Die Schwarz-Gruppe steckt 5,6 Milliarden Euro in ein neues KI-Rechenzentrum bei Rostock. Hinter der Größenordnung steht ein klares Ziel: Der Lidl- und Kaufland-Konzern will mit seiner IT-Tochter Schwarz Digits eine europäische Alternative zu den US-Cloud-Riesen aufbauen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Schwarz Digits plant im Industriepark Dummerstorf bei Rostock ein Rechenzentrum mit 240 Megawatt Leistung bis 2033, für 5,6 Milliarden Euro.
- Bei einem späteren Ausbau könnte der Standort bis 2045 auf einen Netzanschluss von einem Gigawatt wachsen.
- Den Standort im Norden begründet der Konzern mit dem Windstrom: ein 380-Kilovolt-Anschluss, Abwärme für die Rostocker Fernwärme und Kühlung mit Außenluft.
- Betreiber ist die Cloud-Sparte Schwarz Digits, die mit der Plattform StackIT eine souveräne Alternative zu Amazon, Microsoft und Google positioniert.
Was plant die Schwarz-Gruppe in Dummerstorf?

Schwarz Digits meldet für den Industriepark Dummerstorf bei Rostock ein Rechenzentrum mit 240 Megawatt, das bis 2033 für rund 5,6 Milliarden Euro entsteht.[1] Bei einem zweiten Ausbauschritt soll der Standort bis 2045 auf einen Netzanschluss von einem Gigawatt wachsen.
Betreiber ist Schwarz Digits, die 2023 gegründete IT-Sparte hinter Lidl und Kaufland mit rund 7.500 Beschäftigten.[2] Die ersten Kapazitäten decken den eigenen Konzernbedarf, von der Warenlogistik bis zur Kundenkarte, danach fließt die Rechenleistung in das Cloud-Geschäft der Plattform StackIT.
Warum fällt die Wahl auf den Norden?
Über die Kapazität eines KI-Rechenzentrums entscheidet zuerst der Strom, nicht die Serverfläche. Dummerstorf liegt an einem 380-Kilovolt-Knoten nahe dem Umspannwerk Bentwisch, wo der Offshore-Windstrom aus der Ostsee an Land kommt. Im Regelbetrieb läuft die Anlage ausschließlich mit erneuerbarer Energie, gekühlt wird mit Außenluft.[1]
Der eigentliche Hebel steckt im Netz. Norddeutschland erzeugt mehr Windstrom, als die Leitungen nach Süden abtransportieren, weshalb Windräder bei Engpässen abgeregelt werden. Ein Rechenzentrum direkt am Anlandepunkt nutzt genau diesen Strom und macht aus dem Netzengpass einen Standortvorteil.
Digitale Souveränität entsteht nicht am Rednerpult, sondern am 380-Kilovolt-Anschluss. Erst ein eigenes Rechenzentrum macht StackIT zur ernsthaften Adresse für Firmen, die ihre Daten nicht bei Amazon oder Microsoft liegen haben wollen.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was heißt das für Entscheider in der DACH-Region?
Dummerstorf ist kein Einzelfall. Parallel plant die Schwarz-Gruppe ein noch größeres Rechenzentrum in Brandenburg, Amazon baut dort seine European Sovereign Cloud, und SAP, Ionos und die Telekom drängen mit eigenen souveränen Angeboten auf denselben Markt. Der Osten Deutschlands wird zum Rechenzentrums-Korridor.
Für Entscheider in Deutschland, Österreich und der Schweiz wächst damit die Auswahl jenseits der US-Hyperscaler. Eine im Inland betriebene Cloud wie StackIT verspricht Daten unter EU-Recht und Schutz vor dem Zugriff nach dem US-CLOUD-Act, ein Argument für regulierte Branchen. Der Haken liegt im Zeitplan, denn die großen Kapazitäten stehen erst 2033 bereit.
Die ersten Anwendungen sind bereits benannt: digitale Baugenehmigungen auf StackIT und die Bürosoftware OpenDesk in Schulen, gedacht als Vorlage für die Verwaltung im ganzen Land.[1] Vor jeder Verlängerung eines Cloud-Vertrags lohnt der Blick auf Datenresidenz, Anbieterabhängigkeit und die wachsende Zahl an Rechenzentren im Land.
Quellen
[1] Schwarz Gruppe: „Mecklenburg-Vorpommern and the Companies of Schwarz Group Form Groundbreaking Partnership“
[2] Schwarz Digits: „About Us: Company“
Mehr Newshunger?
- Ein eigenes Kraftwerk fürs Rechenzentrum: Schlüchtern plant 276 Megawatt
- Ein Gigawatt für fünf Rechenzentren: Hochtief erneuert Londons Stromnetz
- Infineon kauft C2i Semiconductors für den Strombedarf der KI-Rechenzentren
- Sechs Millionen Anfragen am Tag: Wie KI-Crawler kernel.org überlasten
- AWS bringt seine erste Cloud-Region nach Saudi-Arabien, mit KI-Zone und Nvidia-Chips