Deutschlands letztes Atomkraftwerk in Neckarwestheim ging im April 2023 vom Netz. Auf demselben Gelände soll jetzt ein Batteriespeicher mit bis zu 1.000 Megawattstunden entstehen. Den Ausschlag gibt nicht die frei gewordene Fläche, sondern der Hochspannungsanschluss, den der stillgelegte Meiler hinterlässt.

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Ein Batteriespeicher mit 1.000 Megawattstunden puffert genug Strom, um eine mittlere Großstadt für Stunden über die Abendspitze zu bringen. Genau diese Dimension plant der Energiekonzern EnBW am Standort des Kernkraftwerks Neckarwestheim. Der Standort erklärt den Plan besser als die Technik.

Das Wichtigste in Kürze

  • EnBW plant auf dem stillgelegten Kernkraftwerk Neckarwestheim einen Batteriegroßspeicher mit bis zu 1.000 Megawattstunden.
  • Der entscheidende Vorteil ist der vorhandene Höchstspannungsanschluss des Atomkraftwerks, der das jahrelange Warten auf einen neuen Netzzugang erspart.
  • Das Vorbild steht in Philippsburg: Dort baut EnBW auf einem früheren Atomstandort bereits Deutschlands größten Batteriespeicher mit 400 Megawatt und 800 Megawattstunden.
  • EnBW betreibt schon 20 Batteriespeicher, weitere 1.800 Megawattstunden stecken in Bau oder Planung.

Was plant EnBW auf dem Atomgelände Neckarwestheim?

Ein Akku auf Beton mit Kartonschild
EnBW plant Batteriegroßspeicher auf Gelände des stillgelegten Kernkraftwerks Neckarwestheim mit Kapazität von 1.000 Megawattstunden

Der Energiekonzern EnBW will das Areal des abgeschalteten Kernkraftwerks Neckarwestheim für einen Batteriegroßspeicher nutzen. Wie die Heilbronner Stimme meldet, soll die Anlage bis zu 1.000 Megawattstunden fassen und damit deutlich mehr leisten als die meisten bestehenden Speicher im Land. Neckarwestheim II war am 15. April 2023 als eines der letzten drei deutschen Atomkraftwerke vom Netz gegangen, seither läuft der Rückbau.

Warum ist der alte Netzanschluss so wertvoll?

Der eigentliche Engpass beim Ausbau von Batteriespeichern liegt selten in der Technik. Knapp ist der Netzanschluss ans Höchstspannungsnetz. Neue Projekte warten oft Jahre auf einen freien Verknüpfungspunkt, weil die Leitungen begrenzt sind und die Genehmigungen sich ziehen.

Ein früheres Atomkraftwerk bringt genau diesen Punkt bereits mit. Der Meiler speiste über Jahrzehnte mehr als tausend Megawatt ins Netz, die zugehörigen Schaltanlagen und Trassen bleiben nutzbar. EnBW spart damit den teuersten und langsamsten Schritt eines jeden Speicherprojekts. Solche Speicher fangen die Schwankungen von Wind- und Solarstrom ab, deren Rekordausbau zunehmend am Netz hängt.

Batteriespeicher auf alten Kraftwerksflächen
Wie EnBW den Netzanschluss stillgelegter Meiler weiternutzt
1.000 MWh
geplant in Neckarwestheim, auf dem 2023 abgeschalteten Atomkraftwerk
800 MWh
im Bau in Philippsburg, 400 MW Leistung, größter Speicher Deutschlands
100 MWh
am Kraftwerksstandort Marbach, Inbetriebnahme Ende 2026
Der eigentliche Hebel

Alte Kraftwerks- und Atomstandorte bringen einen leistungsstarken Höchstspannungsanschluss mit. Die Nachnutzung erspart das jahrelange Warten auf einen neuen Netzzugang, den teuersten Schritt jedes Speicherprojekts.

20 Batteriespeicher betreibt EnBW bereits, weitere 1.800 MWh stecken in Bau oder Entwicklung. 2025 baute der Konzern einen Rekord von 800 MW Speicherleistung zu.

Ist Neckarwestheim ein Einzelfall?

Neckarwestheim folgt einem Muster, das EnBW schon erprobt. Am ebenfalls stillgelegten Kernkraftwerk Philippsburg baut der Konzern seit Juni 2026 Deutschlands größten Batteriespeicher mit 400 Megawatt und 800 Megawattstunden, geplant ohne staatliche Förderung und mit Inbetriebnahme bis Ende 2027.[1] Der Standort dient zugleich als Endpunkt der Gleichstromleitung Ultranet, die Windstrom aus dem Norden in den Südwesten bringt.

Am Kraftwerksstandort Marbach entsteht parallel ein Speicher mit 100 Megawattstunden.[2] Insgesamt betreibt EnBW 20 solcher Anlagen, weitere 1.800 Megawattstunden befinden sich in Bau oder Entwicklung. Auch andere Versorger stehen vor dem Rückbau ihrer alten Meiler, etwa RWE beim Kohleausstieg 2030.

Der eigentliche Engpass der Energiewende ist der Netzanschluss, nicht die Batterie. In Neckarwestheim übernimmt EnBW einen fertigen Hochspannungspunkt, für den andere Projektierer Jahre in der Warteschlange stünden.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet der Speicher-Boom für die Energiewende?

Batteriegroßspeicher werden zum stillen Rückgrat der Energiewende, weil sie überschüssigen Ökostrom zwischenspeichern und zur Abendspitze wieder abgeben. Das Geschäftsmodell rechnet sich zunehmend ohne Subventionen, wie Philippsburg zeigt und der Preisrutsch in Australien belegt, wo Heimspeicher den Abendpreis drücken.

Für Kommunen und Industrie im DACH-Raum eröffnet die Nachnutzung alter Kraftwerksflächen einen schnellen Weg zu neuer Netzstabilität, ohne dass Leitungen jahrelang geplant werden müssen. Betriebe mit eigenem Flexibilitätsbedarf sollten früh mit dem Netzbetreiber über freie Anschlusspunkte an Bestandsstandorten sprechen, bevor die attraktiven Netzverknüpfungspunkte vergeben sind.

Quellen

[1] EnBW: „Construction begins on large-scale battery energy storage system (BESS) at Philippsburg Energy Park“

[2] EnBW: „Baubeginn von EnBW-Großbatteriespeicher am Kraftwerksstandort Marbach“

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