Für 11,2 Milliarden Euro übernimmt Nvidia die Plattform Hugging Face, die zentrale Anlaufstelle, auf der Entwickler weltweit KI-Modelle finden und einsetzen. Für den Chiphersteller ist der Kauf der zweitgrößte seiner Geschichte.

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Der Streitpunkt steht schon im ersten Satz der Mitteilung. Nvidia verspricht, die Plattform offen zu halten. Ausgerechnet der dominierende Anbieter von KI-Chips kontrolliert damit die neutrale Drehscheibe, über die auch seine Wettbewerber ihre Modelle verteilen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nvidia zahlt 11,2 Milliarden Euro (12,9 Milliarden US-Dollar) für Hugging Face, den wichtigsten Umschlagplatz für offene KI-Modelle mit über 18 Millionen Entwicklern.
  • Rund 3 Millionen Modelle, 500.000 Datensätze und 1 Million Anwendungen liegen auf der Plattform, gut 200.000 Firmen nutzen sie.
  • Nvidia sagt zu, Hugging Face offen zu halten. Nvidia-Rechenleistung soll für den Betrieb ausdrücklich keine Pflicht werden.
  • Der Zukauf muss durch die Kartellprüfung. Wettbewerber wie AMD, Intel, Google und Amazon dürften auf die Neutralität der Plattform pochen.

Warum zahlt Nvidia elf Milliarden für eine Modell-Plattform?

Karton „OPEN“, grünes Schloss „SICHERUNG“, Preisanhänger „11,2 Mrd. €“ auf hellem Grund
Hugging Face ist der zentrale Marktplatz für KI-Modelle, wo Forscher und Unternehmen ihre Entwicklungen teilen und weiterentwickeln

Hugging Face gilt als Umschlagplatz für maschinelles Lernen, vergleichbar mit GitHub für Software. Forscher, Start-ups und Konzerne laden dort ihre Modelle hoch, andere bauen darauf auf. Der Eigentümer dieser Drehscheibe sitzt an der Schnittstelle zwischen Modell und Entwickler.

Genau dorthin rückt Nvidia vor. Bislang verdient der Konzern an den Grafikprozessoren, auf denen KI rechnet. Mit dem Kauf reicht sein Einfluss nun bis zu der Stelle, an der Entwickler ihr Modell überhaupt auswählen und starten, und bindet die Entwickler enger an das hauseigene Software-Ökosystem rund um CUDA.

Über 18 Millionen Entwickler und rund 3 Millionen Modelle bündelt die Plattform.[1] Nvidia-Chef Jensen Huang will die Plattform „skalieren, ihre Infrastruktur stärken und den Zugang zu KI für Entwickler und Institutionen weltweit erweitern“.[1]

Wie glaubwürdig ist das Versprechen der Offenheit?

Nvidia betont die Offenheit ausdrücklich. Huang sagt, Hugging Face bleibe „eine offene Plattform für das gesamte KI-Ökosystem“, und Nvidia-Rechenleistung sei „nicht erforderlich, um auf Hugging Face zu entwickeln oder darüber bereitzustellen“.[1] Zur Untermauerung verweist der Konzern auf über 500 eigene Modelle und 250 Datensätze, die er selbst beigesteuert hat.[1]

Der Vorbehalt hat einen Namen: Arm. 2022 scheiterte Nvidias 35-Milliarden-Kauf des Chipdesigners am Widerstand der Kartellbehörden in den USA, Großbritannien, der EU und China, weil Arm als neutrale Schweiz der Chipbranche galt. Hugging Face ist die neutrale Schweiz eine Ebene höher, auf der Modell-Ebene.

Der Zukauf reiht sich in einen Kurs ein. Zuvor kaufte Nvidia bereits den Rechenzentrums-Spezialisten Run:ai und Vermögenswerte des Chipentwicklers Groq und rückt so vom reinen Chiplieferanten zum Anbieter der gesamten KI-Kette auf.

Nvidia kauft nicht einfach eine Plattform, sondern den Ort, an dem Entwickler sich für ein Modell entscheiden. Das Versprechen der Offenheit hält nur, solange der Chipkonzern seiner eigenen Hardware im Zweifel keinen Vorsprung verschafft.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Der Hugging-Face-Deal in Zahlen
Was Nvidia zahlt, wie groß die Plattform ist und wo der Kauf in Nvidias Zukäufen steht
11,2 Mrd. €
Kaufpreis, umgerechnet aus 12,9 Milliarden US-Dollar
18 Mio.
Entwickler nutzen die Plattform weltweit
3 Mio.
Modelle, dazu 500.000 Datensätze und 1 Million Anwendungen
Nvidias größte Zukäufe
Platz 1
Groq-Vermögenswerte
17 Mrd. €
Der bislang größte Zukauf des Konzerns.
Platz 2
Hugging Faceneu
11,2 Mrd. €
Die Drehscheibe für offene KI-Modelle.
Zum Vergleich
Run:ai
0,6 Mrd. €
Rechenzentrums-Software, von der EU freigegeben.

Was bedeutet der Deal für Unternehmen im DACH-Raum?

Zunächst ist der Kauf nicht abgeschlossen. Weil ein direkter Erwerb dieser Größe bei den US-Behörden angemeldet werden muss, prüfen die Handelsbehörde FTC und das Justizministerium den Deal, und auch die EU-Kommission dürfte ihn sich ansehen. Bis dahin bleibt offen, unter welchen Auflagen Hugging Face weiterläuft.

Für viele Mittelständler ist die Plattform die stille Grundlage ihrer KI-Projekte. Offene Modelle wie Mistral, DeepSeek oder das inzwischen von Meta zurückgezogene Llama beziehen Teams von dort. Ein einziger Eigentümer über diesem Bezugspunkt erhöht das Risiko, an einem Anbieter zu hängen.

Am Zugang ändert sich vorerst nichts, Downloads und offene Gewichte bleiben verfügbar. Prüfen Sie dennoch, welche Modelle Ihr Betrieb aus Hugging Face bezieht, und halten Sie die wichtigsten gespiegelt oder auf eigenen Servern vor, statt sich bis zum Ende der Kartellprüfung auf die Plattform als neutrale Quelle zu verlassen.

Quelle

[1] NVIDIA: „NVIDIA to Acquire Hugging Face“ (blogs.nvidia.com)

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