Der Stromhunger der KI-Rechenzentren rückt die Kernkraft zurück ins Zentrum, und damit den Brennstoff Uran. Langfristige Lieferverträge erreichten zuletzt den höchsten Stand seit 2008. Für die deutsche Industrie stellt sich die Frage, woher der Strom für die eigene KI-Infrastruktur kommen soll.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenUran erlebt ein Comeback, weil Rechenzentren rund um die Uhr verlässlichen Strom brauchen und die Kernkraft genau das liefert. Die langfristigen Vertragspreise kletterten Ende des ersten Quartals 2026 auf rund 90 US-Dollar je Pfund, den höchsten Wert seit 2008. Weltweit laufen rund 440 Reaktoren, etwa 80 weitere entstehen gerade.
Das Wichtigste in Kürze
- Langfristige Uran-Vertragspreise erreichten Anfang 2026 rund 90 US-Dollar je Pfund, den höchsten Stand seit 2008.
- Treiber ist der Strombedarf der KI-Rechenzentren, der die Kernkraft als verlässliche Grundlast aufwertet.
- Weltweit sind rund 440 Reaktoren in Betrieb und etwa 80 im Bau, der Uranbedarf 2025 lag bei rund 69.000 Tonnen.
- Tech-Konzerne wie Microsoft, Amazon, Google und Meta sichern sich gezielt Atomstrom für ihre Rechenzentren.
Warum treibt die KI ausgerechnet den Uranmarkt?

KI-Rechenzentren brauchen Strom nicht gelegentlich, sondern ununterbrochen, und Sonne und Wind liefern den nicht zuverlässig genug. Genau hier gewinnt die Kernkraft wieder an Bedeutung. Microsoft reaktiviert das Kraftwerk Three Mile Island, Amazon sicherte sich Strom direkt neben dem Meiler Susquehanna. Meta wiederum hat langfristige Nuklearverträge über mehrere Gigawatt abgeschlossen.
Auf der Angebotsseite klafft eine Lücke. Laut World Nuclear Association lag der Uranbedarf der Reaktoren 2025 bei rund 69.000 Tonnen, während die Primärförderung nur etwa 60.000 Tonnen erreichte. Jahrelange Unterinvestition und lange Genehmigungszeiten verschärfen die Knappheit, während die sekundären Quellen versiegen.
Die KI-Revolution wird im Rechenzentrum entschieden, aber bezahlt wird sie am Strommarkt. Während Microsoft und Amazon ihre eigenen Reaktoren anwerfen, hat Deutschland diese Karte aus der Hand gegeben.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet das für deutsche KI-Standorte?

Deutschland hat den Ausstieg aus der Kernkraft vollzogen und setzt auf erneuerbare Energien plus Speicher. Für den Betrieb großer KI-Rechenzentren zählt jedoch planbarer Grundlaststrom rund um die Uhr, und genau dort entsteht ein Nachteil gegenüber Standorten mit Atomstrom. Strompreis und Versorgungssicherheit entscheiden zunehmend über die Wahl des Rechenzentrumsstandorts.
Planen Sie KI-Infrastruktur, gehört die Stromfrage an den Anfang der Standortplanung, nicht ans Ende. Prüfen Sie langfristige Stromlieferverträge und die Anbindung an stabile Netze. Welche Rechenleistung hinter den Modellen steht, ordnet unser LLMs-Ratgeber ein.
Der Uranmarkt bleibt vorerst eng, und das Verdreifachungsziel vieler Staaten für die Kernkraft würde die Nachfrage weiter anheizen. Für deutsche Entscheider lohnt der nüchterne Blick auf die Stromkosten künftiger KI-Projekte. Ob der Strom aus Reaktoren, Speichern oder Importen kommt, wird zur strategischen Frage.