Solardachziegel galten zehn Jahre lang als das schönere Solardach. Tesla hat das Produkt jetzt beendet, nach rund 3.000 Dächern statt der versprochenen 1.000 pro Woche. In Deutschland verkaufen Autarq, Nelskamp und BMI Braas die Technik weiter. Ihre Rechnung sieht anders aus.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Tesla liefert seinen Installateuren keine Solarziegel mehr, sondern gewöhnliche Module.
  • In sieben Jahren entstanden rund 3.000 Solardächer, angekündigt hatte Elon Musk 1.000 pro Woche.
  • Ein Solardach kostet laut Autarq rund 3.333 Euro je Kilowatt Peak, eine Aufdachanlage rund 1.700 Euro.
  • Nach Abzug der ohnehin fälligen Eindeckung bleiben rund 1.333 Euro je Kilowatt Peak.

Warum rechnet sich das Solar Roof für Tesla nicht mehr?

Stapel Dachpfannen mit Solarmodul und
Tesla stellt Produktion von Solarziegeln ein und liefert zertifizierten Partnern künftig nur noch Standardmodule

Tesla finanzierte für den Solarziegel eine eigene Fertigung und eigene Montageschulungen, während gewöhnliche Module als Weltmarkt-Massenware immer billiger wurden. Das Fachportal Electrek meldete am 20. August 2026, dass die zertifizierten Partner nur noch Standardmodule bekommen.

Die Stückzahl rechtfertigte diese Sonderrolle nie. Elon Musk stellte 2016 bei der SolarCity-Übernahme für rund 2,26 Milliarden Euro tausend Solardächer pro Woche in Aussicht, in Spitzenzeiten schafften die Trupps 21 bis 32. Bei einem Kunden stieg das Angebot während der Wartezeit von 62.600 auf 127.000 Euro. Alle Dollarbeträge umgerechnet zum Kurs 0,87, Stichtag 24. August 2026.

Dazu kommt die Physik. Ein Solarziegel liegt flach auf der Lattung; der Kühlspalt fällt kleiner aus als unter einem aufgeständerten Modul. Kristallines Silizium verliert je Grad Celsius rund 0,3 Prozent Leistung. Tesla-Kunden meldeten zusätzlich verzogene Blindziegel sowie Erträge unter der Prognose. Parallel baut der Konzern in Texas für 8,8 Milliarden Euro eine Zellfabrik.

Was kostet ein Solardach in Deutschland?

Autarq rechnet für ein Beispielhaus mit 9,6 Kilowatt Peak rund 40.000 Euro vor, also etwa 3.333 Euro je Kilowatt Peak. Eine gewöhnliche Aufdachanlage liegt bei rund 1.700 Euro.[1]

Der zweite Teil der Rechnung entscheidet über das Geschäft. Der Solarziegel ist zugleich Dacheindeckung, die ohnehin rund 250 Euro je Quadratmeter kostet. Nach Abzug dieses Betrags bleiben laut Autarq rund 1.333 Euro je Kilowatt Peak. Damit unterbietet das Solardach die Aufdachanlage, sobald der Dachdecker sowieso anrückt. Genau diese Kopplung an die Dachsanierung hat Tesla nie verkauft.

Bei der Leistung je Fläche liegen die Systeme weit auseinander. Nelskamp nennt für den Solarziegel G10 S PV 207 Watt Peak je Quadratmeter, Autarq für seinen Kleinziegel rund 120 Watt Peak. Ein gewöhnliches Modul erreicht gut 200 Watt Peak. Auf kleinen Dächern entscheidet dieser Abstand über den Eigenverbrauch. Der deutsche Zubau erreichte im ersten Quartal 2026 trotzdem ein neues Rekordniveau.

Tesla verkaufte einen Dachziegel als Elektronikprodukt und musste ihn gegen Massenware vom Weltmarkt verteidigen. In Deutschland rechnet sich die Technik dort, wo der Dachdecker ohnehin anrückt.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Solardach gegen Aufdachanlage: die Rechnung für ein Beispielhaus
Beispielhaus mit 9,6 Kilowatt Peak. Alle Beträge in Euro, Preisbeispiel des Herstellers Autarq.
3.333 €
Solardach je Kilowatt Peak
rund 40.000 Euro Gesamtinvestition für beide Dachseiten
1.700 €
Aufdachanlage je Kilowatt Peak
gewöhnliche Module auf vorhandener Eindeckung
1.333 €
Solardach nach Abzug der Eindeckung
eine Ziegeleindeckung kostet ohnehin rund 250 Euro je Quadratmeter
3.000
Tesla-Solardächer in sieben Jahren
angekündigt hatte Elon Musk 1.000 pro Woche
Leistung je Quadratmeter Dachfläche
Nelskamp G10 S PV
207 Watt Peak je Quadratmeter, rund 4,8 Quadratmeter Dachfläche je Kilowatt Peak.
Autarq-Solarziegel
rund 120 Watt Peak je Quadratmeter, etwa 12 Ziegel mit je 10 Watt Peak.
Gewöhnliches Modul
rund 200 Watt Peak je Quadratmeter, aufgeständert über der Eindeckung.

