Alibaba verkauft mehr Cloud-Rechenleistung als je zuvor. Trotzdem bleibt drei Viertel weniger Gewinn, weil 8,6 Milliarden Euro für KI-Rechenzentren die Bilanz drücken. Das Cloud-Geschäft wuchs zwar um 45 Prozent, doch die Börse las vor allem die Investitionsrechnung.

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Alibaba hat im ersten Geschäftsquartal 2027, dem Zeitraum bis Ende Juni, einen Umsatz von rund 34,2 Milliarden Euro erwirtschaftet, ein Plus von 9 Prozent.[1] Der Gewinn dagegen fiel um 75 Prozent, weil der Konzern fast jeden freien Yuan in KI-Rechenzentren steckt. Genau dieser Widerspruch zeigt, wie teuer der Vorsprung im chinesischen KI-Markt inzwischen ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Cloud-Umsatz stieg um 45 Prozent, der stärkste Zuwachs seit 22 Quartalen.
  • KI-Produkte erreichen einen hochgerechneten Jahresumsatz von 6,3 Milliarden Euro und stehen für 35 Prozent des externen Cloud-Geschäfts.
  • Investitionen von 8,6 Milliarden Euro in einem einzigen Quartal drückten den freien Mittelzufluss auf minus 5,7 Milliarden Euro.

Warum wächst die Cloud, während der Gewinn schrumpft?

Wolke mit „KI-Cloud“-Schild über Waage mit Euromünze und Münze auf Waagschale vor weiß
Alibaba Cloud wächst um 45 Prozent, getrieben durch KI-Nachfrage. GPU- und Rechenzentrum-Investitionen belasten kurzfristig die Bilanz

Kapazität vor Marge: Alibaba Cloud legte gegenüber dem Vorjahr um 45 Prozent zu, den schnellsten Wert seit fünfeinhalb Jahren.[1] Der Treiber ist die Nachfrage nach KI-Rechenleistung, deren Umsatz sich das zwölfte Quartal in Folge mehr als verdoppelt hat. Dieser Boom kostet aber sofort Geld und zahlt erst später: Die gekauften Grafikprozessoren und Rechenzentren schreibt Alibaba über Jahre ab, der Umsatz aus den KI-Diensten wächst erst mit der Auslastung nach.

35 Prozent aus KI: Die KI-Produkte erreichen inzwischen einen hochgerechneten Jahresumsatz von 6,3 Milliarden Euro und stehen für gut ein Drittel des externen Cloud-Geschäfts.[1] Ein Teil dieser Nachfrage kommt von den eigenen offenen Qwen-Modellen, ein anderer von Firmen, die ihre Anwendungen bei Alibaba rechnen lassen, statt eigene Hardware zu kaufen.

Wie viel kostet Alibaba die KI-Aufholjagd?

8,6 Milliarden je Quartal: Allein zwischen April und Juni investierte Alibaba rund 8,6 Milliarden Euro, vor allem in Chips und Rechenzentren.[1] Diese Summe kehrte den freien Mittelzufluss ins Minus, auf etwa 5,7 Milliarden Euro. Der nach US-Bilanzregeln ausgewiesene Nettogewinn brach um 75 Prozent ein, der bereinigte Gewinn je Aktie fiel um 42 Prozent und verfehlte die Erwartung der Analysten deutlich.

Kein Einzelfall: Der Zielkonflikt zwischen KI-Ausbau und Marge trifft die ganze Branche. Baidu bezahlte seinen Umbau im selben Quartal mit zwei Dritteln des Gewinns, auch Microsoft, Google und Amazon verbuchen zweistellige Milliardenbeträge für Rechenzentren, bevor die KI-Umsätze folgen. Bei Alibaba kommt hinzu, dass die US-Exportkontrollen den Zugang zu Spitzenchips beschränken und teurere Umwege über heimische Beschleuniger erzwingen.

