Bun galt lange als Aushaengeschild fuer die junge Programmiersprache Zig. Jetzt hat der Erfinder das komplette JavaScript-Runtime in Rust neu geschrieben, unterstuetzt von einem KI-Modell. Der Fall zeigt praezise, wo automatisierte Grossumbauten heute funktionieren und wo nicht.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenBun in Rust neu zu schreiben hat 11 Tage gedauert und rund 143.000 Euro an KI-Tokens gekostet. Jarred Sumner, der Erfinder des Runtimes, hat sein 2021 in Zig gestartetes Projekt mit Hilfe von Claude Fable 5 vollstaendig portiert. Die eigentlich spannende Frage ist nicht, warum er die Sprache gewechselt hat, sondern warum das ueberhaupt so schnell gelang.
Das Wichtigste in Kürze
- Jarred Sumner hat Bun, ein JavaScript-Runtime mit 22 Millionen CLI-Downloads pro Monat, von Zig nach Rust portiert.
- Der Umbau lief in 11 Tagen und kostete rund 143.000 Euro (165.000 US-Dollar) an API-Tokens.
- Das Tempo entstand vor allem durch die riesige, in TypeScript geschriebene Testsuite, die als Prüfinstanz diente.
- Das neue Binary ist rund 20 Prozent kleiner, ein hartnäckiges Speicherleck ist verschwunden.
Warum verlässt Bun ausgerechnet Zig?

Der eigentliche Grund für den Wechsel ist Speichersicherheit. In Zig verwaltet der Entwickler den Speicher von Hand, und Bun muss diesen Ansatz mit der automatischen Speicherbereinigung einer JavaScript-Engine verbinden. Aus dieser Reibung sind immer wieder Fehler der Klasse use-after-free und double-free entstanden.
Rust fängt genau diese Fehler schon zur Kompilierzeit ab, statt sie einem Styleguide zu überlassen. Dazu kommt ein praktischer Vorteil: Die Rust-Gemeinschaft ist deutlich größer als die von Zig, was mehr Beitragende und eine breitere Plattform-Unterstützung verspricht.
Ungeteilt ist die Zustimmung nicht. In der Diskussion auf Hacker News wird eingewandt, dass ein so großer Schritt ohne Einbindung der Community gefallen ist und dass ein simpler Sprachwechsel, der nebenbei Speicherlecks beseitigt, kein gutes Zeugnis für Zig ausstellt.
Was hat der KI-Umbau wirklich gekostet?
Der Umbau hat 165.000 Dollar verschlungen: 5,9 Milliarden Input-Tokens, 690 Millionen Output-Tokens und 72 Milliarden Lesezugriffe auf den Cache, zusammen rund 143.000 Euro zu API-Preisen[1]. Als Modell ist eine Vorabversion von Claude Fable 5 zum Einsatz gekommen, gesteuert über Claude Code.
Der eigentliche Hebel steckt aber nicht im Modell, sondern in der Testinfrastruktur. Bun bringt eine in TypeScript geschriebene Testsuite mit über 1,3 Millionen Prüfungen mit, die jede Portierung sofort gegen das erwartete Verhalten abgleicht. Diese Suite hat dem KI-Agenten als Prüfinstanz gedient, an der er seinen eigenen Code Zeile für Zeile messen konnte.
Das Ergebnis überzeugt in Zahlen. Das neue Binary schrumpft um rund 20 Prozent, der Start unter Linux wird etwa 10 Prozent schneller, und ein Speicherleck, das die alte Version über mehrere Durchläufe auf 6.745 Megabyte getrieben hat, ist verschwunden. Die neue Version bleibt stabil bei 609 Megabyte.
Nicht die KI hat den Bun-Umbau möglich gemacht, sondern die lückenlose Testsuite dahinter. Ohne diese Prüfinstanz wäre derselbe Auftrag ein teures Ratespiel geblieben.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was Entscheider aus dem Bun-Rewrite lernen
Für deutsche Softwareteams liegt die Lehre nicht im Sprachwechsel, sondern in der Voraussetzung dafür. Ein KI-gestützter Großumbau gelingt dort zuverlässig, wo eine umfassende automatisierte Prüfung jeden Schritt verifiziert. Fehlt sie, wird aus dem Rewrite ein unkontrolliertes Risiko.
Auch die Kosten verdienen einen zweiten Blick, denn die Token-Ökonomie täuscht leicht. Rund 143.000 Euro klingen nach viel, liegen aber weit unter dem, was ein mehrjähriger Portierungs-Aufwand eines erfahrenen Teams kosten würde. Warum die reine Zahl pro Token dabei in die Irre führt, zeigt die Analyse zur beliebtesten KI-Kostenkennzahl.
Der Fall reiht sich in eine Welle ein, in der JavaScript-Werkzeuge in systemnahe Sprachen wandern, vom Astro-Fundament in Rust bis zum neuen TypeScript-Compiler in Go. Zuerst in eine belastbare Testsuite zu investieren schafft die Grundlage, auf der solche Projekte überhaupt tragen; erst danach wird der Umbau selbst zu einem kalkulierbaren Schritt.
Quelle
[1] Bun: „Rewriting Bun in Rust“ ↩
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