Der Wechselrichter-Hersteller SMA Solar aus Kassel verkauft künftig auch die Stromversorgung für KI-Rechenzentren, über das angestammte Solargeschäft hinaus. Den ersten Auftrag hat der Konzern in den USA bereits gebucht, für 2027 peilt SMA einen mittleren bis hohen zweistelligen Millionenumsatz an. Hinter dem Vorstoß steckt der eigentliche Flaschenhals des KI-Booms, der Netzanschluss.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenSMA Solar drängt mit der Stromversorgung von KI-Rechenzentren in ein Geschäftsfeld weit jenseits der Photovoltaik. Der Konzern aus Kassel bündelt seine Erfahrung aus 45 Jahren Leistungselektronik in drei neuen Systemarchitekturen und trifft damit auf einen Markt, in dem der Strom knapper ist als das Kapital.
Das Wichtigste in Kürze
- Drei Systemarchitekturen bilden das Angebot: GridAssist (batteriegestützt, netzgekoppelt), GridLink AC (Mittelspannungs-USV) und GridLink DC (800-Volt-Gleichstrom, Start 2027).
- Den ersten Rechenzentrums-Auftrag hat SMA in den USA gebucht; für 2027 rechnet der Konzern mit einem mittleren bis hohen zweistelligen Millionenumsatz.
- Der eigentliche Engpass sitzt beim Netzanschluss: In Deutschland soll die KI-Anschlussleistung bis 2030 von 530 auf 2.020 Megawatt steigen.
- SMA überträgt Regelungstechnik aus seinen Solar- und Batterieparks an den Anschlusspunkt des Rechenzentrums, um Strom schon vor dem regulären Netzanschluss zu liefern.
Was verkauft SMA Solar an die Rechenzentren?

SMA fasst das neue Angebot in der Sparte für Großanlagen zusammen und bietet drei Architekturen an.[1] GridAssist koppelt einen Batteriespeicher ans Netz und liefert Leistung, bevor der reguläre Anschluss steht. GridLink AC setzt auf eine Mittelspannungs-USV, GridLink DC auf eine 800-Volt-Gleichstromversorgung, deren Start SMA für 2027 plant.
Der Kern beruht auf bewährter Technik. Netzbildende Wechselrichter stabilisieren in Solar- und Batterieparks längst die Spannung, und genau diese Regelungstechnik verlegt der Konzern nun an den Anschlusspunkt des Rechenzentrums. Den ersten Auftrag dafür hat SMA in den USA gebucht, dem weltgrößten Markt für KI-Kapazitäten.
Warum ist der Netzanschluss der eigentliche Engpass?
Rechenzentren scheitern seltener an Servern als am Strom. Der Netzanschluss dauert in Ballungsräumen Jahre, während die KI-Last sofort wächst. Genau diese Lücke füllt ein Batteriespeicher am Anschlusspunkt, der das Rechenzentrum speist, Netzschwankungen überbrückt und den Baustart unabhängig vom langsamen Ausbau der Leitungen macht.
Das Muster zieht sich durch die Branche. In Neckarwestheim nutzt EnBW den alten Netzanschluss eines Atomkraftwerks für einen Batteriespeicher, in China stecken Batteriekonzerne wie CATL Hunderte Millionen Euro in Rechenzentren. Auch Siemens Energy verdient am Hunger der KI nach Strom, und Betreiber wie Anthropic weichen sogar auf ein eigenes Inselnetz aus.
Nicht die Chips entscheiden über das Tempo des KI-Ausbaus, sondern die Frage, wie schnell Strom an den Serverschrank kommt. Genau diese Lücke besetzt SMA Solar mit Technik, die der Konzern seit Jahren in Solar- und Batterieparks erprobt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für Entscheider im DACH-Raum?
Für deutsche Standorte trifft SMA einen wunden Punkt. Der Strombedarf der Rechenzentren liegt laut Bitkom bei rund 20 Terawattstunden im Jahr und dürfte bis 2030 auf 25 bis 35 Terawattstunden steigen, allein die KI-Anschlussleistung soll sich von 530 auf 2.020 Megawatt vervierfachen.[2] Bei der Planung großer Standorte, wie sie die zehn größten Rechenzentren Deutschlands zeigen, wird der Netzanschluss zur härtesten Nebenbedingung.
Entscheider sollten die Stromfrage deshalb an den Anfang des Projekts stellen, nicht ans Ende. Konkret heißt das, den Netzanschluss früh mit dem Versorger zu klären, einen Speicher am Anschlusspunkt einzuplanen und die Fördermöglichkeiten der Energiewende zu prüfen. Für SMA öffnet der Vorstoß einen Markt, der die schwächelnde Solarkonjunktur teilweise ausgleicht.
FAQ: SMA Solar und die Stromversorgung für KI-Rechenzentren
Was bietet SMA Solar für Rechenzentren an?
SMA bietet drei Systemarchitekturen für die Stromversorgung von KI-Rechenzentren: GridAssist koppelt einen Batteriespeicher ans Netz, GridLink AC ist eine Mittelspannungs-USV, GridLink DC eine 800-Volt-Gleichstromversorgung mit geplantem Start 2027.
Warum ist der Netzanschluss für KI-Rechenzentren ein Problem?
Der Netzausbau dauert in Ballungsräumen oft Jahre, während die Rechenlast sofort wächst. Ein Batteriespeicher am Anschlusspunkt liefert Leistung, überbrückt Netzschwankungen und macht den Baustart unabhängig vom langsamen Ausbau der Leitungen.
Wie viel Strom brauchen deutsche Rechenzentren?
Laut Bitkom verbrauchen Rechenzentren in Deutschland rund 20 Terawattstunden im Jahr. Bis 2030 soll der Bedarf auf 25 bis 35 Terawattstunden steigen, die KI-Anschlussleistung allein von 530 auf 2.020 Megawatt.
Was ist ein netzbildender Wechselrichter?
Ein netzbildender Wechselrichter gibt Spannung und Frequenz aktiv vor, statt sie nur nachzubilden. So stabilisiert er das Netz und versorgt ein Rechenzentrum aus Batteriespeichern, bevor oder während der reguläre Netzanschluss entsteht.
Quellen
[1] SMA Solar: „System Solutions & Packages“ (Data Center Power)
[2] Bitkom: „Rechenzentren in Deutschland: KI treibt das Wachstum“
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