Pony.ais Robotruck hat im ersten Quartal 2026 erstmals mehr Umsatz gebracht als das Robotaxi des gleichen Anbieters. Der chinesische Autonomie-Spezialist will in den nächsten zwei bis drei Jahren 500 bis 1.000 fahrerlose Schwer-Lkw auf die Straße bringen und startet die Serienfertigung der vierten Generation in der zweiten Jahreshälfte. Für Europas Speditionen mit ihrem chronischen Fahrermangel ist dieser Fahrplan mehr als eine Randnotiz aus Fernost.

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Ein Robotruck ohne Fahrer klingt nach Zukunftsmusik, doch bei Pony.ai steht er längst im Buchhaltungssystem. 10,2 Millionen US-Dollar Serviceumsatz lieferte die Truck-Sparte im ersten Quartal, das Robotaxi-Geschäft kam auf 8,57 Millionen.[2] Umgerechnet sind das rund 8,9 gegen 7,5 Millionen Euro, Stand 4. August 2026 bei etwa 0,87 Euro je US-Dollar.

Das Wichtigste in Kürze

  • Pony.ais Truck-Sparte übertraf im ersten Quartal 2026 erstmals das Robotaxi beim Umsatz.
  • Die Serienfertigung der vierten Robotruck-Generation läuft in der zweiten Hälfte 2026 an, die Autonomie-Hardware kostet rund 70 % weniger als zuvor.
  • Geplant sind 500 bis 1.000 schwere Robotrucks in den nächsten zwei bis drei Jahren.
  • In Europa fehlen laut IRU bis 2028 bis zu 745.000 Lkw-Fahrer, was den fahrerlosen Truck zum reinen Kostenthema macht.

Warum fährt der Lastwagen dem Taxi davon?

LKW mit Aufschrift
Pony.ai verdient erstmals mehr mit autonomen Lkw als mit Robotaxis, da Autobahnfahrten berechenbarer sind und Fahrkosten sparen

Umsatz-Vorsprung. Zum ersten Mal verdient Pony.ai mit autonomen Lkw mehr als mit Robotaxis. Der Grund liegt nicht am Prestige, sondern an der Strecke. Eine Autobahn bleibt berechenbarer als eine Innenstadt, mit weniger Fußgängern und klar geführten Spuren. Genau dort lässt sich ein Fahrzeug leichter absichern, während im Güterverkehr der Fahrer die größte Kostenposition bleibt.

Skaleneffekt. Über 170 Robotrucks hat der Anbieter bereits im Einsatz, angebunden an Partner wie Sinotrans, die China Post und den Hafen Mawan in Shenzhen. Die Erfahrung aus der Robotaxi-Serienfertigung senkt jetzt die Stückkosten der Lkw-Technik.

Wie senkt Pony.ai die Kosten pro Truck?

Minus 70 Prozent. Die vierte Generation des Schwer-Lkw teilt über 80 % ihrer Technik mit dem Robotaxi, beim Leicht-Lkw sind es über 90 %. Dadurch sinken die Hardwarekosten der Autonomie-Suite nach Angaben von Truck-Chef He Xing um rund 70 % gegenüber der Vorgängergeneration.[1] Günstigere Sensorik wie das Hochzeilen-Lidar, das Hesai an Great Wall liefert, drückt den Preis zusätzlich.

Drei Einsatzfelder. Bis zu 1.000 schwere Robotrucks sollen in zwei bis drei Jahren rollen, verteilt auf Autobahn-Fernverkehr, Rohstofflinien im Nordwesten und Hafenlogistik. Den fahrerlosen Leicht-Lkw der ersten Generation testet Pony.ai seit April 2026 mit Partnern, das längerfristige Ziel liegt im sechsstelligen Bereich.

Robotruck vor Robotaxi: Pony.ais Fahrplan in Zahlen
Warum der fahrerlose Lastwagen zuerst Geld verdient
8,9 Mio. €
Robotruck-Umsatz im 1. Quartal 2026
Erstmals mehr als das Robotaxi mit 7,5 Mio. €
−70 %
Hardwarekosten der Autonomie-Suite
Vierte Generation gegenüber dem Vorgänger
bis 1.000
geplante schwere Robotrucks
In den nächsten zwei bis drei Jahren
170+
Robotrucks bereits im Einsatz
Mit Partnern wie Sinotrans und China Post
745.000
in Europa fehlende Lkw-Fahrer bis 2028
Prognose des Verbands IRU

Der fahrerlose Lastwagen rechnet sich früher als das Robotaxi, weil die Autobahn berechenbarer bleibt als die Innenstadt und der Fahrer die größte Kostenposition im Fernverkehr ist. Europas Speditionen sollten diesen Fahrplan aus Fernost sehr genau lesen.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet der Robotruck für Europas Straßen?

Fahrermangel. In Europa fehlen laut dem Weltstraßentransport-Verband IRU bis 2028 bis zu 745.000 Lkw-Fahrer, in Deutschland waren es schon 2023 rund 70.000. Ein Berufsstand mit einem Durchschnittsalter von 47 Jahren findet zu wenig Nachwuchs, und genau diese Lücke macht den fahrerlosen Truck vom Technikversprechen zum Rechenexempel.

Wettrennen. China steht damit nicht allein. In den USA schickt Aurora seine fahrerlosen Lkw bereits über zehn Highway-Routen, und der Zulieferer Aumovio liefert dazu die Serienhardware für 2027. Chinesische Anbieter drängen parallel nach Europa, wie der Robotaxi-Start von WeRide in Dänemark und der erste europäische Robotaxi-Dienst in Zagreb zeigen.

Handeln. Europäische Speditionen und Verlader sollten den chinesischen Fahrplan nicht als Fernost-Folklore abtun. Ein Vorsprung entsteht dort, wo Speditionen ihre Autobahn-Korridore für autonome Pilotläufe öffnen und die Hub-to-Hub-Strecken samt Telematik sauber dokumentieren, bevor MAN, Daimler Truck oder ein chinesischer Anbieter die Technik in Serie bringt. Das deutsche Recht erlaubt fahrerlose Fahrten in fest definierten Betriebsbereichen bereits seit 2021.

Quellen

[1] Sina Tech: „Pony.ai will die Robotaxi-Erfahrung zum Beschleuniger für den fahrerlosen Güterverkehr machen“

[2] NetEase Tech: „Pony.ai überträgt die Robotaxi-Erfahrung auf den fahrerlosen Gütertransport“

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