Chinas Nationaler KI-Fonds legt 1,4 Milliarden Yuan in Kuaishous Videomodell Kling und lässt sich zugleich ein Rückkaufrecht zusichern. Der Staat wettet damit auf den Umsatzführer im KI-Video und sichert sich gegen einen ausbleibenden Börsengang ab. Europäische Videoanbieter bekommen einen Rivalen, dem der Staat die teuren Rechenkosten mitfinanziert.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenKling AI ist am 31. August in einer Pflichtmitteilung von Kuaishou an die Hongkonger Börse vom Startup zum Staatsprojekt gewachsen: 1,4 Milliarden Yuan, rund 180 Millionen Euro, kommen vom Nationalen KI-Fonds. Das ist der bislang sichtbarste Schritt, mit dem Peking die generative Videotechnik zur strategischen Branche erklärt. Schon im August hatte der Videogenerator seinen Umsatz verdreifacht.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Nationale KI-Fonds Chinas zeichnet 1,4 Milliarden Yuan (rund 180 Millionen Euro) an Kuaishous Videomodell Kling, offengelegt am 31. August.
- Der Fonds und ein zweiter Investor erhalten ein Rückkaufrecht, das bei ausbleibendem Börsengang greift.
- Die Runde bewertet Kling mit rund 18 Milliarden US-Dollar (etwa 15,7 Milliarden Euro), fast so viel wie die Muttergesellschaft Kuaishou.
- Kling führt den Markt für KI-Videos vor Google Veo und Runway an, seit OpenAIs Sora-App im Frühjahr ausschied.
Was hat der Staatsfonds genau gekauft?

Frisches Barkapital: Der Nationale KI-Fonds, aufgelegt im Januar 2025 mit einem Volumen von rund 77 Milliarden Euro, bringt 1,4 Milliarden Yuan direkt in die Tochter Beijing Kling ein.[1] Der Betrag ist Teil der im Juli abgeschlossenen Runde von etwa 2,4 Milliarden Euro, die eine Mitteilung an die Börse jetzt bis auf den einzelnen Investor aufschlüsselt.
Rückkaufrecht als Klausel: Sowohl der Staatsfonds als auch ein zweiter Geldgeber sichern sich das Recht, ihre Anteile zurückzugeben, falls Kling einen Börsengang bis zu einer Frist verfehlt. Diese in Chinas Beteiligungsmarkt übliche Absicherung verrät die Erwartung eines baldigen Listings und begrenzt zugleich das Risiko des Staates. Denselben Mechanismus zeigte zuletzt die DeepSeek-Finanzierung ohne Stimmrechte.
Warum finanziert der Staat ein Videomodell?
Umsatzführer im KI-Video: Kling verdient annualisiert etwa 435 Millionen Euro und lag im ersten Quartal bei über 80 Millionen Euro Umsatz.[2] Günstige Credit-Pakete stellen den Vorsprung vor westlichen Werkzeugen wie Runway her, während Alibaba mit dem Videomodell Wan aus dem PDF ein Video macht.
Die Sora-Rechnung: Generative Videos verschlingen Rechenleistung. Genau daran scheiterte OpenAI, dessen Verbraucher-App Sora im Frühjahr verschwand, weil die Kosten den Umsatz um ein Vielfaches überstiegen. Staatskapital nimmt Kling den Druck ab, diese Rechnung allein aus dem Markt zu bezahlen.
Wert der Mutter: Mit rund 18 Milliarden US-Dollar nähert sich die Bewertung von Kling dem gesamten Börsenwert der Muttergesellschaft Kuaishou. Die Tochter macht die Mutter wertvoll. Chinas Börsen reagieren empfindlich auf solche Sprünge, wie der jüngste Absturz der KI-Aktien um Zhipu und MiniMax zeigte. Die Zahl stammt aus einer privaten Runde und bleibt bis zum Börsengang ein Verhandlungswert.
Ein Staatsfonds, der sich per Rückkaufrecht absichert, verfolgt keine Vision, sondern eine Kalkulation. Peking bezahlt den Brennstoff für generative Videos und hält sich den Ausstieg offen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Vorstoß für Europa?
Kennzeichnungspflicht: Jede Nutzung von Kling in Europa fällt unter Artikel 50 des EU AI Act. Anbieter und Nutzer müssen KI-erzeugte Videos ab August 2026 maschinenlesbar als synthetisch markieren. Günstige Modelle vergrößern die Menge solcher Clips, ähnlich der Debatte um die Grok-Deepfakes von xAI.
Druck auf die Kreativbranche: Zu Sekundenpreisen von wenigen Cent rückt KI-Video in Werbung, Marketing und Film ein und drückt auf die Kalkulation von Agenturen. Der gesamte chinesische KI-Sektor zieht dabei denselben Vorteil aus billiger Rechenleistung und staatlicher Rückendeckung.
Konkrete Schritte: Europäische Anbieter treten gegen einen Rivalen an, dessen Verluste der Staat abfedert. Entscheider sollten KI-Videos konsequent nach dem AI Act kennzeichnen und die Herkunft von Clips über Provenienz-Standards wie C2PA prüfen. Der Preisdruck aus China gehört zudem fest ins Budget.
Quellen
[1] IT之家 (ITHome): „快手:国家人工智能基金向北京可灵注入现金资本 14 亿元“
[2] 新华网 (Xinhua): „快手旗下可灵AI落地近30亿美元融资,最新估值180亿美元“
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