Schaeffler und CATL entwickeln künftig gemeinsam das Batteriemanagement für europäische Elektroautos. Am 20. August 2026 unterzeichneten der fränkische Zulieferer und der chinesische Weltmarktführer eine Absichtserklärung, die eine bestehende Zusammenarbeit vertieft. Für deutsche Industrieentscheider steckt die eigentliche Nachricht nicht im Handschlag, sondern in der Arbeitsteilung dahinter.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Schaeffler und CATL haben am 20. August 2026 eine Absichtserklärung zur gemeinsamen Entwicklung von Batteriemanagementsystemen unterzeichnet, kein Joint Venture und keinen Liefervertrag.
- Beide Partner entwickeln zusätzlich „X-in-1“-PowerBox-Lösungen, die Hochvoltelektronik, Steuerung und Antrieb enger verzahnen.
- Die Vereinbarung zielt ausdrücklich auf den europäischen Markt und baut auf einem bereits gewonnenen Serienprojekt auf.
- Schaeffler bringt Entwicklung, Zulassung und Serienfertigung in Europa ein, CATL die Zelltechnik und die Erfahrung mit großen Stückzahlen.
Was steckt in der Vereinbarung zwischen Schaeffler und CATL?

Die Absichtserklärung koppelt Schaefflers europäische Entwicklungs- und Fertigungsbasis an die Zelltechnik von CATL. Beide Unternehmen entwickeln gemeinsam Batteriemanagementsysteme und sogenannte Integrated-PowerBox-Lösungen, die Leistungselektronik, Steuerung und Antrieb in einem Paket bündeln. Ein Batteriemanagementsystem überwacht Ladung, Temperatur und Sicherheit jeder Zelle. Davon hängt ab, wie lange ein Akku hält.[1]
Klare Rollenverteilung prägt die Partnerschaft. Schaeffler verantwortet die gesamte Kette von der Hard- und Softwareentwicklung über die funktionale Sicherheit bis zur Serienfertigung in Europa, CATL steuert Zelltechnik, Batteriealgorithmen und die Erfahrung mit sehr großen Stückzahlen bei. Die Kompetenz für die Leistungselektronik stammt großenteils aus Vitesco Technologies, die Schaeffler 2024 übernommen und eingegliedert hat. „Durch unsere Partnerschaft mit CATL wollen wir ein wettbewerbsfähiges Produktportfolio für den europäischen Markt und darüber hinaus aufbauen“, sagt Thomas Stierle, im Schaeffler-Vorstand für die E-Mobilität zuständig.[1]
Wie tief verankert sich CATL in Europa?
CATL baut in Europa längst ein eigenes Fertigungsnetz auf. Im thüringischen Arnstadt läuft seit 2022 die erste Zellfabrik außerhalb Chinas, im ungarischen Debrecen entsteht eine Gigafabrik für bis zu 100 Gigawattstunden, und im spanischen Saragossa baut der Konzern ein Zellwerk gemeinsam mit Stellantis. Die Kooperation mit Schaeffler fügt diesem Netz eine neue Ebene hinzu: nicht mehr nur Zellen liefern, sondern die Systemtechnik mitentwickeln.
Der Sog nach Europa hat einen handfesten Grund. Europäische Hersteller wollen näher an ihre Batterielieferanten rücken. Chinesische Anbieter wollen den Zöllen und der Local-Content-Debatte zuvorkommen. Wie schnell der Markt kippt, zeigt der Blick nach Fernost, wo Chinas E-Auto-Anteil erstmals über 60 Prozent liegt, während europäische Werke wie BMWs Neue Klasse in Leipzig erst hochlaufen.
Europa liefert bei dieser Partnerschaft die Ingenieure und die Regeln, CATL die Zellen und die Stückzahlen. Das Batteriemanagement bleibt der wertvollste Baustein im Elektroauto, und den sollte sich die europäische Zulieferindustrie nicht kampflos abnehmen lassen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Für Schaeffler ist die Elektromobilität nicht das einzige Standbein. Parallel treibt der Konzern die Robotik voran und fertigt Wellgetriebe für humanoide Roboter deutlich günstiger als bisher.
Die Rollen in der Partnerschaft
Was bedeutet die Kooperation für europäische Zulieferer?
Die Partnerschaft verschiebt die Wertschöpfung, ohne die Abhängigkeit von chinesischer Zelltechnik aufzulösen. Hersteller, die in Europa Batteriesysteme bauen, müssen ab 2027 den CO2-Fußabdruck jeder Batterie ausweisen und einen digitalen Batteriepass führen. Die EU-Batterieverordnung schreibt beides vor.[2] Genau diese Regulatorik nennt Schaeffler als eigenen Trumpf, weil lokale Entwicklung und Zulassung den Nachweis erleichtern. Schon heute verlangt CATL von neuen Zulieferern den CO2-Fußabdruck, ein Vorgriff auf die kommenden Pflichten.
Für Entscheider lohnt der nüchterne Blick auf die Lieferkette. Zulieferer prüfen, ob sie eigene Batteriekompetenz aufbauen oder sich wie Schaeffler an einen Zellhersteller binden. Fragen zu Datenhoheit und geistigem Eigentum gehören dabei früh auf den Tisch. Für Flottenbetreiber zählt am Ende, was ein gutes Batteriemanagement praktisch bringt: eine längere Lebensdauer, wie sie der Ratgeber zur Batterie-Degradation erklärt, und niedrigere Betriebskosten, etwa bei den Ladetarifen.
FAQ: Schaeffler und CATL beim Batteriemanagement
Ist die Zusammenarbeit von Schaeffler und CATL ein Joint Venture?
Nein. Schaeffler und CATL haben am 20. August 2026 eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) unterzeichnet, kein Joint Venture und keinen Liefervertrag. Beide entwickeln gemeinsam Batteriemanagementsysteme und PowerBox-Lösungen für den europäischen Markt.
Was ist ein Batteriemanagementsystem?
Ein Batteriemanagementsystem, kurz BMS, überwacht Ladung, Temperatur, Spannung und Sicherheit jeder Zelle einer Antriebsbatterie. Davon hängen Sicherheit, Lebensdauer und Leistung des Akkus ab. Das BMS gilt als eine der wertvollsten Komponenten im Elektroauto.
Welche Rolle übernimmt Schaeffler in der Partnerschaft?
Schaeffler verantwortet die Entwicklung von Hard- und Software, die funktionale Sicherheit, die Zulassung und die Serienfertigung in Europa. CATL bringt Zelltechnik, Batteriealgorithmen und die Erfahrung mit großen Stückzahlen ein.
Warum kooperiert ein deutscher Zulieferer mit einem chinesischen Batteriehersteller?
Schaeffler hat starke Kompetenz in Entwicklung und Leistungselektronik, aber keine eigene Zellfertigung. CATL ist Weltmarktführer bei Batteriezellen und will näher an europäische Automobilhersteller rücken. Die Kooperation verbindet beide Stärken für den europäischen Markt.
Quellen
[1] Schaeffler AG: „Schaeffler und CATL vertiefen Zusammenarbeit bei Batteriemanagementsystemen und Integrated-PowerBox-Lösungen“
[2] Amtsblatt der EU: Verordnung (EU) 2023/1542 über Batterien und Altbatterien
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