Mercedes fertigt im ungarischen Kecskemét rund 70 Prozent günstiger als in Deutschland und nutzt diesen Abstand als Hebel. Laut WirtschaftsWoche drohte das Management den Betriebsräten mit der Schließung eines deutschen Werks und verlangt fünf zusätzliche Arbeitsstunden pro Woche ohne Lohnausgleich. Finanzchef Harald Wilhelm bestreitet konkrete Schließungspläne.

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Mercedes verschärft den Streit um seine deutschen Werke. Der Konzern verlagert Produktion ins günstigere Ungarn und verlangt zugleich von der Belegschaft längere Arbeitszeiten, während die IG Metall von Erpressung spricht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Laut WirtschaftsWoche drohte das Mercedes-Management den Betriebsräten mit der Schließung eines deutschen Werks; Finanzchef Harald Wilhelm bestreitet konkrete Schließungspläne.
  • Der Vorstand fordert fünf zusätzliche Arbeitsstunden pro Woche ohne Lohnausgleich und stellt Weihnachts- sowie Urlaubsgeld auf den Prüfstand.
  • In Kecskemét liegen die Faktorkosten rund 70 Prozent unter dem deutschen Niveau; das Werk wächst auf bis zu 400.000 Fahrzeuge im Jahr.
  • Mit dem Programm „Next Level Performance“ will Mercedes ab 2027 jährlich rund fünf Milliarden Euro einsparen, während die Pkw-Marge zuletzt auf vier Prozent fiel.

Womit droht Mercedes den Betriebsräten?

Miniaturauto auf Landkarte mit Länderflaggen DE und HU, Straßenschild und Rabatt-Tag
Management fordert fünf zusätzliche Weihnachts- und Urlaubsgeld auf dem Prüfstand. Bei Ablehnung drohen Werksverlagerung und Standortschließung

Den Betriebsräten liegt ein hartes Forderungspaket vor. Laut WirtschaftsWoche verlangt das Management fünf zusätzliche Arbeitsstunden pro Woche ohne Lohnausgleich, dazu stehen Weihnachts- und Urlaubsgeld auf dem Prüfstand. Lehnt die Arbeitnehmerseite ab, stehe der Bau eines osteuropäischen Werks und die Schließung eines deutschen Standorts im Raum.

Finanzchef Harald Wilhelm weist konkrete Schließungspläne zurück und verweist auf eine um 100.000 Fahrzeuge sinkende deutsche Kapazität bis 2028. Die Bilanz erhöht den Druck, denn im zweiten Quartal 2026 fiel die Pkw-Marge auf vier Prozent, der Absatz sank um acht Prozent, und in China brachen die Verkäufe um rund 30 Prozent ein.[2]

Warum ist Ungarn so viel günstiger?

Den Ausschlag geben die Kosten. In Kecskemét liegen die Faktorkosten aus Löhnen, Energie und Logistik nach Konzernangaben rund 70 Prozent unter denen der deutschen Standorte. Ein ungarischer Industriearbeiter kam 2025 auf etwa 15,20 Euro Stundenlohn und arbeitete im Jahr rund 340 Stunden länger als ein Kollege in Deutschland.

Das ungarische Werk verdoppelt seine Kapazität auf bis zu 400.000 Fahrzeuge und fertigt bereits die elektrische C-Klasse, auch wenn dem Standort zuletzt Stromengpässe zu schaffen machten.[1] Mit dem Programm „Next Level Performance“ will Mercedes ab 2027 jährlich rund fünf Milliarden Euro einsparen und die Stückkosten je Fahrzeug gegenüber 2024 um zehn Prozent senken.

Kecskemét ist kein Ausreißer, sondern die Blaupause. Wo ein Facharbeiter 70 Prozent weniger kostet, verhandelt kein Betriebsrat den Standortvorteil weg, und die deutsche Autoindustrie exportiert gerade ihre eigenen Arbeitsplätze.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Was heißt das für Zulieferer und Entscheider?

Mercedes steht mit dem Kurs nicht allein. Volkswagen besiegelte gerade das Aus für vier Werke, Porsche verkleinerte seinen Vertrieb, und beim Zulieferer Aumovio soll die Arbeitszeit ohne Lohnausgleich auf 40 Stunden steigen. Quer durch die Branche verlagern die Hersteller Volumen dorthin, wo Löhne und Arbeitszeit günstiger ausfallen.

Für Zulieferer und regionale Arbeitsmärkte wird die Standortfrage zur Rechengröße. Betriebe mit hoher Abhängigkeit von deutschen Werksvolumina prüfen jetzt, welche Modelle ins Ausland wandern und wie sich Aufträge breiter verteilen lassen. IG Metall und Betriebsräte werten die Drohkulisse als Erpressung, doch die Kostenlücke verschwindet dadurch nicht.

Warum Mercedes den Streit um die deutschen Werke sucht

Das Kostengefälle zwischen Kecskemét und Deutschland hinter dem Sparprogramm „Next Level Performance“.

70 %
niedrigere Faktorkosten in Kecskemét gegenüber den deutschen Werken
400.000
Fahrzeuge Jahreskapazität in Ungarn nach dem Ausbau
5 Mrd. €
jährliche Einsparung ab 2027 durch „Next Level Performance“
−100.000
Fahrzeuge weniger deutsche Kapazität bis 2028

Für die eigene Planung taugt Kecskemét als Frühwarnung. Zulieferer mit Bindung an einen einzelnen deutschen Standort legen besser jetzt offen, an welchen Werken und Modellen ihr Geschäft hängt, bevor die nächste Kapazitätsrunde ansteht.

Quellen

[1] Mercedes-Benz Group: „Production start of the new electric C-Class and expansion of the Kecskemét plant“

[2] Mercedes-Benz Group: „Interim Report as of 30 June 2026“ (Q2 2026)

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