Voith zieht Prozessdampf aus einem Abgasstrom, den Papierfabriken bisher ungenutzt in die Luft blasen. Im Werk Kehl der Koehler Group spart der SteamBooster jährlich bis zu 1.500 Tonnen CO2 und amortisiert sich in unter zwei Jahren. Für energieintensive Betriebe wird die eigene Abwärme so zum günstigsten Weg aus der CO2-Rechnung.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenBis zu 300 Grad heiße Abluft strömt bei Koehler Paper aus den Trocknern der Streichmaschine SM 8, und der SteamBooster von Voith fängt diese Hitze ab. Der Wärmetauscher aus Heidenheim macht aus dem Abgasstrom rund eine Tonne Prozessdampf je Stunde.
Das Wichtigste in Kürze
- Voith hat bei Koehler Paper im Werk Kehl den SteamBooster in Betrieb genommen, der aus bis zu 300 Grad heißer Abluft rund eine Tonne Prozessdampf je Stunde gewinnt.
- Die Rückgewinnung läuft seit Juni 2025, senkt den Erdgasverbrauch und vermeidet jährlich bis zu 1.500 Tonnen CO2.
- Als Teil eines dreistufigen Wärmerückgewinnungskonzepts amortisiert sich die Nachrüstung im Schnitt in unter zwei Jahren.
- Ursprünglich für Tissue-Maschinen patentiert, lässt sich die Technik auf jede Linie mit über 100 Grad heißer Abluft übertragen.
Wie wird aus heißer Abluft wieder Dampf?

Der SteamBooster sitzt an der Offline-Streichmaschine SM 8, auf der Koehler maschinenglatte Spezialpapiere veredelt. Deren berührungslose MCB-Trockner stoßen Abluft mit bis zu 300 Grad aus, ein Temperaturniveau, das die meisten Werke bislang ungenutzt abführen.[1] Ein Wärmetauscher überträgt diese Hitze auf Kondensat und erzeugt daraus rund eine Tonne Dampf pro Stunde, der zurück in die Produktion fließt.
Der Clou steckt in der Bilanz: Jede so gewonnene Tonne Dampf muss der Gaskessel nicht mehr liefern. Als zentrales Element eines dreistufigen Wärmerückgewinnungskonzepts läuft die Anlage seit Juni 2025 und rechnet sich im Schnitt in unter zwei Jahren.
Warum lohnt sich die Abwärme gerade jetzt?
Für Papierfabriken ist Prozesswärme der größte Kostenblock und zugleich das größte Klimaproblem, denn ein Gutteil davon stammt aus Erdgas. Die europäische Papierindustrie steht deshalb unter wachsendem Druck: Verschärfte ETS-Benchmarks streichen der Branche kostenlose Zertifikate und summieren sich laut Branchenverbänden auf rund 140 Millionen Euro Mehrkosten im Jahr. Analysten erwarten für 2027 einen CO2-Preis von etwa 90 bis 95 Euro je Tonne, ab 2030 greift zusätzlich der Grenzausgleich CBAM.
Mit jeder Verschärfung wird eine eingesparte Tonne CO2 wertvoller, und eine Nachrüstung mit kurzer Amortisation schlägt die teure Umstellung auf neue Brennstoffe. Wie schwer sich dieser Wechsel rechnet, zeigt das Beispiel Wasserstoff: thyssenkrupp nucera stoppte kürzlich die eigene Serienfertigung von Elektrolyseuren.
Die Dekarbonisierung der Industrie beginnt nicht am Wasserstoff, sondern am Wärmetauscher. Ein Betrieb, der seine Abwärme nutzt, senkt Gasrechnung und CO2-Bilanz in einem Schritt, schneller als jede Milliardenwette auf neue Brennstoffe.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für Entscheider?
Voith bündelt solche Effizienztechnik im Konzernbereich Paper, und der Heidenheimer Anlagenbauer kam im Geschäftsjahr 2023/24 auf 5,23 Milliarden Euro Umsatz. Für Betreiber energieintensiver Anlagen liefert Kehl eine Blaupause: zuerst die vorhandenen Abwärmequellen erfassen, dann prüfen, wo sich Abluft über 100 Grad zurück in Dampf verwandeln lässt.
Die Logik gilt über die Papierbranche hinaus. Ob in der Chemie, der Lebensmittelproduktion oder im Gebäudebestand mit seiner energetischen Sanierung, überall senkt Effizienz den Verbrauch, bevor teurer Ökostrom oder Wasserstoff überhaupt gebraucht wird. Auch die Energiewende im Stromnetz löst das Wärmeproblem der Industrie nicht allein.
Dreistufige Wärmerückgewinnung an der Streichmaschine SM 8, in Betrieb seit Juni 2025.
Für die nächste Investition in Prozesswärme taugt die Amortisationsrechnung des SteamBoosters als Messlatte. Unter zwei Jahren Rückzahlzeit erreicht kaum eine andere Klimamaßnahme in der Industrie. Betreiber erfassen dafür zuerst ihre Abluftströme über 100 Grad und entlasten den Gaskessel, bevor der nächste große Umbau ansteht.
Quelle
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