Anker verkauft Ladegeräte und Kopfhörer, jetzt kommt ein Hörgerät dazu. Auf der IFA in Berlin kündigt der chinesische Elektronikkonzern sein erstes Modell an und positioniert das Gerät gegen Signia, Sonova und Demant, die den Weltmarkt seit Jahren unter sich aufteilen. Der Preis steht noch nicht fest, doch schon die Ankündigung rüttelt an einem Geschäft mit rund 1,8 Milliarden Euro Umsatz allein in Deutschland.

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Ein Hörgerät von Anker klingt zunächst nach einem Nischenprodukt, doch der Zeitpunkt ist bewusst gewählt. Auf der IFA 2026 zeigt der Konzern das Gerät am selben Tag wie neue Kopfhörer und setzt dabei auf denselben KI-Audio-Chip. Ein Massenhersteller trifft damit auf eine Branche, die hohe Preise und lange Anpassungstermine gewohnt ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Anker stellt auf der IFA 2026 in Berlin sein erstes Hörgerät vor, angetrieben von einem hauseigenen KI-Audio-Chip aus den Soundcore-Kopfhörern.
  • Das Gerät lädt wie kabellose Ohrhörer über ein Etui und wirbt mit langer Laufzeit; einen Preis nennt Anker noch nicht.
  • Den Weltmarkt teilen sich bislang drei Konzerne: Sonova, die Demant-Gruppe und WS Audiology mit der in Erlangen entwickelten Marke Signia.
  • In Deutschland gelten rund 9,2 Millionen Menschen als hörgemindert, ein Hörgerät tragen davon nur etwa 41 Prozent.

Was kündigt Anker in Berlin an?

Schwarze Ohrhörer im Ladecase mit durchgestrichenem Preisschild (1.500 €) und Fragezeichen-Anhänger
Anker präsentiert sein erstes Hörgerät auf der IFA in Berlin mit eigenem KI-Audio-Chip aus der Soundcore-Kopfhörer-Serie

Den Auftakt macht die IFA. Anker zeigt sein erstes Hörgerät auf der Berliner Messe und stützt die Technik auf einen hauseigenen KI-Audio-Chip, der in den Soundcore-Kopfhörern bereits die Störgeräusche herausrechnet.[1] Die Marke Soundcore hatte der Konzern zuletzt enger an sich gebunden.

Bewusst gewählt ist der Zeitpunkt. Am selben Messetag präsentiert Anker die Soundcore Sleep Earbuds 4 für 249,99 Euro und rückt das Hörgerät damit neben seine Consumer-Produkte statt neben klassische Medizintechnik. Weitere Angaben und den Preis will der Konzern in Kürze nachreichen.

Warum reicht ein Kopfhörer-Chip für ein Hörgerät?

Den Unterschied macht die Rechenleistung. Moderne Ohrhörer trennen Sprache und Störschall längst in Echtzeit. Genau diese Filter unterscheiden ein simples Verstärker-Ohrstück von einem echten Hörsystem. Anker bringt die Technik aus dem Massenmarkt schon mit und muss sie für den medizinischen Einsatz vor allem feinjustieren.

Den Weg zeigt Apple. Mit den AirPods Pro verkauft der Konzern seit 2024 eine Hörhilfe für leichte bis mittlere Schwerhörigkeit, in Deutschland zugelassen als Medizinprodukt und für rund 280 Euro zu haben. Ein Hörtest im Ohr erstellt das persönliche Profil, den Gang zum Akustiker übernimmt die App. Anker folgt diesem Muster mit einem Gerät, das von Beginn an als Hörgerät gedacht ist.

Anker greift die Hörgeräte-Konzerne nicht mit besserer Medizintechnik an, sondern mit dem Preis und der Bedienung eines Kopfhörers. Genau daran haben Sonova und Signia jahrelang gut verdient.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was heißt das für den deutschen Markt?

Den größten Hebel bietet die Versorgungslücke. In Deutschland gelten rund 9,2 Millionen Menschen als hörgemindert, doch nur etwa 41 Prozent von ihnen tragen ein Hörgerät.[2] Ein angepasstes Markengerät kostet in der Mittelklasse rund 1.000 bis 1.500 Euro je Ohr, viele Betroffene scheuen Kosten und Akustiker-Termine.

Fest gefügt wirkt der Anbieterkreis. Drei Konzerne teilen sich rund 80 Prozent des Weltmarkts: der Schweizer Marktführer Sonova mit Phonak, die dänische Demant-Gruppe und WS Audiology mit der in Erlangen entwickelten Marke Signia. In dieses Feld drängt nun ein Hersteller, den viele Kunden von Powerbanks und Kopfhörern kennen.

Für Käufer zählt der Alltag. Ein günstiger Chip ersetzt keine ärztliche Abklärung bei starkem Hörverlust. Für leichte Fälle senkt ein Massengerät die Hemmschwelle spürbar. Vor dem Kauf gehören Rückgaberecht, Garantie und die Frage nach einer echten Anpassung auf den Tisch, nicht allein der Markenname. Dass künstliche Intelligenz in Alltagsgeräte wandert, zeigt gerade auch der Kochassistent von Miele.

Anker gegen die Hörgeräte-Branche
Ein Massenhersteller trifft auf ein Premiumgeschäft
rund 280 €
Apples AirPods Pro als Hörhilfe in Deutschland, zugelassen als Medizinprodukt
1.000–1.500 €
angepasstes Markenhörgerät der Mittelklasse, je Ohr
9,2 Mio.
Menschen in Deutschland gelten als hörgemindert
41 %
von ihnen tragen tatsächlich ein Hörgerät
1,8 Mrd. €
Jahresumsatz des deutschen Hörgerätemarkts

Quellen

[1] IT-Home: „Anker steigt in den Hörgerätemarkt ein, erstes Produkt setzt auf lange Laufzeit und Schnellladen“ (IFA 2026)

[2] BVHI: „EuroTrak-Hörstudie 2025: Über 9 Millionen Deutsche sind nach eigener Einschätzung hörgemindert“

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