Wann lohnt sich der Solardachziegel in Deutschland?

Das Solardach rechnet sich hierzulande bei einer fälligen Dachsanierung sowie an Gebäuden, an denen Denkmalschutz oder Gestaltungssatzung sichtbare Module untersagen. In beiden Fällen konkurriert der Ziegel mit dem Angebot des Dachdeckers, nicht mit dem Modulpreis.

Der Rückenwind kommt aus Brüssel. Artikel 10 der EU-Gebäuderichtlinie 2024/1275 schreibt einen Solarstandard fest: Neue Nichtwohngebäude über 250 Quadratmeter brauchen bis zum 31. Dezember 2026 eine Solaranlage, neue Wohngebäude ab 2030.[2] Für Dachdecker wird das zum Auftragspolster, wie die Solarpflicht im Handwerk schon zeigt.

Ein zweiter Termin verschiebt die Rechnung: Die Einspeisevergütung endet 2027, neue Anlagen vermarkten ihren Strom danach selbst. Damit zählt der Eigenverbrauch mehr als die letzte Kilowattstunde Ertrag, was den Wärmenachteil des Ziegels abfedert.

Holen Sie deshalb gerne zwei Angebote ein: eines für Eindeckung plus Aufdachanlage, eines für das Solardach. Verglichen wird die Gesamtsumme, nicht der Kilowattpreis. Lassen Sie sich zudem Ersatzziegel schriftlich zusichern, denn das Tesla-Aus zeigt, wie schnell ein Sonderformat verschwindet. Danach hilft der Beitrag über das Reinigen von Solarmodulen.

FAQ: Solardachziegel: Tesla beendet das Solar Roof nach 3.000 Dächern

Was kosten Solardachziegel pro Quadratmeter?

Solardachziegel kosten in Deutschland je nach System mehrere hundert Euro je Quadratmeter Dachfläche. Autarq nennt für sein eigenes Preisbeispiel rund 400 Euro je Quadratmeter, eine gewöhnliche Ziegeleindeckung ohne Strom liegt bei etwa 250 Euro. Der Aufpreis für den Strom beträgt damit rund 150 Euro je Quadratmeter.

Lohnen sich Solardachziegel gegenüber normalen Solarmodulen?

Solardachziegel lohnen sich vor allem dann, wenn die Dacheindeckung ohnehin ansteht, weil der Ziegel beide Aufgaben übernimmt. Auf einem intakten Dach ist die aufgeständerte Anlage mit rund 1.700 Euro je Kilowatt Peak deutlich günstiger. Der zweite Fall sind Gebäude, an denen der Denkmalschutz sichtbare Module untersagt.

Warum hat Tesla das Solar Roof eingestellt?

Tesla hat den Solarziegel nach eigener interner Bewertung als wirtschaftlich nicht tragfähig eingestuft. Die Ziegel brauchten eine eigene Fertigung und geschulte Montagetrupps, während gewöhnliche Module als Massenware immer billiger wurden. In sieben Jahren entstanden rund 3.000 Solardächer statt der angekündigten 1.000 pro Woche.

Bekommen bestehende Tesla-Solardächer weiter Ersatzteile?

Tesla hat sich zur weiteren Versorgung bestehender Anlagen bislang nicht öffentlich geäußert. Installateure berichten von Restbeständen, die noch abgearbeitet werden. Eigentümer sollten die Garantiebedingungen ihres Vertrags prüfen und die Verfügbarkeit von Ersatzziegeln schriftlich beim Anbieter erfragen.

Erfüllen Solardachziegel die neue EU-Solarpflicht?

Ja. Artikel 10 der EU-Gebäuderichtlinie 2024/1275 verlangt geeignete Solaranlagen, ohne eine Bauform vorzuschreiben. Solardachziegel erfüllen die Vorgabe genauso wie aufgeständerte Module. Für neue öffentliche Gebäude und Nichtwohngebäude über 250 Quadratmeter greift die Pflicht ab dem 31. Dezember 2026, für neue Wohngebäude ab 2030.

Wie viel Dachfläche brauchen Solardachziegel für ein Kilowatt Peak?

Der Flächenbedarf hängt stark vom System ab. Nelskamp nennt für den Solarziegel G10 S PV rund 4,8 Quadratmeter je Kilowatt Peak, das entspricht 207 Watt Peak je Quadratmeter. Kleinteilige Ziegelsysteme wie das von Autarq kommen auf rund 120 Watt Peak je Quadratmeter und brauchen entsprechend mehr Fläche.

Quellen

[1] Autarq: „Solardachziegel Preise: Kosten im Überblick“ (Preisbeispiel, Stand März 2024)

[2] Europäische Union: Richtlinie (EU) 2024/1275 über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden, Artikel 10

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