Rossmann holt sich als einer der ersten Händler Europas einen menschenähnlichen Roboter ins Lager. Der Walker S2 des Herstellers UBTech soll ein ganzes Jahr lang beweisen, was Humanoide in der Logistik wirklich leisten. Für Entscheider zählt dabei weniger der Roboter selbst als die Frage, warum die Technik ausgerechnet jetzt praxistauglich wird.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEin humanoider Roboter steht seit dem 17. März 2026 im Rossmann-Verteilzentrum Burgwedel und wechselt seinen Akku selbstständig, statt lange zu pausieren.[1] Die Drogeriekette testet den Walker S2 im echten Lagerbetrieb, nicht auf einer Messebühne. Damit rückt eine Technik in den Mittelstand, die bisher vor allem in Hochglanzvideos existierte.
Das Wichtigste in Kürze
- Rossmann erprobt seit März 2026 den Humanoiden Walker S2 von UBTech im Verteilzentrum Burgwedel, geliefert vom Löhner Partner Terra Robotics.
- Der Roboter tauscht seinen Akku ohne menschliche Hilfe und arbeitet dadurch nahezu rund um die Uhr.
- Konzerne wie BMW und Schaeffler testen Humanoide bereits, bislang vor allem in der Fahrzeugfertigung.
- Ab dem 20. Januar 2027 verschärft die EU-Maschinenverordnung die Regeln für lernende Roboter neben Menschen.
Warum kommt der Roboter ausgerechnet jetzt?

Das Nadelöhr war nie die menschenähnliche Bauform, sondern die Wirtschaftlichkeit. UBTech produziert nach eigenen Angaben als erster Hersteller Industrie-Humanoide in Serie und hat seit November 2025 hunderte Einheiten ausgeliefert. Serienfertigung drückt den Preis: Marktbeobachter beziffern eine Einheit auf rund 78.000 Euro, im Mietmodell auf etwa 4.350 Euro im Monat.
Den Unterschied macht die Ausdauer. Der Walker S2 tauscht seinen leeren Akku in unter drei Minuten selbst gegen einen geladenen und läuft so nahezu im Dauerbetrieb. Aus einem Vorführmodell wird damit eine Schichtkraft. Diese Verschiebung vom Show-Objekt zur Arbeitsmaschine ist der eigentliche Kern der Meldung, wie unser Ratgeber Robotik 2026: Wer braucht wirklich einen Roboter? einordnet.
Was der Walker S2 im Lager übernehmen soll
Im Praxistest soll der 1,76 Meter große Roboter mit seinen 52 Freiheitsgraden vor allem wiederkehrende und ergonomisch ungünstige Handgriffe übernehmen und so die Belegschaft entlasten. Bis zu 15 Kilogramm trägt er dabei pro Bewegung.
Rossmann verkauft den Schritt bewusst nüchtern und arbeitet einen mehrstufigen Fahrplan über das Jahr 2026 ab. „Jetzt geht es ans Testen: Wie lässt sich der Walker S2 sinnvoll in unsere Prozesse einbinden, welche IT-Infrastruktur ist dafür notwendig“, sagt Hendrik van Duuren aus der Logistik-Leitung von Rossmann. Der Roboter bekommt keinen Freifahrtschein, sondern eine Bewährungsprobe.
Ein humanoider Roboter im Verteilzentrum Burgwedel, im Dauereinsatz statt auf der Messebühne.
Rossmann steht mit dem Test nicht allein
Der Einzelfall ist keiner. BMW testet im Werk Leipzig den Roboter AEON von Hexagon in der Produktion, der volle Pilotbetrieb soll im Sommer 2026 starten. Schaeffler hat sich den chinesischen Hersteller Leju an die Seite geholt und will bis 2035 eine vierstellige Zahl Humanoider in die eigene Fertigung integrieren, während der Roboter Digit von Agility bereits bei Amazon, Toyota und dem Logistiker GXO arbeitet.
Auffällig ist die Rolle, die Rossmann einnimmt. Nicht die Autoindustrie, sondern eine Drogeriekette bringt den Humanoiden in die Handelslogistik. Wie sehr die Maschine dabei eigentlich Körper der künstlichen Intelligenz wird, zeigt unsere Einordnung zu Physical AI und der Blick auf Südkoreas Milliardenwette auf Humanoide. Die Grundbegriffe dazu sammelt das große Robotik-Glossar.
Der Durchbruch der Humanoiden entscheidet sich nicht an der Zahl der Gelenke, sondern an der Frage, ob eine Maschine eine ganze Schicht durchhält und sich rechnet. Genau das prüft Rossmann jetzt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was die EU-Maschinenverordnung 2027 ändert
Der Zeitdruck steckt im Kalender. Ab dem 20. Januar 2027 gilt die EU-Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 ohne Übergangsfrist. Roboter mit selbstlernenden Sicherheitsfunktionen zählen darin zu den Hochrisiko-Maschinen und müssen vor dem Verkauf von einer Benannten Stelle geprüft und zertifiziert werden.
Für Betreiber heißt das: Hersteller müssen die Lernphase der KI schon in der Risikobeurteilung berücksichtigen, und die sichere Mensch-Roboter-Interaktion wird zur Pflicht. Unternehmen mit Humanoiden-Plänen für 2026 klären deshalb die Konformitätsbewertung und die Mitbestimmung des Betriebsrats besser früh, bevor die Maschine anrollt. Auch die Notfallmechanismen am Arbeitsplatz gehören vor den Start, nicht danach.
Quelle
[1] ROSSMANN: „ROSSMANN testet humanoiden Roboter in der Logistik“ ↩
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