.025 Mio. Euro an.
  • Am 7. Juli zahlt Hochtief eine um 26 % erhöhte Dividende von 6,60 Euro je Aktie.

Warum wird ein Baukonzern zum KI-Gewinner?

Oranger Helm auf Betonblock mit Aufschrift
Hochtief baut über Turner Rechenzentren für KI-Modelle und verdient an Gebäude, Strom und Kühlung

Hochtief baut über die US-Tochter Turner die physischen Rechenzentren, in denen KI-Modelle laufen. Der Konzern verdient damit an Gebäude, Strom und Kühlung, die jeder KI-Betreiber zwingend braucht.

Rechenleistung braucht vor allem eines: ein Gebäude. Jedes große Sprachmodell läuft in einer klimatisierten Halle voller Serverracks, Stromtechnik und Kühlung, und genau diese Hüllen baut Hochtief über Turner. Der US-Ableger gilt als größter Baudienstleister der Vereinigten Staaten und hat sich früh auf Datacenter spezialisiert.

Der Konzern verdient an der Schaufel für den Goldrausch, während Meta und Google um die besten Modelle ringen. Die Marge im Rohbau ist traditionell dünn; spezialisierte Rechenzentren mit Hochspannungstechnik und Flüssigkühlung zahlen deutlich besser.

Was steckt hinter dem Rekord von 72,5 Milliarden?

Hinter dem Rekord-Auftragsbestand von 72,5 Mrd. Euro steht vor allem das Datacenter-Geschäft: Allein 16,8 Mrd. Euro Auftragseingang und damit gut 21 % des Bestands entfallen auf den Bau von Rechenzentren.

Zum Jahresende 2025 lag der Bestand um 18 % über dem Vorjahr, ein Höchststand.[1] CEO Juan Santamaría nennt die Gruppe einen „weltweiten Anbieter von ingenieurgeführten, durchgängigen Infrastrukturlösungen“.

Die Zahlen zeigen einen klaren Trend nach oben. Der operative Nettogewinn ist 2025 um 26 % auf 789 Mio. Euro gestiegen, der Umsatz um 15 % auf 38,2 Mrd. Euro. Für 2026 hat der Konzern die Gewinnprognose auf 950 bis 1.025 Mio. Euro angehoben.

Hochtief: Wie der KI-Boom den Baukonzern antreibt
Die wichtigsten Kennzahlen aus dem Geschäftsjahr 2025.
72,5 Mrd. €
Auftragsbestand
Rekord zum Jahresende 2025, plus 18 % gegenüber dem Vorjahr.
16,8 Mrd. €
Datacenter-Aufträge 2025
Auftragseingang aus dem Rechenzentrumsbau, gut 21 % des Bestands.
789 Mio. €
Operativer Nettogewinn 2025
Ein Plus von 26 % und über der eigenen Prognose.
950–1.025 Mio. €
Gewinnprognose 2026
Der Konzern rechnet mit weiteren 20 bis 30 % Wachstum.
1 Gigawatt
Meta-Campus in Indiana
Leistung des von Turner errichteten Rechenzentrums für rund 8,7 Mrd. €.

Zum Einordnen: Der Meta-Campus in Lebanon, Indiana, entspricht als Einzelauftrag rund einem Achtel des gesamten Datacenter-Auftragseingangs von Hochtief im Jahr 2025.

Nicht der Chiphersteller und nicht das Modell, sondern der Baukonzern zeigt am ehesten, wie real der KI-Boom ist. Solange Turner im Wochentakt neue Hallen hochzieht, fließt echtes Geld in Beton, Kupfer und Kühlung.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet der Rechenzentrums-Boom für den DACH-Raum?

Deutschland ist Europas größter Rechenzentrums-Standort, und der KI-Ausbau verschärft hier denselben Wettlauf um Flächen und Strom wie in den USA. Für Entscheider zählt: Ein wachsender Teil der KI-Wertschöpfung entsteht im Bau, nicht nur im Chip.

Deutschland betreibt nach Branchenzahlen rund 2.000 Rechenzentren und ist Europas größter Standort. Der Bau folgt denselben Mustern wie in Indiana: riesige Flächen und ein enormer Strombedarf, der den Streit um Netzanschlüsse anheizt.

Der Fall Hochtief steht für eine zweite Welle des KI-Booms, die sich vom Chip zur Fläche verlagert. Wo Microsoft mit dem Fairwater-Bau einen ganzen Campus hochzieht und SoftBank Milliarden in Europas KI-Fundament steckt, verdienen die Bauunternehmen mit. Der Streit um Strom wird schärfer, sobald ein einziger Landkreis mit Rechenzentren um Energie konkurriert.

Für deutsche Entscheider lohnt der zweite Blick auf die Bauseite des Booms. Hochtief zeigt, dass die Wertschöpfung nicht nur im Silicon Valley entsteht, sondern auch dort, wo jemand Beton gießt und Trafos stellt. Am 7. Juli fließt der erste sichtbare Ertrag an die Aktionäre: 6,60 Euro Dividende je Aktie.

Quelle

[1] HOCHTIEF: „HOCHTIEF 2025 operational net profit up 26% to EUR 789 million, above guidance“

Mehr Newshunger?

4,5 18 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?