Auroras Roboter-Lkw fahren längst ohne Fahrer über texanische Highways. Den Sprung von der Testflotte in die Massenfertigung schafft aber keine Software allein. Genau diese Lücke besetzt Aumovio, Continentals frisch abgespaltener Elektronikkonzern.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEin autonomer Lkw scheitert selten am Fahrcomputer, sondern an der Serienreife. Aumovio und der US-Entwickler Aurora wollen ab 2027 die erste in großen Stückzahlen baubare Generation des selbstfahrenden Aurora Driver ausliefern, ein komplettes Hardwarepaket samt redundantem Rückfallsystem. Auf der IAA Transportation in Hannover zeigt der Zulieferer, wie aus einem Prototyp ein Industrieprodukt wird.
Das Wichtigste in Kürze
- Aumovio und Aurora liefern ab 2027 die erste serientaugliche Generation des selbstfahrenden Aurora Driver aus, zunächst für US-Highways.
- Aumovio steuert Sensorik, Steuergeräte, Hochleistungsrechner und ein komplettes Rückfallsystem bei, Aurora die Fahrsoftware.
- Den Standort New Braunfels in Texas baut Aumovio für rund 96 Millionen Euro aus, dort entsteht die Kernfertigung.
- Continentals Abspaltung Aumovio zählt 82.000 Beschäftigte und 18,5 Milliarden Euro Umsatz und setzt auf softwaredefinierte Nutzfahrzeuge.
Warum scheitert ein autonomer Lkw an der Serienreife?

Die Industrialisierung ist der eigentliche Engpass. Auroras System fährt bereits auf zehn US-Routen ohne Menschen am Steuer. Der Weg von dieser Testflotte zu Zehntausenden identischer, seriengefertigter Trucks führt über Sensorredundanz, funktionale Sicherheit und eine Fertigung, die jede Toleranz beherrscht. Aumovio liefert genau diese Schicht: Radare und Kameras, Steuergeräte fürs automatisierte Fahren, Hochleistungsrechner, Telematik und ein vollständiges Rückfallsystem, das bei einem Ausfall des Hauptrechners übernimmt.[1] Ab 2027 kommt ein eigener Sicherungsrechner dazu.
Was steuert Aumovio zur Roboter-Lkw-Allianz bei?
Aurora bringt die Software, Aumovio macht daraus ein Serienprodukt. In einer exklusiven Partnerschaft entwerfen, validieren und warten beide Häuser das System gemeinsam; die Serienfertigung übernimmt der Zulieferer im texanischen Werk New Braunfels.[2] Für einen Konzern, der sich gerade von Continental gelöst hat, ist diese Partnerschaft eine Richtungsentscheidung. Aumovio verbindet das autonome Fahren mit Elektrifizierung, von Batteriemanagement bis zur Ladeinfrastruktur, und bündelt beides mit softwaredefinierten Architekturen.
„Der Nutzfahrzeugsektor steht an einem Wendepunkt“, sagte Ismail Dagli, im Vorstand zuständig für autonome und kommerzielle Mobilität. „Effiziente, softwaredefinierte Nutzfahrzeuge, sicheres autonomes Fahren und Elektrifizierung müssen gleichzeitig vorankommen.“
Nicht die Fahrsoftware entscheidet über den autonomen Lkw, sondern wer sie in Serie und mit doppeltem Boden auf die Straße bringt. Aumovio wettet darauf, dass die Industrialisierung die eigentliche Wertschöpfung ist.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Aurora liefert
die Fahrsoftware, den Aurora Driver samt Rückfall-Funktion.
Aumovio liefert
Sensorik, Steuergeräte, Hochleistungsrechner, das redundante Rückfallsystem und die Fertigung.
Was bedeutet der autonome Lkw für DACH-Flotten?
Die Bausteine entstehen längst im DACH-Raum, die Serientechnik startet aber zuerst in den USA. Deutschlands Speditionen fehlen laut Bundesverband Güterkraftverkehr Zehntausende Fahrer, und der Hub-to-Hub-Betrieb autonomer Trucks setzt genau auf den langen Autobahnetappen an, wo der Fahrermangel am stärksten drückt. Rechtlich ist die Bundesrepublik mit dem Gesetz zum autonomen Fahren von 2021 früh dran, das den fahrerlosen Regelbetrieb auf festgelegten Strecken erlaubt.
Auch hierzulande reifen die Einzelteile: Knorr-Bremse bringt ein zweites Bremssystem für den fahrerlosen Lkw in Serie, und Daimler Truck erprobt autonome Trucks in eigenen Projekten. In China treibt derweil BYD das autonome Fahren mit eigener Chassis-Elektronik voran. Flottenbetreiber sollten Restwert, Wartung und Versicherung autonomer Trucks jetzt modellieren, statt 2027 überrascht zu werden. Denn die Wertschöpfung verschiebt sich vom Fahren zur Fertigung der Systeme.
FAQ: Autonomer Lkw in Serie: Aumovio liefert Aurora die Serienhardware für 2027
Was ist der Aurora Driver?
Der Aurora Driver ist das kombinierte Hardware- und Softwaresystem von Aurora Innovation für autonome Lkw. Er umfasst Sensorik, Rechner und Fahrsoftware und steuert schwere Trucks fahrerlos auf Autobahnen, zunächst im Hub-to-Hub-Verkehr in den USA.
Ab wann fahren autonome Lkw von Aumovio und Aurora?
Die erste serientaugliche Generation soll ab 2027 ausgeliefert werden. Aurora betreibt bereits fahrerlose Lkw auf zehn Routen in den USA, die Massenfertigung mit Aumovios Hardware beginnt jedoch erst 2027.
Was steuert Aumovio zum autonomen Lkw bei?
Aumovio liefert das Hardwarepaket: Radare, Kameras, Steuergeräte für das automatisierte Fahren, Hochleistungsrechner, Telematik und ein komplettes Rückfallsystem samt eigenem Sicherungsrechner. Aurora bringt die Fahrsoftware, die Fertigung übernimmt Aumovio.
Sind autonome Lkw in Deutschland erlaubt?
Ja. Das deutsche Gesetz zum autonomen Fahren erlaubt seit 2021 den fahrerlosen Betrieb bis Level 4 auf festgelegten Strecken. Die Serientechnik von Aumovio und Aurora startet aber zuerst auf US-Highways, nicht in Deutschland.
Was ist Aumovio?
Aumovio ist der im September 2025 von Continental abgespaltene Automobilelektronik-Konzern mit Sitz in Frankfurt. Das Unternehmen zählt rund 82.000 Beschäftigte, kam 2025 auf 18,5 Milliarden Euro Umsatz und entwickelt Sensorik, Software und autonome Systeme für Fahrzeuge.
Quellen
[1] Aumovio: „AUMOVIO setzt auf Technologien für effizienten, softwaredefinierten, elektrifizierten und autonomen Transport“
[2] Aumovio: „Autonome Lkw-Systeme: Aumovio und Aurora“
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