Zwei deutsche Industrieschwergewichte kooperieren zusammen, um ein wachsendes Problem der KI-Ära zu lösen: Je stärker Rechenzentren und Fabriken elektrifiziert werden, desto anfälliger werden sie für Stromausfälle. Infineon und Siemens setzen dagegen auf einen Halbleiter-Leistungsschalter, der in Mikrosekunden reagiert statt in Millisekunden.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenInfineon und Siemens treiben gemeinsam die Technologie für elektrischen Schutz in Rechenzentren, Produktionsanlagen und Batteriespeichern voran. Für Entscheider, die kritische Infrastruktur betreiben, geht es dabei um eine simple Wahrheit: Je dichter die Elektrifizierung, desto teurer wird jeder ungeplante Ausfall.
Das Wichtigste in Kürze
- Infineon liefert Siliziumkarbid-Leistungsmodule für den Halbleiter-Leistungsschalter SENTRON 3QD2 von Siemens.
- Halbleiter-Leistungsschalter reagieren auf Kurzschlüsse und Überlast in Mikrosekunden statt Millisekunden.
- Zielanwendungen sind KI-Rechenzentren, Produktionsstätten und Batteriespeicher.
- Die Zusammenarbeit wurde am 8. Juni 2026 bekannt gegeben, vorgestellt auf der PCIM Europe in Nürnberg.
Was macht den Halbleiter-Leistungsschalter besser?

Klassische Schutzschalter unterbrechen den Stromfluss über mechanische Bauteile und arbeiten typischerweise im Millisekundenbereich. Der Siemens SENTRON 3QD2 nutzt stattdessen Halbleiterkomponenten und intelligente Schutzalgorithmen. Damit erkennt und unterbricht er Kurzschlüsse oder Überlasten um ein Vielfaches schneller, bevor Schäden entstehen.
Den entscheidenden Baustein liefert Infineon: das 62-Millimeter-CoolSiC-MOSFET-Modul mit 1200 Volt. Siliziumkarbid als Material erlaubt höhere Schaltgeschwindigkeiten, mehr Leistungsdichte und geringere Verluste als herkömmliches Silizium. Andreas Weisl, Executive Vice President und Chief Sales Officer für Industrie und Infrastruktur bei Infineon, beschreibt den Treiber hinter der Partnerschaft.
KI-Rechenzentren und Fabriken werden zunehmend elektrifiziert und komplexer. Das erhöht die Anfälligkeit für elektrische Fehler und steigert die Nachfrage nach nachhaltigeren, effizienteren und zuverlässigeren Stromverteilungssystemen.“ — Andreas Weisl, Executive Vice President & Chief Sales Officer Industrial and Infrastructure, Infineon
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Warum lohnt sich das für Rechenzentren?

Der Ansatz unterstützt die wachsende Verbreitung von Gleichstromnetzen und hochelektrifizierten Umgebungen. Gleichstromanwendungen können den Energieverbrauch senken und den Materialeinsatz deutlich reduzieren, durch eingebundene Batterien lässt sich zusätzlich die Spitzenlast drücken. Markus Grabmeier, CEO Electrical Products bei Siemens Smart Infrastructure, ordnet den Nutzen ein.
Unser neues Gleichstrom-Portfolio bietet innovative Lösungen, die nicht nur die Energieeffizienz verbessern, sondern auch die Entwicklung resilienter, zukunftssicherer Infrastruktur ermöglichen.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Für deutsche Industrieunternehmen ist die Kooperation ein Beispiel dafür, wie zwei heimische Konzerne ihre Stärken bündeln. Infineon bringt die Halbleiterexpertise, Siemens die Kompetenz in der Stromverteilung. Wie stark der Strombedarf durch KI-Rechenzentren wächst, zeigt unser Beitrag dazu, warum die KI den Uranpreis nach oben treibt. Welche Standorte beim Ausbau dominieren, ordnet die Übersicht der größten Rechenzentren Deutschlands ein.
Hier kombinieren zwei deutsche Industrieikonen ihre Kernkompetenzen für ein Bauteil, das kaum jemand wahrnimmt, bis es fehlt. Genau diese unsichtbare Schutzschicht entscheidet, ob ein KI-Rechenzentrum durchläuft oder steht.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Eine Demo des SENTRON 3QD2 zeigten beide Unternehmen auf der PCIM Europe in Nürnberg. Für Betreiber von Rechenzentren, Batteriespeichern und hochautomatisierten Fabriken lohnt der Blick auf solche Schutzkonzepte frühzeitig. Versorgungssicherheit entscheidet zunehmend über die Wirtschaftlichkeit der gesamten Anlage.