Was würde Jim Knopf dazu sagen? Ein ausgefallenes Funknetz hat am Abend des 23. Juni den gesamten deutschen Bahnverkehr zum Stehen gebracht. Kein Sturm, kein Stellwerksbrand, sondern eine Störung im digitalen Zugfunk GSM-R, über den Lokführer und Betriebszentralen miteinander sprechen. Ohne diesen Funk rollt aus Sicherheitsgründen kein Zug.

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Gegen 22.30 Uhr hielt die Deutsche Bahn bundesweit alle Züge an den Bahnhöfen zurück. Rund zwei Stunden später fuhren die ersten Verbindungen wieder an, nachdem ein Notfallsystem die Lage stabilisiert hatte. Reisende strandeten in der Zwischenzeit auf den Bahnsteigen, von Berlin über Stuttgart bis in die Lausitz.

Was ist GSM-R und warum stoppt eine Funkstörung gleich alle Züge?

Ein altes Funkgerät steht links neben einer sehr kleinen Dampflokomotive auf weißem Grund
GSM-R ist ein Mobilfunksystem für Eisenbahnen, das seit Mitte der 2000er Jahre analoge Funkverbindungen ersetzt und auf dem GSM-2G-Standard basiert

GSM-R steht für Global System for Mobile Communications – Railway, ein speziell für die Eisenbahn entwickeltes Mobilfunksystem. Es kam Mitte der 2000er-Jahre auf und löste die alten analogen Funkverbindungen ab. Technisch baut das System auf dem 2G-Standard GSM aus den Neunzigern auf.

Über diesen Funk laufen weit mehr als Gespräche. Lokführer und Fahrdienstleiter koordinieren darüber Fahrterlaubnisse, setzen Notrufe ab und übertragen Daten für moderne Zugsicherungssysteme. Fällt der Kanal aus, fehlt der Leitstelle der direkte Draht zum Führerstand. Aus Sicherheitsgründen bleibt dann jeder Zug stehen, weil niemand mehr kurzfristig ein Gleis sperren oder eine Fahrt freigeben kann.

Was hat den Ausfall ausgelöst?

Miniatur-Postbeamter mit Telefon steht neben den offenen Enden zweier Koaxialkabel auf Weiß
Deutsche Bahn identifiziert Störungsquelle, nennt sie aber nicht. Notfallsystem stabilisiert Lage. Pro Bahn vermutet fehlgeschlagenes Update oder Ausfall zentraler Einheiten

Die Deutsche Bahn hat die Quelle der Störung nach eigenen Angaben identifiziert, nennt sie öffentlich aber nicht. DB-Chefin Evelyn Palla erklärte, ein Notfallsystem habe die Lage stabilisiert, die Ursache müsse jetzt geklärt werden.

Der Fahrgastverband Pro Bahn brachte zwei mögliche Erklärungen ins Spiel. Denkbar sei ein fehlgeschlagenes Software-Update, oder der Ausfall zweier zentraler Einheiten, in denen die Funknummern aller Loks hinterlegt sind. Beides bleibt vorerst Spekulation. Ein vergleichbarer Großausfall im Oktober 2022 galt zunächst als mögliche Sabotage, später stellten sich zwei versuchte Kabeldiebstähle als Auslöser heraus.

Ein bundesweiter Stillstand wegen einer einzigen Komponente ist kein Unglück, sondern ein strukturelles Risiko. Wer kritische Systeme betreibt, plant eine gleichwertige Rückfallebene ein, bevor der Ernstfall sie erzwingt.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Warum ist ein einzelnes System ein solches Risiko?

Wattebausch-Hügel mit kleiner oranger Flagge (Aufschrift
Bahnausfälle zeigen Abhängigkeit von einzelner Funkinfrastruktur. Störung betraf DB, Metronom, Erixx und Güterverkehr gleichzeitig

Der Vorfall führt ein Muster vor, das viele IT-Verantwortliche kennen. Hängt der gesamte Betrieb an einer Komponente, für die es keinen sofort einspringenden Ersatz gibt, dann ist der Ausfall nur eine Frage der Zeit. Bei der Bahn traf die Störung nicht nur den Staatskonzern, sondern auch Wettbewerber wie Metronom und Erixx sowie den Güterverkehr, weil alle dieselbe Funkinfrastruktur nutzen.

Ein Nachfolger steht bereits fest. Das auf 5G aufbauende FRMCS soll GSM-R in den kommenden Jahren ablösen. Dieser Umbau betrifft jede Strecke und jedes Fahrzeug und gilt als Aufgabe für ein ganzes Jahrzehnt, nicht für eine Saison. Bis dahin bleibt der Zugfunk eine empfindliche Stelle im Netz.

Ähnliche Lehren liefern andere Infrastrukturthemen. Wie verwundbar zentrale Signale sind, zeigt der Blick auf die zunehmenden GPS-Störungen und ihre Folgen für kritische Systeme. Wer im Ernstfall schnell zwischen eigenem Fehler und fremdem Ausfall unterscheiden will, findet in der Status-Heatmap isUpMap ein praktisches Werkzeug. Und wie unsichtbare Abhängigkeiten im Unternehmen entstehen, beleuchtet unser Beitrag zu Datensilos und ungepflegten Schnittstellen.

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