Nicht der Chip ist der Engpass des KI-Ausbaus, sondern der Anschluss ans Stromnetz. In Nordwest-London zieht ein Baukonsortium unter Führung von Hochtief 60 Kilometer neue Höchstspannungskabel und erweitert ein Umspannwerk, das fünf neue Rechenzentren mit zusammen einem Gigawatt anschließt. In DACH konkurriert jedes Rechenzentrum um dieselbe knappe Netzkapazität.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenFür National Grid erneuert das Konsortium Hochtief-Murphy das Höchstspannungsnetz im Nordwesten Londons. Der Umbau verlegt neue Kabel durch einen bestehenden Tunnel und rüstet ein Umspannwerk auf, an dem allein fünf Rechenzentren mit einem Gigawatt Leistung hängen sollen. Für Betreiber im deutschsprachigen Raum liefert der Fall eine Lektion über den Flaschenhals der Digitalisierung.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Konsortium Hochtief-Murphy verlegt im Programm North West London Upgrade von National Grid rund 60 Kilometer neue Kabel durch den bestehenden Tunnel zwischen Elstree und St. John’s Wood.
- Am Standort Elstree erweitert National Grid ein 400-Kilovolt-Umspannwerk und errichtet ein neues 132-Kilovolt-Werk; zusammen schließen die Arbeiten fünf Rechenzentren mit einem Gigawatt Leistung an.
- Hochtief gehört zum spanischen ACS-Konzern, beschäftigt rund 62.000 Menschen und setzte 2025 gut 38 Milliarden Euro um.
- Der eigentliche Engpass des KI-Ausbaus ist die Netzanbindung, nicht das Rechenzentrum selbst: freie Anschlusskapazität ist in Europas Ballungsräumen knapp geworden.
Was baut Hochtief für National Grid?

National Grid bündelt die Arbeiten im Programm North West London Upgrade, das von Sundon in Bedfordshire über Elstree in Hertfordshire bis zum Umspannwerk St. John’s Wood in London reicht.[1] Auf dieser Achse modernisiert der Netzbetreiber über 200 Kilometer Freileitung und verlegt rund 60 Kilometer neue Kabel durch einen vorhandenen Tunnel. Das Joint Venture Hochtief-Murphy übernimmt die Kabel und den Tunnelausbau, die Umspannwerke baut der Wettbewerber Laing O’Rourke.
Den Kern bildet der Standort Elstree. Dort erweitert National Grid ein gasisoliertes 400-Kilovolt-Umspannwerk und errichtet ein neues 132-Kilovolt-Werk. Erst diese Anlagen schaffen die Anschlusspunkte für fünf neue Rechenzentren mit zusammen einem Gigawatt. Den Wert der einzelnen Bauabschnitte nennen weder National Grid noch Hochtief.
Warum hängt der KI-Boom am Umspannwerk?
Ein großes Rechenzentrum braucht keine gewöhnliche Leitung, sondern einen festen Anschluss auf Höchstspannungsebene, wie ihn sonst eine Kleinstadt bezieht. Genau diese Anschlüsse sind rund um London vergeben, die Warteschlange für neue Kapazität reicht über Jahre. Ein Cluster mit einem Gigawatt lässt sich nicht an einen alten Knoten hängen; nötig sind neue Schaltanlagen, Transformatoren und Kabeltunnel.
Die Lastsprünge solcher Anlagen zwingen die Netzbetreiber schon heute zu neuer Technik, etwa dem Solid-State-Transformator von Siemens. Ob Zulieferer wie RENK die Stromversorgung absichern oder Batteriespeicher einspringen: Der Strom ist der Engpass, nicht der Rechenchip.
Der Wettlauf um KI-Kapazität entscheidet sich nicht mehr am Chip, sondern am Umspannwerk. Ein Rechenzentrum in Europa scheitert künftig seltener an der Baugenehmigung als am freien Netzanschluss.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für Rechenzentren in DACH?
Der Londoner Engpass ist kein Sonderfall. Von Dublin bis Amsterdam bremsen Anschlussstopps die Ansiedlung, und Frankfurt, Europas größter Standort, ringt mit denselben Grenzen aus Fläche und Netz.
In Deutschland stemmen Amprion, TenneT und 50Hertz den Ausbau, der dreistellige Milliardenbeträge verschlingt. Auch hierzulande zeigt sich das Muster, von Schwarz bei Rostock bis zum Streit darüber, wie sich die Netzkosten der Rechenzentren verteilen. Ein neues Rechenzentrum steht und fällt deshalb mit dem Netzanschluss, lange bevor der erste Bagger anrollt.
Der Netzausbau
Bauabschnitt des Joint Ventures Hochtief-Murphy und der Umspannwerke.
Der Anschluss
Wofür der Netzausbau die Kapazität schafft.
Quelle
[1] National Grid: North West London Upgrade (Programmseite)
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