MiniMax hat seinen Umsatz im ersten Halbjahr 2026 fast vervierfacht und in sechs Monaten mehr eingenommen als im gesamten Vorjahr. Den Schub bringt inzwischen das Geschäft mit Firmenkunden, während die bekannte Consumer-App an Gewicht verliert. Unter dem Strich bleibt dennoch ein Verlust, der den Umsatz um das Dreifache übersteigt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Rund 100 Millionen Euro Umsatz im ersten Halbjahr, ein Plus von 283 Prozent und mehr als im ganzen Jahr 2025.
- Das Plattform- und Firmengeschäft wuchs um 703 Prozent und stellt jetzt 63 Prozent des Umsatzes, nach 30 Prozent ein Jahr zuvor.
- Der Nettoverlust lag bei rund 307 Millionen Euro, die Forschung verschlang mit 255 Millionen Euro das Zweieinhalbfache der Einnahmen.
- Ein Barbestand von 1,13 Milliarden Euro aus dem Hongkonger Börsengang finanziert den Betrieb.
Warum verkauft MiniMax jetzt lieber Schaufeln?

Im Goldrausch macht der Händler mit den Schaufeln das sichere Geschäft. Diese Rolle besetzt MiniMax jetzt und öffnet seine Modelle über eine Programmierschnittstelle und eine offene Plattform für Firmen und Entwickler. Dieser Bereich sprang um 703 Prozent auf rund 63 Millionen Euro und macht inzwischen 63 Prozent des Umsatzes aus, nach 30 Prozent ein Jahr zuvor.[1]
Die Consumer-Produkte rund um die Video-KI Hailuo wachsen mit 101 Prozent langsamer und liefern nur noch rund 37 Millionen Euro. Der Grund für den Schwenk liegt in der Ökonomie, denn Umsatz aus Firmenverträgen ist berechenbarer und wächst mit der Nutzung, während Endkunden-Apps teuer um Aufmerksamkeit ringen. Bezahlen muss MiniMax den Umbau trotzdem, weil die Bruttomarge bei mageren 17,9 Prozent liegt und Video- und Audiogenerierung enorm viel Rechenleistung frisst.
Warum verbrennen Chinas KI-Labore weiter Geld?
Das Muster wiederholt sich in der ganzen Branche. Wachstum ohne Gewinn prägt die Bilanz: MiniMax verbuchte trotz der Umsatzsprünge einen Nettoverlust von rund 307 Millionen Euro, allein die Forschung kostete mit 255 Millionen Euro das Zweieinhalbfache der Einnahmen. Getragen wird der Betrieb von einem Barpolster von 1,13 Milliarden Euro aus dem Börsengang in Hongkong.
Ähnlich sieht es bei den Rivalen aus. DeepSeek meldete zuletzt gerade 61 Millionen Euro Umsatz bei roten Zahlen. Zhipu und MiniMax verloren an der Börse die Hälfte ihres Werts. Auch Moonshot teilt inzwischen die Token-Einnahmen mit Cloud-Anbietern. Der Unterschied steckt im Modell, denn DeepSeek verschenkt seine Gewichte und kassiert nur an der Schnittstelle mit hoher Marge, MiniMax hält alles geschlossen und verdient direkt, trägt dafür aber die vollen Rechenkosten.
Der Umsatzsprung bei MiniMax stammt aus dem Firmengeschäft, doch ein Anbieter mit 307 Millionen Euro Halbjahresverlust ist für eine mehrjährige Bindung eine Wette. Europäische Einkäufer sollten die Marge genauso prüfen wie die Modellqualität.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Wie tief der Umbau das Feld der chinesischen KI-Anbieter erfasst, zeigt auch der Blick auf die Großen: Selbst bei Alibabas boomendem Cloud-Geschäft brach der Gewinn um 75 Prozent ein, während die Investitionen in KI weiter stiegen.
Was bedeutet das für Firmen in der EU?
Für europäische Firmen wird MiniMax damit vom App-Anbieter zum Infrastruktur-Zulieferer, dessen Video-KI Hailuo gegen Runway, Kling oder Sora antritt. Der Haken steckt im geschlossenen Modell, das sich nicht selbst betreiben lässt, weil jede Anfrage auf MiniMax-Servern in China landet. Für sensible Daten greifen dann die Auftragsverarbeitung nach DSGVO und die Regeln zum Drittlandtransfer, während offene Gewichte wie bei DeepSeek oder Qwen im eigenen Rechenzentrum bleiben könnten.
Dazu kommt die Pflichtseite. Ein KI-Anbieter aus einem Drittland braucht nach dem EU-KI-Gesetz einen Bevollmächtigten in der Union. Zusätzlich tragen KI-erzeugte Videos seit dem 2. August 2026 eine Kennzeichnungspflicht. Konkret heißt das für Einkäufer, die Kapitalreserve und Marge eines Anbieters ebenso zu prüfen wie seine Benchmarks und für souveränitätskritische Projekte lieber offene Modelle einzusetzen, die im eigenen Haus laufen.
Quelle
[1] MiniMax: „MiniMax Announces First Half 2026 Financial Results“
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