Kions Konzernumsatz sank 2025 leicht, doch die Lagerautomatisierung boomt: Der Auftragseingang der Sparte sprang um 39,5 Prozent. Der MDAX-Konzern baut sich vom Gabelstapler-Hersteller zum Anbieter KI-gesteuerter Logistik um.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenLagerautomatisierung wird bei Kion vom Nebengeschäft zum Wachstumsmotor. Während das klassische Staplergeschäft stagniert, verbucht die Automatisierungssparte einen Auftragssprung von fast 40 Prozent. Hinter dieser Zahl steckt ein strategischer Umbau, den der Konzern mit einem neuen Segmentnamen sichtbar macht.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Auftragseingang der Automatisierungssparte stieg 2025 um 39,5 Prozent auf 3,599 Milliarden Euro.
- Der Konzernumsatz fiel im selben Jahr um 1,8 Prozent auf 11,297 Milliarden Euro.
- Zum Geschäftsjahr 2026 heißt die Sparte „Intelligent Automation Solutions“ statt „Supply Chain Solutions“.
- Kern des Umbaus bleibt KI-Orchestrierung mit digitalen Zwillingen, entwickelt mit Nvidia und Accenture.
Warum wächst das Lager, während der Stapler stockt?

Die Nachfrage verschiebt sich vom einzelnen Fahrzeug zur kompletten Automatisierungslösung. Der Umsatz der Sparte legte 2025 um 4,4 Prozent auf 3,071 Milliarden Euro zu, das bereinigte Betriebsergebnis stieg auf 183,2 Millionen Euro, während der Gesamtkonzern schrumpfte.
Das Staplergeschäft leidet unter der schwachen Industriekonjunktur, während Automatisierung im Lager gefragt bleibt. Personalmangel und Onlinehandel treiben Betreiber dazu, ganze Prozesse an Roboter und Fördertechnik zu übergeben. Die bereinigte Marge der Sparte kletterte 2025 von 3,8 auf 6,0 Prozent[1].
Der Wettbewerber Jungheinrich fährt einen ähnlichen Kurs und beteiligt sich an autonomen Systemen für die Laderampe. Kion sitzt mit der Tochter Dematic bei der Lagerautomatisierung aber auf Platz eins in Europa und weltweit auf Rang zwei.
Was macht die KI im Lager konkret?
Ein KI-Leitstand steuert Material- und Auftragsflüsse in Echtzeit, geprobt in einem digitalen Zwilling des Lagers. Kion entwickelt die Technik mit Nvidia und Accenture und testet die Steuerungssoftware virtuell, bevor die erste Anlage physisch steht.
Dematic nennt diesen Leitstand „AI Control Tower“ und bildet damit das komplette Lager als digitalen Zwilling nach, aufgesetzt auf Nvidias Omniverse-Technik[2]. Projektteams prüfen Steuerlogik und Software zuerst in der Simulation, was den Start einer neuen Anlage spürbar beschleunigt.
Kion verkauft damit nicht mehr die Fördertechnik allein, sondern die Software, die den Materialfluss dirigiert. Nach derselben Logik lässt auch Siemens einen KI-Agenten die Automatisierung programmieren, und Mistral lotst Roboter mit einer einzigen Kamera.
Kion liefert im Lager inzwischen vor allem Intelligenz, nicht Stahl. Der digitale Zwilling nimmt Betreibern das größte Risiko jedes Automatisierungsprojekts ab, den teuren Fehlstart.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Kurswechsel für den DACH-Raum?
Für Logistikentscheider im DACH-Raum sinkt die Hürde zur Automatisierung, weil sich Projekte vorab simulieren lassen. Zugleich fallen autonome Lagerroboter unter den EU AI Act, der für sicherheitskritische Systeme menschliche Aufsicht und klare Betreiberhaftung verlangt.
Der akute Personalmangel in der Logistik macht Automatisierung im deutschsprachigen Raum zur Standortfrage. Der Umbau vom Maschinenbauer zum Softwareanbieter zieht sich durch die deutsche Industrie, von Deutz mit seinen Bodenrobotern bis zu den Beispielen im Überblick zur Robotik 2026.
Autonome Systeme, die direkt in ihre Umgebung eingreifen, gelten unter dem EU AI Act schnell als Hochrisiko, samt Pflicht zu menschlicher Aufsicht und Dokumentation. Entscheider sollten die virtuelle Simulation deshalb als Vergabekriterium setzen und die Haftungsfrage für autonome Roboter früh mit dem Anbieter klären.
Quellen
[1] KION GROUP AG: „KION with solid financial year 2025 – strong order intake“ ↩
[2] KION GROUP AG: „KION Teams with NVIDIA and Accenture to Optimize Supply Chains with AI-Powered Robots and Digital Twins“ ↩
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