Das Rechenzentrum der Schwarz-Gruppe in Dummerstorf bei Rostock soll erst 2032 in Betrieb gehen. Mit dem Bau will der Konzern Ende 2027 oder Anfang 2028 beginnen, abhängig vom Stromanschluss. Für das 5,6-Milliarden-Euro-Projekt stellt das Land Mecklenburg-Vorpommern laut Nordkurier bis zu 120 Millionen Euro Förderung bereit.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenBeim Infoabend zum Rechenzentrum Dummerstorf saßen rund 200 Einwohner in der Aula der örtlichen Grundschule.[1] Ein Vertreter der Schwarz-Gruppe nannte dort den Zeitplan: Baubeginn Ende 2027 oder Anfang 2028, Inbetriebnahme 2032. Der Baubeginn hänge wesentlich davon ab, bis wann die benötigte Strominfrastruktur stehe.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Bau soll Ende 2027 oder Anfang 2028 beginnen, der Betrieb 2032 starten.
- Das Land stellt laut Nordkurier bis zu 120 Millionen Euro Förderung bereit, gut 2 % der Investition.
- Den Zeitplan bestimmt nach Angaben des Unternehmens der Stromanschluss.
- Parallel hat das Land erste Digitalaufträge an die Schwarz-Gruppe vergeben, der Bund der Steuerzahler kritisiert die neue Abhängigkeit.
Was ist seit der Ankündigung in Dummerstorf konkret geworden?

Zwischenschritte statt Zieljahr. Bei der Ankündigung am 27. August hatte die Schwarz-Gruppe nur das Ziel genannt: 240 Megawatt für 5,6 Milliarden Euro bis 2033, mit der Option auf ein Gigawatt bis 2045.[2] Nach dem neuen Zeitplan vergehen zwischen Baubeginn und Betrieb rund vier Jahre. Standortentscheidung und Förderrahmen liegen bereits vor, Netzanschluss und Spatenstich stehen noch aus. Das 35 Hektar große Areal grenzt im Gewerbegebiet direkt an das Logistikzentrum von Amazon.[1]
Gemeinde zieht mit. Bürgermeister Jürgen Sprank (CDU) sprach von großem Einvernehmen in der Gemeindevertretung und sagte, die Schwarz-Gruppe sei „ein extrem potenter Gewerbesteuerzahler“.[1] Laut Sprank verhindert ein geschlossener Wasserkreislauf Folgen für das Grundwasser. Um das Gelände soll ein drei Meter hoher Sicherheitszaun laufen. Eine Zahl zu Arbeitsplätzen nennen weder die Mitteilung des Konzerns noch die dpa. Ein KI-Rechenzentrum kommt im Betrieb ohnehin mit wenig Personal aus.
Warum dauert der Bau trotz des 380-Kilovolt-Anschlusses so lange?
Nähe reicht nicht. Dummerstorf liegt nahe dem Umspannwerk Bentwisch, wo Windstrom von der Ostsee an Land kommt. Die Schwarz-Gruppe nennt den Anschluss an das 380-Kilovolt-Höchstspannungsnetz als Standortvorteil.[2] Für 240 Megawatt braucht der Standort trotzdem eigene Umspannanlagen und Zuleitungen, die erst entstehen müssen. Deshalb koppelt der Konzern den Baubeginn an die Strominfrastruktur.
Bekanntes Nadelöhr. Andere Großprojekte hängen am selben Engpass. Bei Regensburg entscheidet zuerst TenneT über das Rechenzentrum in Wenzenbach, in Schladen-Werla ist der Netzanschluss für 200 Megawatt reserviert, doch ein Betreiber fehlt. Das knappe Gut ist damit der Netzanschluss, nicht das Kapital. In Schlüchtern soll gleich ein eigenes Kraftwerk das Rechenzentrum versorgen.
Was bekommt Mecklenburg-Vorpommern für die Förderung?
Förderung mit Gegengeschäft. Neben den bis zu 120 Millionen Euro hat das Land laut Nordkurier erste Digitalaufträge an die Schwarz-Gruppe vergeben: 125.000 Euro für das Konzept einer Hybrid-Cloud, 200.000 Euro für die erste Phase eines digitalen Lehrerarbeitsplatzes, dazu ein Polizeiprojekt mit offenen Kosten.[3] Bis Ende 2026 sollen ein digitales Baugenehmigungsverfahren auf der Cloud-Plattform STACKIT und die Bürosoftware OpenDesk für Lehrkräfte starten.[2] Die Abwärme will der Konzern gemeinsam mit den Stadtwerken Rostock in ein Fernwärmenetz leiten, ähnlich wie beim Rechenzentrum in Lübbenau.
Kritik am Paket. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) spricht von einer strategischen Partnerschaft. Sascha Mummenhoff vom Bund der Steuerzahler Mecklenburg-Vorpommern hält dagegen: „Digitale Souveränität darf nicht bedeuten, eine ausländische Abhängigkeit durch eine neue Abhängigkeit von einem einzigen deutschen Unternehmen zu ersetzen.“[3]
In Dummerstorf sind sich Gemeinde, Land und Investor einig, trotzdem vergehen bis zum ersten Server sechs Jahre. Der Engpass für Rechenzentren in Deutschland liegt am Umspannwerk.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Fenster ab 2027. Elektro- und Baufirmen aus der Region Rostock können mit Aufträgen ab dem Baubeginn rechnen. Kommunen mit eigenen Plänen für Rechenzentren sollten den Netzanschluss vor dem Bebauungsplan klären, denn in Dummerstorf bestimmt er den Zeitplan.
Quellen
[1] dpa via Nordkurier: „Geplanter Baustart für Dummerstorfer Rechenzentrum Ende 2027“ (29.09.2026)
[2] Schwarz Gruppe: „Mecklenburg-Vorpommern and the companies of Schwarz Group form groundbreaking partnership“ (27.08.2026)
[3] Nordkurier: „Millionen-Förderung und Behörden-Aufträge: Kritik an Daten-Deal für Mega-Rechenzentrum“ (17.09.2026)
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