Der Nettogewinn von Hua Hong ist im ersten Halbjahr 2026 auf rund 52 Millionen Euro gesprungen, mehr als das Vierfache des Vorjahreswerts. Der Umsatz legte dabei nur um ein Viertel zu. Diese Schere erklärt, warum Chinas zweitgrößte Foundry ausgerechnet Infineon und STMicroelectronics unter Druck setzt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenHua Hong meldet für das zweite Quartal 2026 einen Rekordumsatz von 717 Millionen US-Dollar, rund 625 Millionen Euro. Hinter der nüchternen Bilanz steckt eine strategische Verschiebung, die europäische Chiphersteller direkt trifft.
Das Wichtigste in Kürze
- Nettogewinn im ersten Halbjahr rund 52 Millionen Euro, ein Plus von 404 Prozent bei nur 24,5 Prozent mehr Umsatz.
- Der Sprung kommt aus der Auslastung reifer Fertigungslinien, nicht aus modernster Technik.
- Genau diese Reife-Chips liefern auch Infineon, STMicroelectronics und Bosch für Autos und Industrie.
- EU und USA prüfen bereits, wie abhängig ihre Lieferketten von chinesischen Standardchips sind.
Woher kommt der Gewinnsprung?

Im zweiten Quartal verdiente Hua Hong netto 38,6 Millionen US-Dollar, rund 34 Millionen Euro, nach knapp 8 Millionen Dollar ein Jahr zuvor.[1] Die Bruttomarge kletterte auf 16,5 Prozent, der Quartalsumsatz auf einen Rekordwert von 717 Millionen Dollar. Über das Halbjahr steht ein Umsatz von 1,38 Milliarden Dollar, etwa 1,2 Milliarden Euro, dazu ein Nettogewinn von 59,5 Millionen Dollar, rund 52 Millionen Euro.
Warum vervierfacht sich der Gewinn bei nur 24 Prozent mehr Umsatz?
Eine Chipfabrik trägt fast nur Fixkosten: Gebäude, Reinräume und Anlagen kosten gleich viel, ob sie zu 70 oder zu 100 Prozent laufen. Sobald die Auslastung wieder an die Kapazitätsgrenze stößt und die Preise für 300-Millimeter-Wafer anziehen, schlägt jeder zusätzliche Umsatz fast ungebremst auf den Gewinn durch. Genau dieser Hebeleffekt, im Finanzjargon Operating Leverage, verwandelt ein Umsatzplus von 24,5 Prozent in eine vervierfachte Gewinnzahl.
Hua Hong fertigt keine modernsten Prozessoren, sondern Reife-Nodes ab 28 Nanometer aufwärts: Stromversorgungs-Chips, eingebetteten Flash-Speicher sowie Analog- und Leistungshalbleiter. Die Marge bleibt mit 16,5 Prozent dünn, der Gewinnsprung ist eine Erholung aus dem Abschwung von 2024, kein technologischer Durchbruch. Den Ausbau dieser Kapazität finanzieren Chip-Ausrüster wie Naura längst aus eigener Kraft, während US-Exportkontrollen Anlagenbauern wie AMEC zusätzlich in die Hände spielen.
Chinas Foundries gewinnen dort, wo Europa sein Geld verdient, bei den unspektakulären Chips für Autos und Maschinen. Eine vervierfachte Gewinnzahl aus Shanghai ist deshalb kein Fernost-Thema, sondern eine Ansage an Infineon und Bosch.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Europas Chipindustrie?
Reife-Nodes ab 28 Nanometer sind das Kerngeschäft der europäischen Halbleiterkonzerne: Infineon, STMicroelectronics, NXP und Bosch bauen daraus Leistungs- und Steuerchips für Autos und Fabriken. Chinas Hersteller ziehen dort gerade mehr als 30 neue Fabriken hoch. Die drohende Überkapazität drückt damit weltweit auf die Preise, weshalb Infineon gezielt zukauft, um das Geschäft mit der Stromversorgung von KI-Rechenzentren zu verteidigen.
EU und USA prüfen inzwischen, wie stark ihre Lieferketten von chinesischen Standardchips abhängen.[2] Washington hat Zölle von rund 50 Prozent auf chinesische Reife-Chips verhängt. Der EU Chips Act zielt bis 2030 auf 20 Prozent Weltmarktanteil, den der Europäische Rechnungshof Ende 2025 realistisch bei 11,7 Prozent sah. Auch Chinas Speicherhersteller wie YMTC drängen mit demselben Rückenwind an die Börse.
Für deutsche Entscheider lohnt jetzt ein Blick in die eigene Lieferkette: Wie viele Standardchips stammen schon heute aus China, wie entwickeln sich Preis und Verfügbarkeit von Leistungshalbleitern, sobald die neue Kapazität hochfährt? Die anstehenden Handelsschutz-Entscheidungen aus Brüssel gehören auf die Beobachtungsliste, denn der Speicher-Superzyklus bei GigaDevice zeigt, wie schnell sich das Blatt in diesem Markt wendet.
FAQ: Hua Hong und der Reife-Chip-Markt
Was ist eine Foundry in der Halbleiterindustrie?
Eine Foundry ist eine reine Chip-Auftragsfertigung. Sie stellt Halbleiter nach den Entwürfen anderer Firmen her, entwickelt selbst aber keine eigenen Produkte. Hua Hong, SMIC und der Weltmarktführer TSMC arbeiten nach diesem Modell, anders als integrierte Hersteller wie Intel oder Infineon, die Entwurf und Fertigung im eigenen Haus bündeln.
Was sind Reife-Chips oder Mature Nodes?
Reife-Chips entstehen in Strukturbreiten ab 28 Nanometer aufwärts, also nicht auf modernster Technik. Sie stecken in Autos, Haushaltsgeräten, Industrieanlagen und Stromversorgungen. Der Weltmarkt braucht sie in riesigen Stückzahlen, weshalb Überkapazitäten die Preise besonders stark bewegen.
Warum ist Hua Hongs Wachstum für Europa relevant?
Reife-Chips sind das Kerngeschäft europäischer Hersteller wie Infineon, STMicroelectronics und Bosch. Baut China hier massiv Kapazität auf, drohen Überkapazität und Preisdruck genau in dem Segment, in dem Europas Chipindustrie ihr Geld verdient und viele Arbeitsplätze hängen.
Steht Hua Hong auf einer US-Sanktionsliste?
Hua Hong ist als Foundry bislang weniger hart getroffen als der Rivale SMIC, steht aber unter Beobachtung der US-Behörden. Reine Speicherhersteller wie YMTC und CXMT stehen dagegen schon auf US-Kontrolllisten. Die Lage kann sich mit jeder neuen Anordnung aus Washington ändern.
Quellen
[1] Hua Hong Semiconductor: „Second Quarter 2026 Financial Results“
[2] Europäisches Parlament: „Industrial overcapacities, with a focus on China“ (2026)
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