Ein Satellit hat erstmals aus dem Orbit gemessen, wie massiv GPS-Signale über Europa gestört werden. Im stärksten Störgebiet bricht das Signal von 40 auf 10 Dezibel ein. Betroffen ist nicht nur die Navigation, sondern die unsichtbare Zeitquelle ganzer Infrastrukturen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas wahre Ausmaß der GPS-Störungen über Europa hat jetzt ein einzelner Satellit sichtbar gemacht. Wann haben Sie zuletzt darüber nachgedacht, was alles am GPS-Signal hängt? Weit mehr als das Navi im Auto.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Experimentalsatellit Pulsar-0 hat die Störungen aus rund 500 Kilometern Höhe kartiert und ein stärkeres Ausmaß gemessen als erwartet.
- Im Kern geht es um zwei Angriffe: Jamming übertönt das Signal, Spoofing fälscht es und täuscht eine falsche Position oder Zeit vor.
- GPS liefert nicht nur Standortdaten, sondern das Taktsignal für Stromnetze, Mobilfunk und Finanztransaktionen.
- Die Deutsche Flugsicherung hat 2025 rund 447 Störungsmeldungen gezählt, etwa zwanzigmal so viele wie zwei Jahre zuvor.
Warum ist GPS so leicht zu stören?

Das Satellitensignal ist am Boden extrem schwach. Aus rund 20.000 Kilometern Höhe kommt es kaum über das Hintergrundrauschen, weshalb schon ein billiger Störsender es weiträumig übertönt. Der Satellit Pulsar-0 des Unternehmens Xona hat genau das aus dem Orbit gemessen und einen Einbruch von 40 auf 10 Dezibel festgestellt. Gefährlicher als das simple Übertönen ist allerdings das Spoofing, bei dem ein gefälschtes Signal eine falsche Position oder Uhrzeit vortäuscht, ohne dass das Gerät den Betrug bemerkt.
Mehr als Navigation steht auf dem Spiel. GPS liefert das hochpräzise Zeitsignal, an dem Stromnetze ihre Schutzschaltungen, Mobilfunkmasten ihre Synchronisation und Börsen ihre Zeitstempel ausrichten. Ein großflächiger Ausfall ist deshalb zuerst ein Zeitproblem, nicht nur ein Navigationsproblem. Was die Absicherung kritischer Systeme angeht, ordnet unser Beitrag NIS-2 ist da die Pflichten ein.
Was Betreiber jetzt tun sollten

Die Störungen sind längst Alltag, nicht Ausnahme. Über der Ostsee wurden zwischen 2023 und 2024 rund 46.000 Vorfälle gezählt, Finnair hat die Strecke nach Tartu 2024 einen Monat lang ausgesetzt, weil zwei Flüge nicht landen konnten. Drei Hebel erhöhen die Widerstandsfähigkeit. Setzen Sie nicht allein auf GPS, sondern empfangen Sie Galileo, GLONASS und BeiDou parallel und schalten Sie die signierten Galileo-Signale gegen Spoofing frei. Koppeln Sie die kritische Zeitsynchronisation vom Satellitensignal ab und stützen Sie sie auf stabile Oszillatoren oder terrestrische Verfahren. Und üben Sie Notfallabläufe ohne GPS ein, so wie es die Luftfahrt mit der Trägheitsnavigation vormacht. Die Grundlagen einer belastbaren Absicherung bündelt unser Ratgeber Cybersecurity-Grundlagen, ein zweites Standbein liefert eine saubere Backup-Strategie.
Unterm Strich ist die GPS-Störung von der Randnotiz zum Infrastrukturrisiko gereift. Prüfen Sie, wo in Ihrem Betrieb Ort und Zeit allein vom Satelliten kommen, und bauen Sie dort eine Rückfallebene ein.