Ohne eigene KI-Rechenzentren gibt es morgen kein Cloud-Geschäft mehr. Alibaba zahlt den Preis für den Anschluss heute, die Konkurrenz aus Übersee zahlt ihn genauso.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Alibaba im Juni-Quartal 2026: Wachstum auf Pump
Rekordumsatz in der Cloud, tiefroter Mittelzufluss durch KI-Investitionen. Alle Beträge in Euro (Stichtag 20.08.2026, 1 Yuan = 0,127 Euro).
+45 %
Wachstum von Alibaba Cloud, der stärkste Zuwachs seit 22 Quartalen
34,2 Mrd. €
Konzernumsatz im Juni-Quartal, ein Plus von 9 Prozent
8,6 Mrd. €
Investitionen in KI-Chips und Rechenzentren in nur einem Quartal
6,3 Mrd. €
hochgerechneter KI-Jahresumsatz, 35 Prozent des externen Cloud-Geschäfts
−75 %
Nettogewinn nach US-Bilanzregeln gegenüber dem Vorjahr

Was bedeutet Alibabas KI-Offensive für Europa?

Günstige KI aus China: Für europäische Unternehmen ist die Preisoffensive zweischneidig. Die offenen Qwen-Modelle laufen gratis auf eigener Hardware und drücken die Kosten für KI-Anwendungen, im Wettbewerb mit DeepSeek und ByteDances Doubao sinkt der Marktpreis für Rechenleistung weiter. Alibaba Cloud betreibt zudem Rechenzentren in Deutschland und baut die Kapazität aus. Beim Einsatz dieser Dienste wandern die Daten allerdings zu einem Anbieter, der chinesischem Recht unterliegt.

Prüfen Sie den Datenpfad: Vor dem Einsatz zählt zuerst die Frage, ob die Daten in einem EU-Rechenzentrum bleiben oder nach China fließen und damit die DSGVO-Regeln zum Drittlandtransfer auslösen. Ein offenes Qwen-Modell im eigenen Haus zu betreiben umgeht dieses Risiko, verlangt aber Personal und Grafikkarten. Und jeder Vertrag sollte die Vorgaben der KI-Verordnung abbilden, die seit August 2025 für Anbieter universeller KI-Modelle gilt. So wird aus dem billigen Rechenangebot ein kalkulierbarer Baustein statt einer offenen Flanke.

FAQ: Alibaba, das Cloud-Geschäft und die KI-Milliarden

Wie hoch war Alibabas Umsatz im Juni-Quartal 2026?

Alibaba erzielte im Quartal bis Ende Juni 2026 einen Umsatz von rund 269 Milliarden Yuan, umgerechnet etwa 34,2 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr und markiert die Rückkehr zu spürbarem Wachstum.

Warum ist Alibabas Gewinn so stark gefallen?

Der Nettogewinn brach um 75 Prozent ein, weil Alibaba rund 8,6 Milliarden Euro in KI-Chips und Rechenzentren investierte. Diese Ausgaben belasten die Bilanz sofort, während die KI-Umsätze erst mit der Auslastung der neuen Kapazität nachwachsen.

Wie schnell wächst Alibaba Cloud?

Alibaba Cloud wuchs im Juni-Quartal 2026 um 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der stärkste Zuwachs seit 22 Quartalen. Treiber ist die Nachfrage nach KI-Rechenleistung, deren Umsatz sich das zwölfte Quartal in Folge mehr als verdoppelte.

Ist Alibaba Cloud für europäische Unternehmen relevant?

Ja. Alibaba betreibt Rechenzentren in Europa und stellt seine Qwen-Modelle offen bereit. Beim Einsatz gelten aber die DSGVO-Regeln zum Drittlandtransfer, sobald Daten nach China fließen, sowie die Vorgaben der KI-Verordnung für universelle Modelle.

Quelle

[1] Alibaba Group: „Alibaba Group Announces June Quarter 2026 Results“

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