Warum verlassen sie GitHub für Forgejo? Wegen der Souveränität

Michael Dobler
Autor Dr. Web
3 Min. Lesezeit
Warum verlassen sie GitHub für Forgejo? Wegen der Souveränität

Die niederländische Regierung und ein einzelner Entwickler kommen unabhängig voneinander zum selben Schluss: Code gehört nicht auf eine Plattform, die einem fremden Konzern unter fremdem Recht gehört. Beide ziehen zu Forgejo um.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Das Wichtigste in Kürze

Karton mit beschrifteten Ordnern, daneben geöffnete Holzschublade mit Schlüssel und Etikett
Niederlands Innenministerium startet code.overheid.nl: Selbst gehostete Forgejo-Instanz für staatlichen Quellcode statt GitLab

Das niederländische Innenministerium hat Ende April 2026 mit code.overheid.nl eine selbst gehostete Forgejo-Instanz für staatlichen Quellcode gestartet. Die Begründung ist juristisch: Das Ministerium muss seinen Quellcode an einem Ort veröffentlichen, den es selbst besitzt. Forgejo fiel die Wahl gegen GitLab, weil es vollständig quelloffen ist und keine kommerzielle Premium-Schranke kennt. Der Trägerverein Codeberg e.V. sitzt in Berlin.

Warum verlassen Anwender GitHub?

Umzugskarton mit Aufkleber
GitHub unter Microsoft nutzt Nutzerdaten von Copilot-Tarifen seit April 2026 standardmäßig zum KI-Training, Opt-out erforderlich

Die Gründe haben wenig mit den vielbeachteten Ausfällen zu tun und viel mit Eigentum und Recht. Seit August 2025 hat GitHub keinen eigenen CEO mehr und ist Teil von Microsofts CoreAI-Division, also genau jener Gruppe, die den Copilot-Stack baut.

Im April 2026 stellte GitHub die Nutzung von Interaktionsdaten aus den Copilot-Tarifen Free, Pro und Pro+ standardmäßig auf Opt-out für das KI-Training um, ohne Opt-out auf Repository-Ebene. Darunter liegt eine Schicht, die sich durch keine Datenschutzerklärung ändern lässt: GitHub und Microsoft sind US-Unternehmen und damit dem FISA-702-Abschnitt und dem CLOUD Act unterworfen. Eine EU-Datenresidenz löst die Frage des Standorts, nicht die der Jurisdiktion.

Warum Forgejo und nicht GitLab?

Ein weißer Schlüssel mit orangefarbenem „FORGEJO“-Schriftzug und einer kleinen Taube auf weißem Grund
Entwickler migrieren zu Forgejo wegen offener GPLv3-Lizenz und Open-Source-Fokus statt GitLabs kostenpflichtigem Enterprise-Modell

Zwei Punkte gaben den Ausschlag, in den Niederlanden wie beim Entwickler Jorijn Schrijvershof, der seinen Code zeitgleich umzog. Erstens die Lizenz: GitLab folgt dem Open-Core-Modell, viele Produktivfunktionen stecken in kostenpflichtigen Enterprise-Stufen.

Forgejo wechselte 2024 mit Version 9.0 von MIT zu GPLv3 plus, um sich gegen spätere kommerzielle Vereinnahmung abzusichern. Zweitens die Trägerschaft: Forgejo lebt unter dem in Berlin eingetragenen Verein Codeberg e.V. mit gewähltem Vorstand, öffentlichem Budget und über 300.000 gehosteten Repositories. Version 15.0 erschien im April 2026 als Long-Term-Support-Release mit Unterstützung bis Juli 2027.

Was heißt das für DACH-Entscheider?

Grüne Burg „SOUVERÄNITÄT“, GitHub-Logo-Ballon, Schild „Eigentum von Microsoft“
Regierungen und Berater treiben Digitalsouveränität voran: Deutsche, österreichische und Schweizer Unternehmen müssen klären, wo ihr Quellcode liegt und welchem Rechtssystem er unterliegt

Der Fall markiert eine Verschiebung weg von der Nische. Eine nationale Regierung mit ernstzunehmenden Juristen trifft dieselbe Entscheidung wie ein einzelner Berater, und beide nennen Digitalsouveränität als Treiber.

Für deutsche, österreichische und Schweizer Unternehmen rückt damit eine konkrete Frage auf den Tisch: Wo liegt der eigene Quellcode, und welcher Rechtsordnung ist er unterworfen? Die Antwort betrifft nicht nur Open-Source-Projekte, sondern jeden Betrieb mit eigener Softwareentwicklung. Der Umzug ist allerdings kein Wochenendprojekt. Forgejo-Actions zielt auf Vertrautheit, nicht auf vollständige Kompatibilität mit GitHub, und der härteste Teil ist die abgesicherte Ausführung der CI-Jobs.

Wenn eine ganze Regierung und ein einzelner Entwickler in derselben Woche zum gleichen Ergebnis kommen, ist Digitalsouveränität keine Ideologie mehr, sondern eine Beschaffungsfrage. Jeder Betrieb mit eigener Entwicklung sollte wissen, welchem Recht sein Code untersteht.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Wer über einen Wechsel nachdenkt, sollte mit einer Bestandsaufnahme beginnen: Welche GitHub-spezifischen Funktionen sind im Einsatz, und wie sähe ein abgesicherter eigener CI-Runner aus? Eine gehostete Forgejo-Variante schließt einen Teil der Lücke, ohne dass der gesamte Betrieb selbst gestemmt werden muss.

Mehr Newshunger?

Ein grauer LEGO-Leuchtturm mit leuchtender Laterne und blauer Figur davor auf weißem Grund
WordPress-Versionskontrolle mit Git, KI-Integration, CMS-Modelle und Hosting-Vergleich 2026 im Überblick
4,3 156 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Michael Dobler
Autor
Ich bin der Herausgeber von Dr. Web. Um praxisfit zu bleiben, unterstütze ich darüber hinaus Kunden bei der digitalen Kundengewinnung und Kundenbindung. Erste eigene Gehversuche im Internet unternahm ich 1999 mit einem Kinomagazin. Nach 15 Jahren in Lohn und Brot, u.a. als Projektmanager für digitale Medien, machte ich mich schließlich Ende 2005 selbständig. Das war die beste berufliche Entscheidung meines Lebens.
846 Artikel veröffentlicht
Alle Artikel

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Newsletter

Mehr solcher Artikel?
Jetzt kostenlos abonnieren.

Jeden Dienstag die besten Artikel aus dem Dr. Web-Magazin direkt in Ihr Postfach – kein Spam, jederzeit abmeldbar.

Einmal pro Woche, kein täglicher Spam
Jederzeit mit einem Klick abmeldbar
DSGVO-konform via Brevo