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Der Berliner Projektentwickler AM:PM Grund will bei Rackwitz nördlich von Leipzig ein Rechenzentrum mit 500 Megawatt bauen und nennt dafür bis zu 6 Milliarden Euro. Dem stehen bis zu 150 Arbeitsplätze gegenüber. Der Netzbetreiber 50Hertz plant das zuständige Umspannwerk erst für 2045 ein, laut Leipziger Zeitung 15 Jahre nach dem vorgesehenen Betriebsstart.

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Inhalt 4 Abschnitte
  1. Was plant AM:PM Grund in Rackwitz?
  2. Warum ist der Netzanschluss die Schwachstelle?
  3. Was sagen Umweltverband und Anwohner?
  4. Mehr Newshunger?

Der Projektentwickler AM:PM Grund plant bei Rackwitz im Landkreis Nordsachsen ein Rechenzentrum mit 500 Megawatt Anschlussleistung, wie die Freie Presse am 4. November berichtet.[1] Die Investition beziffert die Zeitung auf bis zu 6 Milliarden Euro, neue Stellen nennt sie bis zu 150. In Rackwitz formiert sich bereits Widerstand.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • AM:PM Grund plant bei Rackwitz ein Rechenzentrum mit 500 Megawatt und einer Investition von bis zu 6 Milliarden Euro.
  • Bis zu 150 dauerhafte Arbeitsplätze sind vorgesehen, Baubeginn soll ab 2029 sein, der Betrieb 2030 mit 100 Megawatt starten.
  • Baurecht, Netzanschluss und Betreiber stehen noch aus. 50Hertz nennt für das Umspannwerk 2045.

Was plant AM:PM Grund in Rackwitz?

Servergehäuse, Steckerleiste, Kabelgewirr und oranger Anhänger mit der Zahl 2045 auf weiß
Geplantes Rechenzentrum an der B184 zwischen Zschortau und Rackwitz: 32 bis 44 Hektar, Gebäude bis 30 Meter hoch, Investition 4 bis 6 Milliarden Euro, Start mit 100 Megawatt ab 2027

Das Rechenzentrum soll an der B184 zwischen Zschortau und Rackwitz auf 32 bis 44 Hektar entstehen, mit Gebäuden von 23 bis 30 Metern Höhe. Die Projektgesellschaft RZZR rechnet laut dem Gastbeitrag von Christof Korth in der Leipziger Zeitung mit 4 bis 6 Milliarden Euro, der Betrieb soll mit 100 Megawatt anlaufen.[2] Für Bauplanung und Entwurf ist eine Auslegung für 2027 vorgesehen, Baubeginn ab 2029, Betrieb ab 2030.[2] Im Verfahren steht das Vorhaben damit am Anfang: Eine Informationsveranstaltung gab es am 27. August, die Öffentlichkeitsbeteiligung lief bis 13. September, ein Betreiber ist in den Berichten nicht genannt.

Bei den Stellen gehen die Zahlen auseinander. Die Freie Presse nennt bis zu 150, Korth hält 100 bis 150 für realistisch und rechnet vor, dass dies eher zu einer Investition von rund 1 Milliarde Euro passe.[1][2] Rechnerisch kämen bei 6 Milliarden Euro und 150 Stellen 40 Millionen Euro auf jeden Arbeitsplatz. Bürgermeister Steffen Schwalbe (parteilos) nennt das Projekt einen „Befreiungsschlag“ für die Gemeinde, die rund 11,7 Millionen Euro Schulden trägt.[2]

Warum ist der Netzanschluss die Schwachstelle?

Ein Rechenzentrum mit 500 Megawatt braucht bei voller Auslastung so viel Strom wie eine Großstadt mit mehr als einer Million Haushalten.[1] Vorgesehen ist der Anschluss über das Umspannwerk Delitzsch und eine 110-Kilovolt-Trasse. 50Hertz nennt als Inbetriebnahmeziel für das Umspannwerk das Jahr 2045, der Verteilnetzbetreiber Mitnetz Strom erklärt, die Planungen stünden „ganz am Anfang“.[2] Damit fehlen dem Projekt 15 Jahre zwischen Netz und Betriebsplan.

