GitHub-Alternativen wie Codeberg rücken 2026 ins Rampenlicht, seit prominente Open-Source-Projekte der Microsoft-Plattform den Rücken kehren. Hinter den Abgängen stecken zwei Treiber: die sinkende Zuverlässigkeit und ein erzwungener KI-Kurs. Für Entscheider im DACH-Raum stellt sich damit eine handfeste Frage nach der Kontrolle über den eigenen Code.

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Mitchell Hashimoto, Entwickler des Terminals Ghostty und seit 2008 GitHub-Nutzer der ersten Stunde, hat im April 2026 den Abschied verkündet[1]: Die Plattform sei „kein Ort mehr, an dem ich Spaß habe“ und halte ihn vom Arbeiten ab. Kurz zuvor hatte bereits die Programmiersprache Zig ihr Hauptrepository zu Codeberg verschoben. Beide Abgänge wirken wie Einzelfälle, ergeben zusammen aber ein Muster, das Betreiber inzwischen ernst nehmen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ghostty und die Programmiersprache Zig haben GitHub 2025 und 2026 verlassen, weitere Projekte prüfen den Schritt.
  • Auslöser sind häufige Ausfälle und der von GitHub-Chef Thomas Dohmke forcierte KI-Zwang.
  • Codeberg, ein gemeinnütziger Verein aus Berlin, gilt als souveräne Alternative auf Basis der freien Software Forgejo.
  • Belastbare Zahlen für eine Massenabwanderung fehlen bislang, der Netzwerkeffekt hält viele Projekte weiter bei GitHub.

Warum verlieren Entwickler das Vertrauen in GitHub?

Ein brauner Karton mit einem Aufkleber „Neue Adresse 2026“ und Bergsticker vor weißem Hintergrund
GitHub Actions verursachte in zwölf Monaten 48 größere Störungen. Ursachen: rapides Wachstum und eng verzahnte Architektur mit Fehlerübertragung auf kritische Dienste

Die Zuverlässigkeit hat spürbar gelitten. Monitoring-Dienste zählen für die zurückliegenden zwölf Monate rund 48 größere Störungen, am häufigsten bei der CI/CD-Automatisierung GitHub Actions. GitHubs Technikchef hat die Ursachen im eigenen Engineering-Blog benannt: rasant wachsende Last und eine eng verzahnte Architektur, in der ein lokaler Fehler auf kritische Dienste überspringt.

Dazu kommt der KI-Kurs. GitHub-Chef Thomas Dohmke hat Entwicklern öffentlich zugerufen, sie sollten sich auf KI einlassen oder den Beruf verlassen, und Copilot rückt immer tiefer in die Oberfläche. Projekte mit ausdrücklicher No-AI-Politik wie Zig lesen daraus ein Signal, dass ihre Haltung auf der Plattform keinen Platz mehr hat.

Der Frust reicht damit tiefer als ein einzelner Ausfall. Zwischenfälle wie ein KI-Agent, der private Repositories preisgibt, nagen zusätzlich am Vertrauen. Microsoft treibt parallel den eigenen KI-Kurs voran und schaltet sogar in Excel und Outlook auf eigene Modelle um.

Was macht Codeberg zur souveränen Alternative?

Codeberg ist ein gemeinnütziger, eingetragener Verein mit Sitz in Berlin und finanziert sich ohne Investoren.[3] Die Rechtsform als e. V. schützt vor einer Kehrtwende nach dem Vorbild kommerzieller Anbieter, weil kein Kapitalgeber die Plattform übernehmen und umbauen kann.

Technisch läuft der Dienst auf Forgejo, einer freien Abspaltung von Gitea, die Codeberg seit 2022 mitentwickelt. Das Programmpaket wiegt rund 110 Megabyte, passt auf bescheidene Hardware und bildet die Actions-Automatisierung von GitHub weitgehend nach. Die Sprache Zig hat ihr Repository im November 2025 genau dorthin verlegt.[2]

Für Unternehmen im DACH-Raum trifft das einen wunden Punkt: die Datenhoheit. Ein Unternehmen, das den eigenen Quellcode auf einer US-Plattform hält, unterliegt fremdem Recht und fremden Produktentscheidungen. Die Debatte um Souveränität und den Wechsel zu Forgejo läuft im Übrigen schon seit Monaten.

Nicht jeder Ausfall zwingt zum Umzug, doch die Kontrolle über den eigenen Quellcode gehört auf die Tagesordnung jeder IT-Leitung, nicht erst in die nächste Krise.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Weg von GitHub: die Alternative Codeberg im Überblick
Prominente Abgänge, ihre Auslöser und was Codeberg und Forgejo bieten.
600 Mio.+
Repositories auf GitHub
Die Marktmacht, gegen die jede Alternative antritt.
48
größere Ausfälle in zwölf Monaten
Am häufigsten bei der Automatisierung GitHub Actions.
110 MB
Forgejo als ein Programmpaket
Läuft schon auf bescheidener Hardware.
e. V.
Codeberg, gemeinnützig in Berlin
Kein Investor kann die Plattform übernehmen.
Die Abgänge im Zeitverlauf
seit jeher
Das GNU-Projekt lehnt GitHub grundsätzlich ab und rät von der Plattform ab.
November 2025
Die Programmiersprache Zig verlegt ihr Hauptrepository zu Codeberg.
April 2026
Ghostty-Entwickler Mitchell Hashimoto kündigt den Abschied von GitHub an.

Ist der Exodus von GitHub schon Realität?

Bei aller Aufmerksamkeit fehlt der Massenabwanderung die Datengrundlage. In der Diskussion auf Hacker News wird eingewandt, dass bislang nur eine Handvoll bekannter Projekte tatsächlich umgezogen ist, während GitHub weiter mehr als 600 Millionen Repositories hält. Prominente Abgänge sind ein Signal, noch kein Trend.

Auch die Alternativen haben Reibungspunkte. Der Netzwerkeffekt bindet Projekte an den Ort, wo alle anderen mitarbeiten, und die kostenlosen Actions-Minuten von GitHub sparen kleinen Teams bares Geld. Selbst gehostetes Forgejo verlagert zudem die Wartung ins eigene Haus.

Für die Praxis empfiehlt sich ein nüchterner Zwischenschritt statt eines Bruchs. Legen Sie zunächst einen Spiegel Ihres wichtigsten Repositories bei Codeberg oder einem selbst gehosteten Forgejo an und lassen Sie die CI-Pipelines dort probeweise laufen. So sehen Sie, welche Abhängigkeiten wirklich an GitHub hängen, und sichern sich Handlungsspielraum, ohne den vertrauten Arbeitsablauf über Nacht aufzugeben.

Quellen

[1] Mitchell Hashimoto: „Ghostty Is Leaving GitHub“

[2] Zig Software Foundation: „Migrating from GitHub to Codeberg“

[3] Codeberg e. V.: Codeberg.org

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