Im Landkreis Wolfenbüttel ist der Netzanschluss für ein Rechenzentrum mit rund 200 Megawatt reserviert. Die Gemeinde Schladen-Werla hat den Bebauungsplan für die 14 Hektar große Fläche angestoßen, ein Betreiber fehlt noch. Erste Ausbaustufen könnten 2030 oder 2031 in Betrieb gehen.

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Christian Vorwerck, Geschäftsführer des Projektentwicklers gdd Green Datacenter Development, rückt das geplante Rechenzentrum in Schladen-Werla in die Nähe der KI-Gigafabriken: „Standorte wie Schladen-Werla ermöglichen genau die Rechenzentrumsleistung, die auch für KI-Gigafactory-Rechenzentren benötigt wird.“[1] Die Anlage bei Beuchte soll Cloud- und KI-Anwendungen dienen und Strom aus Wind- und Solarparks der Umgebung beziehen. Welcher Konzern die Server einmal betreibt und wie viel Geld fließt, verrät gdd bislang nicht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Gemeinde Schladen-Werla fasste im April 2026 einstimmig den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan.
  • Anfang September bestätigte der Netzbetreiber die Reservierung von rund 200 Megawatt Anschlussleistung.
  • Einen Betreiber und die Investitionssumme nennt gdd noch nicht.
  • Rechenzentren mit Betriebsstart ab Juli 2028 müssen mindestens 20 Prozent ihrer Energie wiederverwenden, in der Praxis meist als Wärme.

Wie weit ist das Rechenzentrum in Schladen-Werla?

Stecker in Erdblock mit Schild „200 MW reserviert“ und Serverschrank auf weißem Grund
GDD plant seit 2025 einen neuen Standort in Beuchte. Gemeinderat beschloss April 2026 einstimmig Bebauungsplan. Netzbetreiber reservierte Stromkapazität, Betreiber noch gesucht

Frühe Stufe. Seit 2025 plant gdd den Standort und stimmt sich mit Gemeinde und Land ab. Mitte April 2026 beschloss der Gemeinderat einstimmig, einen Bebauungsplan aufzustellen. Anfang September bestätigte der Netzbetreiber die Reservierung der Stromkapazität.[1] Auf dem Weg zum Betriebsstart fehlt damit noch der wichtigste Schritt: die Zusage eines Betreibers für Beuchte.

Offene Punkte. Der Bebauungsplan ist noch nicht beschlossen, eine Baugenehmigung fehlt ebenso wie ein Betreibervertrag. Als nächste Schritte nennt gdd die weitere Bauleitplanung und Betriebsmodelle „mit zukünftigen Betreibern“.[1] Bürgermeister Martin Schulze erhofft sich neue Arbeitsplätze und günstige Wärme für die Gemeinde. Eine Zahl nennt er nicht.

Warum zählt der Netzanschluss mehr als die Fläche?

Knappe Leitung. Ackerland für einen Rechenzentrumscampus findet sich in Niedersachsen leichter als freie Kapazität im Stromnetz. Projektentwickler wie gdd sichern deshalb zuerst Baurecht und Anschlusszusage. Danach suchen die Entwickler einen Betreiber, gdd bietet dafür auch den Einstieg als Joint-Venture-Partner an. Angeboten wird in dieser Phase also ein Grundstück mit reserviertem Netzanschluss.

Weg von Frankfurt. Microsoft hat in Grevenbroich einen Kaufvertrag für das Grundstück seines vierten Standorts im Rheinischen Revier unterschrieben, der Betrieb soll Anfang der 2030er-Jahre beginnen.[3] Im hessischen Schlüchtern soll ein eigenes Kraftwerk mit 276 Megawatt ein Rechenzentrum versorgen, und Schwarz Digits investiert 5,6 Milliarden Euro bei Rostock. Betreiber planen neue Großprojekte zunehmend dort, wo Netzkapazität frei ist: an alten Kraftwerksstandorten oder nahe Windparks. Die Liste der größten Rechenzentren Deutschlands zeigt, wie stark sich der Markt bisher auf Frankfurt konzentriert.

Rechenzentrum Schladen-Werla: Stand der Planung
Netzanschluss und Fläche sind gesichert, Betreiber und Investitionssumme fehlen noch
200 MW
Anschlussleistung hat der Netzbetreiber Anfang September 2026 für den Standort reserviert
14 ha
umfasst die Fläche bei Beuchte im Landkreis Wolfenbüttel
2030/31
sollen nach aktuellem Plan die ersten Ausbaustufen in Betrieb gehen
20 %
ihrer Energie müssen Rechenzentren mit Betriebsstart ab Juli 2028 wiederverwenden, meist als Wärme
Wo das Projekt steht
  1. Erledigt, April 2026
    Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan
  2. Erledigt, September 2026
    Netzbetreiber bestätigt die Reservierung
  3. Offen
    Betreiber, Bebauungsplan und Baugenehmigung
  4. Geplant, 2030/31
    Betriebsstart der ersten Ausbaustufen

Schladen-Werla bietet im Moment eine Steckdose mit 200 Megawatt an, noch kein Rechenzentrum. Genau diese Steckdose ist in Deutschland knapper als jedes Grundstück.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Wohin mit der Abwärme in einer Gemeinde mit 8.500 Einwohnern?

Pflicht zur Wärme. Das Energieeffizienzgesetz verlangt von Rechenzentren mit Betriebsstart ab Juli 2028 einen geplanten Anteil wiederverwendeter Energie von mindestens 20 Prozent.[2] Bei voller Auslastung von 200 Megawatt entspräche dieser Anteil rechnerisch rund 40 Megawatt Wärme. Diese Menge übersteigt den Heizbedarf aller Haushalte einer Gemeinde mit rund 8.500 Einwohnern um ein Mehrfaches. In der Lausitz plant Schwarz Digits, mit der Abwärme aus Lübbenau bis zu 75.000 Haushalte zu heizen.

Abnehmer gesucht. Das Gesetz lässt eine Ausnahme zu: Gemeinde oder Wärmenetzbetreiber sagen per Vereinbarung zu, binnen zehn Jahren ein Wärmenetz aufzubauen, mit Investitionsplan und Preis für die Abwärme.[2] Gewerbebetriebe im Umkreis sollten sich deshalb früh als Wärmekunden melden, etwa mit Gewächshäusern oder Trocknungsanlagen. Für KI-Projekte im Mittelstand ändert der Standort vor 2030 nichts, die meisten kommen mit Colocation und Cloud aus.

Quellen

[1] gdd Green Datacenter Development: „200-MW-Rechenzentrum in Schladen-Werla: Aufstellungsbeschluss gefasst, Stromanschluss gesichert“ (09.09.2026)

[2] Bundesministerium der Justiz: „§ 11 EnEfG: Klimaneutrale Rechenzentren“

[3] NRW.Global Business: „Microsoft plans fourth data center in the Rheinisches Revier“ (2026)

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