Die Bundesnetzagentur hat am 18. Mai 2026 die Quartalsbilanz für die deutsche Stromerzeugung vorgelegt. Photovoltaik erreichte im ersten Quartal 9,1 Prozent der Erzeugung und damit erstmals einen zweistelligen Schwellenwert in einem Wintermonat. 11,5 Terawattstunden Solarstrom flossen zwischen Januar und März ins Netz, ein Rekord für ein erstes Quartal.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenWas sagen die Zahlen wirklich aus?

Die kumulierte Erneuerbaren-Erzeugung deckte im ersten Quartal 53 Prozent des deutschen Bruttostromverbrauchs ab, ebenfalls ein neuer Rekordwert. Photovoltaik trug daran 9,1 Prozent bei, Wind die größte Position. Im April folgte ein Zubau von 1.160 Megawatt, der höchste April-Wert seit April 2024. Die installierte PV-Gesamtleistung erreicht damit zur Jahresmitte 2026 voraussichtlich die Marke von 128 Gigawatt, was dem im EEG 2023 festgelegten Zwischenziel entspricht.
Hintergrund der Beschleunigung sind drei Effekte. Modulpreise liegen rund 40 Prozent unter dem Niveau von 2024. Die EEG-Vergütung für Einspeisung ist auf 7,78 Cent pro Kilowattstunde gefallen, während Gewerbestrompreise zwischen 20 und 28 Cent rangieren. Die Differenz macht Eigenverbrauch wirtschaftlich attraktiver als jemals zuvor. Hinzu kommt die geopolitische Komponente: Europäische PV-Anlagen haben seit dem jüngsten Iran-Konflikt nach Berechnungen des Fraunhofer ISE Gasimporte im Wert von rund zehn Milliarden Euro vermieden.
Wer baut hier eigentlich noch zu?

Die Marktsegmente verschieben sich deutlich. Der Wohnbau-Bereich verliert an Tempo, der gewerbliche Großdach-Bereich und die Freiflächen-Solarparks legen zu. Die Photovoltaik-Ausschreibung der Bundesnetzagentur vom 1. März 2026 war zudem zweifach überzeichnet, der größte Anteil entfiel auf Projekte an Autobahnrandstreifen und Bahntrassen. Die Industrie schiebt ihre Anlagen jetzt auf Flächen, die noch vor drei Jahren als unwirtschaftlich galten.
Photovoltaik ist 2026 keine Klimadebatte mehr, sondern eine harte Standortfrage. Wer als Mittelständler eine Halle besitzt und nicht zumindest geprüft hat, was das Dach im Eigenverbrauch produziert, verschenkt fünfstellige Beträge pro Jahr. Die Rechnung war noch nie einfacher.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Welche Risiken bleiben?

Die Modulversorgung ist weiterhin chinesisch dominiert, was 88 bis 90 Prozent des deutschen Importanteils ausmacht. Die EU-Kommission hat im Mai die Diskussion um Schutzzölle gegen chinesische Wechselrichter wieder aufgenommen, was die Modulpreis-Stabilität gefährden könnte. Parallel dazu hat das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz (Nachfolger des GEG) bei Stadtwerken und Kommunen für Unsicherheit gesorgt. Wer eine Anlage 2026 plant, kalkuliert deshalb realistischer mit verzögerten Lieferketten und einer EEG-Novelle 2027.
Mehr Newshunger?

Wer Photovoltaik wirtschaftlich denkt, denkt auch Mobilität mit. Die Ladetarife 2026 im Vergleich zeigen, wo selbst erzeugter Strom gegenüber öffentlichem Laden Vorteile bringt. Wer ohnehin einen Stromer plant, prüft die E-Auto-Prämie 2026 und das gestern gestartete BAFA-Antragsportal.