Die niederländische Regierung und ein einzelner Entwickler kommen unabhängig voneinander zum selben Schluss: Code gehört nicht auf eine Plattform, die einem fremden Konzern unter fremdem Recht gehört. Beide ziehen zu Forgejo um.
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Das niederländische Innenministerium hat Ende April 2026 mit code.overheid.nl eine selbst gehostete Forgejo-Instanz für staatlichen Quellcode gestartet. Die Begründung ist juristisch: Das Ministerium muss seinen Quellcode an einem Ort veröffentlichen, den es selbst besitzt. Forgejo fiel die Wahl gegen GitLab, weil es vollständig quelloffen ist und keine kommerzielle Premium-Schranke kennt. Der Trägerverein Codeberg e.V. sitzt in Berlin.
Warum verlassen Anwender GitHub?

Die Gründe haben wenig mit den vielbeachteten Ausfällen zu tun und viel mit Eigentum und Recht. Seit August 2025 hat GitHub keinen eigenen CEO mehr und ist Teil von Microsofts CoreAI-Division, also genau jener Gruppe, die den Copilot-Stack baut.
Im April 2026 stellte GitHub die Nutzung von Interaktionsdaten aus den Copilot-Tarifen Free, Pro und Pro+ standardmäßig auf Opt-out für das KI-Training um, ohne Opt-out auf Repository-Ebene. Darunter liegt eine Schicht, die sich durch keine Datenschutzerklärung ändern lässt: GitHub und Microsoft sind US-Unternehmen und damit dem FISA-702-Abschnitt und dem CLOUD Act unterworfen. Eine EU-Datenresidenz löst die Frage des Standorts, nicht die der Jurisdiktion.
Warum Forgejo und nicht GitLab?

Zwei Punkte gaben den Ausschlag, in den Niederlanden wie beim Entwickler Jorijn Schrijvershof, der seinen Code zeitgleich umzog. Erstens die Lizenz: GitLab folgt dem Open-Core-Modell, viele Produktivfunktionen stecken in kostenpflichtigen Enterprise-Stufen.
Forgejo wechselte 2024 mit Version 9.0 von MIT zu GPLv3 plus, um sich gegen spätere kommerzielle Vereinnahmung abzusichern. Zweitens die Trägerschaft: Forgejo lebt unter dem in Berlin eingetragenen Verein Codeberg e.V. mit gewähltem Vorstand, öffentlichem Budget und über 300.000 gehosteten Repositories. Version 15.0 erschien im April 2026 als Long-Term-Support-Release mit Unterstützung bis Juli 2027.
Was heißt das für DACH-Entscheider?

Der Fall markiert eine Verschiebung weg von der Nische. Eine nationale Regierung mit ernstzunehmenden Juristen trifft dieselbe Entscheidung wie ein einzelner Berater, und beide nennen Digitalsouveränität als Treiber.
Für deutsche, österreichische und Schweizer Unternehmen rückt damit eine konkrete Frage auf den Tisch: Wo liegt der eigene Quellcode, und welcher Rechtsordnung ist er unterworfen? Die Antwort betrifft nicht nur Open-Source-Projekte, sondern jeden Betrieb mit eigener Softwareentwicklung. Der Umzug ist allerdings kein Wochenendprojekt. Forgejo-Actions zielt auf Vertrautheit, nicht auf vollständige Kompatibilität mit GitHub, und der härteste Teil ist die abgesicherte Ausführung der CI-Jobs.
Wenn eine ganze Regierung und ein einzelner Entwickler in derselben Woche zum gleichen Ergebnis kommen, ist Digitalsouveränität keine Ideologie mehr, sondern eine Beschaffungsfrage. Jeder Betrieb mit eigener Entwicklung sollte wissen, welchem Recht sein Code untersteht.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wer über einen Wechsel nachdenkt, sollte mit einer Bestandsaufnahme beginnen: Welche GitHub-spezifischen Funktionen sind im Einsatz, und wie sähe ein abgesicherter eigener CI-Runner aus? Eine gehostete Forgejo-Variante schließt einen Teil der Lücke, ohne dass der gesamte Betrieb selbst gestemmt werden muss.
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