Am 3. September 2026 machte MAN eine Zahl öffentlich, die im Lkw-Geschäft selten fällt: Die eigenen Händler, Servicepartner und Importeure legen bis 2030 zusätzlich rund 400 Millionen Euro in das Servicenetz, obendrauf auf die rund 300 Millionen des Herstellers.[1] Zusammen ergibt das die größte Netz-Investition der Firmengeschichte. Das Geld zielt weniger auf neue Standorte als auf eine andere Art von Werkstatt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Bis 2030 fließen rund 700 Millionen Euro in das europäische MAN-Servicenetz, davon rund 400 Millionen von Händlern, Servicepartnern und Importeuren.
- Fast 80 Prozent der Kunden sollen eine Werkstatt künftig in unter 30 Minuten Fahrzeit erreichen.
- Etwa ein Drittel der Summe geht in Elektromobilität und Digitalisierung, darunter Hochvolt-Schulungen, Batterie-Reparaturzentren und öffentliche Ladepunkte.
- Rund 1.200 eigene und Partnerbetriebe bilden das Netz, unter anderem in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich und Polen.
Was genau kündigt MAN an?

Geteilte Rekordsumme beschreibt den Kern der Ankündigung. MAN selbst hatte im Frühjahr rund 300 Millionen Euro für den Ausbau des europäischen Servicenetzes zugesagt, davon etwa 160 Millionen für die deutsche Vertriebsgesellschaft. Jetzt legen die Vertragspartner weitere rund 400 Millionen obendrauf, sodass bis 2030 etwa 700 Millionen Euro zusammenkommen.[1]
„Diese Investitionen sind in der Geschichte von MAN beispiellos“, sagt Friedrich Baumann, Vorstand für Vertrieb und Kundenlösungen bei MAN. Hinter dem Bekenntnis steht ein Konzern unter Druck: Der Mutterkonzern Traton, in dem Volkswagen seine Lkw-Marken bündelt und dessen Anteil VW gerade auf 75 Prozent gesenkt hat, kämpft mit einer schwachen Nutzfahrzeug-Nachfrage.
Warum zahlen die Händler mit?
Anderer Antrieb, andere Werkstatt: Ein Elektro-Lkw kommt ohne Ölwechsel, Abgasanlage und viele klassische Verschleißteile aus, verlangt dafür aber Hochvolt-Kompetenz, Batterie-Reparatur und Ladetechnik direkt am Standort. Rund ein Drittel der Investition fließt deshalb in Elektromobilität und Digitalisierung. Schon 2026 sollen zwei von drei Stützpunkten für den E-Antrieb gerüstet sein.[1]
Für die Partner ist das eine Wette auf die eigene Zukunft. Verdient wird künftig weniger am verkauften Fahrzeug als an Verfügbarkeit: Ein stehender Lkw kostet den Spediteur bares Geld, weshalb die Nähe zur Werkstatt über Aufträge entscheidet. Genau diese Dichte treibt MAN mit dem 30-Minuten-Ziel, während der E-Lkw ohnehin an der Megawatt-Ladesäule hängt und Flottenbetreiber wie Rewe ihre Stromflotte hochfahren.
Nicht der Verkauf des E-Lkw entscheidet über die Marge, sondern die Werkstatt an der Ausfahrt. MAN lässt genau die mitzahlen, die davon leben.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für Flotten im DACH-Raum?
Kein Einzelfall: Der Umbau vom Fahrzeugverkäufer zum Servicebetrieb zieht sich durch die ganze Nutzfahrzeugbranche. Auch Knorr-Bremse rückt das Servicegeschäft ins Zentrum, weil wiederkehrende Umsätze stabiler sind als der zyklische Neuverkauf. Bei der Beschaffung von E-Lkw zählt künftig das Servicenetz mit, nicht nur das Fahrzeug.
Für Flottenbetreiber im deutschsprachigen Raum verschiebt das die Auswahl. Werkstattdichte und Hochvolt-Kompetenz am nächsten Standort entscheiden über die Standzeit, sobald die ersten Diesel gegen Stromer getauscht werden. Prüfen Sie vor der Bestellung daher nicht nur Reichweite und Preis, sondern die Entfernung zur nächsten E-Lkw-fähigen Werkstatt und deren Ladeleistung.
Quelle
[1] MAN Truck & Bus: „MAN partners step up investment in service network“ (Pressemitteilung, 3. September 2026)
Mehr Newshunger?
- Batteriewechsel beim E-Lkw: 650.000 Kilometer ohne Wartezeit an der Ladesäule
- Daimler Truck: Gewinn bricht um 48 Prozent ein, neues US-Werk kommt trotzdem
- Zwei Millionen E-Autos: BMW distanziert Audi und Mercedes
- Schaeffler und CATL entwickeln das Batteriemanagement für Europas E-Autos
- Trotz Autokrise: BMW baut die Neue Klasse in Leipzig