Horizon Robotics greift Nvidia dort an, wo der US-Konzern bislang unangefochten war: beim Rechenchip fürs autonome Fahren. Die Spitzenversion des neuen Journey 7 soll Nvidias Thor-X übertreffen und 2027 in Serie gehen. Schon der aktuelle Cockpit-Chip Starry steht bei mehr als zehn Autobauern in der Planung, darunter Volkswagen.

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Künftig soll ein einzelner Chip Infotainment und Fahrassistenz eines Autos zugleich steuern, entwickelt in Peking statt in Kalifornien. Diesen Anspruch untermauert Horizon Robotics jetzt mit einer neuen Generation. Laut dem Wirtschaftsmedium LatePost hat das Unternehmen die Ziel-Rechenleistung des Journey 7 festgezurrt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Spitzenchip Journey 7 in der Variante J7P soll Nvidias Thor-X bei der Rechenleistung übertreffen, Serienstart 2027.
  • Der Cockpit-Chip Starry bündelt Infotainment und Fahrassistenz auf einem 5-Nanometer-Baustein mit 650 TOPS.
  • Bis zu 510 Euro spart die Lösung je Fahrzeug, die Entwicklungszeit sinkt von 18 auf 8 Monate.
  • Mehr als zehn Hersteller haben Absichtserklärungen unterschrieben, darunter Volkswagen, BYD und Chery.

Was macht den Journey 7 für Nvidia gefährlich?

Waage vergleicht Mikrochip mit Elektronikkomponente auf hellem Grund
Horizons Journey 7P-Chip soll Nvidias Thor-X übertreffen und basiert auf neuer Riemann-Architektur mit deutlich höherer Rechenleistung als der aktuelle Journey 6P

Die Antwort steckt in der Rechenleistung. Horizon plant den Journey 7 als ganze Chip-Familie, deren Spitzenversion J7P die Leistung von Nvidias Thor-X deutlich überschreiten soll. Zum Vergleich: Der aktuelle Journey 6P liefert 560 TOPS. Der Sprung kommt aus einer neuen Rechenarchitektur namens Riemann, der vierten ihrer Art, mit der sich das Unternehmen direkt an Teslas Chip AI5 misst.[1]

Bemerkenswert ist der Schwenk in der Entwicklung. Nicht mehr die Chip-Ingenieure geben die Richtung vor, sondern die Algorithmus-Teams für das Fahren selbst. Der Serienstart der Spitzenversion ist für 2027 geplant, mitten in einem Markt, in dem Chinas Autobauer den Preis für Fahrassistenz Jahr für Jahr drücken.

Warum bündelt Horizon Cockpit und Fahren auf einem Chip?

Weil zwei Chips teurer sind als einer. Der im April vorgestellte Starry ist Chinas erster Baustein, der Cockpit und Fahrassistenz auf einem einzigen Chip vereint, gefertigt in 5 Nanometern, mit 650 TOPS Rechenleistung und einer Speicherbandbreite von 273 Gigabyte pro Sekunde.[1]

Statt getrennter Steuergeräte für Infotainment und Fahren genügt eine Recheneinheit. Das spart je Fahrzeug zwischen 190 und 510 Euro (EZB-Kurs vom 11. August 2026). Zugleich halbiert der Ansatz den Platzbedarf und verkürzt die Entwicklungszeit von 18 auf 8 Monate. Volkswagen setzt bei den Assistenzsystemen seiner China-Modelle längst auf Horizon,[2] ähnlich wie Xpeng die Elektronik-Architektur für VWs E-Autos liefert.

Volkswagen kauft sein Assistenz-Hirn längst in China ein. Horizon muss Nvidia gar nicht überholen, um Europas Autobauer vom chinesischen Silizium abhängig zu machen.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Chinas Fahrchip in Zahlen
Horizon Robotics zwischen dem Cockpit-Chip Starry und dem Nvidia-Herausforderer Journey 7
650 TOPS
Rechenleistung des Starry-Chips auf 5 Nanometern
bis 510 €
Ersparnis je Fahrzeug durch ein einziges Steuergerät
10+
Autobauer mit Absichtserklärung, darunter VW, BYD und Chery
18 → 8
Monate Entwicklungszeit statt getrennter Steuergeräte
2027
geplanter Serienstart des Spitzenchips Journey 7

Was bedeutet das für Volkswagen und Europas Zulieferer?

Kurz gesagt: wachsende Abhängigkeit. Für den Starry-Chip liegen Absichtserklärungen von mehr als zehn Herstellern vor, neben Volkswagen auch BYD, Chery, BAIC und Changan, dazu die Zulieferer Bosch und Denso.[1] Den Serienauftakt macht Cherys Marke iCAR im dritten Quartal 2026.

Der Hintergrund ist geopolitisch. Weil die USA Nvidias Spitzenchips für China sperren, treiben Peking und die heimischen Autobauer eigene Rechenchips voran, von Cambricon bis zu den heimischen KI-Chips von Zhipu. Für Europas Hersteller kehrt sich das Muster um: In China verbaut Volkswagen längst chinesische Assistenz-Chips. Projekte wie die fahrerlosen Lkw von Pony.ai zeigen, wie schnell die Technikführung nach Osten wandert.

Für Entscheider zählt dabei mehr als eine Chip-Meldung. Im Kern steht die Frage, wer die künstliche Intelligenz im Fahrzeug liefert. Autozulieferer und Flottenbetreiber prüfen deshalb besser früh, wessen Rechenchip im nächsten Modell das Steuer übernimmt.

Quellen

[1] Horizon Robotics: Horizon Journey, Smart-Driving-Chips und Plattform

[2] Volkswagen Group China / CARIAD: Volkswagen Group China beschleunigt die L3- und L4-Entwicklung

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