Hesai bleibt auf der Militärliste des US-Verteidigungsministeriums, obwohl der chinesische Lidar-Hersteller vor Gericht einen Etappensieg errungen hat. Ein Berufungsgericht in Washington kippte am 18. August 2026 das Urteil der Vorinstanz, weil das Pentagon dem Unternehmen kein faires Verfahren gewährt hatte. Für Entscheider in der europäischen Autobranche zählt weniger der Richterspruch als die Frage, wie belastbar chinesische Sensortechnik in der eigenen Lieferkette ist.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEin Gerichtserfolg, der die Listung nicht aufhebt, klingt widersprüchlich. Genau darin liegt der Kern des Falls. Das Berufungsgericht rügt das Verfahren, lässt die Einstufung als chinesische Militärfirma aber vorerst bestehen. Der Streit wandert damit zurück an die erste Instanz.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Berufungsgericht in Washington hob am 18. August 2026 das erstinstanzliche Urteil gegen Hesai auf.
- Grund war ein Verfahrensfehler: Das Pentagon legte seine Belege nicht offen und verletzte das Recht auf faires Gehör.
- Die Einstufung als chinesische Militärfirma bleibt trotzdem bestehen, der Fall geht zurück an die Vorinstanz.
- Ab dem 30. Juni 2027 greift das US-Beschaffungsverbot der Liste bis tief in die Lieferkette hinein.
Was hat das Gericht wirklich entschieden?

Ein Verfahrensfehler kippte das Urteil, nicht die Sache selbst. Das Berufungsgericht für den District of Columbia entschied am 18. August 2026, dass das Verteidigungsministerium Hesai kein faires Verfahren gewährt hatte, als es den Sensorhersteller als chinesische Militärfirma führte. Die Bundesrichterin der ersten Instanz hatte die Einstufung im Juli 2025 noch bestätigt, dieses Urteil ist nun hinfällig. Berichtet hat darüber zuerst das chinesische Nachrichtenportal Ifeng.
Die Liste bleibt, obwohl das Verfahren durchfiel. Das Gericht schickte den Fall zurück an die Vorinstanz, die den geheim gehaltenen Teil der Begründung erneut prüfen muss. Bis dahin steht Hesai weiter auf der Aufstellung des Pentagons. Die daran hängenden Beschränkungen gelten unverändert.
Warum trifft die 1260H-Liste immer dieselben Firmen?
Ein Muster zieht sich durch die Verfahren. Nur vier Tage vor dem Hesai-Spruch errang der Drohnenhersteller DJI vor demselben Gericht einen fast identischen Teilerfolg gegen das Pentagon. Auch dort hob das Berufungsgericht die erstinstanzliche Bestätigung auf, weil das Ministerium seine Begründung fast vollständig geschwärzt hatte, und ließ die Listung dennoch bestehen.
Die Rechtsgrundlage heißt Section 1260H. Das Gesetz verpflichtet das Verteidigungsministerium seit dem Haushaltsjahr 2021, jährlich chinesische Militärfirmen zu benennen. Im Juni 2026 wuchs die Aufstellung um 65 Einträge, darunter Alibaba, Baidu und BYD.[1] Eine Sanktion ist die Liste nicht, doch ab dem 30. Juni 2027 darf das Ministerium keine Waren mehr kaufen, in denen Bauteile gelisteter Firmen stecken.
Für einen Sensorhersteller wiegt diese Reichweite bis in die Lieferkette schwer. Hesai baut Lidar, die Augen des assistierten Fahrens, und zählt zu den größten Anbietern weltweit, unter anderem als Zulieferer für Great Wall. Genau solche Sensoren sitzen inzwischen in Fahrzeugen, die auch in Europa auf die Straße kommen.
Die Pentagon-Liste ist ein Preisschild an Chinas Lidar-Anbietern, dessen voller Betrag erst 2027 sichtbar wird. Beim Sensor-Einkauf von heute fällt die Entscheidung über die Lieferkette von übermorgen.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet das für Europas Autobranche?
Wachsende Abhängigkeit trifft auf wachsendes Risiko. Hesai lieferte im zweiten Quartal 2026 über 628.000 Sensoren aus, ein Plus von 78 Prozent, und drückt die Preise so weit, dass Lidar inzwischen sogar in günstige Modelle wie den BYD Qin wandert.[2] Ab dem 30. Juni 2027 reicht das US-Beschaffungsverbot bis in die Bauteile gelisteter Firmen, was jeden Zulieferer betrifft, der zugleich das US-Militärgeschäft bedient.
Ein europäisches Gegenstück zur 1260H-Liste gibt es nicht. Die EU prüft chinesische Sensortechnik bislang über den Datenschutz und die Antisubventionszölle auf E-Autos, nicht über eine Militärliste. Für Beschaffung und Rechtsabteilung deutscher Unternehmen folgen daraus zwei nüchterne Aufgaben: die eigene Lieferkette auf gelistete Lidar-Anbieter durchsehen und laufende US-Verträge gegen die Klausel ab Juni 2027 prüfen. Bei hohem Anteil chinesischer Sensorik lohnt sich zusätzlich der frühe Aufbau einer zweiten Bezugsquelle.
FAQ: Hesai und die US-Militärliste
Was ist die Section-1260H-Liste des Pentagons?
Die Section-1260H-Liste benennt Unternehmen, die das US-Verteidigungsministerium als chinesische Militärfirmen einstuft. Grundlage ist das Verteidigungshaushaltsgesetz von 2021. Die Liste ist keine Sanktion, verbietet dem Ministerium aber ab dem 30. Juni 2027 den Einkauf von Waren mit Bauteilen gelisteter Firmen.
Hat Hesai den Prozess gegen das US-Verteidigungsministerium gewonnen?
Nur teilweise. Ein Berufungsgericht in Washington hob am 18. August 2026 das erstinstanzliche Urteil auf, weil das Pentagon Hesai kein faires Verfahren gewährt hatte. Die Einstufung als chinesische Militärfirma bleibt jedoch bestehen, der Fall geht zurück an die Vorinstanz.
Warum ist Lidar für die Autoindustrie so wichtig?
Lidar-Sensoren tasten die Umgebung mit Laserlicht ab und liefern das räumliche Bild für assistiertes und autonomes Fahren. Chinesische Anbieter wie Hesai und RoboSense zählen weltweit zu den größten und statten immer mehr Modelle aus, auch in Europa verkaufte Fahrzeuge.
Betrifft die US-Militärliste auch europäische Unternehmen?
Indirekt. Ab dem 30. Juni 2027 darf das US-Verteidigungsministerium keine Waren mehr kaufen, in denen Bauteile gelisteter Firmen stecken. Europäische Zulieferer mit US-Militärgeschäft müssen ihre Lieferketten deshalb auf chinesische Lidar-Anbieter prüfen. Ein EU-Pendant zur Liste gibt es nicht.
Quellen
[1] Federal Register: „Notice of Availability of Designation of Chinese Military Companies“ (Section 1260H)
[2] Hesai Group: „Hesai Group Reports Second Quarter 2026 Unaudited Financial Results“
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