Das ist ein bekanntes Muster bei Rechenzentren in Deutschland. In Schladen-Werla steht der Netzanschluss für 200 Megawatt, aber der Betreiber fehlt, in Trebbin läuft der Bau ohne Betriebsgenehmigung. Die Schwarz-Gruppe plant in Dummerstorf Baubeginn Ende 2027 und Betrieb erst ab 2032. Wie weit Absichtserklärungen tragen, zeigen Intel in Magdeburg und Northvolt in Heide: Beide Großprojekte wurden angekündigt und nicht gebaut.

Rechenzentrum Rackwitz: Zahlen und Zeitplan
Angaben aus Berichten von Freie Presse und Leipziger Zeitung, Stand 4. November 2026
bis 6 Mrd. €
Investition laut Freie Presse, RZZR nennt 4 bis 6 Mrd. €
500 MW
Anschlussleistung, Betriebsstart mit 100 MW
bis 150
dauerhafte Arbeitsplätze, Schätzungen reichen ab 100
32 bis 44 ha
Fläche an der B184 zwischen Zschortau und Rackwitz

Vom Planverfahren zum Betrieb: was bekannt ist

27.08.2026
Informationsveranstaltung in Rackwitz
13.09.2026
Ende der Öffentlichkeitsbeteiligung
2027
geplante Auslegung der Bauplanung (Entwurf)
ab 2029
geplanter Baubeginn
2030
geplanter Betriebsstart mit 100 MW
2045
Inbetriebnahmeziel von 50Hertz für das Umspannwerk Delitzsch

Sechs Milliarden Euro sind eine Absicht, solange Netzanschluss und Baurecht fehlen. Entscheidend ist, wann in Rackwitz Strom fließt.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Was sagen Umweltverband und Anwohner?

Der BUND Sachsen fordert, den Standort zu überdenken. Die rund 40 Hektar sind laut Verband überwiegend Acker mit wertvollen Böden und liegen an der Loberaue, neben einem EU-Vogelschutzgebiet. Entscheidend sei, „wo und wie wir sie bauen“, sagt Felix Ekardt vom BUND Sachsen.[3] Offen seien Wasserbedarf, Abwärmenutzung, erneuerbare Stromversorgung und die Dieselgeneratoren für den Notstrom. Der Investor verweist auf einen geschlossenen Wasser-Glykol-Kühlkreislauf und will die Abwärme an der Grundstücksgrenze bereitstellen.[2][3]

Eine Bürgerinitiative sammelt per Petition Unterschriften und verlangt einen Bürgerentscheid nach dem Vorbild von Wiedemar.[2] Für Unternehmen in Nordsachsen und Leipzig hängt daran mehr als die Gewerbesteuer: Jede Anschlusszusage für 500 Megawatt belegt Netzkapazität, die für Industrieansiedlungen fehlen kann. Unternehmen, die in der Region Flächen oder Strom planen, sollten die Auslegung der Bauplanung 2027 und eine verbindliche Netzzusage von 50Hertz im Blick behalten. Einen Überblick liefert unsere Übersicht der zehn größten Rechenzentren Deutschlands.

Quellen

3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Freie PresseRechenzentrum für Milliarden Euro bei Leipzig geplant (4. November 2026, teils hinter Bezahlschranke)
  2. Leipziger Zeitung (L-IZ)Geplantes Rechenzentrum bei Rackwitz: Lauter offene Fragen zu Netzanschluss, Abwärme, Lärm (Gastbeitrag von Christof Korth)20.10.2026
  3. Leipziger Zeitung (L-IZ)Wertvoller Acker: BUND Sachsen für Alternativstandort für geplantes Mega-Rechenzentrum Rackwitz (Ralf Julke)16.10.2026

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