Die BayWa verkauft ihr komplettes Schnellladenetz und überlässt 170 Ladepunkte dem österreichischen Versorger EVN. Nicht ein einzelner Standort wechselt den Besitzer, sondern das gesamte Geschäft mit dem Betrieb eigener Ladesäulen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenHinter dem Verkauf steht die Sanierung des Konzerns. BayWa räumt kapitalintensive Anlagen aus der Bilanz und konzentriert sich im Mobilitätsgeschäft künftig auf Service und Vertrieb.
Das Wichtigste in Kürze
- EVN Energieservices übernimmt 100 Prozent der BayWa Mobility Charging mit 30 Standorten und 170 Schnellladepunkten.
- Das Netz liegt vor allem in Bayern, dazu in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, mit bis zu 400 Kilowatt je Ladepunkt.
- Bis 2027 will EVN das Netz auf 54 Standorte und 306 Ladepunkte ausbauen; der Kaufpreis bleibt vertraulich.
- Für BayWa ist der Verkauf Teil der Restrukturierung: weg von eigenen Anlagen, hin zu Service und Vertrieb.
Was genau übernimmt EVN?

Über die Tochter EVN Energieservices kauft der österreichische Versorger 100 Prozent der BayWa Mobility Charging.[1] Das Netz umfasst 30 Standorte mit 170 öffentlichen Schnellladepunkten von bis zu 400 Kilowatt, überwiegend in Bayern, dazu in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.
Für EVN ist das der erste Schritt in den deutschen Markt. Bis 2027 soll das Netz auf 54 Standorte mit 306 Ladepunkten wachsen, den Kaufpreis nennen beide Seiten nicht. „Die Elektromobilität ist ein zentraler Baustein der Energiezukunft. Mit dem Erwerb der Charge Point Operating-Aktivitäten von BayWa stärken wir unsere Position in einem der wichtigsten europäischen Märkte für Ladeinfrastruktur“, sagt Stefan Szyszkowitz, Sprecher des EVN-Vorstands.
Warum trennt sich BayWa vom Ladegeschäft?
Der Betrieb eigener Schnellladesäulen bindet viel Kapital, während sich die Auslastung nur langsam aufbaut. Anders als ein Batteriespeicher, der am Strommarkt sofort Erlöse bringt, verdient eine Ladesäule erst über die Jahre. Genau solche Anlagen passen nicht mehr zur BayWa, die seit Anfang 2025 in einer Restrukturierung nach dem StaRUG steckt und rund 2,7 Milliarden Euro Schulden abbauen will.
Bis Ende 2029 will sich der Konzern vom gesamten Segment Heizung und Mobilität trennen. Im Mobilitätsgeschäft bleibt BayWa, aber als Vermittler und Dienstleister, nicht länger als Betreiber eigener Ladeparks.
Der Betrieb von Schnellladesäulen verlangt langen Atem und volle Kassen. BayWa fehlt gerade beides, also übernimmt ein Versorger, der die schwache Auslastung über Jahre aushalten kann.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
BayWa Mobility Charging, in vier Zahlen
Was bedeutet die Konsolidierung für den Lademarkt?
BayWa ist nicht allein. Auch TotalEnergies prüfte 2026 den Verkauf seines Ladegeschäfts, und kleinere Betreiber geben auf oder gehen in größeren Netzen auf. Der deutsche Lademarkt verengt sich damit auf wenige finanzstarke Versorger; Marktführer EnBW betreibt nach eigenen Angaben über 9.000 Schnellladepunkte. Für Autofahrer entscheidet am Ende, wo sie am günstigsten laden.
Für Entscheider und Flottenbetreiber heißt das: Der Betreiberwechsel gehört geprüft, damit Tarife, Roaming und Vertragslaufzeiten weiter passen. Die EU schreibt über die AFIR-Verordnung eine dichte Schnellladeabdeckung an den Fernstraßen vor, doch tragfähig betreibt solche Netze vorerst nur, wer Skala hat, wie schon der gemeinsame Aufbau eines Wasserstoff-Tankstellennetzes für Lkw zeigt. Beim Aufbau eigener Ladepunkte fährt ein Service-Modell meist günstiger als selbst betriebene Hardware.
Quelle
[1] EVN AG: „Die EVN expandiert mit Erwerb von BayWa Mobility Charging nach Deutschland“ (EQS-News, 2. September 2026)
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