Der chinesische 3D-Spezialist VAST sammelte in einer einzigen Runde 386 Millionen Euro ein, angeführt ausgerechnet von den Spielekonzernen, deren Grafikabteilungen die Technik ersetzen könnte. Das Modell Tripo baut aus einem Satz oder einem Bild in Sekunden ein fertiges 3D-Objekt. Europäische Studios stehen vor derselben Rechnung.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenVAST aus Peking hat für seine 3D-KI binnen weniger Monate umgerechnet 643 Millionen Euro eingesammelt, allein die jüngste Runde brachte 386 Millionen. Angeführt wird der Kreis der Geldgeber von Chinas Spiele- und Werbekonzernen, also den späteren Kunden. Genau diese Nähe von Geldgebern und Kunden verdient in Europa Aufmerksamkeit.
Das Wichtigste in Kürze
- Die jüngste B- und B+-Runde brachte rund 386 Millionen Euro, angeführt vom Wagniskapitalgeber Matrix Partners.
- In weniger als sechs Monaten summieren sich sechs Runden auf etwa 643 Millionen Euro.
- Zu den strategischen Geldgebern zählen die Spielekonzerne Perfect World und 37 Interactive, der Werbekonzern BlueFocus und der 3D-Drucker-Hersteller Bambu Lab.
- Das Modell Tripo erzeugt aus Text oder einem Bild in Sekunden ein 3D-Objekt mit sauberer Vierecknetz-Topologie.
Woher kommt das viele Geld?

Den Ausschlag gibt die B- und B+-Runde über zusammen rund drei Milliarden Yuan, umgerechnet 386 Millionen Euro.[1] Angeführt hat die Runde der Wagniskapitalgeber Matrix Partners. Dahinter steht eine zweite Gruppe: die Spielekonzerne Perfect World und 37 Interactive, der Werbekonzern BlueFocus und der 3D-Drucker-Hersteller Bambu Lab kaufen sich als strategische Investoren ein, also genau die Branchen, die generierte 3D-Modelle später einsetzen wollen.
Der Kapitalzufluss reißt seit dem Frühjahr nicht ab. Über die Runden A bis B+ kamen in unter sechs Monaten etwa fünf Milliarden Yuan zusammen, umgerechnet 643 Millionen Euro, eine der größten Serien im chinesischen KI-Markt in diesem Jahr.[2] Einen Teil davon steckt das Unternehmen in Rechenzentren fürs Training, wie sie auch Chinas eigene GPU-Anbieter hochziehen.
Das Produkt hinter dem Geld heißt Tripo. Aus einem Textbefehl oder einem einzelnen Foto erzeugt die jüngste Version Tripo P2.0 in Sekunden ein 3D-Objekt, dazu kommt mit Project Eden ein Weltmodell für interaktive Szenen. Mit dieser Bandbreite rückt VAST in die Nachbarschaft von Alibabas Bildmodellen, deren Qwen-Image-Reihe offen verfügbar ist.
Warum ist 3D für die KI so schwer?
Der Datenmangel bremst. Text und Bilder liegen milliardenfach im Netz, saubere 3D-Modelle dagegen sind rar und aufwendig zu erstellen, deshalb hinkt die 3D-Erzeugung der Bild- und Textgenerierung Jahre hinterher. Ein Modell, das trotzdem brauchbare Formen ausgibt, muss aus wenigen Beispielen viel ableiten.
Die eigentliche Hürde steckt in der Topologie. Ein Spielobjekt lässt sich nur animieren und texturieren, wenn seine Oberfläche aus regelmäßigen Vierecken besteht, nicht aus einem chaotischen Dreiecksbrei. Frühe 3D-Generatoren scheiterten an genau diesem Punkt, ihre Netze mussten Grafiker von Hand nacharbeiten. Tripo P2.0 gibt das Vierecknetz direkt aus und spart damit den Schritt, an dem sich bislang die Zeitersparnis wieder auflöste.
Neu ist der Ansatz nicht. Im Westen erzeugen Meshy, Luma AI und Adobe seit Monaten 3D aus Text, Nvidia liefert mit Edify eine eigene Reihe. Chinas Konzerne setzen ihr Kapital dagegen, wie schon beim KI-Videomodell Kling, und wollen den Rückstand mit Geschwindigkeit und Preis wettmachen.
Chinas Spielekonzerne finanzieren die Werkzeuge, die ihre eigenen Grafiker überflüssig machen könnten. Niedrigere Produktionskosten entscheiden den nächsten Preiskampf, gleich auf welcher Seite des Tisches ein Konzern sitzt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für Entscheider im DACH-Raum?
Für europäische Studios zählt zuerst der Kostendruck. Modellieren gilt als teuerster Posten in der Spiele- und Produktvisualisierung, und generative 3D-Werkzeuge senken genau diese Rechnung. Anbieter wie VAST stellen Tripo über offene Schnittstellen bereit, sodass auch kleine Agenturen die Technik testen können.
Heikler wird die Rechtslage. Ein KI-Modell erzeugt seine 3D-Formen aus Trainingsdaten, deren Herkunft oft ungeklärt ist, und der EU AI Act verlangt Transparenz über genau diese Grundlage. Nutzer generierter Assets klären Urheberrecht und Nutzungsrechte vorab, ein Thema, das die Debatte um Design und KI längst prägt. Die weiteren Vergleichswerte liefert die KI-Rubrik von Dr. Web.
Kurzfristig verbilligt generative 3D die Produktion von Spielen, Werbung und Industriedesign. Prüfen Sie vor dem Einsatz die Herkunft der Trainingsdaten und die Nutzungsrechte, dazu die Transparenzpflichten des AI Act, statt allein auf Tempo und Preis zu schauen.
Quellen
[1] 投资界 (PEdaily): „VAST完成约30亿元B和B+轮融资,经纬创投领投“
[2] 财联社 (China Star Market): „游戏厂商密集入股 AI 3D公司VAST半年累计融了50亿“
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