Ein autonomer Lastwagen, der im Hamburger Hafen Container rangiert, fährt bald im Konvoi hinter der Bundeswehr her. Daimler Truck und der Münchner Drohnenbauer Quantum Systems bauen aus ziviler Technik den fahrerlosen Militär-Lkw.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAutonome Lkw lösen für die Bundeswehr ein wachsendes Problem: Personal fehlt, die Logistiktruppe soll aber deutlich größer werden. Die eigentliche Nachricht steckt jedoch weniger in der Technik als in ihrer Herkunft.
Das Wichtigste in Kürze
- Daimler Truck und Quantum Systems entwickeln im Bundeswehr-Projekt InterRoC autonome Lkw-Konvois; die Zulassungsfähigkeit soll 2027 stehen.
- Ein bemanntes Führungsfahrzeug lenkt mehrere unbemannte Trucks, bei Bedarf steuert ein Operator per Teleoperation aus der Ferne.
- Die Autonomie-Software stammt von Fernride, einem zivilen Startup für Hafen- und Werkslogistik, das Quantum Systems Ende 2025 übernommen hat.
- Fernride hat 2025 den ersten vom TÜV zugelassenen autonomen Lkw Europas geliefert, bereits von der Bundeswehr getestet.
Wie fährt ein Lkw ohne Fahrer in den Konvoi?

Führungsfahrzeug und Anhang: Das Prinzip heißt Leader-Follower. Ein bemannter Truck fährt vorn, mehrere unbemannte Fahrzeuge hängen sich automatisch an und halten Spur, Abstand und Tempo. Verlässt die Strecke den sicheren Rahmen, übernimmt ein Operator per Teleoperation aus der Ferne.
Nachrüstbarer Baukasten: Quantum Systems integriert die Fahrfunktionen in seine Software MOSAIC und rüstet damit vorhandene Daimler-Truck-Plattformen nach, vom geländegängigen Zetros aufwärts. Der Ansatz bindet bemannte und unbemannte Fahrzeuge in eine gemeinsame Führung ein und funktioniert auch bei gestörtem Funk und ohne GPS.
Warum die Technik aus einem Hafen-Startup kommt
Ziviler Ursprung: Fernride hat autonome Lastwagen zunächst für Containerterminals und Werkshöfe gebaut und 2025 als erstes Unternehmen einen vom TÜV zugelassenen autonomen Lkw auf Europas Straßen gebracht[1]. Der kommerzielle Durchbruch blieb aus, aus dem Börsentraum wurde ein Notverkauf.
Verteidigung zahlt: Quantum Systems hat das Münchner Startup Ende 2025 übernommen, seither zielt die Technik allein auf die Militärlogistik. Fernride-Gründer Hendrik Kramer führt heute die Bodensparte des Käufers.
Klare Ansage: „Die massive Vergrößerung der Logistiktruppe der Bundeswehr lässt sich nur über hochautomatisierte und autonome Bodenfahrzeuge realisieren“, sagt Hendrik Kramer, Leiter der Bodensparte bei Quantum Systems.
Die spannendste Wehrtechnik entsteht gerade nicht im Rüstungslabor, sondern in der zivilen Logistik. Was den Hafen-Lkw sicher macht, macht auch den Nachschub an der Front planbar, und beide Welten teilen sich künftig denselben Code.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für den DACH-Raum?
Kein Einzelfall: Zivile Technik wandert reihenweise in die Verteidigung. Deutz baut aus einem Bodenroboter den Gereon jetzt in Serie, Jungheinrich rüstet über Navflex autonome Laderampen, und Zulieferer wie Schaeffler bringen KI direkt aufs Steuergerät. Dahinter steckt überall dasselbe Muster: Autonomie, einmal für Hof oder Fabrik entwickelt, findet in der Rüstung zahlungskräftige Abnehmer.
Reales Testfeld: Quantum Systems erprobt unbemannte Bodenfahrzeuge zugleich an der Ukraine-Front und liefert dort über eine Gemeinschaftsfirma tausende Roboter. Der Kampfeinsatz treibt die Entwicklung schneller als jede Übung im Frieden.
Zulassung als Hürde: Für Entscheider zählt die Genehmigung. Deutschland hat 2021 als erstes Land autonomes Fahren der Stufe 4 erlaubt, und genau diese Zulassungsfrage klärt InterRoC bis 2027 für den Militärbetrieb. Planen Sie Flotten oder Logistik, gehören autonome Fahrzeuge jetzt auf die Beschaffungsagenda; unser Überblick Robotik 2026 zeigt, wo sich der Einsatz lohnt.
Quelle
[1] Fernride: „Quantum Systems acquires FERNRIDE“ ↩
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